3-Flüsse-Fahrt, Schluss

Wir verließen das Lahntal in Richtung Süden und steuerten nochmals den Rhein an. Auf einer frisch gemähten Wiese nahe Hamm (Pfalz) konnten wir zahlreiche Störche beim Abendmahl beobachten. Sie genossen im wahrsten Sinne des Wortes den frisch gewonnenen Überblick auf alles was sich am Boden bewegte. Doch in Corona-Zeiten waren selbst die Störche auf Distanz getrimmt. Bei Verstößen gegen die Abstandsregel hoben sie einfach ab und schwangen sich mit wenigen Flügelschlägen hinauf in´s unerreichbare Blau des Himmels.

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An unserem letzten Morgen genoss ich nochmals die besondere Stimmung am Fluss. So sollte jeder Tag beginnen!

Das Gasthaus Rheinhof an der Kühkopffähre in Guntersblum hatte so früh am Tag natürlich noch nicht geöffnet, doch das Licht war toll und so drückte ich auf den Auslöser meiner Kamera. Eine menschenleere Gartenwirtschaft hat ja auch ihre Vorteile, man bekommt beim Fotografieren keine Probleme mit der Datenschutzverordnung.

Auf unserer letzten Etappe ging es über Heidelberg das Neckartal aufwärts. Nachfolgend ein letzter Ausblick von der Burg Hornberg.

 

3-Flüsse-Fahrt 5, die Lahn

Die Lahn entspringt im Rothaargebirge und mündet nach 245 km in den Rhein. Wir bereisten das Lahntal im Unterlauf von der Mündung bis kurz vor Wetzlar. Auf diesem Abschnitt wird die Idylle des in weiten Teilen naturbelassenen Flussbettes nur duch die Stadt Limburg „gestört“. Auf zwei Abschnitten sucht sich der Fluss seinen Weg sogar abseits jeglicher Straße. Das Lahntal ist deshalb ein ideales Terrain für Radfahrer, Wanderer und natürlich für Kanuten.

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Entlang der Lahn gibt es zahlreiche historisch sehenswerte und idyllisch gelegene Orte und Städte. So das mittelalterliche Städtchen Runkel östlich von Limburg, das nicht nur mit seiner steinernen Brücke aus dem Jahre 1448 besticht.

Da die Lahn in ihrem Unterlauf ein merkliches Gefälle aufweist, wurden seit dem 17. bis hinein ins 20. Jahrhundert Anstrengungen unternommen, um den Fluss schiffbar zu machen. Im Jahr 1809 entstand in diesem Zusammenhang in Runkel die erste handbetriebene Lahnschleuse überhaupt.

Eine absolute Besonderheit ist der 195 m lange Weilburger Schiffstunnel, der einzige in Deutschland. Ab 1859 war die Lahn auf 142 km für kleine Frachter schiffbar. Alle Versuche, die Lahnschifffahrt weiter auszubauen scheiterten zum Glück. 1971 kam es zur Einstellung der Berufsschifffahrt, so dass die Schleusen heute ganz den Sportbooten gehören.

Eine weitere Perle am Unterlauf der Lahn ist die Kreisstadt Weilburg. Auf einem von der Lahn umflossenen Felssporn erhebt sich das bedeutendste Renaissanceschloss Hessens, einst Residenz der Grafen von Nassau-Weilburg.

Die Anfänge des Schlosses gehen auf eine Burganlage aus dem 10. Jahrhundert zurück. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Anlage zum Residenzschloss umgebaut und zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem barocken Schloss mit Gartenanlagen erweitert. Mit der Ernennung des letzten Grafen von Nassau-Weilburg zum Großherzog von Luxemburg 1890 verlor das Weilburger Schloss seine Bedeutung als Residenz. 1935 wurde das Anwesen schließlich an den Staat verkauft.

Das Schloss verfügt über eine vielgestaltige Gartenanlage, die für die Öffentlichkeit frei zugänglich ist. Die untere Orangerie ist im Stile eines französischen Gartens gehalten, deren symmetrischer Aufbau durch zwei vergoldete Bleistatuen aus dem Jahre 1713 unterstrichen wird. Ein kleines Cafe rundet das Angebot ab.

 

 

 

 

 

3-Flüsse-Fahrt 4, Limburg an der Lahn

Die Lahn mündet in Lahnstein von rechts kommend in den Rhein. Hinter Lahnstein lässt man die Industrieansiedlungen und Verkehrsadern des Rheintals rasch hinter sich. Die vergleichsweise schmale Straße windet sich gemeinsam mit dem Flüsslein durch ein schmales, waldreiches und tief eingeschnittenes Tal. Schon bald erreicht man die Kreisstadt und Bischofsresidenz Limburg, die durch ihren spätromanischen Dom St. Georg bekannt ist. Gesichert ist, dass bereits im Jahre 1058 an dieser Stelle eine Vorläuferkirche stand. Die heutige Farbgebung der Gebäudehülle, die man mit dem Limburger Dom verbindet, erhielt die Kathedrale nach historischen Vorlagen in den Jahren 1968-1972.

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Traurige Berühmtheit erlangte die katholische Bischofsresidenz durch ihren ehemaligen Bischof Franz-Peter Tebartz van Elst, der bis zu seinem Rücktritt 2014 insgesamt 31 Millionen Euro für den Umbau der bischöflichen Wohnstatt vergrub. Näheres hierzu findet sich in diesem Artikel des SWR.

Doch bei aller Kritik, der hochmoderne Anbau bildet durchaus einen gelungenen architektonischen Kontrapunkt zu dem historischen Bestandsgebäude. Oder anders formuliert: Mit seiner Ausgabenpolitik war Tebartz van Elst nur etwas aus der Zeit gefallen, denn für die prächtigen Kirchenbauten mussten in früheren Jahrhunderten die Bauern und Bürger mächtig schuften.

Die Limburger Altstadt verfügt über zahlreiche idyllische Winkel und Gassen, wie den Pfarrweg oder die Kaffeerösterei.

Gleich nebenan befindet sich die Kunstbäckerei Hensler und auch sonst findet sich so manch interssante Ecke.

 

3-Flüsse-Fahrt 3, Aus- und Einblicke

Die Idylle trügt! Der Blick auf die berühmte Rheinschleife bei Boppard täuscht genauso eine heile Welt vor, wie die Uferpromenaden in so manchem Städtchen. Dahinter lauert jedoch nicht selten der Verfall, denn die Region steckt seit vielen Jahrzehnten in einer tiefen Strukturkrise. Auch wenn seit der Jahrtausendwende viel getan wird, um diese zu überwinden, scheint mir der Erfolg nicht garantiert, denn die Probleme sind komplex.

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In den letzten hundert Jahren ist die bewirtschaftete Rebenfläche auf ca. ein Sechstel geschrumpft. Die steilen Hanglagen konnten im Zeitalter der Massenweine nicht mehr profitabel bewirtschaftet werden und wurden aufgegeben. Damit brach nicht nur für viele die Erwerbsgrundlage weg, sondern die brachen Flächen veränderten erkennbar und nachhaltig das vom Weinbau geprägte Landschaftsbild. Dies zu erhalten ist jedoch Voraussetzung für den Tourismus, das zweite Standbein der Region. Doch auch hier, sind spätestens seit den 80er Jahren die Zahlen drastisch eingebrochen.

Inzwischen hat sich der Rückgang beim Weinbau auf niedrigem Niveau stabilisiert. Vereinzelt werden sogar wieder Weinberge rekultiviert, denn neben den Subventionen gibt es auch eine zunehmende Zahl an Konsumenten, die es sich leisten können, etwas mehr für einen besonderen Tropfen auszugeben. Auch für den Tourismus  hat man alle Hebel in Bewegung gesetzt. So gibt es nicht nur einen durchgängigen Radweg, sondern mit dem Rheinsteig und dem Rheinburgenweg gleich zwei herausragende Fernwanderwege.

Die Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO im Jahr 2002 brachte der Region zusätzliche Impulse und der Zuschlag für die Bundesgartenschau 2029 sorgt bereits heute für einen erkennbaren Mittelzufluss. Es bleibt also nichts unversucht, um den Trend umzukehren.

Die Schwarzweiß-Bilder zeigen den Blick vom hoch über dem Rheintal liegenden Campingplatz Burg Lahneck auf das Städtchen Lahnstein, das mit dem gegenüberliegenden Rheinufer zu verschmelzen scheint.

Im bewaldeten Hang gegenüber erblickt man das Schloss Stolzenfels, das als Aushängeschild der Rheinromantik gilt. Zwar stand hier bereits seit dem 13. Jahrhundert eine Burganlage, doch das heutige Schloss wurde erst von 1826 bis 1842 durch den damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preusen errichtet. Dieser hatte 1823 nach einigem Zögern die Schenkung der Stadt Koblenz angenommen und ob seiner Begeisterung für die Rheinromantik den Ausbau der Ruine vorangetrieben.

3-Flüsse-Fahrt 2, die Loreley

Gleich hinter Bingen gräbt sich der Rhein tief in das Rheinische Schiefergebirge ein. Aus der Weite des Rheingaus knickt der Strom unmittelbar hinter Bingen abrupt Richtung Norden ab und fließt durch das Binger Loch hinein in das eng und tief eingeschnittene Obere Mittelrheintal.

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Dort windet sich der Fluss mit beachtlichem Gefälle und in engen Kurven um steil ins Tal stürzende Bergflanken, wie die Loreley. Stoff für Mythen, Märchen und Romantik. Zur Romatisierung des Rheins trugen viele Maler, Dichter und Schriftsteller bei. Unter ihnen auch Hochkaräter wie Goethe und Hölderlin, aber auch der Engländer Lord Byron. Die bekannteste Sagenfigur erfand jedoch Clemens Brentano 1801 mit seiner Lore-Ley, die Friedrich Silcher 1837 mit seinem Lied unsterblich machte.

Das verwundert nicht, denn die S-Kurve um die Loreley zählte einst zu den berüchtigtsten Passagen der Flussschiffahrt. Erst die starken Schiffsmotore ermöglichten in Verbindung mit modernen Strahlrudern ein so präzises Navigieren, dass die Befahrung heute reine Routine ist. Radar und Signalanlagen am Ufer gewähren eine sichere Fahrt bei jeder Sicht. Aller Technik zum Trotz ist der letzte Schiffsunfall noch nicht so lange her. Am 13. Januar 2011 havarierte ein Tankmotorschiff bei St. Goarshausen unweit der Loreley. Zwei der vier Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Erst nach 3 Wochen hatte sich der Rückstau von 420 Schiffen aufgelöst.

Der Schiffsverkehr auf dem Rhein ist insbesondere auf diesem kurvenreichen Abschnitt ein echtes Spektakel, das mancher vom Ufer aus über Stunden beobachten kann.

Bei Nacht zeigt sich, dass die Loreley nicht nur für Deutschlands größte Wasserstraße, sondern auch für die Milchstraße eine impossante Klippe darstellt. Der helle Lichtfleck gehört zu einer von mehreren Signalanlagen, die den Schiffsverkehr im Bereich der Loreley regeln.

3 Flüsse-Fahrt 1, der Rheingau

Kaum hat man die Grenze zum Rheingau überschritten, spürt man, dass die Kunst des „dolce vita“ auch mitten in Deutschland seine Heimat finden kann. Am rechten Rheinufer von Mainz, am Kasteler Strand, wurde mit den Corona-Lockerungen die Beach wieder geöffnet. Palmenkübel sorgen für das südländische Flair und der überdimensionale Sandkasten bietet für alle Altersgruppen etwas. Gleich nebenan wird das lockere Leben am Rheinufer durch einen schattigen Biergarten und ein nettes Gartenlokal bereichert.

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Im Rheingau finden sich die Zentren der deutschen Sektproduktion und so berühmte Weinorte wie Eltville.

Oberhalb von Rüdesheim wurde 1764 ein Landschaftspark nach englischem Vorbild eröffnet. Der Ostein´sche Park war zugleich Ausdruck und Inspiration für die mit der Industrialisierung aufkommende Rheinromantik. 1788 wurde der Park um einen griechischen Rundtempel, den Monopteros, erweitert. Dieser wurde 1944 bei einem Luftangriff zerstört und erst 2006 neu aufgebaut.

Von hier oben genießt man eine fantastische Aussicht auf den Rhein und die Rieslinglagen des Rheingaus, die sich an den Südhängen des Taunus bis hinab ans Rheinufer erstrecken.

Auch die Germania blickt von ihrem 25 m hohen Sockel hinab auf den Rhein. Als 12 m große und 32 t schwere Monumentalfigur, verkörpert sie das Deutsche Volk, das sich nach dem siegreichen Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 unter seinem Kaiser eint. Mit der Germania erhielten die Deutschen eine Integrationsfigur, wie sie die Franzosen mit ihrer Marianne, die Briten mit ihrer Britannia oder die Schweizer mit ihrer Helvetia bereits hatten.

Das Niederwalddenkmal oberhalb Rüdesheim gilt als bedeutendstes Denkmal zur nationalen Einheit Deutschlands im 19. Jahrhundert.