Halbinsel Sinis

Tag 4 auf Sardinien, Di, 17.05.22

Die westlich von Oristano gelegene Sinishalbinsel war unser heutiges Ziel. Neben ihren historischen Sehenswürdigkeiten ist die Halbinsel für ihre Flamingo-Kolonie und naturbelassenen Strände bekannt. Im Norden der Halbinsel erlebten wir aber zuerst das touristische Kontrastprogramm. Bei Putzu Idu trennt eine schmale Landbrücke das offene Meer von der rückwärtigen Lagune. Gerade breit genug für den herrlich weißen Sandstrand, die Parkplätze entlang der Straße und dazwischen einige Kioske. Jetzt in der Vorsaison noch weitgehend leer, kann man sich ausmalen, wie es hier im August zugeht.

Die zunehmende Hitze machte uns zu schaffen. Auf der Weiterfahrt entlang des Stagno Sale Porcus entdeckten wir die ersten Flamingos weit entfernt das Wasser filtern. Bei Mari Ermi suchten wir nach einem uns wärmstens empfohlenen einfachsten Stellplatz in herrlicher Lage direkt am Meer. Der von uns gewählte Feldweg führte zwar auch ans Meer, aber nicht zum Stellplatz. Freies Campen ist auf Sardinien aber in der Regel nicht gestattet, doch Italiener, die ihr Wohnmobil bereits abgestellt hatten, beruhigten uns: „In der Vorsaison sei das kein Problem.“ Doch es dauerte nicht lange, wir begannen gerade, es uns bequem zu machen, da kreuzte auch schon die Polizei auf. Drei Mann hoch, der größte sogar mit Gewehr, machten sie uns deutlich, dass hier nicht gecampt werden darf. Doch es brauchte keiner Worte, zumal ich volles Verständnis dafür habe, dass man den „Freiheitsdrang“ der Wohnmobillisten wo nötig reguliert. Wir fuhren weiter und fanden auf den zweiten Anlauf die Zufahrt zum gesuchten Stellplatz. Auf einer zum Meer hin abfallenden Wiese, nur von einer kleinen Düne vom Reiskornstrand getrennt, stellten wir unseren Camper ab. Ein traumhafter Platz, nur ohne Schatten.

Die Bilder sind am frühen Morgen des nachfolgenden Tages entstanden.

Panoramafoto zum Vergrößern anklicken.

Am Abend genossen wir, wie alle, den Sonnenuntergang. Ich fotografierte ein Pärchen, das in idealer Position zur Sonne stand, um ein ausdruckstarkes Bild abzugeben. Als ich nachfragte, ob das mit dem Bild in Ordnung ginge, wurde ich gebeten ihnen das Bild zukommen zu lassen und wurde auf ein Glas Wein eingeladen.

Ich nahm die Einladung gerne an und nach und nach versammelte sich vor Thomas Camper eine illustre Runde. Unter ihnen auch mein Namensvetter Horst mit Frau, eingefleischte Saharafahrer, die über Jahrzehnte mit ihrem Allradcamper vorzugsweise die Sahara und das sonstige Afrika bereisten. Seit durch den Irakkrieg die gesamte Region destabilisiert und dort an Reisen nicht mehr zu denken ist, müssen sie auf andere Kontinente ausweichen oder sich mit Europa begnügen. Auch die Wüstenregionen in Zentralasien stehen spätestens seit dem Ukrainekrieg nicht mehr zur Debatte. Das ist natürlich ein Luxusproblem und nicht damit zu vergleichen, was die Betroffenen vor Ort zu erleiden haben. Mit Horst war ich darin einig, dass diese idiotische Machtpolitik, gleichgültig von welcher Seite, nur Verlierer kennt.

Kulturfahrt nach Bosa

Tag 2 auf Sardinien

Heute war erst einmal Kultur angesagt. Über Porto Torres und Sassari erreichten wir die in einem Tal liegende Kirche „Santissima Trinita di Saccargia“. Sardiniens berühmteste romanische Kirche wurde nach einer Schenkung an den Kamaldulenserorden ab 1112 ausgebaut und um ein Kloster erweitert. Vom Kloster sind jedoch nur noch einige Fundamente und Mauerreste zu sehen. Die Bänderung aus schwarzem Trachyt und weißem Kalkstein belegt den pisanischen Einfluss. Im Vergleich zu dem sonst schlichten Bauwerk fällt die üppig verziert Fassade der Eingangsseite auf.

Zur Mittagszeit erreichten wir das mittelalterliche Städtchen Bosa, dessen bunte Häuser sich unterhalb der Burg am Fluss entlang und den Berg hinauf ziehen.

Eine alte Steinbrücke über den Temo erschließt auf Höhe des Domes den Zugang zur Altstadt.

Doch bevor ich in die engen und tief eingeschnittenen Gassen der Altstadt eintauchte, wo es selbst zur Mittagszeit kaum ein Sonnenstrahl hinab auf das Kopfsteinpflaster schafft, zogen mich die Fischerboote am Ufer des Temo an. Berge tief roter Netze und gelbe Markierungsflaggen leuchteten in der prallen Mittagssonne. Der völlig falsche Zeit zum Fotografieren, doch nicht alles kann man sich aussuchen.

Es ist Sonntag und bereits nach 14 Uhr, die etwas breitere „Hauptstraße“ bietet genug Platz für einige Tische und Stühle, so dass die Wirtschaften ihren Betrieb auf die Straße ausweiten können. In den größeren Lokalen, an den Plätzen, sitzen ganze Großfamilien zu Tisch. Das gemeinsame Essen mit lebhafter Unterhaltung wird offensichtlich gepflegt.

Die Fassaden entlang der Hauptstraße sind mit speziellen Pflanzkübeln verziert – alte, lackierte Konservendosen. Und auch sonst scheint Nachhaltigkeit angesagt. Plakate kleben selbst noch nach Jahren unbeschädigt an Ort und Stelle. Touristen hingegen sind nur vereinzelt auszumachen.

Am späten Nachmittag erreichten wir den Campingplatz S´Abba Druche, der unweit von Bosa direkt am Meer liegt.

Capo Falcone

Tag 1 auf Sardinien

Bei Ankunft in Porto Torres zeigten sich die technischen Mängel des alten Fährschiffes. Von den drei Aufzügen, die die Passagiere auf die Parkdecks bringen sollten war einer außerbetrieb, einer arbeitete zuverlässig und beim dritten Aufzug, dem größten, hatte eine Tür einen Wackelkontakt. Damit war es ein Lotteriespiel, ob er nach unten fuhr oder einfach stehen blieb. Jedes Mal, wenn sich die Aufzugstüre öffnete und immer noch dieselben Leute irritiert drinstanden, wurde dies von den umstehenden Reisenden mit zunehmender Belustigung goutiert. Nur gut, dass wir die Funktionstüchtigkeit der Rettungsboote nicht testen mussten.

Bevor wir die Reise fortsetzten, wollten wir erst einmal auf Sardinien richtig ankommen. Deshalb steuerten wir das Capo Falkone, den nordwestlichsten Zipfel Sardiniens an, das sich gleich neben Porto Torres der Insel Asinari entgegen reckt. Fast an der Spitze des Caps liegen zwei herrliche Strände. Weißer Sand und türkis schimmerndes Wasser lassen unweigerlich ein Karibikfeeling aufkommen.

Zu einer späten Siesta checkten wir auf dem Stellplatz La Pineta nahe Stintino ein und ließen den Tag ausklingen.

Fährhafen Genua

Nach unserem Zwischenstopp im Tessin hatten wir nur noch eine kurze Etappe bis Genua. Dort hatten wir die Nachtfähre nach Sardinien gebucht. Genua hat auch interessante und lebenswerte Stadtteile, doch wer diesen Moloch, der in weitem Bogen vom Meer aus wie ein Krebsgeschwür die steilen Berghänge des Apennin überwuchert, nur von der Autostrada oder vom Hafen her kennt, muss diese pulsierende Stadt für ein absolutes Drecknest halten.

Häfen haben eine ganz besondere Atmosphäre. Sie lösen in mir unwillkürlich das Gefühl aus, auf großer Fahrt zu sein. Die Spannung lässt nach, sobald man die Gewissheit hat, am richtigen Port angekommen zu sein und macht der Neugierde Platz. Ganz anders als an einem Flughafen, wo dutzende von Anzeigetafeln und Durchsagen eine Hektik verbreiten, haftet einem Seehafen fast etwas geruhsam Antiquiertes an. Mir gefällt diese Atmosphäre.

Fahrzeuge, nach Höhe wohl sortiert und in langen Kolonnen aufgereiht, füllen das ausgedehnte Areal am Kai. Alle warten auf den entscheidenden Wink des Lademeisters, um in den Schiffsrumpf einzufahren. Doch vom Check in bis zum Bording vergeht mehr als eine Stunde. Zeit genug für einen Schwatz mit dem Nachbarn oder um das Areal zu erkunden. Dann ist endlich unsere Reihe dran.

Einer bleibt immer zurück.

Vom Parkdeck 3 der Fähre geht es mit dem Aufzug hinauf auf Deck 7. Dort beziehen wir schnell unsere Kabine für die Nacht, um sogleich weiter auf Deck 9 zu eilen. Von hier oben kann man die gewaltigen Dimensionen von Genuas Fährhafen einigermaßen erfassen.

Fährschiffe kommen und gehen, wie bei uns die Busse im ZOB. Die dunkle Rauchfahne, die schon lange aus dem Schornstein unserer Fähre quillt, wird noch dunkler und zieht hinüber zur Stadt.

Unmerklich setzt sich das Schiff in Bewegung, nimmt Fahrt auf und verlässt den Hafen.

Früh morgens, noch vor Sonnenaufgang, war ich zur blauen Stunde wieder an Deck. Pechschwarz legte sich die Rauchfahne unserer Fähre übers Meer. Kurze Zeit später ging über Korsika die Sonne auf. Der Sommer beginnt.

Verzascatal

Unweit von Locarno mündet die Verzasca in das nördliche Ende des Lago Maggiore. Sonogno ist die letzte Gemeinde im Verzascatal. Der Ort ist Ausgangspunkt für Wanderungen durch die steile Bergwelt des Tessin. Wie sehr viele Bergdörfer erlebt auch Sonogno eine Renaisance. Nach der Landflucht und dem Verfall der Häuser kamen die Städter, kauften die Anwesen auf und renovierten die alten Steinhäuser, um sie als Ferienquartier zu nutzen.

Bekannt ist das Verzascatal nicht erst seit sich James Bond im Film GoldenEye per Bunge-Jumping die 220 m hohe Staumauer hinabstürzte. Viel früher waren die Alpinisten und Kajakfahrer im Tal, von den Römern ganz zu schweigen.

Es ist aber der Fluss selbst, die Verzasca, die dieses Tal unverwechselbar macht. Hier einige Eindrücke aus dem Felssturz unterhalb der Ortschaft Brione.

Erwähnt sei zumindest, dass das Tal noch mehrere lohnenswerte Ziele bietet, zum Beispiel die berühmte Römerbrücke bei Lavertezzo.

Die Schönste

Der örtliche Tourismusverband bringt es auf den Punkt und bewirbt die große Saarschleife mit der plakativen Bezeichnung „Die Schönste“. Und in der Tat, die Saarschleife gilt als schönste Flussschleife Deutschlands. Um in Fließrichtung knapp zwei Kilometer vorwärts zu kommen, wurde die Saar durch hartes Quarzitgestein zu einem nahezu 10 km langen Umweg gezwungen. Dabei formte sie bis zu ihrem Wendepunkt einen schmalen Bergrücken aus. Eine herrliche Aussicht über das tief eingeschnittene Durchbruchstal lässt sich vom Aussichtspunkt Cloef genießen, der 180 m über dem Talgrund liegt und frei zugänglich ist. Diesen Aussichtspunkt erreicht man am bequemsten von der Ortschaft Orscholz aus auf einem kurzen Fußweg. Spektakulär ist jedoch nicht nur die Aussicht, sondern auch die Navigationskunst der Skipper, die ihre Frachtschiffe selbst bei Gegenverkehr präzise durch die Kurve steuern.

Eine weitere Möglichkeit, um sich diese fantastische Aussicht zu erschließen, bildet ein Baumwipfelpfad, der am Cloef-Atrium beginnt und 11,50 € Eintritt kostet. Das Highlight des 2016 eröffneten Pfades bildet ein Aussichtsturm, der sich hinter der Aussichtsplattform Cloef 42 m hoch aus dem Wald erhebt.

Ob der Unterschied in der Perspektive das Eintrittsgeld wert ist, mag jeder für sich entscheiden. Während die oberen Aufnahmen am frühen Vormittag vom Aussichtspunkt Cloef aufgenommen wurden, habe ich das nachfolgende Bild am Nachmittag vom Aussichtsturm aus abgelichtet.

Rendezvous XXL

Ende letzter Woche fuhr ich ins Saarland, ein Fototrip. Eines meiner Ziele war das Saarpolygon bei Saarlouis. In Ensdorf schloss 2012 mit dem Bergwerk Saar die letzte Grube der Region. 2016 wurde deshalb auf der Halde Duhamel bei Ensdorf das Saarpolygon als begehbare Skulptur errichtet.

Mit ihrem Entwurf entschied das Berliner Architektenduo Katja Pfeiffer und Oliver Sachse den ausgelobten Ideenwettbewerb für sich. Die knapp 28 m hohe Stahlkonstruktion ist Denkmal und Identifikationspunkt für die Vergangenheit und Zukunft der Region in einem. Seine Lage auf der 150 m hohen Halde des ehemaligen Bergwerks Saar macht das Saarpolygon zu einer weithin sichtbaren Landmark.

Als ich das Pärchen, in Unterhaltung vertieft vor dem riesigen Polygon sitzen sah, reizte mich anfangs nur die Spannung zwischen dem kalten, kantigen Stahlgerippe, das mit klarer Formensprache für sich steht und dem offensichtlich wesentlich komplizierteren Leben zweier Erdenbürger, das eine umfassende Kommunikation erforderlich macht.

Doch mit der Dauer des Gesprächs kam der Zufall ins Spiel. (Andere würden dies vielleicht als die Magie des Momentes benennen.) Das Rendezvous auf der Bank wurde im Himmel von zwei Jets aufgegriffen und selbst die Sonne ließ sich noch zu einem kleinen blinzelnden Sternchen hinreißen. Wenn das kein Rendezvous der Größe XXL ist! Schade nur, dass die beiden davon wohl nie etwas erfahren werden.

Neustädter Elbufer

Auch der letzte Tag in Dresden brachte Sonne pur. Bei Sonnenaufgang genoss ich nochmals den Canaletto Blick auf die Altstadt und die morgendliche Ruhe am Elbufer (Ein Klick aufs Panoramabild lohnt sich!). Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, welch unglaubliche Ruhe von einem träg dahinziehenden Fluss ausgeht.

Natürlich liegt es in der Natur der Altstadt, dass man dort nur alte Skulpturen findet. Doch Dresden kann auch modern, wie die Edelstahlplastik „Gebrochenes Band“ von Hermann Glöckner zeigt. Dazu muss man allerdings aufs Neustädter Elbufer wechseln. Nach so viel altem Sandstein tut der Anblick des modernen Materials und die zeitgenössische Ästhetik richtig gut.

Überhaupt hat das Neustädter Elbufer einiges zu bieten. Zum Beispiel das Japanische Palais und den Palaisgarten mit seinen alten Platanenbeständen. Insbesondere gegen Abend nutzen viele Dresdner die sonnige Uferpromenade noch für einen letzten Spaziergang. Nicht zu toppen ist jedoch der Blick vom Elbufer auf die Altstadt, wie hier vom Milchpavillon aus.

Ein Abschiedsfoto zur Blauen Stunde darf natürlich nicht fehlen.