Whanganui Nationalpark

Samstag, 24. März

Bevor es heute richtig los ging, ließen wir uns erst einmal von einem Anwohner (weibliche Form eingeschlossen) des Städtchens Paekakariki über die Frage, was schön ist, aufklären. Immerhin gelang es ihm, mit seiner Überzeugung von Schönheit, einen langweiligen Briefkasten interessant zu gestalten. Danach begaben wir uns auf Strecke.

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Nordwestlich von Wellington gräbt sich der Whanganui River, der längste befahrbare Fluss Neuseelands, tief in Sedimentgestein ein und formt eine eigenwillig schöne Landschaft. Bereits der erste Blick auf die Landkarte zeigt, wie abgelegen diese Ecke ist. Spätestens nach Verlassen des State Highway 4 wird einem jedoch schnell klar, dass es jetzt ins Abseits geht. Die Straße wird schmal, ist häufig direkt aus dem Hang heraus gefräst, dessen weiche Sedimente nicht selten vom Fluss abgegraben werden. Immer wieder ist deshalb nur noch eine halbe Straße übrig. Leider bekommt man von der Straße aus nur selten einen guten Ausblick über das Tal, das oft tief eingeschnitten zwischen den Bergen liegt. Da auch das Wetter mies war, gibt es von diesem Abschnitt leider nur wenige Aufnahmen.

Eigentlich vermutet man in dieser Gegend keine Ortschaft mehr, deshalb ist die unvermittelt ins Auge stechende Kirche bereits eine dicke Überraschung und dann kommt noch das Ortsschild – „Jerusalem“! Irrtum ausgeschlossen, das halbe Dutzend Häuser ist auch auf der Landkarte entsprechend vermerkt und wer möchte, kann auch heute noch bei den Nonnen im Schlafsaal unterkommen.

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Wir fahren jedoch weiter bis zur nächsten Häuseransammlung Piperiki, dem Ort, an dem die Straße den Fuss verlässt. Oberhalb geht es nur zu Fuß oder mit dem Kanu in Form mehrtägiger Touren weiter. Zu dem jahreszeitlich bedingten Niedrigwasser und bei diesem Wetter für uns keine Option. Dafür beglückten wir den ortsansässigen Kanutourenanbieter als einzige Gäste auf seinem Campground.

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Anderntags folgen wir dem Sträßchen, das sich einem Seitental folgend langsam durch den Regenwald nach oben kämpft und immer wieder tolle Ausblicke auf herrliche Urwaldriesen und andere, mit Flechten behangene Bäume, ermöglichte.

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Kaum, dass man mit den letzten Windungen der Straße, das Tal hinter sich gelassen hat, gibt der zurückgedrängte Urwald den Blick auf die Vulkankegel des Tongariro NP frei, zumindest so weit, wie es die Wolken erlauben.

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Eigentlich hatte ich hier eine Wanderung (Tongariro Crossing) vorgesehen, aber bei diesem Wetter war daran nicht zu denken.

Nachdem wir uns über die Situation im Park vor Ort erkundigt hatten, beschlossen wir unsere Route zu ändern und nach Napier an die Ostküste zu fahren. Nach dem Wetterbericht sollte dies der einzige Ort sein, der für uns in erreichbarer Entfernung lag und an dem das Wetter einigermaßen erträglich war. Zudem hatte Napier einiges zu bieten. Also starteten wir durch.

Bluebridge

Freitag 24.03.17

Das Übersetzen mit der Fähre vom einen zum anderen Ufer wird oft als Metapher benutzt und dies nicht ohne Grund, schließlich verlässt man ein bekanntes Ufer und bricht zu einem neuen, unbekannten auf. Auch der Weg hinüber zum neuen Ufer erscheint ungewiss. Nicht immer kann man die Entscheidung zum Aufbruch selbst treffen, und nicht immer bricht man gemeinsam auf. Dann drückt die Last der Ungewissheit und des Endgültigen um so schwerer.

Im Gedenken an meinen Vetter Edgar, der an diesem Tag verstorben ist.

 

 

Was unsere Reise betrifft, so zählt die Überfahrt von Picton (Südinsel) nach Wellington (Nordinsel) sicher zu den beeindruckendsten Passagen, die die Seefahrt zu bieten hat. Noch vor wenigen Jahrzehnten ein abenteuerliches Unterfangen und eine echte Herausforderung für jeden Steuermann, stellt diese Passage heute, dank der modernen Strahlruder und der äußerst präzisen Navigationstechnologie, kein wirkliches Problem mehr dar.

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Von Picton aus sucht sich die Fähre ihren Weg durch den Queen Charlotte Sound, der mit seinen Seitenarmen und Inseln eher an einen Irrgarten, denn an eine Wasserstraße erinnert. Wiederholt muss die Fahrtrichtung um 90 Grad geändert werden und das bei einer sehr engen Fahrrinne und Gegenverkehr.

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Doch das enge, von Bergen eingerahmte Fahrwasser hat auch seinen Vorteil. Selbst bei stürmischem Wetter ist hier im Sound von Seegang nichts zu spüren. Vorbei an idyllisch gelegenen Behausungen erreicht man schließlich die Cook Strait.

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Dass wir mit einer deftigen Brise rechnen mussten, kündigte die Bewölkung frühzeitig an.

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Sobald wir den schützenden Sound verließen, pfiff der Wind durch die Aufbauten des Schiffes und das Gehen an Deck gestaltete sich mitunter schwierig. Die Nordinsel lag im Schatten einer dunklen Wolkendecke. Ein Szenario, das im Gegenlicht der gelegentlich durchbrechenden Sonne geradezu gespenstische anmutete.

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Als wir in die tief eingeschnittene Bucht einbogen, an deren Ende Wellington liegt, lies der Seegang rasch nach. Die Vororte Wellingtons haben entlang der gesamten Bucht die Berghänge erobert und bieten exquisite Wohnlagen mit herrlichen Ausblicken.

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Die Kernstadt, zwischen Bergen und Meer eingekeilt, hat wenig Spielraum und gestaltet sich deshalb sehr kompakt und überschaubar.

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Spürbar ist, dass man in Wellington dem besonderen Anspruch an eine Hauptstadt gerecht werden möchte. Dies zeigt sich in der Architektur und den besonderen Akzenten der Stadtplanung und natürlich auch im Nationalmuseum. Insbesondere bei der Gestaltung von Plätzen, kann man sich vom Mut und von der Kreativität in Wellington mancherorts eine Scheibe abschneiden.

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Zu den besonderen Akzenten gehört die Integration der Maori und die Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen. Hier gibt es keine Verlegenheitslösungen, die man irgendwo am Rande pflichtgemäß erfüllt. Nein, die Umsetzung erfolgt meist an prominenter Stelle, wie zum Beispiel am Civic Square (oben) und dem Übergang vom Civic Square zur Waterfront (nachfolgend).

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Oben: Waka im Bootsshed des Wharewaka Function Center an der Wharf.

Natürlich gibt es auch die für eine City üblichen Einkaufsstraßen.

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Abschied von der Südinsel

Donnerstag, 23. März

In den letzten Tagen haben wir im Norden der Insel die Seite gewechselt. Wir sind quasi von Collingwood im Westen nach Picton im Osten der Insel „umgezogen“.

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Zu Collingwood, am Ende der Golden Bay gelegen, habe ich mich ja bereits geäußert, zur Golden Bay und der Region muss ich noch etwas nachlegen. Die Golden Bay ist eine herrliche, langgezogene Bucht, die zum Baden einlädt aber einen entscheidenden Nachteil aufweist, sie liegt am Arsch der Welt. Das herrliche Tal, dessen Ende die Golden Bay markiert, ist durch die Takaka Hills vom Rest der Insel, nein vom Rest der Welt, abgehängt. Das ist, als müsse man von uns aus über eine 1300 m hohe Passstraße nach Talheim fahren, dort aber, dank dem Südpazifik, die Welt zu Ende wäre. Dem entsprechend nehmen entlang der Golden Bay zwar die Ferienhäuser zu, ansonsten ist jedoch Landflucht vorherrschend.

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Unser erster Haltepunkt auf dem Weg nach Osten waren die Te Waikoropupu Springs. Hierbei handelt es sich um eine Karstquelle alla Blautopf, die für sich in Anspruch nimmt, das klarste Wasser weltweit auszuspucken. Immerhin 14 m^3 je Sekunde.

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Hinter dem Pass, zischen Motueka und Nelson sind Obst-, Gemüse- und Hopfenanbau und zunehmend auch Weinbau vorherrschend. Dies liegt daran, dass diese Region klimatisch absolut begünstigt ist.  Durch die Südalpen von polaren Kälteeinbrüchen geschützt, sorgt vom Norden her der Pazifik für ein ausgeglichenes Klima.

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Das wirtschaftliche Zentrum im Norden ist Nelson. Nelson ist eine Industriestadt, in deren Randlagen es jedoch schöne Wohnsiedlungen gibt, die sich die Berge empor ziehen, mit Meeresblick versteht sich.

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Je weiter man nach Osten kommt, desto auffälliger werden die großflächigen Rodungen des ursprünglichen Urwalds, der einer fragwürdigen Monokultur weichen muss.

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Spätestens in Havelock, der Hauptstadt der grünen Muschel, ist man endgültig in den Sounds angekommen, die uns mit ihrer herrlichen Landschaft begeistert haben. Nachfolgend der Blick in der Abendsonne entlang des Pelorus Sounds.

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Von hier aus war es nicht mehr weit, bis ein ankerndes Kreuzfahrtschiff das Hafenstädtchen Picton ankündigte. Gleichzeitig löste sich auch das Rätsel um die Kahlschläge auf. Das hier eingeschlagene Holz geht offensichtlich in den Export. Damit drängt sich die Frage auf: Ist Neuseeland über den Status eines Entwicklungslandes noch nicht hinaus gekommen?

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Picton, am Ende des Queen Charlotte Sounds traumhaft gelegen, wäre ohne die Fähre nach Wellington sicher in absoluter Bedeutungslosigkeit versackt. So erfreut sich das Städtchen einer beschaulichen Betriebsamkeit.

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Und für Rose schien endlich der Traum in Erfüllung zu gehen, mit Delphinen zu schwimmen. Tour gebucht und los geht’s.

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Auf der Suche nach Delphinen klapperte die Crew den gesamten Queen Charlotte Sound ab

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und wurde endlich fündig. Eine Gruppe Hectordelphine zeigte reges Interesse an unserem Boot. Da die Gruppe jedoch Nachwuchs hatte, war an Schwimmen nicht zu denken.

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Die weitere Suche blieb leider ohne Erfolg, so dass für Rose dieser Traum weiterhin unerfüllt blieb.

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Folgt man der Küstenlinie von Picton über Waikawa, gelangt man über einsame Buchten in das bekannte Weinbaugebiet um Blenheim (Marlborough Region).

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Eines ist sicher, im Vergleich dazu müssen unsere Winzer wirklich hart arbeiten, um zu ihrem Tropfen zu kommen.

Am Ende schließt sich der Bogen und wir verabschieden uns von der Südinsel mit dem verrückten Huhn Takahe.

Farewell Spit

Die Landzunge Spit erstreckt sich direkt neben dem Cap Farewell, dem nördlichsten Punkt der Südinsel, über mehr als 30 km hinaus in die Cook Strait. Ihre Breite misst dabei gerade einmal mehrere 100 m. Ihre Entstehung verdankt „The Spit“ der Erosion der Südalpen. Jährlich werden 3500 m^3 Sand, die dort ins Meer gespült wurden, von Meeresströmungen zum Spit transportiert und abgelagert. Das jährliche Wachstum der Landzunge beträgt 2 m. Auf der Innenseite der Landzunge hat sich ein riesiges Feuchtgebiet entwickelt, das für Zugvögel, die zwischen den beiden Polgebieten pendeln, von überragender Bedeutung ist. Die Landzunge wurde deshalb als „Nature Reserve“ unter absoluten Schutz gestellt und kann nur mit einer geführten Tour besucht werden. An einer solchen Tour habe ich teilgenommen.

Wir starteten morgens um 6:30 Uhr in Collingwood, einem Örtchen am Ende der Golden Bay. Der Flecken, der heute vielleicht aus 3 Dutzend Häusern besteht, war während der Goldrauschzeit 1856 als mögliche Hauptstadt Neuseelands vorgeschlagen worden. Als wir „The Spite“ erreicht hatten, hatte sich die Sonne gerade mal vom Horizont gelöst. Der Tourbus bretterte nahe der Wasserlinie über das Sandwatt. Häufig musste das Tempo verringert werden, um „quicksands“ auszuweichen oder über einen kleinen Priel zu holpern. An interessanten Stellen oder zur Vogelbeobachtung wurde angehalten.

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Ein Robbenbulle fühlte sich durch die Anwesenheit des Busses in seiner Lethargie gestört und robbte einen beeindruckenden Blitzangriff in Richtung Bus.

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Am äußeren Ende der Landzunge befindet sich eine Basstölpel-Kolonie. Dies ist die einzige Kolonie Neuseelands, in der diese Vögel auf Meereshöhe brüten. Leider konnten wir das Spektakel nur aus großer Distanz beäugen. Auch die Zahl der Basstölpel, die sich im Fluge zu uns verirrten, war entsprechend gering.

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Am Leuchtturm, der mit seinen 30 m Höhe der höchste Neuseelands sein soll, besichtigten wir bei einer Tasse Kaffee das kleine Museum, das im alten Leuchtturmwärterhaus eingerichtet wurde. Dort erfuhren wir einiges über hier gestrandete Wale. Die letzte größere Walstrandung, die für internationales Aufsehen gesorgt hatte, ereignete sich anfangs Februar dieses Jahres. Als Erinnerung an derartige Ereignisse wurde bereits vor vielen Jahren ein Wal-Skelet aufgestellt.

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Auf dem Rückweg machten wir noch einen Stopp, um Sanddünen  zu fotografieren.

Ein weiterer hochinteressanter Haltepunkt lag nahe dem Cap Farewell. Ein Aufschluss zeigt hier einen Schnitt durch ein 15 Millionen Jahre altes  Flussbett, das durch tektonische Verschiebungen von massiven Gesteinsformationen überdeckt wurde.

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Letzter Halt war dann der obligatorische Aussichtspunkt auf das Cap Farewell.

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AbelTasman NP

Freitag 17. März

Der Wetterbericht hatte wieder einmal gutes Wetter vorhergesagt, weshalb wir am Abend zuvor das Wassertaxi zur Bark Bay gebucht hatten. Wir hatten uns vorgenommen ein Teilstück des Küstenwanderweges, der durch den gesamten Nationalpark führt, zu begehen. Als wir uns um 9:15 Uhr am Meetingpoint in Marahau einfanden, standen die Boote für unterschiedliche Zielpunkte schon bereit. Allerdings dümpelten diese nicht im Wasser, sondern lagen ruhig auf ihren Anhängern, die von bulligen Traktoren gezogen wurden. Zugegeben, der erste Eindruck dieser Gespanne war etwas befremdlich. Wie sich aber bald herausstellen sollte, war diese Lösung sehr praktisch, typisch neuseeländisch eben.

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Nach Liste wurden alle Wanderer auf die Boote verteilt und dann ging es auch schon los. Ein kurzes Stück entlang der Straße und dann über eine Rampe hinab in die Bay und über das Sandwatt hinaus bis zur Wasserlinie. Wegen der Ebbe war das Wasser deutlich zurückgewichen.

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An der Wasserlinie angekommen, wurden die Hänger rückwärts ins Wasser bugsiert, bis sich die Boote freischwammen.

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Der Rest war dann Sache des starken Außenbordmotors unter dessen Schub sich das Boot regelrecht aufbäumte. Als wir zusammen mit anderen Wanderern an der Bark Bay abgesetzt wurden, war klar, dass es nun kein Zurück mehr gab. Wir mussten die 12,4 km bis zur Anchorage Bay bis 16:30 Uhr geschafft haben, denn um diese Zeit würde uns das Boot dort wieder abholen. Also los!

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Bark Bay: Rose am Trailhead.

Der hervorragend angelegte Weg folgte teilweise dem Küstenverlauf. Immer wieder löste er sich jedoch von der Küste, um einen Bergrücken zu überwinden. Die abwechslungsreiche Strecke führte durch einen Regenwald, der uns immer wieder aufs Neue begeisterte und eröffnete herrliche Ausblicke auf Buchten, romantische Seen und verträumte Dschungelbäche.

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Von den Baumfarnen,  die hier zu wahren Riesen-Exemplaren heranwuchsen, waren wir besonders angetan.

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An der Torrent Bay hätten wir gut und gerne den restlichen Tag an diesem tollen Strand verbringen können, doch wir hatten noch über 5 km Strecke vor uns.

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Als wir schließlich an der Anchorage Bay eintrafen, hatten wir noch genügend Zeit für ein erfrischendes Bad.

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Die phantastische Tour endete, wie sie begonnen hatte: Das Wassertaxi brachte uns sicher zurück nach Marahau. Mit Schwung lenkte unser Bootsführer sein Gefährt zielgenau auf den bereitgestellten Anhänger. Kaum dass das Boot verriegelt war, fuhr der Traktor los und setzte uns kurze Zeit später in der Ortschaft ab. Eine klasse Methode, die völlig unabhängig vom jeweiligen Pegelstand funktioniert.

Am Samstag bemerkte ich beim Aufwachen, dass sich der Himmel rot färbte. Hastig schnappte ich meinen Fotorucksack und eilte hinaus zur Bucht. Marahau verabschiedete sich von uns mit einem wahren Feuerwerk.

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Westküste 2

Dienstag, 14 März,

Nach Besichtigung des Franz Josef Glacier fuhren wir an der Westküste entlang weiter nach Norden. Wie hier im Tal des Whataroa River eröffneten sich immer wieder herrliche Blicke auf die Bergkette der Südalpen.

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Hokitika ist, wie viele Städte entlang der Westküste, durch den Bergbau groß geworden. An diese alten Tage erinnert auch ein Denkmal auf der Hauptstraße des Ortes. Nach dem Wegfall des Bergbaus sucht der Ort offensichtlich nach Möglichkeiten die Strukturkrise zu überwinden. Der Ausbau der Uferpromenade scheint wohl ein solcher Ansatzpunkt zu sein. Kurz hinter Hokitika fanden wir einen netten Campground für die Nacht.

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Am Mittwoch wollten wir es dann wirklich wissen. Nach so viel Goldrausch und Mining entlang der Strecke besuchten wir die ehemalige Goldgräberstadt Shanty Town.

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Hier hat man das alte Städtchen als Freilichtmuseum wieder aufleben lassen. Von der Kirche über Handwerksbetriebe bis zu den ehemaligen Stollen und Schürfplätzen ist vieles originalgetreu dargestellt. Ein besonderes Highlight ist die Fahrt mit der Schmalspurbahn durch den Regenwald.

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Eine chinesische Reisegruppe, noch mit viel Disziplin ausgestattet, trat geschlossen zum Gold waschen mit Pfanne an. Nach einer ausführlichen Einweisung mit Dolmetscherin ging´s dann vergnüglich an die Arbeit.

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Entlang der Küstenstraße boten sich immer wieder phantastische Ausblicke. Doch in Punakaiki wartet mit den Pancake Rocks der Höhepunkt des Tages auf uns.

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Wir bestaunten nicht nur die geologische Besonderheit der horizontal geschichteten Platten sondern auch die spektakuläre Sicht entlang der Westküste bis zum  Mt. Cook., immerhin eine Distanz von nahezu 200 km Luftlinie. Der Regen der vorausgehenden Tage hatte also auch seine gute Seite.

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Der Verlauf der Küstenstraße (Route 6!) ist weiterhin sehr abwechslungsreich. Immer wieder eröffnen sich neue Ausblicke auf die Küste …

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… oder werden Flüsse gequert, wie hier der Nile River vor Westport.

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Nördlich von Westport fanden wir einen einsamen Übernachtungsplatz direkt am Kiesstrand. Die Ruhe solcher Plätze empfinden wir immer als besonderen Luxus. Das Beitragsbild oben zeigt den Sonnenaufgang am anderen Morgen.

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Donnerstag, 16. März

Im Hafenstädtchen Westport verabschiedeten wir uns von der Westküste. Das Hafenstädtchen macht einen aufgeräumten Eindruck, obgleich auch hier der Strukturwandel noch nicht vollzogen sein dürfte. Die Verladeanlagen für Kohle, die am Hafen zu sehen waren, erweckten nicht den Eindruck, als seien sie noch in Betrieb. Nach der Zeit als Umschlagplatz für Gold, war der Kohlebergbau das wirtschaftliche Rückgrat auch dieser Stadt.

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Von Westport folgte die Straße dem Tal des Buller River. In dessen Oberlauf passierten wir das Städtchen Murchison, ein Zentrum des Wildwassersports.

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Weiter nördlich waren wir über die Art der Forstwirtschaft, die hier am Rande des Mount Richmond Forest Park praktiziert wird, mehr als erstaunt. Kahlschlag soweit das Auge reicht und anschließend die Aufforstung von Monokulturen. Diese Praxis geht hier offensichtlich bereits seit Jahrzehnten, denn man fährt entlang der Strecke durch alle Altersklassen dieser langweiligen Wälder. Die Fehler, die man bei uns im Schwarzwald seit geraumer Zeit mühsam zu korrigieren versucht, werden hier unbeirrt fortgesetzt.

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Am späten Nachmittag erreichten wir unser heutiges Ziel, Marahau im Abel Tasman Nationalpark.

FranzJosefGlacier

Am Sonntag, 12. März, verließen wir Queenstown in Richtung Westküste bei Regen. In Arrowtown sowie an vielen anderen Orten in dieser Region trifft man auf Überreste aus der neuseeländischen Goldrauschzeit. So auch entlang der Cardrona Valley Road.

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Im Cardrona Valley wird man gleich in doppelter Weise fündig. Ob mit dieser Installation allerdings mehr dem Busen oder dem BH gehuldigt werden soll, bleibt das Geheimnis der Akteure.

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Am Lake Hawea übernachteten wir auf einem sehr weitläufigen und wenig besuchten Campground. Im Kontrast zu Queenstown war dies Erholung pur.

Am Montag setzten wir die Fahrt an die Westküste fort. Nach der Wettervorhersage sollte sich dort die Sonne heute durchsetzen. Am Haast Pass war die Wolkendecke jedoch noch dicht. Dennoch lohnte sich der kurze Walk zum Haast Pass Lookout, da der Weg durch einen märchenhaften Regenwald führte.

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Am Fox Glacier war das Wetter immer noch bescheiden, deshalb fuhren wir gleich bis Franz Josef durch. Vor dem Abendessen reichte es gerade noch für ein Bad in den Hot Pools.

Als wir am Dienstag, 14. März, aufwachten, schien die Sonne. Einige Wolkenreste hielten sich zwar noch hartnäckig aber es war offensichtlich, dass sich die Sonne heute durchsetzen würde.

Wir brachen zügig auf. Die Route hinauf zum Gletscher war einfach zu gehen und deshalb entsprechend stark frequentiert.

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Wie so oft, ist der Weg das Ziel. Während die meisten, auf den Gletscher fixiert, an den phantastischen Flechten und Moosen achtlos vorbei hasteten, waren sie für mich eine Hauptatraktion. Mehr Farbe und mehr Kontrast geht nicht.

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Auch der Franz Josefs Glacier musste der Klimaerwärmung bereits Tribut zollen. Seit dem Ende der 70er befindet er sich auf dem Rückzug.

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Queenstown

Freitag, 10. März

Als wir den Cascade Creek Campground verließen, hing der Morgennebel noch zwischen den Grashalmen und waberte über den Baumwipfeln.

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Auch der Lake Te Anau zeigte sich nochmals von seiner besten Seite.

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In Te Anau bogen wir Richtung Queenstown ab. Wir waren gespannt auf die „Outdoor City“.

Die Fahrt verlief nun durch hügeliges Voralpen-Terrain. Der eiszeitliche Moränenschutt bildet hier die Grundlage für eine liebliche, von Seen durchsetzte Hügellandschaft. Mit der Zeit wurden die Berge höher. In Kingston erreichten wir den Lake Wakatipu. Die Straße schlängelt sich, dem Ufer folgend, Queenstown entgegen.

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Im Knie des Wakatipu, in herrlicher Lage, macht sich Queenstown breit. Nachfolgend der tolle Blick von Queenstowns Hausberg. Den ergatterten wir am Samstag, als am Nachmittag die Wolkendecke aufriss.

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Die Bebauung, die am Seeufer längst keinen Platz mehr findet, brandet gegen die Berghänge. Bereits bei der Anfahrt durch die Vorortsiedlungen wird an der jungen Bausubstanz deutlich, dass diese Stadt in den letzten zwei Jahrzehnten eine furiose Entwicklung genommen haben muss. Die bebaute Fläche dürfte sich in dieser Zeit ungefähr verzehnfacht haben. Nicht schritthalten konnte offensichtlich die verkehrsmäßige Anbindung. Die alte Straßenbrücke ist erkennbar baufällig, doch mit dem Bau einer neuen wurde gerade erst begonnen.

Ich mach´s kurz: Ich war entsetzt über die Form von Tourismus, die mir da begegnet ist. Unter Outdoorsport verstehe ich jedenfalls etwas anderes. Man kann hier für viel Geld alles machen, was man sich denken kann. Aber nur, weil diese Aktivitäten im Freien stattfinden, ist das noch lange kein Outdoorsport, vielmehr erinnert es eher an ein großes Volksfest. Ich habe nichts dagegen, dass man auch in der Natur seinen Spaß haben kann, im Gegenteil, aber der reine Konsum und die totale Vermarktung der Ressource Natur für die Tourismusindustrie, scheint mir kein nachhaltiger Weg zu sein. Der hier ausgelöste Boom trägt erkennbar Züge der Überhitzung, die an die alten Goldgräberzeiten erinnern, welche der Flecken Arrowtown in unmittelbarer Nachbarschaft bereits hinter sich hat. Die einseitige Ausrichtung Queenstowns an dieser Form des Tourismus erscheint mir zumindest äußerst riskant.

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Nach diesen Eindrücken habe ich etwas recherchiert und herausgefunden, dass die Löhne in Queenstown ca. 20 – 30 % hinter denen von Auckland rangieren. Dafür dürften die Kosten für den Lebensunterhalt eben so viele Prozentpunkte über dem Landesdurchschnitt liegen. Dies bedeutet, dass nur wenige von diesen Unsummen profitieren, die hier umgesetzt werden.

Ein Zukunftsprojekt alla Queenstown: Man denke sich Tannheim in der Ausdehnung vom Vilsalpsee bis zum Haldensee mit ca. 25 000 Einwohnern. Auf dem eigenen Flugplatz landen im 30-Minuten-Takt Jets aus Österreich, der Schweiz und Deutschland.