Ab ins Kloster!

Unser erstes Quartier auf dem Weg nach Süden war ein altes Dominicanerkloster. Im 15. Jahrhundert in den Piemoteser Bergen nördlich von Asti erbaut, beherbergen die Mauern heute das Relais Sant’Uffizio. Wer das Besondere sucht, ist hier richtig. Um es auf den Punkt zu bringen, so luxuriös hatte ich mir das Leben im Kloster nicht vorgestellt.  😉

Der weitläufige Komplex bietet weitaus mehr, als der Mensch zum Leben braucht: geräumige Zimmer, Tagungsräume, einen Wellness- und Spa-Bereich, ein hochklassiges Restaurant und einen Pool.

Aber auch am Abend kann sich die Anlage sehen lassen.

 

Mehr Piemont siehe: Piemont? Ganz klar!

 

Pausa – 100 Jahre – Bauhaus

Mit der ehemaligen Textildruckerei Pausa verfügt die Stadt Mössingen nicht nur über eine Industriebrache, sondern vielmehr über ein kulturelles Kleinod. In diesem Jahr kann die Stadt mit einem Doppeljubiläum aufwarten, denn mit der Pausa kam vor 100 Jahren auch das Bauhaus nach Mössingen (Veranstaltungskalender).

1919 übernahm die jüdische Familie Löwenstein die Mössinger Textilweberei. Sie brachte den Firmennamen Pausa (Herkunftsort) mit und stellte Zug um Zug auf Textildruck um. Bereits in den 20er-Jahren holten die Löwensteins Absolventen des Bauhauses in die Provinz nach Mössingen, um Drucke für die ganze Welt zu entwerfen. Während des 3. Reiches spielte sich das übliche Drama ab: Zwangsverkauf der Pausa und Emigration der Firmenbesitzer in die USA. Heute ist man bemüht, mit den Nachfahren der Firmengründer einen guten Kontakt zu pflegen und die Geschichte aufzuarbeiten.

Zu Beginn der 50er-Jahre beauftragte der künstlerische Leiter der Pausa, Willy Häussler, den Bauhaus-Architekten Manfred Lehmbruck mit der Erweiterung der Firma. Zwischen 1951 und 1960 entstanden so die baulichen Voraussetzungen, um mit namhaften Künstlern Stoffdrucke zu entwerfen und zu fertigen, die weltweit begehrt waren. Für die Pausa entwarfen u. a.: Willi Baumeister, HAP Grieshaber, Anton Stankowski und Andreas Felger. Dennoch kam 2001 die Insolvenz. 2006 übernahm dann die Stadt Mössingen das Industriedenkmal, die Aufarbeitung konnte beginnen.

 

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Während hinter dem Fenster jemand die nötige Entspannung sucht, zeigt das Spiegelbild Gebäudeteile der Pausa, die der Architekt Manfred Lehmbruck im Bauhausstil errichtet hat.

Im Verwaltungsgebäude überrascht das blaue Treppenhaus mit gelbem Handlauf.

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Durch die völlig verdreckten Fenster sucht sich der Blick einen Weg über den Hof hinüber zum alten Kesselhaus.

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Im Verwaltungsgebäude unterstreichen die langen Flure die Leere des Gebäudes.

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Völlig verstaubte Fußböden ermöglichen eine optimale Spurensicherung.

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Und originelle Installationen bringen Farbtupfer in die ansonsten farblose Umgebung.

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Das Grün ist da!

Es fasziniert mich immer wieder auf´s Neue, wenn das Frühjahr mit seiner grünen Flut gegen den Albtrauf brandet. Von ihrer Ankunft am Fuße der Schwäbischen Alb bis zur Eroberung der Albhochfläche vergehen nur wenige Tage. Für dieses Frühjahr hatte ich mir vorgenommen, das frische Grün mit einer speziellen Technik festzuhalten. Voraussetzung war: Es durfte sich noch nicht zu viel Laub entfaltet haben und die Morgensonne sollte das junge Grün zum Leuchten bringen, damit es mit den Baumstämmen gut kontrastiert. Am 1. Mai erwischte ich wohl die letzte Gelegenheit. In den 1,5 Std. zwischen Aufstehen und Frühstück machte ich insgesamt 4 Aufnahmen. Zwei davon waren brauchbar, eine habe ich ausgewählt.

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Für interessierte Leser schreibe ich heute auch etwas zur Technik, aber ohne auf Feinheiten des Handlings einzugehen. (Diese können gerne erfragt werden.) Bei dieser Aufnahme handelt es sich nicht um eine Photoshop-Manipulation sondern um eine Doppelbelichtung unter Verwendung eines ND64-Filters (Verlängerung um 6 Blendenstufen). Für beide Aufnahmen wurde auf den linken Baum scharf gestellt, dann der Autofokus ausgeschaltet. Die Belichtungsdaten beider Aufnahmen sind: ISO 200, Blende 16 und eine Belichtungszeit von jeweils 1,3 s. Im Aufnahmemodus „Doppelbelichtung“ erfolgte die erste Aufnahme bei fixierter Kamera vom Stativ aus. Diese Aufnahme sollte als Basis ein scharfes Bild liefern. Zur zweiten Belichtung wurde die Kamera auf dem Stativ nach oben geschwenkt. Während der anschließenden Abwärtsbewegung betätigte ich den Auslöser. Die Bewegung sollte den Verlauf der Stämme hervorheben, das Grün verwischen und dem gesamten Bild eine einheitliche Struktur geben. Den Rest besorgte dann der Rechner der Kamera. Nachfolgend noch zwei mögliche Ausschnitte aus dieser Aufnahme:

 

Zum Einsatz kam bei allen Aufnahmen ein Weitwinkel bei 35 mm Brennweite. Die Blende 16 habe ich gewählt, um für die erste Aufnahme eine durchgehende Schärfe zu bekommen. Dies ist insbesondere für die Baumstämme wichtig, damit deren Linienführung nicht unnötig aufgelöst wird. Der Graufilter sorgte für eine ausreichend lange Belichtungszeit, um die Kamerabewegung vernünftig steuern zu können. Ja, und wie gesagt, den Rest muss die Kamera machen.

 

Bloembollenstreek

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Noord Holland ist für seine Tulpenfelder bekannt. Parallel zur Nordseeküste, in einem Streifen zwischen Katwijk und Harlem, erstreckt sich der „Bloembollenstreek“. Der sandige Boden ist zum Kultivieren der Zwiebel optimal geeignet. Von Mitte März bis Mitte Mai sorgt der großflächige Anbau von „Bollen“-Gewächsen für ein großflächiges Farbspektakel.

Über kleine Nebenstraßen kann man die Pracht der blühenden Felder gut erschließen.

Neben Tulpen werden auch andere Zwiebelgewächse, wie z. B. Hyazythen, gezüchtet.

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Der Keukenhof gilt als bekanntester Schaugarten für Frühjahrsblüher. Dort werden stets die neuesten Züchtungen vorgestellt. Auch wenn es sich hier wiederum um einen Besuchermagneten handelt, sollte man auf einen Besuch nicht verzichten. Neben den Freilandbepflanzungen gibt es auch spezielle Ausstellungen und Schauen in Hallen. In diesem Jahr wurden sie dem Motto „Flower Power, die Kraft der Blumen“ unterstellt. Damit wird an die 70er Jahre, die Zeit der Hippies, erinnert.

Aber die Parkanlage mit der Fülle an Frühjahrsblüher, die immer wieder neue Akzente setzt, ist die Hauptatraktion.

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Zum Schluss unserer kurzen Reise verbrachten wir noch einen Tag in Noordwijk a/Zee. Sieht man einmal von den hässlichen Bettenburgen ab, bleibt die Nordsee mit ihrem tollen Sandstrand und den Dünen. Wir kamen am Vorabend des Blumencorsos an. Die Strandpromenade ist Ausgangspunkt dieses Umzugs. Mit Blumen geschmückte Fahrzeuge und Themenwagen bilden einen Festzug, der auf 30 km Länge den Bollenstreek durchquert. Die Bedeutung dieses Blumencorsos lässt sich wohl am besten so zusammenfassen: Was in Köln der Rosenmontagsumzug, ist im Bollenstreek der Blumencorso. Wir wollten uns dieses Spektakel, für das viele von weither anreisen, nicht antun, doch die geschmückten Fahrzeuge, die bereits am Abend an der Uferpromenade geparkt wurden, haben wir natürlich bestaunt. Hier einige Kostproben:

Was das Seebad angeht, so hat uns das zum Hotel Oranje gehörende Clubhaus am Strand sehr gut gefallen. Dort genossen wir ein hervorragendes Abendessen mit Blick auf das Meer und die untergehende Sonne. Was will man eigentlich mehr?

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Am anderen Morgen, als die ersten Menschenmassen eintrafen, um das Spektakel des Blumencorsos zu erleben, und die Reisebusse begannen die Gehwege und Nebenstraßen zu blockieren, reisten wir ab.