Vildmarksvägen

29. August 2021

Zurück in Vilhelmina bezogen wir wieder auf dem Camping Kolgarden Quartier. Der gut geführte Platz in herausragender Lage direkt am See ist eine absolut empfehlenswerte Ausgangsbasis für Fahrten in den Norden oder die Schleife über den Vildmarksvägen. Vilhelmina selbst, das Zentrum Südlapplands, bietet die Gelegenheit, sich mit allem was fehlt einzudecken.

Wir starteten heut unsere Tour über den Vildmarksvägen. Diese Schleife gilt als eine der eindrucksvollsten Strecken Schwedens. Von Vilhelmina aus geht es zuerst westwärts bis sich die Straße unmittelbar vor der norwegische Grenze über den Stekenjokk-Pass nach Süden windet. Dabei durchquert sie eine herrliche Fjelllandschaft, die zu Touren unterschiedlicher Länge einlädt. Sowohl auf der Stekenjokk-Strecke übers Fjell als auch auf der 342 bis Strömsund bieten sich viele tolle Stellplätze für Camper an.

Die Idylle auf diesem Bild lässt nur einen Schluss zu, die Wikinger müssen auf ihren Raubzügen durch Europa auch mit den Schwaben in Kontakt gekommen sein. Erstens ist den Schweden ein gewisser Hang zur Romantik nicht abzusprechen (Hölderlin). Zweitens zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass sie der schwäbischen Redensart nacheifern: „Faul därf mo sei, bloß net domm.“ Rechts im Vordergrund des Bildes sieht man einen Elektromotor auf dessen Welle eine Autofelge montiert wurde. Zusammen ergibt dies eine super Seilwinde, mit der man das Boot an Land ziehen kann und das ohne einen Tropfen Schweiß zu vergießen. Ich denke, da müssen die Historiker noch einige Rätsel lösen.

Wieder einmal ein Wasserfall. Die wenigen Anwesenden fotografierten alle die Stromschnelle, oder was davon noch übrig war. Nur ich tanzte mal wieder aus der Reihe. Ich fand ein riesiges Kehrwasser oberhalb der letzten Stufe viel interessanter. Der Schaum zeichnete hier ständig neue Strömungsmuster. Ich hätte stundenlang fotografieren können.

Zum Vergrößern einfach anklicken.

Am Trappstegsforsarna griff ich dann auch zur Kamera, um die Stromschnellen zu fotografieren. Der Treppenstufen-Wasserfall ist wirklich eine besondere Stromschnelle, die man nicht alle Tage sieht.

Langsam kommt das Fjell in Sichtweite.

Am Klimpviken genossen wir die Abendstimmung …

… und noch etwas mehr.

SW – wie „SWEDEN“

In Örnsköldsvik bogen wir von der E4 ab. Die 352 brachte uns auf Inlandskurs.

Kurz vor Frederika überschritten wir die Grenze zu Lappland.

Unser Etappenziel, Vilhelmina, hatten wir erst für den nächsten Tag angepeilt. An einem Badeplatz am Lomsjön bezogen wir unser Quartier für die Nacht.

Die brachte uns den ersten Nachtfrost und wabernde Nebelschwaden überm See. Eine Steilvorlage für die Schwarz-Weiß-Fotografie.

Unerwartete Ästhetik

Ich erinnere mich noch genau, als wir 1999 an der spanischen Mittelmeerküste entlangfuhren, waren ganze Regionen unter Plastikfolie verschwunden. Das Verpacken der Landschaft verband ich damals nicht mit dem Künstlerehepaar Christo, das 1995 den Reichstag verhüllt hatte. Nein, ich war hell entsetzt über das, was ich sah: Eine Agrarwirtschaft mit verheerender Ökobilanz, die dazuhin die gesamte Landschaft verschandelte.

Mit Argwohn betrachtete ich, dass sich wenige Jahre später die Plastikfolienlandwirtschaft auch bei uns auszubreiten begann. Ich wollte damals einen Bildbericht erstellen, der zur Anklage dieser Praxis werden sollte, doch daraus wurde nichts. Vor drei Jahren dann das Aha-Erlebnis! Damals war ich vor Sonnenuntergang in der Rheinebene unterwegs, als ich vom Anblick der aufleuchtenden Plastikfolienzelte in Bann gezogen wurde. Das musste ich unbedingt mal fotografieren. Ende März 2021, auf der Rückfahrt von Frankfurt, ist mir endlich ein erster Anlauf gelungen.

Wie immer: Bilder zum Vergrößern anklicken.

Kurz nach 5 Uhr war ich in Frankfurt gestartet, um vor Sonnenaufgang an Ort und Stelle zu sein, denn nur bei flacher Sonneneinstrahlung entwickeln die Plastikfolienzelte ihre volle Leuchtkraft und bleiben die Kontraste beherrschbar.

Ich war überwältigt von der eigenwilligen Ästhetik dieser fragwürdigen Produktionsmethode. Der gesamte Aufwand wird ja nur betrieben, um wenige Wochen früher Erdbeeren, Himbeeren oder Spargel zu ernten. Denn wer zuerst am Markt ist, bekommt die höchsten Preise.

Bei meinen ersten Aufnahmen waren die Folienzelte noch geschlossen. Die Sonne war kaum recht über dem Horizont, da kam ein Kleinbus mit einem Trupp rumänischer Saisonarbeiter. Die öffneten die Rollos, um die Tunnelzelte zu belüften und kontrollierten das Bewässerungssystem. Unmengen an Wasser sind erforderlich, um die Erdbeerpflanzen unter den Folien ausreichend zu versorgen. Nach dieser Warmlaufaktion für den Tag zogen die Arbeiter weiter, um Spargel zu stechen.

Auch ich setzte meinen Weg fort. Wieder einmal hatte ich erfahren: Ästhetik ist eine Frage der Sichtweise. Voreingenommenheit / Befangenheit behindert nicht selten deren Wahrnehmung. Das ist aber nicht als Plädoyer für diese fragwürdige Produktionsmethode zu verstehen!

Vom Winde verweht!

Dunkel erhebt sich der höchste Teil der Rabjergdüne über die gerippelte Fläche der darunterliegenden Dünenebene. Gewaltige Sturmböen toben über den Abhang und wirbeln mächtige Sandfahnen auf, die wie Flammen eines Buschfeuers über den Steilhang flackern.

Die Rabjerg Mile an der Nordspitze Jüttlands (Dänemark) ist eine Wanderdüne (siehe hierzu https://guckloch.org/2020/10/12/wanderdune-rabjerg-mile/(öffnet in neuem Tab) ). Sobald der Westwind am Skagerak auffrischt, kommt das Sandstrahlgebläse in der bis zu 40 m hohen Dünenlandschaft so richtig in Gang. Auf der Leeseite der Dünen bilden sich dann heftige Sturmböen aus, die den Sand aufwirbeln und den Dünenabhang entlang verfrachten. Ein beeindruckendes Spektakel. Über die Abrisskante der Düne wird ständig neuer Sand nachgeliefert. Dieser löst immer wieder lawinenartige Rutschungen aus und lässt die Düne jährlich um ca. 15 cm in nordöstlicher Richtung weiterwandern.

Winterwelten

Heute nehme ich euch mit in meine winterliche Heimat. Über verschneite Äcker geht der Blick hinüber zum Albtrauf. Im Hintergrund die Burg Hohenzollern.

Steuobstwiesen prägen das Landschaftsbild am Albtrauf.

Der Weg hinauf auf die Albhochfläche führt durch die Streuobstwiesen hinein in den tief verschneiten Wald.

Dort entwirft der Winter mit klaren Linien eine fantastische Grafik.

Auf der Albhochfläche ändert sich das Landschaftsbild erneut. Nicht selten herrscht hier oben auch ein anderes Wetter. Heute ziehen Wolken auf, Schneefall setzt ein.

Gerade im Winter sorgt immer wieder dichter Nebel für ein „white out“.

Die Vielfalt zeichnet den Albtrauf aus. Auf einigen hundert Höhenmetern durchwandert man hier mehrere Landschaftsformen. Diese sind Ausdruck unterschiedlichster Lebensräume, die durch die sprunghafte Veränderung der geologischen und klimatischen Faktoren an der Abbruchkante der Schwäbischen Alb bedingt werden. Gerade das macht den Reiz dieser Gegend aus.