Heiligs Blechle

Neulich war in Tübingen verkaufsoffener Sonntag. Aus diesem Anlass präsentierte der örtliche Handels- und Gewerbeverein in Kooperation mit dem ADAC und dem Museum Boxenstop eine Oldtimer-Schau. Den Einstieg bildeten in der Karlstraße Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. Vom historischen Spritzenwagen bis zum VW Käfer war fast alles geboten.

Im Automobilbau wurde schon früh das Gesicht eines Fahrzeugs als repräsentatives Markenzeichen erkannt und gestaltet. Oben: Fiat, Mercedes Benz, Austin und Chevrolet Corvette. Unten: Zwei Varianten von Jaguar.

Wie so oft, bildeten die Treppenstufen der Stiftskirche eine tolle Tribüne, um das Treiben auf dem Holzmarkt zu beobachten.

Auch von Porsche gab es etliche Modelle zu bestaunen. Nachfolgend einige Details von zwei Varianten des 911er.

Auf dem Marktplatz stieß ich auf einen Buick Century. Weiche Linien, viel Chrom, eine zweifarbige Lackierung und verspielte Details zeichneten diesen amerikanischen Schlitten aus. Dagegen mutete der Chrysler Royal Eight schon fast europäisch an.

Nachtrag für Nichtschwaben: Der Begriff aus der Überschrift „Heiligs Blechle“ wird im Schwäbischen in zweierlei Weise benutzt. Er steht einmal für das Auto. Mei „heiligs Blechle“. Zum anderen handelt es sich um einen Ausruf des Staunens oder der Überraschung. „Heiligs Blechle!“ Im Sinne von: „Ach du lieber Gott!“. In diesem doppelten Wortsinn ist die Überschrift zu diesem Blog auch zu verstehen. Oldtimer sind die heiligen Blechle ihrer Besitzer und lösen beim Betrachter immer wieder bewunderndes Staunen aus.


9 Gedanken zu “Heiligs Blechle”

  1. Lieber Horst,

    was für tolle Fotos von Oldtimern!
    Ja, es lohnt sich doch immer wieder, einen Besuch in Tübingen zu machen, wo man stets viel bestaunen und erleben kann.
    Noch ein Wort zu diesem schönen Ausdruck „Heiligs Blechle“. Wie ich bei Hermann Wax in seiner „Etymologie des Schwäbischen“ lesen konnte, war das „Heilige Blechle“ im Mittelalter eine gesegnete Blechmarke, die armen und bedürftigen Menschen quasi als Ausweis diente, um eine kostenlose Verköstigung in kircheneigenen oder unter kirchlicher Oberhoheit stehenden Einrichtungen zu erhalten.

    Viele Grüße
    Albrecht

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  2. Lieber Horst,
    ich frage mich, warum wir so von den Oldtimern schwärmen? Stellt man unsere heutigen Autos daneben, so kann man den Eindruck bekommen, die Designer sind inzwischen eingespart worden. Das gleiche Bild übrigens bei unseren Häusern, verglichen mit den reich ausgestalteten Fassaden früher. Heute würde kaum einer auf die Idee kommen, Details unserer modernen Fahrzeuge zu fotografieren, weil da nichts Spannendes mehr zu finden ist. Wie du in deinen Bildern zeigst, gibt es eine Fülle von interessanten Details bei den Oldtimern zu entdecken. Vielen Dank.
    Liebe Grüße Jürgen

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    1. Lieber Jürgen,
      herzlichen Dank für deinen poientierten Beitrag. Ganz so pesimistisch sehe ich es aber nicht. Was die Jahrzehnte überdauert sind doch meist die besonderen und oft auch teuren Exemplare. Die billige Massenware mit schlechtem Design findet auf Dauer keine Liebhaber. Und gutes Design gibt es auch heute und hat auch heute seinen Preis. Aber ich gebe dir Recht, zu oft wird heute aus Knausrigkeit an der falschen Stelle gespart. Das Ergebnis sind dann oft geschmacklose Bauwerke oder andere Produkte.
      Liebe Grüße, Horst

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