Völlig „durchgedreht“

Gestern ging ich mal wieder zum Testen in den Wald. Nein, diesmal kein Coronatest! Ich erinnerte mich nur an die Töpferscheibe in unserer Waschküche. Die und die Kamera, da musste sich was machen lassen. Nach den ersten Ergebnissen erscheint mir die Sache ausbaufähig.

Die erste Fortsetzung gab es dann gleich heute bald morgens in einer städtischen Blumenrabatte – wie könnte es anders sein – in einem Kreisverkehr.

Gütersteiner Wasserfall

Unweit des Uracher Wasserfalls, am Ende des Maisentals, stürzt der Gütersteiner Wasserfall über unzählige kleine Sinterterrassen in die Tiefe. Ausgangspunkt für die kleine Wanderung zum Wasserfall ist der Wanderparkplatz „Uracher Wasserfall“. Von Metzingen her kommend, ist das Hinweisschild direkt an der B 28 am Rande von Bad Urach nicht zu übersehen. Der Weg führt dann entlang des Maisentals zum Albtrauf. Unterwegs passiert man das Vorwerk Güterstein, einen Gestütshof des Landgestüts Marbach.

Danach nimmt die Steigung zu. Wenn der Weg so aussieht, wie auf dem nachfolgenden Bild, kann man davon ausgehen, dass sich der Besuch lohnen wird.

Der Gütersteiner Wasserfall ist zweigeteilt. Im oberen Teil fällt und rieselt das Wasser über Tuffsteinablagerungen und Moose in einen kleinen, gefassten See.

Das aus dem See überlaufende Wasser fließt über den Wanderweg. Während ein Teil des Wassers über Sinterterrassen ins Tal stürzt, läuft ein zweiter Teil über eine Kalktuffnase beachtlicher Länge, die sich im Laufe der Zeit durch Versinterung gebildet hat.

In einer Rinne schießt das Wasser auf eine Abrisskante zu und stürzt dann in mehreren Stufen zu Tal.

Bei ausreichend Wasser ist der Gütersteiner Wasserfall zu allen Jahreszeiten ein lohnendes Ziel. Unproblematisch lässt er sich auch in eine Rundwanderung zum Uracher Wasserfall und zur Burgruine Hohen Urach einbauen.

Unerwartete Ästhetik

Ich erinnere mich noch genau, als wir 1999 an der spanischen Mittelmeerküste entlangfuhren, waren ganze Regionen unter Plastikfolie verschwunden. Das Verpacken der Landschaft verband ich damals nicht mit dem Künstlerehepaar Christo, das 1995 den Reichstag verhüllt hatte. Nein, ich war hell entsetzt über das, was ich sah: Eine Agrarwirtschaft mit verheerender Ökobilanz, die dazuhin die gesamte Landschaft verschandelte.

Mit Argwohn betrachtete ich, dass sich wenige Jahre später die Plastikfolienlandwirtschaft auch bei uns auszubreiten begann. Ich wollte damals einen Bildbericht erstellen, der zur Anklage dieser Praxis werden sollte, doch daraus wurde nichts. Vor drei Jahren dann das Aha-Erlebnis! Damals war ich vor Sonnenuntergang in der Rheinebene unterwegs, als ich vom Anblick der aufleuchtenden Plastikfolienzelte in Bann gezogen wurde. Das musste ich unbedingt mal fotografieren. Ende März 2021, auf der Rückfahrt von Frankfurt, ist mir endlich ein erster Anlauf gelungen.

Wie immer: Bilder zum Vergrößern anklicken.

Kurz nach 5 Uhr war ich in Frankfurt gestartet, um vor Sonnenaufgang an Ort und Stelle zu sein, denn nur bei flacher Sonneneinstrahlung entwickeln die Plastikfolienzelte ihre volle Leuchtkraft und bleiben die Kontraste beherrschbar.

Ich war überwältigt von der eigenwilligen Ästhetik dieser fragwürdigen Produktionsmethode. Der gesamte Aufwand wird ja nur betrieben, um wenige Wochen früher Erdbeeren, Himbeeren oder Spargel zu ernten. Denn wer zuerst am Markt ist, bekommt die höchsten Preise.

Bei meinen ersten Aufnahmen waren die Folienzelte noch geschlossen. Die Sonne war kaum recht über dem Horizont, da kam ein Kleinbus mit einem Trupp rumänischer Saisonarbeiter. Die öffneten die Rollos, um die Tunnelzelte zu belüften und kontrollierten das Bewässerungssystem. Unmengen an Wasser sind erforderlich, um die Erdbeerpflanzen unter den Folien ausreichend zu versorgen. Nach dieser Warmlaufaktion für den Tag zogen die Arbeiter weiter, um Spargel zu stechen.

Auch ich setzte meinen Weg fort. Wieder einmal hatte ich erfahren: Ästhetik ist eine Frage der Sichtweise. Voreingenommenheit / Befangenheit behindert nicht selten deren Wahrnehmung. Das ist aber nicht als Plädoyer für diese fragwürdige Produktionsmethode zu verstehen!

Wieder weiß!

Am Sonntag hatte es noch gut 15 Grad, aber ein neuerlicher Schwall polarer Kaltluft zeigte dem Frühling, dass der Winter noch immer nicht aufgegeben hat.

Die Tulpen trugen schwer unter der Last des Schnees, der über Nacht gefallen war.

Erst am Nachmittag zog sich der Schnee an den Albtrauf zurück und verwandelte Hölderlins blaue Mauer in eine weiße Wand.

Blick von der First auf den Filsenberg

Öschingen mit Filsenberg und Bolberg

Auf der First

Uracher „Eisfall“ 2

Zum Vergrößern Bilder anklicken!

Im ersten Beitrag zum Uracher Wasserfall habe ich Aufnahmen vom oberen Abschnitt, dem 37 m hohen Absturz, gezeigt. Die nachfolgenden Bilder entstanden in den Kaskaden unterhalb.

Wasser, das über Steine, Sinterterrassen oder Äste ins Tal plätschert sorgt für jede Menge Spritzwasser, das über dem strömenden Wasser zu bizarren Gebilden gefriert, die sich so kein menschliches Gehirn ausdenken könnte.

Die Menge an eingeschlossener Luft entscheidet darüber, ob das Eis milchig trüb, oder glasklar erscheint.

Uracher „Eisfall“ 1

Die Kleinstadt Bad Urach war namensgebend für den Uracher Wasserfall, der sich nahe der Stadt von der Traufkante der Schwäbischen Alb in die Tiefe stürzt. Der Wasserfall ist das ganze Jahr über einen Besuch wert. Doch wenn er im Winter zum „Eisfall“ wird, finde ich ihn besonders reizvoll. In einer längeren Kälteperiode wächst die Vereisung des Uracher Wasserfalls täglich und gestaltet bizarre Skulpturen.

Von der Hochfläche der Schwäbischen Alb stürzt das Wasser zuerst 37 m in die Tiefe, um dann über zahlreiche Sinterstufen in Kaskaden dem Maisental entgegenzuströmen. Der Uracher Wasserfall ist frei zugänglich und über Treppen erschlossen. Diese sind im Winter häufig vereist und dann gesperrt.

Diese Bilder stammen alle vom oberen Abschnitt des Uracher Wasserfalls. Die Eisskulpturen der Sinterterrassen unterhalb zeige ich in einem zweiten Beitrag.

In Eis und Schnee

Eigentlich ist es nichts besonderes, dass auf der Schwäbischen Alb in klaren Nächten die Temperatur über den Schneeflächen auf unter minus 20 Grad Celsius absinkt. Nur hat sich der Schnee auf der Alb in den letzten Jahren rar gemacht. Selbst die Sonne kann den Tag über gegen die klirrende Kälte nicht viel ausrichten.

Auf der Albhochfläche bei Salmendingen gibt es zahlreiche markante Bäume, die locker in die weite Landschaft eingestreut sind. Manche blicken bereits auf ein stattliches Alter zurück. In stoischer Ruhe trotzen sie Wind und Wetter, Eis und Schnee.

Die Eiseskälte hat die Schmelzwasser der letzten Tage zu bizarren Eisformationen erstarren lassen. Interessant sind auch die Luftblasen, die sich unter und zwischen den Eisplatten aufstauen.

Kurz nach Sonnenaufgang sind bereits die ersten Sportler unterwegs. Um diese Zeit geht man hier noch kein Corona-Risiko ein.

Vom Winde verweht!

Dunkel erhebt sich der höchste Teil der Rabjergdüne über die gerippelte Fläche der darunterliegenden Dünenebene. Gewaltige Sturmböen toben über den Abhang und wirbeln mächtige Sandfahnen auf, die wie Flammen eines Buschfeuers über den Steilhang flackern.

Die Rabjerg Mile an der Nordspitze Jüttlands (Dänemark) ist eine Wanderdüne (siehe hierzu https://guckloch.org/2020/10/12/wanderdune-rabjerg-mile/(öffnet in neuem Tab) ). Sobald der Westwind am Skagerak auffrischt, kommt das Sandstrahlgebläse in der bis zu 40 m hohen Dünenlandschaft so richtig in Gang. Auf der Leeseite der Dünen bilden sich dann heftige Sturmböen aus, die den Sand aufwirbeln und den Dünenabhang entlang verfrachten. Ein beeindruckendes Spektakel. Über die Abrisskante der Düne wird ständig neuer Sand nachgeliefert. Dieser löst immer wieder lawinenartige Rutschungen aus und lässt die Düne jährlich um ca. 15 cm in nordöstlicher Richtung weiterwandern.