Container-City

In den Stuttgarter Wagenhallen, wo einst Lokomotiven und Busse gewartet wurden, hatten sich nach der Jahrtausendwende Kunst- und Kulturschaffende aller Art eingemietet. Als 2015 der Beschluss stand, die Wagenhallen zu sanieren, musste für sie eine Interimslösung gefunden werden, das war die Geburtsstunde der „Container-City“.

Hier zu sehen die Skulptur „Yellow Arrow, 2011, Auto, Stahl, Lack, 240 × 430 × 1300 cm“ von Stefan Rohrer. Ein Ausflug auf dessen Homepage ist absolut lohnend.

Im „Vorhof“ der Wagenhallen entwickelte sich eine alternative Szene aus Handwerkern, Künstlern, Architekten, Theaterleuten und Lebenskünstlern, die auch über den Wiederbezug der Wagenhallen hinaus bis heute Bestand hat. Dass sich dieses „Kulturschutzgebiet“ in den vergangenen Jahren zu einem kreativen und lebendigen Ort für innovative Kultur in Stuttgart entwickelt hat, ist auch beim Stadtrat angekommen. Deshalb sucht man nach Lösungen, um diese alternative Szene an einen anderen Ort umzusiedeln, denn im Rahmen der Umgestaltung von Stuttgart 21 und dem neuen Rosensteinquartier muss auch die selbstgestaltete Außenfläche „Container-City“ weichen.

Das Gebiet um die Wagenhallen ist Teil der Entwicklungsfläche Stuttgart Rosenstein. Hier soll 100 Jahre nach der Weissenhofsiedlung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) bis zum Ausstellungsjahr der erste Baustein des neuen Stadtteils entstehen: die sogenannte „Maker City“. Die Idee ist, ein Quartier mit neuen ökologisch‐sozialen Wohnformen und gemischter Nutzung zu errichten. In Anlehnung an den bereits kulturell geprägten Ort soll ein produktives Stadtquartier entwickelt werden. Neben den Ateliers der ansässigen Kunst‐ und Kulturschaffenden können Handwerksbetriebe und Einrichtungen für die Bereiche Entwicklung, Forschung, Bildung und Freizeit entstehen – und dazu beitragen, dass die „Maker City“ ein lebendiges und vielfältiges Viertel wird. Offensichtlich haben die Stadtplaner Stuttgarts begriffen, dass sich eine derart katastrophale Architektur wie im Europaviertel nicht wiederholen darf.

Wie die Lösung für das Ausweichquartier ausfallen wird, bleibt abzuwarten, denn das Ganze hat auch noch eine weitere wichtige Dimension, die bei Diskussionen meist unter den Tisch fällt. An Orten wie der „Container-City“ gelingt es, auch Menschen zu integrieren, die sich mit einem bürgerlichen Leben aus unterschiedlichen Gründen schwer tun. Hier aber sind sie nicht nur geduldet, sondern können sich auch mit ihren Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringen und finden bezahlbaren Wohnraum. Die Sanierung alter oder Entwicklung neuer Stadtviertel entzieht diesen Mitmenschen die Lebensgrundlage. Die Folgekosten für Sozialarbeit und Sozialkassen währen wahrscheinlich wesentlich größer und weit weniger produktiv, als die Unterstützung einer solchen Szene. Eine Großstadt / Gesellschaft braucht derartige „Kulturschutzgebiete“ in denen sich alternative Lebensformen entwickeln können.

Quellen:

Gespräche mit Bewohnern, Stuttgarter Zeitung, Stadt Stuttgart, Kunst- und Kulturverein Wagenhallen

Wo die moderne Architektur erfunden wurde.

Im 1907 gegründeten Deutschen Werkbund wurde erfolgreich der Versuch unternommen, durch die Zusammenarbeit von Kunst, Industrie und Handwerk die Qualität deutscher Produkte sowie deren Produktionsprozesse zu verbessern. Zentrales Anliegen war die Suche nach einer neuen, durch „Zweck“, „Material“ und „Konstruktion“ bedingten Formgebung. Die Produktpalette reichte dabei „vom Kopfkissen bis zum Städtebau“.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Werkbund zunehmend von führenden Vertretern des „Neuen Bauens“ beeinflusst. Mit der Ausstellung „Die Wohnung“ gelang dem Werkbund 1927 ein großer Wurf, denn mit der Stuttgarter Weissenhofsiedlung präsentierte er erstmals national und international die von ihm postulierten neuen Formen des Wohnens. An der Ausstellung beteiligten sich 17 Architekten aus verschiedenen Ländern. Dazu gehörten Le Corbusier, Gropius (Bauhaus) und Scharoun. Damals waren sie nur in Kreisen der internationalen Avantgarde bekannt – heute zählen sie zu den bedeutendsten Meistern der modernen Architektur. Unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe suchten sie nach Antworten auf die Frage, wie künftig in der Großstadt gewohnt werden sollte. In nur 21 Wochen entstanden 21 Musterhäuser.

Die Bauausstellung Weissenhofsiedlung zeigte die damals aktuelle Entwicklung der Architektur und des Wohnungsbaus. Ein formaler Zusammenhang wurde durch die grundsätzlich ähnlichen Architekturauffassungen der mitwirkenden Architekten und die Vorgabe der „revolutionären“ Flachdächer erreicht. Die Auffassung vom „Bauwerk als Gesamtkunstwerk“ und der Grundsatz „die Form folgt der Funktion“, ließ nüchterne, kubische Zweckbauten ohne jeglichen Schnörkel entstehen, die bis heute die Baukunst der Moderne und Postmoderne repräsentieren und beeinflussen.

Die damalige Zielsetzung im Wohnungsbau lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der Wohnungsbau sollte billiger und besser werden. Licht und Luft sollte die Gesundheit fördern und die Hauswirtschaft sollte vereinfacht werden.

Wer heute die Weissenhofsiedlung besichtigt trifft zuerst auf die „Wohnmaschine“ von Le Corbusier. (Die nachfolgende Aufnahme musste wegen einer Baustelle aus einer etwas ungünstigen Position gemacht werden.)

Le Corbusier hat am radikalsten und zugleich richtungsweisendsten moderne Architektur bis hin zur Inneneinrichtung umgesetzt. Seine 5 Punkte zur Architektur können an diesem Bauwerk nachvollzogen werden und sind heute aktueller denn je:

  1. Ein Raster von Stahl-/Betonstützen ersetzt die tragenden Mauern und erleichtert modulares Bauen.
  2. Durch den Wegfall tragender Mauern wird eine freie Grundrissgestaltung ermöglicht.
  3. Die Ständerbauweise ermöglicht auch eine freie Fassadengestaltung. Die Trennung der äußeren Gestaltung von der Baustruktur wird so möglich.
  4. Langfenster durchschneiden die nichttragende Fassade und versorgen die Wohnung mit gleichmäßigem Licht.
  5. Die Dachgärten werden ins Wohnen einbezogen. Sie dienen dem Schutz der Flachdächer, als Nutzgarten und geben ein Stück Natur zurück.

Ein weiteres Element seiner Architektur lässt sich unschwer erkennen: Da es ja auch um günstigen Wohnraum ging, knauserte Le Corbusier mit jedem Quadratmeter. Verkehrsflächen wurden deshalb möglichst klein gehalten, um nicht unnötig an Wohnfläche zu verlieren. Dies führte insbesondere zu sehr steilen und schmalen Aufgängen und Treppenhäusern.

Seine Idee das Wohnen und Schlafen in einem Zimmer zu integrieren sparte zwar Raum, stieß aber auf wenig Gegenliebe, denn sie war zwar praktisch, zwang den Bewohnern aber einen Lebensstil auf, der ihnen zumindest damals nicht entsprach. Seine gemeinsam mit seinem Vetter Pierre Jeanneret errichtete „Wohnmaschine“ war deshalb das einzige Haus, das nach der Ausstellung nicht vermietet werden konnte.

Die Reihenhäuser im Pankokweg 5-9 (Bild oben) stammen vom Architekten J.J.P. Oud. Dieser niederländische Architekt gilt heute als einer der Hauptvertreter des Funktionalismus.

Die an eine Fabrikhalle erinnernden Reihenhäuser unten entwarf Mart Stam, der jüngste Architekt, der in der Weissenhofsiedlung bauen durfte. Der niederländische Architekt und Designer hatte ein wechselvolles Leben, das ihn wiederholt zwischen der DDR und dem Westen pendeln ließ.

Der deutsche Architekt Hans Scharoun entwarf das nachfolgende Einfamilienhaus im Hölzelweg 1. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der organischen Architektur.

Nach der Machtergreifung 1933 sahen sich die Architekten des Neuen Bauens zunehmender Kritik ausgesetzt. Viele wanderten aus und trugen ihre Ideen in die Welt. 1938 stimmte die Stadt Stuttgart dem Verkauf der Siedlung an das Deutsche Reich zu. Das Ansinnen, die „Arabersiedlung“ abzureißen wurde jedoch wegen des Kriegsausbruchs nicht umgesetzt. 1944 wurden dann durch Bombenangriffe 10 Häuser völlig zerstört und nach dem Krieg weitere Häuser durch Umbau verschandelt. Erst 1958 stellte Stuttgart die übriggebliebenen Häuser unter Denkmalschutz. Nach Gründung des Vereins „Freunde der Weißenhof-Siedlung e.V.“ sanierte die Stadt 1981 bis 1987 die verbliebenen elf Häuser und versetzt sie in ihren ursprünglichen Zustand. Seit 2006 ist in der „Wohnmaschine“ von Le Corbusier das Weißenhofmuseum untergebracht. Dieses Doppelhaus wurde 2016 gemeinsam mit seinem Haus Citröhan in die Liste des UNESCO‐Weltkulturerbes aufgenommen.

Und wie sieht die Zukunft aus? Genau hundert Jahre nach dem Weissenhof wird in Stuttgart an der IBA’27 geplant.

In der heutigen Zeit dürfen die nachfolgenden Informationen nicht unter den Tisch fallen:

Gropius versuchte sich im Dritten Reich wiederholt mit den Nazis zu arrangieren, um seine Ideen nach der Schließung des Bauhauses auf privater Ebene fortsetzen zu können, allerdings erfolglos. Hierfür erntete er nach dem Dritten Reich viel Kritik.

Anders Le Corbusier. In Wikipedia wird der Lausanner Architekturhistoriker Pierre Frey zitiert: „Le Corbusier war ein radikaler Theoretiker … und ein rabiater Antisemit.“ Fakt ist, dass er unmittelbar nach der Installation der Vichy-Regierung im besetzten Frankreich den Kontakt zu diesem Regime suchte und über zahlreiche rechtsradikale Unterstützer verfügte, die ihn dort empfahlen. Infolge wurde er 1941 zum Beauftragten für Städtebau im zerstörten Frankreich ernannt. Nach der Befreiung Frankreichs 1944 ging es für ihn nahtlos weiter. Er wurde Vorsitzender der Städtebaukommission des französischen Architektenverbandes und setzte seine Karriere als Architekt auf internationaler Bühne fort.

Quellen:

Stadt Stuttgart, Planet-Wissen, Wikipedia zu einschlägigen Architekten.

Trockenbrüche

Unsere Streuobstwiesen haben in diesem Jahr unter der langen Trockenheit schwer gelitten. Eine Vielzahl alter Bäume brach einfach auseinander.

Natürlich ist es nicht nur die Trockenheit, die zu diesen Schäden geführt hat. Wie immer ist das Problem komplexer. Alte Obstbäume sind häufig vom Pilz befallen und von innen heraus morsch, denen gab die Trockenheit den Rest. Doch auch gesunde Bäume waren von Trockenbrüchen betroffen. Ob Apfel-, Birn-, Kirsch- oder Zwetschgenbaum, keine Obstsorte blieb verschont.

Ein großes Problem ist, dass viele Streuobstwiesen seit Jahren nicht mehr gepflegt werden. Der Baumschnitt blieb aus und auch der Baumbestand wurde nicht mehr erneuert. Die alten Leute, die diese Baumpflege über Jahrzehnte betrieben haben, sterben langsam aus. Für sie waren die Streuobstwiesen einst lebensnotwendig, später Gewohnheit und am Ende nur noch eine Last. Die Jüngeren haben oder nehmen sich dafür nur selten Zeit, zumal sich diese Arbeit in keiner Weise rechnet.

Die Folgen sind nicht zu übersehen. Da nützt es auch nichts, die Streuobstwiesen zu schützen. Nur ein Umdenken, eine Änderung der Lebensweise und neue Ideen zur Vermarktung werden diese artenreiche Kulturlandschaft retten. Heute zählen die Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräume.

Gruorn, das verschwundene Dorf

Auf den Hochflächen der Schwäbischen Alb war es schon immer schwierig Landwirtschaft zu betreiben. Dies war nicht nur dem rauen Klima, sondern insbesondere auch dem Wassermangel geschuldet. Da die dort anstehenden Juraformationen das Wasser durchlassen, waren Ansiedlungen nur möglich, wenn das Gelände das Anlegen einer „Hüle“ zuließ. Hierzu wurde eine Senke mit Ton ausgekleidet, so dass sich dort das Oberflächenwasser sammeln konnte. Ganz anders bei Gruorn. Diese Ortschaft wurde an einem Vulkanschlot des Schwäbischen Vulkans gegründet, dessen wasserundurchlässiger Basalttuff für eine natürliche Hüle (Maar) sorgte. Deshalb war Gruorn bei seiner ersten urkundlichen Erwähnung 1254 bereits ein stattliches Bauerndorf mit mehreren hundert Einwohnern. Die Anfänge der Gemeinde reichen jedoch weiter zurück, denn bei Untersuchungen der Stephanuskirche konnte man Teile des Kirchenschiffes auf das Ende des 11. Jahrhunderts datieren.

Quelle: https://gruorn.info/geschichte/

Gruorn war also ein Ort mit Geschichte, als 1937 von der Reichsführung die Entscheidung getroffen wurde, den seit 1896 bestehenden Truppenübungsplatz auszuweiten. Auch die Gemeinde Gruorn war davon betroffen. Den 665 Einwohnern blieben für die Umsiedlung ganze zwei Jahre. Die entvölkerten Häuser wurden in den militärischen Übungsbetrieb einbezogen bis sie zerschossen waren oder aus Gründen der Sicherheit gesprengt werden mussten. Nur zwei Gebäude überlebten diese Zeit, die zerfallende Stephanuskirche mit Friedhof und das Schulhaus gegenüber.

Beim Treffen ehemaliger Bewohner, deren Nachfahren und anderer Interessierter kam es 1968 zur Gründung des „Komitees zur Erhaltung der Gruorner Kirche“. Diesem Komitee, ist es zu verdanken, dass die Kirche heute ein echtes Kleinod ist mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert und modernen Glasfenstern, welche an die bewegende Geschichte Gruorns erinnern. Auch der Friedhof wird von diesem Komitee gepflegt.

Seit seiner Schließung ist der Truppenübungsplatz auf ausgewiesenen Wegen frei zugänglich und damit auch Gruorn wieder zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. Vom Wanderparkplatz Trailfinger Säge aus sind es nur knapp 2 km bis zur „Ortschaft“. Zwischen Ostern und Allerheiligen finden an Sonn- und Feiertagen jeweils um 14.30 Uhr öffentliche Geschichts- und Kirchenführungen statt. Treffpunkt ist vor der Kirche.

Im ehemaligen Schulhaus sind heute eine Gaststätte und ein Museum untergebracht. Letzteres ermöglicht weitere Einblicke in das ehemalige Dorfleben. Auf einem Rundweg durch die einstige Gemeinde sind nur noch einzelne Mauerrest auszumachen. Nachfolgend die Überreste eines Treppenaufgangs, der einmal zum Hauseingang eines Bauernhauses gehörte.

Aktuell betreibt die Firma Daimler Truck die Wiederherstellung der durch den Militärbetrieb schwer ramponierten Dorfhüle. Dies erfolgt im Rahmen einer naturschutzrechtlichen Ausgleichsmaßnahme, da Daimler und andere Autofirmen die ehemalige Panzerringstraße zu Testzwecken nutzen.

Weitere Informationen zu Gruorn findest du hier oder bei mannisfotobude.

Führungen in Gruorn und auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz können bei der Touristik Information Münsingen gebucht werden.

Biosphärengebiet Schwäbische Alb

Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen bildet heute die Kernzone des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Dieses wurde 2008 als erstes Gebiet dieser Art in Baden-Württemberg ausgewiesen.

Die 16 Biosphärengebiete in Deutschland sind UNESKO Biosphärenreservate (BSR). Ein BSR ist eine von der UNESCO initiierte Modellregion, in der nachhaltige Entwicklung in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht exemplarisch verwirklicht werden soll.

Biosphärenreservate gliedern sich in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen:

  • Kernzonen sollen sich vom Menschen möglichst unbeeinflusst entwickeln und haben einen ähnlichen Status wie Naturschutzgebiete.
  • Die Pflegezonen sollen überwiegend wie Natur- oder Landschaftsschutzgebiete geschützt werden.
  • In den Entwicklungszonen soll eine vorbildliche ökologisch ausgerichtete Wirtschaftsentwicklung unterstützt werden.

Der Truppenübungsplatz Münsingen war 1895 auf dem Münsinger Hardt von der Militärverwaltung Württembergs errichtet worden. Als dort 2005 der Betrieb eingestellt wurde war durch die über 110 Jahre andauernde militärische Nutzung eines der größten nicht von Straßen zerschnittenen Offenlandgebiete Deutschlands entstanden. Da dieses Gebiet aufgrund seiner hohen Kampfmittelbelastung nur extensiv genutzt werden kann, stellt es einen idealen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar. Durch die Auflassung des Truppenübungsplatzes wurden in dessen Randbereiche größere Flächen an die angrenzenden Gemeinden zurückgegeben, so dass sich in dem ohnehin strukturschwachen Gebiet der mittleren Alb ein zusätzlicher Entwicklungsbedarf ergab. Damit waren ideale Voraussetzungen für ein Biosphärenreservat gegeben.

Seit 2006 ist das ehemalige Sperrgebiet auf ausgewiesenen Wegen für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir unternahmen eine Tour unter Führung eines TrÜP-Guides. Das ist „Neudeutsch“ und heißt Truppenübungsplatz-FührerIn. Geführte Touren haben den Vorteil, dass man zu den sehr guten Informationen auch Zugang zu Einrichtungen erhält, die man auf eigene Faust nicht besichtigen könnte.

Unsere erste Station war der ehemalige militärische Beobachtungsturm Waldgreut. Mit 20 m Höhe ist er der kleinste von drei Türmen, die einst zur Beobachtung von Manövern und Panzerschießübungen dienten. Heute bieten sie eine weite Sicht über die Offenflächen des Münsinger Hardts.

Warnschilder und Informationstafeln verweisen auf die besondere Vergangenheit dieser Region.

Unser nächstes Ziel war der Zielbauunterstand (ZBU). Von diesem Bunker aus wurden per Seilwinde und Stahlseil die Zielscheiben auf der Panzerschießbahn bewegt.

Zuerst kam natürlich ein Hinweisschild, erst dann der Bunker.

Die Stahlseile, mit deren Hilfe die Panzerzielscheiben im Gelände bewegt wurden, wurden über Rollen aus dem Bunker geführt und dann über den Verteiler in unterschiedliche Richtungen abgelenkt.

Um das gesicherte Schloss der massiven Stahltür des ZBU zu öffnen, bedurfte es mehrerer Hände. Geschafft! Die Tür öffnete sich und gab den Blick ins Innere des Zielbauunterstandes frei.

In langen Reihen angeordnet, füllten große Seilwinden den schmalen Raum. Mit zahlreichen Hebeln, Stellrädern und Messinstrumenten ausgestattet, war es den Maschinisten möglich exakt festzulegen, wie schnell und wie weit eine Zielscheibe bewegt werden soll.

Im Raum dahinter stand ein Achtzylinder Dieselmotor, der die Seilwinden antrieb.

Einfach niedlich

Neulich hatte ich die Gelegenheit bei der Schwabenlamm Schäferei in Heroldstatt einen Blick ins „Wochenbett“ zu werfen. Von Mai bis Dezember beweiden deren 600 Merinolandschafe (Württemberger Schaf) die Kalkmagerwiesen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen auf der Schwäbischen Alb. In dieser Zeit bietet der Stall viel Platz für Muttertiere kurz vor oder nach dem Ablammen.

Ohne die Auen (Muttertiere) ginge hier natürlich nichts, doch die Hauptrolle spielen eindeutig die frisch geborenen Lämmer.

Wie an der eingetrockneten Nabelschnur zu sehen, waren die Lämmer erst wenige Tage alt. Alle waren quicklebendig und überaus neugierig. Sie kauten zwar bereits auf dem Stroh herum, doch Muttermilch war natürlich noch ihre Hauptnahrung.

Die Schäferei dient auf der Schwäbischen Alb auch der Landschaftspflege. Ohne sie würden die Magerwiesen verbuschen und damit die alte Kulturlandschaft mit ihren Offenflächen verschwinden.

Info zur Aufnahmetechnik: Wegen der schwierigen Belichtungsverhältnisse im Stall wurden alle Aufnahmen mit ISO 1600 und Blende 5,6 aufgenommen. Die Belichtungszeit schwankte je nach Situation zwischen 1/125 und 1/400 Sekunde. Kamera: Canon R6 mit dem alten Standardzoom 24-105 mm. Wer hätte vor 10 Jahren geglaubt einmal mit ISO 1600 derart detailreiche und farbechte Bilder zu machen?

Die Ästhetik des Gewöhnlichen

Die Serie zeigt einfach nur Heuballen.

Endlich mal wieder ein Motiv nach meinem Geschmack. Nein, nicht dass Motive, die mir gefallen rar wären, doch es geht mir wie vermutlich noch vielen anderen auch. Nicht selten drängen sich mir Motive auf, weil ich sie schon zigfach als Bilder anderer Fotografen gesehen habe. Gute Bilder, die sich ins Gedächtnis brennen und nur darauf warten, auch noch von mir fotografiert zu werden.

Doch genau hier beginnt das Problem, denn so verliert man schnell die erforderliche Offenheit, um seiner Umgebung unbefangen begegnen zu können. Somit verschlechtert sich die Chance, sich den Wunsch aller Fotografen nach dem besonderen Bild zu erfüllen. Dabei scheint die Sache doch recht einfach: Fotografiert man das Besondere, so hat man das Bild das alle schon irgendwie haben. Befasst man sich mit dem Banalen, mit Körpern / Motiven, die in ihrer unaufgeregten Belanglosigkeit keine Aufmerksamkeit einfordern, so hat man die Chance, die Ästhetik zu entdecken, die jedem Körper eigen ist. Und damit haben wir dann, zumindest für uns selbst, das besondere Bild. Doch wenn das mal so einfach wäre, könnten wir uns vor besonderen Bildern nicht mehr retten.

Auf den Punkt gebracht: Nur mit der nötigen Offenheit entdecken wir die wirklich besonderen Motive, die noch nicht jeder in der Kiste hat. Dazu bedarf es manchmal einfach der Ruhe und ein bisschen Zeit, um die Umgebung auf sich wirken zu lassen.

Taubenschwänzchen

Das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) ist aufgrund seines Schwirrfluges auch als Kolibrischwärmer bekannt. Mit einem Flügelschlag von bis zu 90 Hertz ist es in der Lage seine Position selbst gegenüber einer bewegten Blüte exakt einzuhalten. Dazu kann es auch rückwärts fliegen. Mit diesen fliegerischen Fähigkeiten und einem langen Saugrüssel ausgestattet kann das Taubenschwänzchen innerhalb von 5 Minuten ca. 100 Blüten besuchen.

Die hohe Schlagfrequenz bedeutet, dass selbst bei einer Verschlusszeit von 1/1000 Sekunde ungefähr der fünfte Teil einer Abwärts- oder Aufwärtsbewegung des Flügels abgebildet wird. Die Flügel verwischen. Ausnahme: Erwischt man den Flügelschlag im Umkehrpunkt, hat man die Chance auf eine relativ scharfe Abbildung.

Doch nicht nur das Flugverhalten macht diesen Schwärmer interessant. Im Unterschied zu anderen Schwärmern, die in der Regel Nachtfalter sind, ist das Taubenschwänzchen tagaktiv. Das Taubenschwänzchen ist ein Wanderfalter. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den gesamten Mittelmeerraum und die mittleren Breiten Eurasiens, ist aber von der Jahreszeit abhängig, da es nur in frostfreien Regionen überwintern kann. Im Sommer weitet es seinen Lebensraum im Norden nach Skandinavien und in das südliche Sibirien aus und im Winter geht es in Afrika und Asien weiter nach Süden. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 80 km/h kann es innerhalb von zwei Wochen eine Strecke von ca. 3000 km zurücklegen. Vieles an diesem Insekt ist jedoch noch unerforscht.