Lofoten_8, Tromsö

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Von der Aussichtsplattform der Fjellheisen-Bahn erfasst man die großartige Lage Tromsös auf einen Blick. Die Stadt, die 75 000 Einwohner zählt, erstreckt sich über die Insel Tromsöa, weitere Inseln und das Festland. Verkehrstechnisch ist dies eine Herausforderung, die man mit zahlreichen Tunnel und Brücken zu bewältigen versucht. Die 1960 fertiggestellte Tromsöbrücke entwickelte sich zum Wahrzeichen der Stadt, denn sie verkörpert den Ruf Tromsös, das Tor zur Arktis zu sein, auf monumentale Weise.

Die Eismeerkathedrale, erbaut 1965, ist das zweite Wahrzeichen Tromsös. Sie wurde in Verlängerung der Tromsöbrücke an prominenter Stelle errichtet. Die Kirche zeichnet sich durch ihre klare Architektur und strenge Linienführung aus. Der Innenraum wird von der konstruktionsbedingten Lichtführung und dem größten Glasmosaikfenster Europas geprägt. Der Kirchenbau gilt als nördlichste Kathedrale der Welt.

Wie überall besinnt man sich auch in Tromsö seiner alten Bausubstanz, die in Kombination mit dem Hafen den besonderen Reiz der Innenstadt ausmacht.

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Den Ruf „Tor zur Arktis“ zu sein erwarb sich Tromsö seit dem letzten Viertel des 19. bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts hinein. Damals liefen von Tromsö viele Expeditionen in die Arktis und speziell zum Nordpol aus. Amundsen und Nansen sind lediglich die namhaftesten Vertreter der zahlreichen Polarforscher jener Zeit. Im Polarmuseum setzt man sich unter anderem mit der Geschichte der großen Arktisexpeditionen auseinander. Tromsö ist jedoch auch heute noch eng mit der Polarregion verbunden. Zahlreiche Institutionen und Forschungseinrichtungen, die sich mit der Arktis befassen, sind in Tromsö ansässig. Genannt sei hier lediglich der Arktische Rat, eine Art UNO der Polarregion. Als Deutscher sollte man wissen, dass Tromsö während der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg kurzzeitig die Hauptstadt Norwegens war.

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Wer Tromsö besucht, sollte es sich nicht nehmen lassen mit der Seilbahn auf den Storstein, den Hausberg Tromsös, zu fahren. Die Aussicht auf die Stadt ist insbesondere am Abend legendär. Das Nordlicht ist dann nur noch das Sahnehäubchen.

Als ich wieder unten in der Stadt ankam, musste ich hastig mein Stativ noch einmal aufbauen. Eine helle Polarlichtfahne konnte sich sogar gegen die urbane Beleuchtung durchsetzen. Welch ein Abschied!

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Lofoten_7, bei den Eisanglern

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Als ich auf der Eisfläche des zugefrorenen Nordfjorden Eisangler entdeckte war mir sofort klar, dass es diesmal klappen würde. Wenn man mit dem Snowmobil auf die Eisfläche kommt, sollte mir dies zu Fuß auch gelingen.

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Die Angler hatten weit draußen auf der Eisfläche, unweit vom offenen Wasser, Position bezogen.IMG_9437

Zuerst musste das Loch gebohrt werden. Danach konnte es losgehen.

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Der nachfolgende Angler, ich nenne ihn Erik, erlaubte mir ohne Umschweife zu fotografieren. Nachdem ich die Testfrage zur nordischen Ski-WM bestanden und die Leistungen der norwegischen Langläufer gelobt hatte, war das Eis geschmolzen.

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Erik erzählte mir auch, dass der Fjord seit 5 Jahren endlich wieder einmal zugefroren sei und er die Zeit nutzen würde, um seinen Fischvorrat zu ergänzen.

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In relativ kurzer Zeit fing Erik mehrere Dorsche und andere Fische mit ca. 4kg Gewicht. Mit einem gekonnten Schnitt durchtrennte er die Hauptschlagader der Fische, so dass diese ausbluten konnten. Später wurden die Köpfe abgetrennt und die Fische ausgenommen. Die Reste blieben für die Seeadler auf dem Eis zurück. Wenn ich Zeit hätte, meinte Erik, sollte ich warten bis er weg sei, dann könnte ich bestimmt schöne Aufnahmen von den Adlern machen. So viel Zeit hatte ich jedoch leider nicht.

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Ich war bereits im Gehen, als mich Erik zurückrief. Er spürte am Zug auf der Angel, dass er wieder ein größeres Exemplar am Haken hatte. Voller Stolz präsentierte er seinen Fang. Nun war es aber wirklich Zeit für den Abschied, denn ich wollte ja noch bis Tromsö kommen.

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Lofoten_5 – das Polarlicht

Bei diesem Beitrag gibt es nur Bilder, Worte sind hier überflüssig.

 

 

 

Jetzt kommt doch noch ein Hinweis: Bei der nächsten Aufnahme handelt es sich um ein Panorama, das sich aus fünf hochformatigen Einzelbildern zusammensetzt.

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Das nachfolgende Bild zeigt den Ort, an welchem die Polarlichtaufnahmen entstanden sind. Am anderen Morgen war das schöne Wetter schon wieder vorbei.

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Donnerstag, 28. Februar 2019

Kaum zu glauben, heute ist schönes Wetter. Das bedeutet keinesfalls, dass es Sonne pur gibt, aber die Schneeschauer sind nur kurz und die sonnigen Abschnitte dafür viel länger. Mein erster Fotostopp am Morgen lag am Selfjorden westlich von Ramberg. Auf der Weiterfahrt in Richtung Osten musste ich bei der alten Fischfabrik unbedingt auf den Auslöser drücken.

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Am Flakstadpollen zückte ich an mehreren Stellen die Kamera. Dabei ist „zücken“ der falsche Begriff. Fast immer bedeutet dies, dass das ganze Gerötel dabei ist, insbesondere Stativ und Filter.

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Beide Aufnahmen zeigen den Blick über den Flakstadpollen auf den Hustinden (691 m), während die nachfolgende Teleaufnahme die Häusergruppe, die schon im oberen Bild zu sehen ist, näher unter die Lupe nimmt.

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Eine Ecke weiter gab es interessant Eisformationen. Da es sich bei diesen Gewässern ja um Meeresarme handelt, sind sie Ebbe und Flut ausgesetzt. Gefriert das Wasser während der Flut, platzt die Eisdecke bei ablaufendem Wasser über den angespülten Tanghäufen auf. Vor der Dunklen Wand eines aufziehenden Schneegestöbers ergibt sich so eine ganz eigentümliche Stimmung.

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Auf der Ostseite des Flakstadpollen setzt sich das variantenreiche Spiel mit Eis und offenem Wasser fort. Auch im Gegenlicht ein stimmungsvolles Motiv.

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Nun ging es auf tief verschneiter Straße hinaus zur abgelegenen Häuseransammlung Myrland. Über den Nappstraumen blickt man hinüber zum Strand von Haukland.

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Irgendwann hat man Myrland dann erreicht. Wer also etwas abgelegenes sucht, Myrland wäre da ein echter Geheimtipp!

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Bei der Weiterfahrt in Richtung Unstad passierte ich dieses Gehöft vor eindrucksvoller Kulisse.

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Grandios ist auch der Blick in den Märvollspollen, wo die Abendsonne für die richtige Stimmung sorgt.

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Direkt unter mir liegen die Häuser von Saupstad, die das Ende dieses Meeresarmes markieren.

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Von Unstad ging es dann zurück zum Strand von Haukland. Dort in der Nähe hatte ich mir einen Platz ausgesucht, der eine gute Kulisse für Polarlichtaufnahmen bieten sollte, denn für heute Nacht waren die Prognosen gut. Doch zuvor noch ein letzter Stopp am Vagspollen mit dem Blick hinüber in Richtung Myrland. Die Aufnahme darunter zeigt im Spiegelbild die hinter Leknes gelegene Bergkette.

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Am Montag, 24. Februar 19, fuhr ich weiter in Richtung A, dem letzten Dorf am Ende der E10, ganz im Südwesten der Lofoten.

Seitdem ich tags zuvor hier in Ramberg angekommen war, hatte der Regen nicht mehr aufgehört. Der Sturm ist derart angeschwollen, dass am Sonntag weder Auto fahren noch Fotografieren Sinn machte.

Inzwischen habe ich gelernt, immer dann zu fotografieren, wenn es gerade mal nicht regnet. Nur so ist es möglich, die wenigen regenfreien Stunden zu nutzen. Deshalb fing ich heute gleich in Ramberg an. Ein unspektakulärer Ort und dennoch findet sich ein lohnender Schiffsfriedhof und wohlriechende Trockengestelle für Stockfisch oder genauer gesagt für deren Köpfe.

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Ich mach´s kurz, das Sauwetter setzte sich fort. In A legte ich mich früh in die Koje und erwachte gegen 22 Uhr an der Stille – kein Geprassel auf dem Autodach. Als ich durchs Fenster schielte, traute ich meinen Augen nicht, Sterne! In kürzester Zeit war ich fahrbereit. Zwischen den Straßentunneln vor Reine kannte ich einen relativ dunklen Parkplatz. Da wollte ich mein Glück versuchen.

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Und ich hatte Glück – mein erstes Nordlicht! Gerade einmal eine halbe Stunde, dann waren die Wolken wieder dicht.

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Am Dienstag war ich vor Sonnenaufgang wieder unterwegs. Erster Stopp: Reinehalsen. Als ich ankam war ich noch alleine. Doch es dauerte nicht lange bis eine Fotografen-gruppe nach der anderen eintraf. Es galt die regenfreie Zeit zu nutzen! Ein nächster Stopp in Reine, hier mit dem berühmten Olstinden (675 m), schloss sich an.

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Die nachfolgende Aufnahme zeigt den Blick von Hamnoy zurück auf die gelbe Rorbuer-Anlage von Sakrisoy.

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Gleich im Anschluss gelangt man zum netten Hafen von Hamnoy.

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Bei neuerlich einsetzendem Regen ging es zurück in Richtung Ramberg. Kurz davor bog ich jedoch über zwei herrliche Brücken nach Fredvang ab.IMG_8723

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Die Häuser der Ortschaft sind weit verstreut auf kleine Erhebungen oder am Hang  gebaut, denn sie liegen nur wenige Meter über dem Meeresspiegel. Durch das moorige Schwemmland mäandriert hier die Sandelva dem Sandbotnen entgegen. Bei Flut wird das Flüsschen aufgestaut und setzt große Flächen unter Wasser.

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Hier in der Abgeschiedenheit am Sandbotnen hoffte ich, das Nordlicht nochmals vor die Linse zu bekommen und am Mittwoch wollte ich dann zur Bucht Kvalvika wandern. Doch es kam alles wieder ganz anders.

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Gut geplant ist eben nur halb gewonnen. Eigentlich sollte meine Maschine am 21. Februar, morgens um 6:05 Uhr nach München abheben. Von dort aus sollte es dann nach Tromsö weitergehen, Ankunft dort 11:30 Uhr. Genügend Zeit um meinen Camper zu übernehmen und einzukaufen. Doch es kam alles ganz anders.

Um 6:45 Uhr annullierte die Lufthansa den Flug nach München und schickte uns Passagiere erneut zum Einchecken. Dort nahmen wir unsere Umbuchungen entgegen. Für mich ging es über Hamburg und Oslo nach Tromsö. Neue Ankunftszeit: 19:05 Uhr. Somit konnte ich das Wohnmobil nicht mehr übernehmen und musste ein Hotel buchen. Als ich im Hotel ankam, war die Buchung nicht durchgekommen, das Hotel voll belegt. Freundlicher Weise wurde mir das einzig freie Zimmer in einem Hotel in der Umgebung reserviert, für nur 200€ – ein Schnäppchen.

Mit dem Fahrzeugvermieter hatte ich unterwegs vereinbart, dass ich den Wagen am anderen Morgen gleich um 8:00 Uhr übernehmen kann. Nun erreichte mich die Nachricht, dass es 9:00 Uhr würde. Als ich dort um 9:30 Uhr ankam, war das Fahrzeug noch nicht gerichtet und es war ein völlig anderes. Wie auch immer, schließlich war es 11:30 Uhr, als ich die Vermietungsstation verließ und den Wassertank musste ich auch noch befüllen, weil beim Vermieter alles eingefroren war.

Es war kurz vor 14 Uhr als ich eingekauft hatte und endlich in Richtung Lofoten aufbrechen konnte. Tauwetter und Regen hatte eingesetzt. Die Fahrbahn war mit einer dicken Eisschicht überzogen. An Steigungen, wo sich im Eis Fahrrinnen gebildet hatten, schossen reißende Bäche und in den Senken standen riesige Seen, da das Wasser nicht ablaufen konnte. Immerhin lag gut ein Meter Schnee neben der Straße und tags zuvor erreichten die Temperaturen gerade mal 15 Grad minus. Dank der Spikes in den Reifen war das Fahren dennoch kein Problem. Von Tromsö ging es auf der E8 in Richtung Södost zur E6, der Hauptroute in Nord-Süd-Richtung. Den ersten Fotostopp legte ich kurz vor Einmündung in die E6 ein. Das Ende des Balsfjord war mit einer geschlossenen Eisdecke versehen. Nahe der Eiskante machten sich einige Eisfischer an ihren Löchern zu schaffen. Um die näher anzuschauen, fuhr ich ab. Es war mir jedoch nicht möglich auf die Eisfläche zu wechseln, dennoch fand ich das eine oder andere Motiv.

Inzwischen war ich auf der E10 in Richtung Lofoten unterwegs. Gegen 20 Uhr steuerte ich einen Parkplatz für die Nacht an. Als ich für meine Nudeln Wasser zapfen wollte, röchelte die Pumpe vergeblich, der Tank war leer und das, obwohl mir versichert wurde, dass alle Tanks geschlossen seien. Mit der Toilette war es dann wohl auch nichts. So ein Mist, man sollte eben alles selbst kontrollieren. Aber es gab ja noch Mineralwasser.

Erst am nächsten Morgen zückte ich die Kamera erneut. Am Tjeldsundet hatte der Regen die Senke vor einem Schuppen in eine Eisfläche verwandelt. In Verbindung mit dem Meer und der tief hängenden Bewölkung ergab sich ein geradezu surrealer Eindruck.

Nach Bewältigung einer Passstraße, für LKW nur mit Ketten befahrbar, gelangt man ins Sordalen. Die Lakselva war durch Regen und Schneeschmelze angeschwollen. Statt im üblichen Bachbett, floss das Wasser über Eisrinnen und verschwand von Zeit zu Zeit unter der Eisdecke. Vielerorts hatten sich Seen auf der Schneedecke gebildet.

Das Ende des Ingelsfjord war vollständig zugefroren. Durch den Tidenhub zerbrach die Eisdecke am Strand in große Schollen. Das Regenwasser, das auf der geschlossenen Eisfläche stand, zauberte ein sauberes Spiegelbild der steilen Bergflanken.

Kurz darauf mündete ein munterer Bachlauf bei der Häusergruppe Myrland in den gleichnamigen Fjord.

Bei Vestpollen zeigte sich der Austnesfjorden von seiner besten Seite. Die Luftflotte der Möwen und die Flotte der Fischer lagen sich vor großartiger Kulisse friedlich gegenüber.

Ich hatte mich bereits auf das Ende der heutigen Fahrt eingestellt, als der Flakstadpollen in phantastischer Beleuchtung vor mir lag. Da gab es kein Zögern. Kaum dass ich mich mit meinem Stativ in Position gebracht hatte, hielten auch schon weitere Fahrzeuge und in kürzester Zeit war ich von vier emsigen Restlichtjägern umringt, was das Fotografieren nicht gerade einfacher machte. Der einsetzende Regen und das schwindende Licht erzwangen dann den Rückzug.