Gut gereift

Nach einer langen Phase neblig-trüber und kalter Tage hat man die Chance auf tollen Raureif. Doch Raureif ohne Sonne gibt langweilige Bilder. Hat sich die Sonne aber endlich durchgekämpft und den Nebel aufgelöst, ist es mit der weißen Pracht schnell vorbei. Dies bedeutet, dass man zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein muss. Auf Verdacht fuhr ich deshalb am Sonntagnachmittag auf die Alb, doch die Sonne blinzelte nur hin und wieder durchs Gewölk. Kurze Momente für den Auslöser.

Zum Abschluss besuchte ich noch einen meiner Lieblingsplätze und genoss den herrlichen Blick auf die Salmendinger Kapelle. Für die kommende Nacht war nochmals Frost vorhergesagt. Doch bereits am Vormittag sollte starker Westwind die nächste Warmfront bringen. Das würde der Raureif nicht überleben. Also beschloss ich bei Sonnenaufgang wiederzukommen.

Das Fotojahr 2022

Mit einem Paukenschlag startete ich in das Fotojahr 2022, das sich als mein bislang erfolgreichstes entwickeln sollte. Im Januar 2022 hatte ich 4 Bilder beim bundesweiten DVF-Themenwettbewerb „Zuhause“ eingereicht. Nachdem ich bei einem früheren Wettbewerb ähnlicher Thematik bereits leer ausgegangen war, wollte ich testen, wie eingefahren der DVF (Deutscher Verband für Fotografie) und seine Juroren sind. Deshalb wählte ich gezielt solche Bilder aus, die sich kritisch mit dem Begriff „Zuhause“ auseinandersetzten und traf damit offensichtlich genau das Interesse der Jury.

Mit meinem Bild „Vorgarten“, das ich in einer Nachbargemeinde aufgenommen hatte, und mit dem ich auf die skandalöse Architektur aufmerksam machen möchte, die sich vielerorts breitmacht, gewann ich einen 3. Platz verbunden mit einer Bronzemedaille und einem Preisgeld.

Mit den Bildern „Abgelegt“ (oben) und „Am Herd“ (unten) wollte ich zum einen auf die schwierige Situation der Obdachlosen am Rande der Gesellschaft und zum andern auf das Problem der LKW-Fahrer auf den Autobahnparkplätzen aufmerksam machen. Mit beiden erzielte ich jeweils eine Annahme. Damit brachte ich 3 von 4 Werken in die Wertung bei einer Medaille. Das schaffte nur noch ein weiterer Teilnehmer.

Im Februar konnte ich dann mit dem bereits mehrmals erfolgreich eingesetzten Bild „Am Spreebogen“ in Riedisheim (Frankreich) beim Internationalen Photosalon eine Goldmedallie der „Federation Photographique de France“ gewinnen. Beim Trierenberg Super Circuit sammelte dieses Bild dann nochmals vier Annahmen ein. Damit entwickelte sich „Am Spreebogen“ insgesamt zu meinem erfolgreichsten Wettbewerbsbild.

In der Gesamtbilanz meiner besten Wettbewerbsbilder folgt „At the Bridge“, das es in diesem Jahr beim Trierenberg Super Circuit ebenfalls auf vier Annahmen brachte und zudem bei der Fotomeisterschaft des Bezirks Schwäbische Alb erfolgreich war.

 „Bus Stop to Heaven“ entwickelte sich prächtig. Beim GIP (German International Photocup) erzielte ich damit eine Urkunde und zwei weitere Annahmen. Auch bei der mir wichtigen Deutschen Fotomeisterschaft (DFM) konnte dieses Bild eine Annahme verbuchen.

Eine weitere Annahme erlangte ich bei der DFM mit dem Bild „Lentos Linz“ (oben), das auch bei der Landesfotomeisterschaft für eine Annahme gut war. Für eine weitere Annahme sorgte dort das Bild „Godöya“ (unten) das darüber hinaus bei der Bezirksfotomeisterschaft mit einer Urkunde dekoriert wurde.

Um diesen Bericht nicht unnötig aufzublähen, möchte ich es bei den größten Erfolgen belassen. Hierzu zählt für mich noch das Bild „Rendezvous XXL“, das ich im Frühjahr 2022 am Saarpolygon aufgenommen hatte. Dieses verschaffte mir eine Annahme beim Niederrhein Monochrom Fotosalon und den 1. Platz in unserem letzten Clubwettbewerb zum Thema Architektur. Dies war für mich ein besonders wichtiger Erfolg, weil ich damit zum zweiten Mal in Folge unsere Clubmeisterschaft für mich entscheiden konnte.

Den größten Erfolg aus meiner Sicht gab es in diesem Jahr aber auf der Vereinsebene. Gute Wettbewerbsfotografen hatte der Photoclub Reutlingen (PCR) schon immer. Um die Kooperation untereinander zu stärken, gründete ich 2020 eine Wettbewerbsgruppe. Diese hat in nur zwei Jahren und trotz Corona einiges in Gang gesetzt. So brachten wir in diesem Jahr bei den Bezirksfotomeisterschaften 25 Vereinsmitglieder an den Start. Die trugen nicht nur viele gute Einzelergebnisse nach Hause, sondern gewannen überlegen die Clubwertung. Und als sei das nicht genug, errang der PCR bei der Landesfotomeisterschaft Baden-Württemberg die Vizemeisterschaft. Damit haben wir in kurzer Zeit ein Niveau erreicht, von dem viele Fotoclubs im Lande nur träumen können. Dieses Niveau zu halten wird uns nicht leicht fallen, denn wir alle kochen nur mit Wasser.

Neben der Fotofahrt zum Saarpolygon waren für mich in diesem Jahr die Tour zu den Drei Zinnen, die schon lange auf meiner To-do-Liste stand, und die Veranstaltung „Urban Colors“ in Reutlingen spezielle fotografische Herausforderungen.

Mit diesem Bericht möchte ich mich zugleich bei euch allen für euer Interesse an meiner Homepage bedanken. Eure Kommentare sind für mich eine wichtige Rückmeldung für die Auswahl meiner Wettbewerbsbilder, denn all die Bilder, die ich in Wettbewerben einsetze, wurden zuvor – zumindest als Prototyp – auf dieser Homepage veröffentlicht. Für das Jahr 2023 hoffe ich weiterhin auf eure Rückmeldungen, die auch gerne kritisch ausfallen dürfen.

Herzliche Grüße an alle, Horst

Stuttgart 21 – im Tunnel

Die geniale Idee, die Zufahrt zum Kopfbahnhof Stuttgart um 90 Grad zu drehen, um daraus einen Durchgangsbahnhof zu machen, hatte einen Haken. Sie erforderte einen Tunnelbau von insgesamt 57 km Länge. Dies allein deutet die Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, jedoch nur an. Da der Tiefbahnhof Stuttgart 21 den gesamten Talgrund durchschneidet, mussten in diesem Bereich Straßen- und S-Bahntrassen sowie Abwasser- und Medienkanäle verlegt werden und der ungestörte Abfluss des Grundwassers gewährleistet bleiben. Letzteres wurde dadurch erreicht, dass der gesamte Tiefbahnhof als „Brücke“ konstruiert wurde. Die Bodenplatte des Bahnhofs lastet auf 2053 Rammpfählen, die bis zu 8 m tief im Erdreich verankert sind. Diese lassen dem Grundwasser genügend Raum und verhindern, dass das Bauwerk bei Hochwasser aufgeschwemmt wird. Und dann waren da noch die geologischen Probleme wie Mineralwasserquellen und die Anhydrit-Schicht, die bei Kontakt mit Wasser quillt und damit enorme Druckkräfte freisetzen kann. Der Juchtenkäfer spielte allerdings beim Tunnelbau keine Rolle.

Bei einer Tunnelführung Ende November 22 konnte ich den derzeitigen Stand der Arbeiten besichtigen. Unsere Führung begann wie üblich im ITS-Turm (InfoTurmStuttgart). Anhand von Modellen und Plänen lassen sich dort die einzelnen Abschnitte der Planung und des Bauens nachvollziehen.

Ein Highlight für viele Besucher ist sicherlich der virtuelle Drohnenflug durch den neuen Tiefbahnhof (oben). Doch auch den realen Blick auf die Baustelle sollte man nicht versäumen. Gegenwärtig werden die letzten vier Kelchstützen betoniert. Wenn diese ausgehärtet sind, kann die Decke der Bahnhofshalle vollends geschlossen werden.

Für uns ging es nach einer kurzen, allgemeinen Einführung in den Keller. Dort wurden wir mit Sicherheitsschuhen, Warnweste, Helm, Positionsmelder und Kopfhörer ausgestattet. Danach brachen wir Richtung Nordbahnhof auf.

In der Nähe des alten Abstellbahnhofs (oben) wird die Ehmannstraße von vier in die Jahre gekommenen Eisenbahnbrücken überspannt (unten). Nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 sind diese, wie das gesamte Nordbahnhofareal obsolet und sollen der Stadt neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Wir nutzten eine künftige Rettungszufahrt, um in die neuen Tunnelröhren einzusteigen. Zuerst ging es hinab in eine S-Bahn-Röhre. Anders als in den Bahntunneln, sind die Gleise hier im Schotterbett verlegt. Anschließend wechselten wir hinüber in die Röhren der Bahn. Hier konnte man eine Sicherheitsauflage beim Tunnelbau gut erkennen. Da der weitere Streckenverlauf bis zum Tiefbahnhof über einen Kilometer lang ist, werden die beiden Gleise ab hier in getrennten Röhren geführt. Die Strecke unterm Rosensteinpark hindurch bis zur Neckarbrücke beträgt jedoch weniger als ein Kilometer, weshalb die Beiden Gleise nun in einer Röhre geführt werden können.

Mit Erreichen des Tunnelportals unterm Rosensteinmuseum ist die Kurve in Richtung Bad Cannstatt vollendet.

Der Anschluss an die bestehende Bahnstrecke erfolgt über eine neue Neckarbrücke. Die alte Rosensteinbrücke, rechts erkennbar, wird nach Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs nicht mehr benötigt. Ob sie abgerissen oder einer neuen Nutzung zugeführt wird, ist noch offen. Das Bild unten zeigt den Blick neckarabwärts auf die neue „Rosensteinbrücke“.

Zu Stuttgart 21 findest Du auf meiner Seite noch einen Bericht zu einer Baustellenführung 2020 und zum Bau der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm von 2019, die jetzt in Betrieb geht.

„Zeichen der Erinnerung“

Heute vor 81 Jahren verließ der erste Deportationszug mit jüdischen Mitbürgern den Nordbahnhof in Stuttgart.

Die Gedenkstätte „Zeichen der Erinnerung“ am Nordbahnhof erinnert an die Deportationszüge, die während der NS-Zeit zwischen 1941 und 1944 von diesem Ort ausgingen. Mehr als 2600 Jüdinnen und Juden aus Stuttgart, Württemberg und Hohenzollern wurden von hier aus in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Fast alle diese Menschen wurden bis zum Ende des 2. Weltkrieg 1945 ermordet.

Die Gedenkstätte wurde von den Architekten Ole und Anne-Christin Saß geplant und mit Hilfe des hierzu gegründeten Vereins Zeichen der Erinnerung e. V. verwirklicht. Da der Ort der Deportation im Zusammenhang mit Stuttgart 21 überbaut werden sollte, entstand die Initiative, die Gleise als Erinnerungsstätte zu bewahren.

Es handelt sich um ein altes Güterbahngelände am inneren Nordbahnhof, auf dem noch heute die ursprünglichen Schienen und Prellböcke zu sehen sind. Die fünf Gleise werden von einer 70 Meter langen Mauer begrenzt, auf der die Namen der über 2600 von der Stuttgarter Gestapodienststelle deportierten jüdischen Einwohner der Region Stuttgart sowie von Sinti aus ganz Südwestdeutschland zu lesen sind.

Am 14. Juni 2006 wurde die Gedenkstätte offiziell der Öffentlichkeit übergeben. Der Architekt Ostertag, Vorstandsmitglied im Verein „Zeichen der Erinnerung“, sagte über die Gedenkstätte: „Wir werden uns fragen lassen müssen, warum wir mehr als 64 Jahre brauchten, um uns hier der Vergangenheit zu stellen.“

Die Ausführungen des Historikers Martin Ulmer zum 80. Jahrestag der ersten Deportation aus Stuttgart am 1.12.1941 zeigen in erschreckender Weise wie die Gesellschaft in ganzer Breite an der Judenverfolgung beteiligt war. Die systematische Verschleppung aus den Dörfern, Städten und Landkreisen Württembergs und Hohenzollerns war nur möglich, weil ein ganzes Netz an Beteiligten aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden und anderen Institutionen tatkräftig mithalf. An der anschließenden „Verwertung“ der zurückgelassenen jüdischen Vermögen, ein staatlich organisierter Diebstahl riesiger Dimension, waren die örtlichen Finanzämter und Banken beteiligt. Was nicht beschlagnahmt wurde, versteigerte man öffentlich. Von den einzelnen Existenzen blieb nur der Vermerk der örtlichen Postämter übrig: „Auf unbekannt verzogen“. Friedemann Rinke vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg weist auf einen besonders beschämenden Umstand hin: Nach 1945 sei jedoch konkret wegen der Deportationen aus Württemberg und Hohenzollern keiner der Täter strafrechtlich belangt worden. Aufgrund der Teilnahme an diesen Verschleppungen gab es auch von den späteren Entnazifizierungsverfahren nichts zu befürchten: Nach einer Phase der Internierung wurden 1950 alle aus der Stuttgarter Gestapozentrale, dem Hotel Silber, an den Deportationen Beteiligten freigesprochen“.

Und heute? Heute ist es nicht zu fassen, welche Töne in Deutschland wieder angeschlagen werden. Wir dürfen hier keinesfalls weghören.

Novembermorgen am Albtrauf

Am Sonntagmorgen sammelte ich Fotomotive am Albtrauf. Kurz nach 7 Uhr, gerade noch rechtzeitig vor Sonnenaufgang, erreichte ich den ersten Fotospot. Meine Hoffnung erfüllte sich, ein Mast der Überlandleitung ragte aus dem Nebelmeer heraus. Zum Sonnenaufgang wechselte ich die Talseite, um den streifenden Lichteinfall entlang der Traufhänge optimal ins Bild zu bekommen. Danach tauchte ich in die Nebelsuppe ab. Dort hätte ich mich in den Streuobstwiesen noch stundenlang austoben können, doch um 9:30 Uhr beendete ich meinen fotografischen Ausflug und machte mich mit klatschnassen Füßen auf den Heimweg. Ein gemütliches Frühstück in der Wärme rundete den gelungenen Start in den Tag ab. Sonntag!

Drei Zinnen

Bild oben: Lago di Antorno mit den Drei Zinnen.

Die Drei Zinnen sind wohl die bekannteste Bergformation Südtirols. Vom Norden aus sind sie am einfachsten über Toblach und den am Col San Angelo gelegenen Misurinasee zu erreichen. Von dort aus gelangt man über eine mautpflichtige Straße vorbei am Lago di Antorno zur Rifugio di Auronzo in 2320 m Höhe.

Die unmittelbar unter der Südflanke der Drei Zinnen gelegene Auronzohütte ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei von familienfreundlich bis zum alpinen Klettersteig.

Ich hatte mir vorgenommen von den Drei Zinnen Nachtaufnahmen zu machen. Hierzu startete ich am Nachmittag trotz deutlicher Bewölkung. Diese sollte sich nach der Wettervorhersage in der Nacht weitgehend auflösen. Der Weg führte mich an der Südrampe der Drei Zinnen entlang. Vorbei an der Cappella degli Alpini eröffneten sich Ausblicke hinab ins Val d´Ansiei.

Bild oben und unten: Der Blick zurück ohne und einmal mit den Drei Zinnen.

Über den Paternsattel (2454 m) setzte ich den Weg zur Drei-Zinnen-Hütte (2405) fort. Von dort aus bietet sich der berühmten Panoramablick auf die markante Felsformation der Drei Zinnen.

Ob es mit den Nachtaufnahmen tatsächlich noch etwas wurde, werde ich im nächsten Beitrag auflösen.

Hier noch einige Infos Zur Mautstraße: Die Maut für einen PKW beträgt 30 € und für einen Camper 45 €. Da das Ticket um Mitternacht abläuft sind bei einer Übernachtung für die Talfahrt nochmals 45 € fällig. Bei einer Anfahrt nach 19 Uhr ist nur die Talfahrt zu bezahlen. Eine genaue Angabe über die Anzahl der Parkplätze konnte ich nicht ermitteln. Nach meiner Schätzung dürften es aber mindestens 1500 sein. Selbst jetzt im Oktober waren diese Plätze bereits am Vormittag voll, so dass sich lange Warteschlangen bildeten. Zur Hauptsaison nicht auszudenken! Geschätzt werden über diese Maut in den Monaten Juni bis Oktober rund 20 bis 40 Millionen Euro umgesetzt. Ein Geschäft, das sich lohnt.