Caputher Fähre

Am ersten Sonntag im Juni schlenderten wir bei schwülwarmem Wetter auf der Caputher Uferpromenade entlang der Havel. Diese verbindet hier, vor den Toren Potsdams, den Templiner mit dem Schwielowsee.

Es herrschte Hochbetrieb und wir taten uns schwer, uns nach dem langen Lockdown wieder unter solchen Menschenmengen zu bewegen. Doch nicht nur an Land, auch auf dem Wasser schienen die Menschen dem Schlussverkaufsslogan zu folgen: „Alles muss raus!“

Hier zwischen Eiscafe und Caputher Fährhaus verbindet eine Seilfähre die Orte Caputh und Geltow. Eine Überfahrt von ca. 80 m erspart einen Umweg von 20 km.

Schon im 18. Jahrhundert setzte an dieser Stelle eine Fähre über die Caputher Gmünde, eine Engstelle der Havel. Seit 1853 befindet sich die Fähre im Familienbesitz. Transportiert wird alles, vom Fußgänger über den Radfahrer bis zum Kleinbus.

Der Fähranleger ist ein idyllischer Ort, an dem es sich gut aushalten lässt. Ob bei einem Eis im Eiscafe oder bei einem Essen im Fährhaus gegenüber, das mit einer Terrasse direkt an der Havel und einem schattigen Biergarten unter Kastanienbäumen lockt, bleibt jedem selbst überlassen. Und wer sich nicht entscheiden kann, macht einfach beides, dann ist es nur noch eine Frage der Reihenfolge.

Kaiserstuhl 2, Taubergießen

Die meisten Auengebiete des Oberrheintals überlebten im 19. Jahrhundert die Tullasche Rheinbegradigung nicht. Nördlich des Kaiserstuhls erstreckt sich heute parallel zum Rhein eines der letzten rechtsrheinisch verbliebenen naturnahen Auengebiete, der Taubergießen. Seit diese Altrheinaue 1979 unter Schutz gestellt wurde, bildet sie mit 17 km² eines der größten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs. Während für einige Teile ein Betretungsverbot gilt, können andere erwandert oder mit dem Fahrrad oder Boot befahren werden. Der Taubergießen ist ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung und ist deshalb auch Bestandteil des Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Nur wenige Meter von unserem zweiten Übernachtungsplatz entfernt, bot sich bei Sonnenaufgang dieser Ausblick auf den Altrhein mit seinen Auwäldern. Entlang der Rheinstraße, die den Fluss mit der Ortschaft Weisweil verbindet, hat der Holzkunstsäger Karl Blattmann zahlreiche Skulpturen aufgestellt. Damit sorgt er für eine besondere Abwechslung entlang des Europäischen Radweges, der hier Deutschland mit Frankreich verbindet.

(Zum Vergrößern wie immer Bilder anklicken!)

Zurück am Kaiserstuhl bestaunten wir die historische Altstadt von Endingen. Wer vor hat den Kaiserstuhl zu besuchen, sollte keinesfalls auf einen Rundgang durch diese Stadt verzichten. Es lohnt sich!

Dank Corona war das Städtchen wie ausgestorben. Im Sommer und Herbst, wenn die zahlreichen Weinlokale geöffnet haben, pulsiert hier in den Gassen und auf den Plätzen natürlich das Leben.

Kaiserstuhl 1

Die warmen Tage nach der langen Frostperiode im Februar nutzten wir zu einer ersten Ausfahrt an den Kaiserstuhl. Drei Tage können wir uns mit unserem Camper völlig autark und damit coronakonform bewegen, so dass wir nicht mehr Kontakte eingehen müssen, als zuhause. Von unserem ersten Übernachtungsplatz aus genossen wir am anderen Morgen diese herrliche Aussicht über den „Texaspass“. Hier windet sich die Straße von Oberbergen kommend einem Lasso gleich durch das bekannte Anbaugebiet „Bassgeige“. Diese Aussicht wurde im Jahre 2020 als schönstes Weinpanorama Badens gekürt.

Der Kaiserstuhl, ungefähr auf Höhe von Freiburg im Oberrheingraben gelegen, entstand vor ca. 15 Millionen Jahren durch einen Vulkanausbruch. Während der letzten Eiszeit kam es dann durch Windverfrachtung zu massiven Lössablagerungen. Diese können am Kaiserstuhl eine Mächtigkeit von 10 bis 40 m erreichen und sind die Grundlage für dessen landwirtschaftliche Nutzung.

Bei den Terrassen links handelt es sich also nicht um die Reisterrassen auf Bali, sondern um Weinbauterrassen am Kaiserstuhl. Weinbau gibt es hier seit der Römerzeit. Schon früh wurden am Kaiserstuhl zur besseren Bewirtschaftung kleinflächige Terrassen angelegt. Ab den 50er-Jahren begann man die Anbauterrassen zu vergrößern. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde dann mit deutscher Gründlichkeit die Ökologie auf der Schlachtbank der Ökonomie geopfert. Unter massivem Maschineneinsatz wurde der Kaiserstuhl umgegraben und großflächig terrassiert. Erst Ende der 70er-Jahre leiteten Bürgerproteste und ausgedehnte Rutschungen, die nach größeren Niederschlägen auftraten, ein Umdenken ein. So konnten im letzten Moment die wenigen verbliebenen und für die Region typischen Hohlwege geschützt und einige Naturschutzgebiete ausgewiesen werden. Denn der Kaiserstuhl beherbergt aufgrund seiner außergewöhnlichen klimatischen Lage eine ganz besondere Tiere- und Pflanzenwelt.

Der Kaiserstuhl mit seinen zahlreichen Wirtschaftswegen ist heute ein bevorzugtes Wandergebiet. Hier schweift der Blick von Burkheim aus über Rebflächen und die Rheinebene hinüber zu den im Elsass gelegenen Vogesen.

Burkheim ist ein kleiner Flecken mit historischem Ortskern, der inmitten von Rebflächen gelegen, natürlich von Weinanbau und Weintourismus lebt. Nachfolgend noch eine kleine sprachliche „Lektion“:

Ins Hochdeutsche übersetzt lautet die Aufschrift: “ Ein Krüglein guter Burkheimer Wein war schon immer das Beste.“

Unweit von Burkheim gelangt man zum Rhein, der hier die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich bildet. Auf der Dammkrone verläuft der Rheinradweg EV15 der dem Flusslauf von der Quelle am Oberalbpass (Schweiz) bis zur Mündung in die Nordsee (Niederlande) folgt.

Dänemark: Sand und mehr

Wer Dänemark bereist tut dies meist wegen der herrlichen Sandstrände, die auch mit mancher Besonderheit aufwarten. So sind zahlreiche Strände zwischen Hirtshals und Esbjerg als „Autostrände“ ausgewiesen. Dies bedeutet, dass man mit dem Auto direkt auf den Sandstrand und in der Regel auch entlang der Wasserlinie von einer Ortschaft zur anderen fahren kann. Und davon machen Dänen wie Urlauber ordentlich Gebrauch.

So kommt es, dass sich an den Stränden, wie hier bei Lokken, alles Mögliche tummelt und die angestammten Bewohner deutlich unter Anpassungsdruck kommen. Die Strandläufer scheint dies jedoch nicht groß zu stören, denn sie sind – wie ihr Name verrät – ohnehin zügig unterwegs.

Wer bis zur Jammerbucht in Nordjütland vordringt, für den lohnt sich ein Besuch im Skulpturenpark in Blokhus. Dieser ist bekannt für seine Sandskulpturen, zeigt aber auch andere Skulpturen und sonstige Kunstwerke.

Im Hinterland trifft man immer wieder auf alte Kirchenbauten, die durchaus einen Besuch wert sind. So zum Beispiel die Kettrup Kirke, die im 11. Jahrhundert erbaut und im Mittelalter um den Turm erweitert wurde. Auch der Friedhof mit der akkuraten Einfriedung der einzelnen Gräber trägt zum beeindruckenden Gesamtbild bei.

An der Westküste fallen die Dünen zum Meer hin steil ab, denn sie müssen hier dem Ansturm der offenen Nordsee die Stirn bieten.

Von Hanstholm im Norden, bis Agger im Süden erstreckt sich Dänemarks ältester Nationalpark Thy. Dieser kann mit dem ausgedehntesten Dünengebiet Nordeuropas aufwartet und gilt als Dänemarks größte Wildnis. In den ehemaligen Gerätehäusern der Küstenfischer von Sternbjerg findet sich heute das Besucherzentrum des Nationalparks. Hier wird über die Geschichte des Parks und seine unterschiedlichen Lebensräume informieren.

Auch außerhalb des Nationalparks Thy trifft man nahezu entlang der gesamten Westküste Dänemarks auf imposante Dünenlandschaften. Die nachfolgenden Aufnahmen zeigen die Gegend um Sondervig.

Eine weitere Besonderheit bietet der Küstenabschnitt zwischen Sondervig und Nymindegab. Hier hat die schmale, oft nur wenige hundert Meter breite Landzunge Holmsland Klit den Ringkobing Fjord von der Nordsee abgeschnitten und so den größten Küstensee Dänemarks gebildet.

Auf der Nehrung Holmsland Klit liegt mittig das Fischerdorf Hvide Sande mit seinem markanten Leuchtturm.

Die Küstenfischer von Hvide Sande fristen ein kärgliches Dasein. Alte Männer in noch älteren, von Wind und Wetter gezeichneten, winzigen Nussschalen gehen hier auf Fang und verkaufen diesen direkt vom Kutter. Einheimische sind ihre verlässliche Kundschaft. Ein Fischer, den ich nach dem Alter seines Bootes gefragt hatte, erklärte mir mit einem verschmitzten Lächeln, dass das Fischen kein so einträgliches Geschäft sei, dass er sich davon ein neues Schiff hätte leisten können. Und so fährt er weiterhin mit seinem ollen Kahn, solange keiner von beiden schlapp macht.

Mensch am Meer

„Mensch am Meer“ ist nur eine von vielen Skulpturen, denen man in Esbjerg im öffentlichen Raum begegnen kann, aber diese Skulptur ist nicht zu übersehen.

Die 9 m hohen Betonfiguren werden im Volksmund auch „Die weißen Riesen von Jütland“ genannt. Sie wurden anlässlich des 100-jährigen Jubiläums Esbjergs als selbständige Landgemeinde am 28. Oktober 1995 der Öffentlichkeit übergeben. Damit habe ich mit meinem Beitrag leider den 25-jährigen Jahrestag knapp verfehlt. Da die Figuren direkt am Strand stehen, sind sie vom Meer aus noch in 10 km Entfernung zu erkennen.

Dass sich der Grafiker Wiig Hansen bei der Erstellung dieser Skulptur von der Statue Ramses II in Abu Simbel hat leiten lassen, ist nicht zu übersehen. Das schmälert jedoch nicht deren beeindruckende Wirkung.

Atlantikwall

Wer im Norden oder Westen Dänemarks die Küste besucht, wird unweigerlich mit der deutschen Geschichte konfrontiert.

Die dänische Nordseeküste war Teil des Atlantikwalls, den die deutsche Wehrmacht während des 2. Weltkrieges auf einer Länge von ca. 2700 km von Frankreich bis Norwegen ausgebaut hat.

In den Jahren 1941 bis 1944 wurden allein in Dänemark ca. 7000 Bunkeranlagen erbaut. Rund 6000 dieser Objekte sind auch heute noch entlang der dänischen Küste anzutreffen. In mehreren Bunkermuseen wird über den geschichtlichen Hintergrund aufgeklärt. Vielerorts liegen die Anlagen aber einfach am Strand und in den Dünen.

Junge dänische Künstler haben sich auf erfrischende Weise mit diesen Objekten auseinandergesetzt. Doch trotz aller Bemühungen bleibt Gott sei Dank ein bitterer Nachgeschmack auch für jene, die das ‚Glück der späten Geburt“ für sich reklamieren können.

Denn diese Mahnmale sind die stummen Zeugen eines finsteren Kapitels deutscher Geschichte, zu der die unbeschwerte Farbigkeit nicht so richtig passen will.

Die farbigen Aufnahmen stammen vom Strand in Klitmoller, die Schwarz-Weiß-Bilder wurden bei Sondervig aufgenommen.

Für weitere Informationen empfehle ich die folgende Seiten: https://de.nationalparkvadehavet.dk/erleben-sie-den-nationalpark-vadehavet/der-atlantikwall/ und https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/unberuehrt-im-sand-verschuetteter-wehrmachtsbunker-in-daenemark-entdeckt-a-563021.html

Skagen

Nordöstlich von Skagen wächst die Halbinsel Grenen hinaus ins Meer und markiert mit einer schmalen Sandspitze die Trennung zwischen den Seegebieten Skagerak und Kattegat und damit zwischen Nord- und Ostsee.

Auf Robben wie Touristen übt diese Landzunge, an der die Wellen zweier Meere gegeneinander klatschen, eine magische Anziehungskraft aus. Während sich die Robben in der Sonne aufwärmen, werden sie von den Touristen aus respektvoller Entfernung beäugt.

Auf dem Weg dorthin wirft die deutsche Geschichte ihre dunklen Schatten in Form von Bunkeranlagen in den Sand.

Bei Sonnenaufgang sind bereits wieder die ersten Besucher vor Ort und genießen das magische Licht der Goldenen Stunde. Auf die große Entfernung ist sehr gut die bewegte See des Skagerak vom ruhigen Wasser des Kattegat zu unterscheiden.

Während am Horizont eine Ölbohrinsel durchs Kattegat geschleppt wird, liegen vor Skagen mindestens vier Kreuzfahrschiffe von AIDA auf Außenreede. Nach Ausbruch von Corona sind die Kreuzfahrten vollständig zum Erliegen gekommen, so dass für die Schiffe weltweit günstige Ankerplätze gesucht wurden. Der Leuchtturm von Skagen zeigt sich von Corona jedoch völlig unbeeindruckt.

Skagen selbst ist ein nettes Städtchen, das für seine gelben Häuser bekannt ist.

Wer durch Skagen bummelt, sollte keinesfalls einen Besuch im Fischereihafen auslassen. Frischer als dort, lässt sich Fisch nur noch direkt vom Kutter einkaufen.

Wanderdüne Rabjerg Mile

Auf der Route Kristiansand – Hirtshals ließen wir mit den letzten Schären die norwegische Küste hinter uns.

Auf dem Weg von Hirtshals nach Skagen passiert man die Rabjerg Mile, Dänemarks größte Wanderdüne. Sie bedeckt ca. 2 qkm Fläche und erreicht eine Höhe von 40 m. Der Sand wird hier durch die vorherrschenden Winde jährlich um 15 cm von West nach Ost verlagert. Was einmal unter der Düne verschwunden ist, taucht nach rund 40 Jahren hinter ihr wieder auf.

Was Flugsand bedeutet, bekam ich bei meiner Tour auf und über die Düne zu sehen und zu spüren.

Die Winderosion entpuppte sich als wahre Künstlerin.

Der über die freien Dünenflächen getriebene Sand wandelte sich an den Abbruchkanten zu einem scharfen Sandstrahl und in den Flanken der Dünen entwickelten sich regelrechte Sandstürme.

Doch bei aller bizarren Schönheit ist klar, die Wanderdüne bringt langsam aber unaufhaltsam den Tod.

Das wohl berühmteste Opfer des Flugsandes in dieser Region ist Gamle Skagen. Die Ortschaft musste Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben werden. Auch die Kirche wurde abgerissen, nur der Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert blieb als Seezeichen stehen und wird deshalb seit 1816 weiß gekalkt.