Heiligs Blechle

Neulich war in Tübingen verkaufsoffener Sonntag. Aus diesem Anlass präsentierte der örtliche Handels- und Gewerbeverein in Kooperation mit dem ADAC und dem Museum Boxenstop eine Oldtimer-Schau. Den Einstieg bildeten in der Karlstraße Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr. Vom historischen Spritzenwagen bis zum VW Käfer war fast alles geboten.

Im Automobilbau wurde schon früh das Gesicht eines Fahrzeugs als repräsentatives Markenzeichen erkannt und gestaltet. Oben: Fiat, Mercedes Benz, Austin und Chevrolet Corvette. Unten: Zwei Varianten von Jaguar.

Wie so oft, bildeten die Treppenstufen der Stiftskirche eine tolle Tribüne, um das Treiben auf dem Holzmarkt zu beobachten.

Auch von Porsche gab es etliche Modelle zu bestaunen. Nachfolgend einige Details von zwei Varianten des 911er.

Auf dem Marktplatz stieß ich auf einen Buick Century. Weiche Linien, viel Chrom, eine zweifarbige Lackierung und verspielte Details zeichneten diesen amerikanischen Schlitten aus. Dagegen mutete der Chrysler Royal Eight schon fast europäisch an.

Nachtrag für Nichtschwaben: Der Begriff aus der Überschrift „Heiligs Blechle“ wird im Schwäbischen in zweierlei Weise benutzt. Er steht einmal für das Auto. Mei „heiligs Blechle“. Zum anderen handelt es sich um einen Ausruf des Staunens oder der Überraschung. „Heiligs Blechle!“ Im Sinne von: „Ach du lieber Gott!“. In diesem doppelten Wortsinn ist die Überschrift zu diesem Blog auch zu verstehen. Oldtimer sind die heiligen Blechle ihrer Besitzer und lösen beim Betrachter immer wieder bewunderndes Staunen aus.

Oldtimer-Sammlung Schloss Egeskov

Die umfangreiche Sammlung der Oldtimer ab den 1930er-Jahren verteilt sich auf zwei Hallen. Einige wenige Schmuckstücke seien hier vorgestellt. Leider stehen die Fahrzeuge dicht an dicht, so dass die Präsentation der einzelnen Exponate darunter leidet und der Fotograf so seine Schwierigkeiten hatte, die Objekte einigermaßen vernünftig abzulichten. Nachfolgend ein Blick in die große Halle, in der auch einige Fluggeräte zu bestaunen sind.

In der Sammlung findet man natürlich auch Exponate zur deutschen Automobilgeschichte, wie den zweifarbigen DKW Meisterklasse, den Mercedes-Benz 230 B beide von 1938 und den Opel Olympia von 1950.

Die amerikanischen Straßenkreuzer von 1948. Der Oldsmobile 88 und der Cadillac Fleetwood sind auch heute noch beeindruckende „Schlitten“.

Spannend ist auch ein Blick ins Lager unterm Dach. Hier wartet noch manches Schmuckstück darauf, wachgeküsst zu werden.

Museum Boxenstop 2

Die Vielzahl der Fahrzeughersteller ist erstaunlich.

Wolseley war ein britischer Autobauer, der zwischen 1932 und 1935 unter dem Namen Hornet Spezial leichte Sportmodelle baute. Nach Verkauf an die Firma MG wurde die Produktion des Hornet eingestellt.

Zu Oldtimern gehören natürlich auch eine ganze Reihe Accessoires, die die Show komplettieren. Leider hatte ich nicht die Gelegenheit die Fahrerinnen und Fahrer vor die Kamera zu bekommen.

Es ist kaum zu glauben wie viele unterschiedliche Hersteller in der Anfangszeit des Automobils am Markt waren. Gute Ideen und Produkte reichten oft nicht aus, um auch nur ein Jahrzehnt zu überleben. Ein Szenario, wie es sich bei Einführung neuer Technologien ständig wiederholt.

Doch die Fahrzeuge und Details sind immer wieder eine Augenweide.

Museum Boxenstop 1

Eine Oldtimer-Rally hatte am Museum Boxenstop in Tübingen Mittagspause eingelegt. Eine tolle Gelegenheit, sich die alten Kisten etwas näher anzuschauen.

Beim Blick über den Parkplatz blieb ich an der leuchtend roten Limousine hängen. Der zweifarbig lackierte Hotchkiss 686 ist eine echte Rarität. Über den 6-Zylinder schreibt das Fachblatt „Octane„: „Der in den 1930er-Jahren produzierte Wagen war ein Ausdruck von Technik, Leistung und Raffinesse, der in seiner Zeit als eine der besten französischen Limousinen galt.“ Die Firma, die 1903 aus einem Rüstungsbetrieb hervorging, stellte bereits 1955 die Produktion der Personenwagen wieder ein. Die französisch-britische Kooperation hatte durch ihre konservative Modellpflege bereits damals den Anschluss an die dynamische Entwicklung im Automobilsektor verschlafen.

AMILCAR war eine weitere französische Marke, die in den Jahren 1921 bis 1927 kleine sportliche Fahrzeuge baute und sich im Motorsport engagierte.

Der englische Automobilhersteller Riley baute von 1895 bis 1939 Sportwagen.

Triumph Gloria ist eine Baureihe unterschiedlichster Fahrzeuge, die die englische Triumph Motor Company in den Jahren 1933 – 1938 auf den Markt brachte. Der Aufsatz auf dem Kühler ist übrigens ein Thermometer.

Morgan Aero 8

Eigentlich war ich gekommen, um Oldtimer zu fotografieren. Doch die mussten erst einmal warten. Denn bei Ankunft am Auto- und Spielzeugmuseum Boxenstop in Tübingen blieb ich an einem auf alt getrimmten Sportwagen hängen.

Das Morgan Aero 8 Coupe wurde von 2015 – 2018 produziert. Der Sportwagen, den es auch als Roadster gibt, verfügt über einen 4,8 l V8 Motor von BMW. Dessen 367 PS bringen den Wagen in 4,2 s aus dem Stand auf 100 km/h. Für ca. 190 000 € wird er heute zum Verkauf angeboten. Dann mal los! Man gönnt sich ja sonst nichts.