SW – wie „SWEDEN“

In Örnsköldsvik bogen wir von der E4 ab. Die 352 brachte uns auf Inlandskurs.

Kurz vor Frederika überschritten wir die Grenze zu Lappland.

Unser Etappenziel, Vilhelmina, hatten wir erst für den nächsten Tag angepeilt. An einem Badeplatz am Lomsjön bezogen wir unser Quartier für die Nacht.

Die brachte uns den ersten Nachtfrost und wabernde Nebelschwaden überm See. Eine Steilvorlage für die Schwarz-Weiß-Fotografie.

Architektonische Gegensätze

23. August 2021

Von Barsta mit seiner Fischerhütten-Romantik ging es auf der E4 weiter nach Norden.

Unmittelbar vor Örnsköldsvik weckte die Själevads Kyrka unser Interesse. Einen derartigen Bau hatten wir hier nicht erwartet. Wahrscheinlich mussten die Kirchenoberen ihrer Gemeinde etwas Besonderes bieten, nachdem sie zuvor heimlich die alte Kirche gesprengt hatten. Jedenfalls ging die im neoklassizistischen Stil errichtete Kirche 1880 in Betrieb und wurde 1998 von den Lesern der Zeitschrift Året Runt zur schönsten Kirche Schwedens gewählt.

Das „Ting1“ in Örnsköldsvik ist nicht zu übersehen. Ob einem dieses Bauwerk nun gefällt oder nicht, ist eine Sache, dass es die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist jedoch unstrittig und bei näherer Betrachtung ist es einfach ein ganz besonderes Bauwerk.

Der Gebäudekomplex besteht aus zwei voneinander völlig unabhängigen Bauwerken. Bei der unteren Betonkonstruktion handelt es sich um ein Bestandsgebäude von 1967. Dieses wurde 2010 verkauft, war bestandsgeschützt und hatte einen Innenhof von 12×12 m.

In diesen Innenhof wurde auf einer Fläche von 8×8 m, das neue Gebäude „Ting1“ errichtet. Erst oberhalb des bestehenden Gebäudes konnte der Neubau in die Breite gehen.

Auf einer Gesamthöhe von 50 m verteilen sich 51 Appartments mit insgesamt 78 Balkonen. Der Entwurf stammt vom bekannten schwedischen Architekten Gerd Wingardh und wurde 2013 fertiggestellt.

Weitere Informationen zu „Ting1“ findest du hier.

Höga Kusten 2

22. August 2021:

Alte Fischerdörfchen schmiegen sich an die fjordartigen Buchten entlang der Hohen Küste. Professionelle Fischer muss man heute allerdings mit der Lupe suchen. Die meisten, der längst verlassenen Fischerhütten, wurden zu Ferienhäusern umgestaltet oder dienen als Unterkünfte für Touristen.

Bönhamn ist einer dieser idyllisch gelegenen Orte.

Die renovierten Trockengestelle für Fische haben nur noch hinweisenden Charakter.

Die Beschaulichkeit dieser Orte lässt kaum noch erahnen, wie hart das Leben hier einst gewesen sein muss.

Ich war nicht der einzige, der morgens um 7 Uhr bereits unterwegs war. Während die beiden Kanuten ihre Kajaks zu Wasser ließen, entschied ich mich für eine Tour auf einen nahegelegenen Felsrücken, um in der Morgensonne die Aussicht auf den Ort und die Schärenküste zu genießen.

Im Örtchen Barsta machten wir auf einem direkt am Strand gelegenen Campingplatz fest. Mit dem Kajak ging es hinaus zu einigen vorgelagerten Schären.

An einer der Schären landete ich an, um die fantastischen Erosionsgebilde, die der Granit hervorbringt, aus der Nähe zu betrachten.

Welch herrliche Landschaft!

Höga Kusten 1

21. August 2021, Högakusten: Abseits der E4, der Transitroute nach Norden, sichteten wir wieder einmal ein sehr schönes Gehöft. Diesmal hielt ich an, um zu Fotografieren. Als der Besitzer bemerkte, dass jemand mit Kamera um sein Grundstück pirschte, sattelte er sein Quad und sah nach dem Rechten. Was folgte war ein sehr nettes Gespräch und die Einladung, sein Haus auch aus der Nähe fotografieren zu dürfen. Vor 20 Jahren, erzählte er, hätten sie den alten Hof, der lange leer stand, gekauft und vollständig renoviert. Energetisch ist er mit einer großen Fotovoltaikanlage und dem Brennholz aus dem eigenen Wald unabhängig. Inzwischen 77 Jahre alt, freut er sich täglich über sein herrliches Anwesen und wenn ihn seine Enkel aus Stockholm oder England besuchen kommen.

Wieder auf der E4 passierten wir bei Utansjö die Brücke über den Angermanälven. Die Högakustenbron ist mit 1867 m Länge und einer Spannweite von 1210 m eine der längsten Brücken Schwedens. An der Tragekonstruktion der Brücke wurden gerade Kontrollarbeiten durchgeführt. Bei ordentlichem Wind hingen Arbeiter an Seilen in luftiger Höhe. Sicher ein gewöhnungsbedürftiger Arbeitsplatz.

Unser erstes Ziel an der Hohen Küste war Fällsvikshamnen, eine Ansammlung alter Fischerhütten. Hier hatt der Aufkauf alter Hütten und deren Ausbau zu Feriendomizilen wohl erst begonnen. Neubauten an den Berghängen waren bereits mehrere vorhanden.

Altes Blech

Nördlich von Sundsvall trafen wir einen amerikabegeisterten Autonarren. Ein netter Kerl, der voll auf die Sprit fressenden alten Straßenkreuzer abfuhr. Das Haus dahinter hatte er bereits zum Abriss vorbereitet. Dort sollte ein neues Haus entstehen und insbesondere eine große Garage.

Auf nach Norden

20. August 2021:

Skogs Kirche: Die Ruine zeigt die restaurierten Überreste der um 1325 entstandenen Kirche. Die ausgesprochen schöne Lage der Kirche, in unmittelbarer Nähe zum See, wurde ihr zum Verhängnis. Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Kirche mehrfach vom Hochwasser überflutet und beschädigt, so dass sie im 17. Jahrhundert aufgegeben werden musste.

Världsarvet ist einer der zahlreichen alten, restaurierten Hälsinghöfe, die man in der Gegend um Bollnäs vorfindet. Die Bauern des Hälsinglandes kamen im 18. und 19. Jahrhundert zu derartigem Wohlstand, dass sie oft mehrere Häuser errichtet haben. Diese wurden nicht alle bewohnt, sondern nur zu besonderen Anlässen genutzt. Deshalb blieben sie auch gut erhalten. Weit verbreitet war ein Festhaus, dessen Räumlichkeiten für Feste unterschiedlicher Größe und Bedeutung ausgelegt waren. Alle Räume waren für die damalige Zeit mit modernstem Raumdesigne ausgestattet. So kamen Tapeten zum Einsatz, deren Ornamente mit der damals neuen Schablonentechnik gefertigt worden waren. Zusätzlich wurden die Räume mit Wandgemälden im Stil des Rokoko und mit klassischen Ornamenten geschmückt. Das Festhaus auf Världsarvet verfügt über vier Festsäle, ein Brautschlafzimmer und eine Küche. Einer der Festräume war religiösen Feiern vorbehalten.

Das Festhaus.

Der niedere Festsaal im Erdgeschoss.

Links die erste originale Tapete, noch aus Leinengewebe. Rechts die restaurierte Papiertapete mit demselben Muster.

Der hohe Festsaal im oberen Stockwerk.

Gripsholm

19. August 2021 Gripsholm: Das alte Schloss der Vasakönige liegt westlich von Stockholm auf einer kleinen Halbinsel im Mälaren, einem Seengebilde von der doppelten Größe des Bodensees. Das Schloss wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Gustav Vasa erbaut.

Bilder oben: Das alte Königspaar kehrt zurück. Kanonen im Innenhof und deren prächtige Verzierung.

Gripsholm ist von einer Parkanlage mit altem Baumbestand umgeben.

Von hier blickt man hinüber nach Mariefred, einem kleinen Ort, der mit der Erbauung des Schlosses entstanden ist.

Vor Schloss Gripsholm wurden zwei  Runensteine aufgestellt. Sie gehören zu einer Reihe von 26 Steinen aus dem 11. Jahrhundert, die im Raum des Mälaren gefunden wurden. Diese wurden gefertigt, um jenen zu gedenken, die auf dem Vikingerfeldzug zum Kaspischen Meer ums Leben kamen. Der nachfolgende Stein ist Harald gewidmet.

An der Schärenküste

17. und 18. August 2021, Källbukten: Unweit der Stelle, wo der Götakanal die Ostküste erreicht, fuhren wir von Söderköping aus hinaus in den Schärengarten, der sich vor St. Anna weit in die Ostsee hinein erstreckt. Der erste Campingplatz, den wir anfuhren, überzeugte uns so, dass wir blieben.

Am späten Nachmittag zog ein heftiges Gewitter mit ergiebigem Platzregen auf. Nach dem Regen hing Nebel zwischen den bewaldeten Schären und die untergehende Sonne zauberte daraus eine ganz besondere Lichtstimmung.

Anderntags ging es dann mit Kajak und Kamera hinaus in den Schärengarten. Die unzähligen kleinen und kleinsten Inselchen wollten erkundet sein.

Auf den ersten Blick gewinnt man den Eindruck, als wären alle Schären mit Wochenendhäusern bebaut. Ganze Ferienhaussiedlungen überziehen die felsige Inselwelt in lockerer Bebauung.

Die meist idyllisch gelegenen Anwesen täuschen allzu gerne darüber hinweg, dass es hier nicht um eine heile Welt, sondern um die totale Zersiedelung einer sensiblen Landschaft geht. Schön ist es dennoch und das ist wohl das Problem.

Die Bebauung der Schären beschränkt sich auf den festlandsnahen, bewaldeten Bereich. Je näher man dem offenen Meer kommt, desto weiter geht die Bewaldung zurück. Schließlich ragen nur noch kahle Inseln aus dem Wasser.