Erinnerungen an 9/11

Als ich vom Mainkai in Frankfurt aus den Sonnenaufgang beobachtete, blitzten schlagartig Erinnerungen an den 9. September 2001 in mir auf. Die schrecklichen Bilder vom Terroranschlag in New York explodierten förmlich in meinem Kopf, als ich durch´s Tele blickte und sah, wie die Flugzeuge im Landeanflug auf den Airport, den EZB Tower quasi als Wendeboje für die letzte Kurskorrektur benutzten. Natürlich war der Abstand groß, aber …

Der weitere Landeanflug, so hatte es den Anschein, erfolgt dann unmittelbar über den Dächern von Sachsenhausen. Für die Anwohner muss die Coronazeit eine wohltuende Erholung sein.

Frankfurt, Europaviertel

Das Messegelände lässt sich über die U-Bahn problemlos erreichen. Oben: Aufgang der U-Bahnstation Festhalle/Messe.

Rund um die Messe sprießen neue Hochhäuser wie Spargel aus dem Boden. Nachfolgend der „nur“ 95 m hohe Kastor. Dieses extrem schlanke Hochhaus bildet mit seinem 135 m hohen, spiegelbildlich errichteten Bruder Pollux das Eingangstor zum Europaviertel am Platz der Einheit.

Noch im Bau befindet sich der ONE Tower. Er gehört mit 190 m Höhe zu den 100 Hochhäusern Frankfurts, die es auf über 100 m bringen. Durch die zahlreichen Baustellen waren ganze Bereiche abgesperrt oder von Bauzäunen verstellt, so waren etliche Perspektiven und Motive nicht umzusetzen.

Auf der Freifläche hinter dem Tower 185 türmen sich derzeit die Baucontainer der Firma Hochtief. Auch alte Mietshäuser trotzen noch dem Milleniumsprojekt, das offensichtlich ins Stocken geraten ist. Hier auf diesem Areal sollte der Milleniumsturm in den Himmel wachsen. Mit 369 m Höhe war er als Frankfurts höchster Wolkenkratzer projektiert. Inzwischen sind die Pläne mächtig geschrumpft. Das Ziel, den Comerzbank Tower an Höhe zu überreffen, besteht jedoch noch immer.

Nur einen Steinwurf weiter, am Ende der Osloer Straße, sticht ein blendend weißes Hochhaus mit geschwunger Fassadengestaltung ins Auge. Der Grand Tower gilt als höchstes Wohnhochhaus Deutschlands. Auf 180 m Höhe werden „hochwertige“ Eigetumswohnungen vermarktet.

Dagegen fällt das noch im Bau befindliche Wohnhochhaus „Eden“ (im Bild unten zu erkennen) mit seinen 98 m Höhe geradezu winzig aus. Auch das Eden-Projekt zeigt, wie schwer man sich mit solch riesigen Bauwerken tut. Meist sind mehrere Anläufe erforderlich bis ein Projekt dieser Größenordnung umgesetzt wird. Damit verbunden ist nicht selten der wiederholte Verkauf unter Investoren, der in der Regel die Überarbeitung des Projekts nach sich zieht. Dies macht den Bau und die spätere Nutzung solcher Anlagen garantiert nicht billiger.

Mainhattan

Der Blick auf Mainhattan, Frankfurts Bankenviertel am Westend, ist zu jeder Tages- und Nachtzeit spektakulär. Die erste Aufnahme zeigt die Skyline eine Stunde vor Sonnenaufgang (ISO 100, f16, 30 s, 35 mm). Standort: Sachsenhäuser Ufer, im Vordergrund der Eiserne Steg.

Eine viertel Stunde vor Sonnenaufgang hatte sich die Blaue Stunde voll entwickelt. Im Osten war das Tageslicht bereits über den Horizont geklettert und hatte für die Ausleuchtung der Hochhausfassaden gesorgt (ISO 100, f16, 15 s, 35 mm). Für alle, die es genauer wissen wollen, hier die auffälligsten Hochhäuser von links: Riverside Tower mit dem weißen Zackenband, Eurotower mit den blauen Streifen, Taunusturm mit dem Pultdach, der Comerzbank Tower gelb beleuchtet, der Main Tower mit dem runden Turm. Der Comerzbank Tower ist mit 259 m architektonischer Höhe das höchste Hochhaus innerhalb der EU. Bis zu seiner Spitze misst er sogar 300 m.

Das nächste Foto wurde unmittelbar vor Sonnenaufgang in Richtung Osten aufgenommen. Dort wurde der gewaltige Bau der EZB vom ersten Morgenlicht durchleuchtet (Standort: Mainkai, ISO 400, f5,6, 1/320 s, 400 mm).

Bei Sonnenuntergang nochmals der Blick auf Mainhattan, diesmal von der Flößerbrücke aus. Als ich die Sonne hinter dem Riverside Tower verschwinden sah, war nicht klar, ob sie im Spalt zwischen den Hochhäusern nochmals erscheinen, oder vorher untergehen würde. Gespannt wartete ich ab.

Ich denke, das Warten hat sich gelohnt, denn das nachfolgende Bild haben sicher nicht alle in der Kiste.

Wenig später begann die Blaue Stunde, das Abendrot zu verdrängen.

Frankfurt: Banken und mehr

Mein heutiger Tag in Frankfurt begann am Mainkai. Morgens zur Goldenen Stunde genoss ich den Blick stromauf. Das Teleobjektiv verdichtete die Brücken zu einem fast unauflösbaren Dickicht. (Im Vordergrund die Alte Brücke, von der Ignatz-Bubis-Brücke sind nur die Pfeiler im Wasser und die Straßenlampen erkennbar, die Tragekonstruktion der Flö?erbrücke und die Bögen der Deutschherrnbrücke kommen dahinter).

Bilder zum Vergrößern anklicken.

Über den Eisernen Steg mit seinen Liebesschlössern ging es dann hinüber zum Sachsenhäuser Ufer. Von dort hat man einen freien Blick auf die Hochhäuser des Bankenviertels, die sich hinter den alten Mietskasernen in den Himmel recken. Die Untermainbrücke brachte mich wieder zurück über den Fluss. Vorbei am Schauspielhaus ging es hinein in die Straßenschluchten von Mainhattan.

Entlang der einstigen Wallanlagen, die heute als Parks gestaltet sind, lässt sich die Innenstadt angenehm umrunden.

Am Willy-Brandt-Platz trifft man auf die Euro-Skulptur und den Eurotower. Das 148 m hohe Bauwerk war von 1998 an Sitz der EZB bis diese 2014 ihren Neubau am Ostend bezog (siehe vorausgehender Bericht).

Der Taunusturm (Bild unten) ist eines der Hochhäuser, das sofort ins Auge sticht. Von der Parkseite aus weckt insbesondere seine klare Architektur und die überdimensioniert erscheinende, fast leere Eingangshalle die Aufmerksamkeit des Betrachters. Doch bei 170 m Höhe muss mit dem Platz wohl nicht gespart werden. Interessant ist, dass es vom Jahr 2000 an drei Anläufe bedurfte, bis schließlich 2011 mit dem Turmbau begonnen wurde. Als ich mich dem Gebäude näherte, wurde ich von der Security freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass das Fotografieren des Gebäudes strengstens verboten sei. Wir einigten uns dann darauf, dass es mir niemand verbieten könne, das Gebäude von den öffentlichen Anlagen aus aufzunehmen, was ich bereits zuvor gemacht hatte.

Im Zick Zack schlängelte ich mich durchs Bankenviertel. Dank Corona kam ich natürlich weder in ein Gebäude, noch auf eine Aussichtsplattform, auch nicht am Main Tower. Die beiden nächsten Bilder stammen von der Bank of Communications. Das erste Bild zeigt einen Ausschnitt der Hochhausfassade. Die ursprüngliche Hochformataufnahme wurde gespiegelt und zu einem Bild zusammengesetzt.

Als ich bei der Deutschen Bank nachfragte, ob ich Innenaufnahmen machen dürfte, hatte ich die Hoffnung bereits aufgegeben. Doch zu meiner Überraschung erlaubte mir die Security nach einigem Hin und Her, im Eingangsbereich zu fotografieren.

Zwei Bestandsgebäude und der 50 m hohe, wellenförmige Neubau bilden zusammen das Ensemble „Die Welle“. In der Passage zwischen den Gebäuden schlängelt sich ein künstlicher Bachlauf, der gerade jedoch gereinigt wurde. Auch hier wurde ich sofort von der Security in Empfang genommen. Als Hobbyfotograf durfte ich jedoch ungehindert zur Tat schreiten.

Meine letzte Station auf diesem Rundgang war das Einkaufszentrum „MyZeil“, das für seine besondere architektonische Gestaltung bekannt ist. Der Gebäudekomplex verfügt über einen Zugang zu Frankfurts berühmter Einkaufsstraße „Die Zeil“. Auch hier musste ich mich mit der Security auseinandersetzen, bevor ich dann doch zum Schuss kam.

Kaiserstuhl 2, Taubergießen

Die meisten Auengebiete des Oberrheintals überlebten im 19. Jahrhundert die Tullasche Rheinbegradigung nicht. Nördlich des Kaiserstuhls erstreckt sich heute parallel zum Rhein eines der letzten rechtsrheinisch verbliebenen naturnahen Auengebiete, der Taubergießen. Seit diese Altrheinaue 1979 unter Schutz gestellt wurde, bildet sie mit 17 km² eines der größten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs. Während für einige Teile ein Betretungsverbot gilt, können andere erwandert oder mit dem Fahrrad oder Boot befahren werden. Der Taubergießen ist ein Naturschutzgebiet von internationaler Bedeutung und ist deshalb auch Bestandteil des Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Nur wenige Meter von unserem zweiten Übernachtungsplatz entfernt, bot sich bei Sonnenaufgang dieser Ausblick auf den Altrhein mit seinen Auwäldern. Entlang der Rheinstraße, die den Fluss mit der Ortschaft Weisweil verbindet, hat der Holzkunstsäger Karl Blattmann zahlreiche Skulpturen aufgestellt. Damit sorgt er für eine besondere Abwechslung entlang des Europäischen Radweges, der hier Deutschland mit Frankreich verbindet.

(Zum Vergrößern wie immer Bilder anklicken!)

Zurück am Kaiserstuhl bestaunten wir die historische Altstadt von Endingen. Wer vor hat den Kaiserstuhl zu besuchen, sollte keinesfalls auf einen Rundgang durch diese Stadt verzichten. Es lohnt sich!

Dank Corona war das Städtchen wie ausgestorben. Im Sommer und Herbst, wenn die zahlreichen Weinlokale geöffnet haben, pulsiert hier in den Gassen und auf den Plätzen natürlich das Leben.

Das große Testen

Wer wollte, konnte sich im Landkreis Tübingen rechtzeitig zum Fest auf Corona testen lassen und das ganz umsonst. Spenden waren natürlich erwünscht. Teststationen gab es in Rottenburg, Mössingen und Tübingen. In Tübingen wurde das Arztmobil auf dem leeren Marktplatz stationiert, auf dem an normalen Weihnachten das Leben zwischen den Weihnachtsmarktständen pulsiert und sich die Menschen dicht gedrängt durch die Gassen zwängen.

Das Motto „Stille Nacht, einsame Nacht? Muss nicht sein!“ trieb die Leute in großer Zahl zum Testen, so dass die Menschenschlangen über hunderte von Metern durch die Altstadt mäandrierten. Und das alles mit der Hoffnung, nach dem Schnelltest mit einem „Persilschein“ nach Hause gehen zu können, um unbefangen mit den Liebsten Weihnachten zu feiern.

Dank der guten Organisation und zügigen Arbeit des DRK und der ehrenamtlichen Helfer waren die Menschenschlangen stets in Bewegung. Aber auch die geduldig und mit Abstand wartenden Probanden trugen zum reibungslosen Ablauf bei.

Was in den letzten Wochen mit diesen mobilen Teststationen praktiziert wurde, ist gelebte Solidarität. Die Schnelltests für jedermann sind ein absolut lobenswertes Angebot, denn sie ermöglichen zu Weihnachten Begegnungen mit reduziertem Risiko. Ein Gewinn für alle.

Das Ende einer Legende

Der Neckar ist die Lebensader des Landes Baden-Württemberg, das er von seiner Quelle im Schwenninger Moos bis zu seiner Mündung in den Rhein bei Mannheim auf 367 km Länge durchströmt. Zwar ist auch der Oberlauf des Neckars nicht unbelastet, doch findet hier sogar der Eisvogel und die Wasseramsel noch eine Lebensgrundlage. Ab Plochingen hat man den Stolz der Württemberger in ein derart enges Korsett gezwungen (Bundeswasserstraße), dass ihm schlicht die Luft wegbleibt. Das wundert nicht, ist doch der mittlere Neckarraum mit 910 Einwohnern/km² die am dichtesten besiedelte Region Deutschlands. Doch was man dem Fluss unterhalb von Heidelberg angetan hat, ist schlicht eine Katastrophe.

Vollständig kanalisiert und begradigt …

… erreicht der Neckar die Stadt Mannheim …

… und quält sich seinem Ende, …

… der Mündung in den Rhein, entgegen.

Der viel besungene Fluss, dessen Gestade einst die schwäbischen Dichter und Denker anregten, fristet hier nur noch ein kümmerliches Dasein. Nichts mehr ist übrig vom „wilden Wasser“ das die Kelten einst zur Namensgebung veranlasst hat.