Raureif.

Vor Sonnenaufgang war ich wieder auf der Alb bei Salmendingen. Über Nacht war der Raureif von den Sonnenblumen abgefallen, doch die Bäume auf dem Kornbühl, einem 886,5 m hohen Härtling (Zeugenberg), stellten ihre weiße Pracht noch zur Schau. An solchen Tagen des Wetterwechsels macht sich jeder Höhenmeter bei der Temperatur bemerkbar.

Der 1886 angelegte Kreuzweg hinauf zur Kapelle führt vorbei an 14 Stationen. In westlicher Richtung reicht der Blick über den Albtrauf hinaus ins Alb-Vorland.

Die Äste der Bäume bogen sich unter der schweren Eislast.

Über der Kuppenalb suchte sich die aufgehende Sonne einen Weg durchs Gewölk. Bei klarer Sicht kann man von hier aus am Horizont das 250 km entfernte Zugspitzmassiv erkennen.

Das Totholz verwitternder Baumstümpfe leuchtete im warmen Licht der Morgensonne und bildete einen herrlichen Kontrast zu den filigranen Strukturen des Raureifs.

Der Wind hatte bereits über Nacht zugelegt, ein Vorbote der nächsten Warmfront. Die weiße Pracht wird wohl den Vormittag nicht überleben. Da kam ich also gerade noch rechtzeitig.

Gut gereift

Nach einer langen Phase neblig-trüber und kalter Tage hat man die Chance auf tollen Raureif. Doch Raureif ohne Sonne gibt langweilige Bilder. Hat sich die Sonne aber endlich durchgekämpft und den Nebel aufgelöst, ist es mit der weißen Pracht schnell vorbei. Dies bedeutet, dass man zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein muss. Auf Verdacht fuhr ich deshalb am Sonntagnachmittag auf die Alb, doch die Sonne blinzelte nur hin und wieder durchs Gewölk. Kurze Momente für den Auslöser.

Zum Abschluss besuchte ich noch einen meiner Lieblingsplätze und genoss den herrlichen Blick auf die Salmendinger Kapelle. Für die kommende Nacht war nochmals Frost vorhergesagt. Doch bereits am Vormittag sollte starker Westwind die nächste Warmfront bringen. Das würde der Raureif nicht überleben. Also beschloss ich bei Sonnenaufgang wiederzukommen.

Das Fotojahr 2022

Mit einem Paukenschlag startete ich in das Fotojahr 2022, das sich als mein bislang erfolgreichstes entwickeln sollte. Im Januar 2022 hatte ich 4 Bilder beim bundesweiten DVF-Themenwettbewerb „Zuhause“ eingereicht. Nachdem ich bei einem früheren Wettbewerb ähnlicher Thematik bereits leer ausgegangen war, wollte ich testen, wie eingefahren der DVF (Deutscher Verband für Fotografie) und seine Juroren sind. Deshalb wählte ich gezielt solche Bilder aus, die sich kritisch mit dem Begriff „Zuhause“ auseinandersetzten und traf damit offensichtlich genau das Interesse der Jury.

Mit meinem Bild „Vorgarten“, das ich in einer Nachbargemeinde aufgenommen hatte, und mit dem ich auf die skandalöse Architektur aufmerksam machen möchte, die sich vielerorts breitmacht, gewann ich einen 3. Platz verbunden mit einer Bronzemedaille und einem Preisgeld.

Mit den Bildern „Abgelegt“ (oben) und „Am Herd“ (unten) wollte ich zum einen auf die schwierige Situation der Obdachlosen am Rande der Gesellschaft und zum andern auf das Problem der LKW-Fahrer auf den Autobahnparkplätzen aufmerksam machen. Mit beiden erzielte ich jeweils eine Annahme. Damit brachte ich 3 von 4 Werken in die Wertung bei einer Medaille. Das schaffte nur noch ein weiterer Teilnehmer.

Im Februar konnte ich dann mit dem bereits mehrmals erfolgreich eingesetzten Bild „Am Spreebogen“ in Riedisheim (Frankreich) beim Internationalen Photosalon eine Goldmedallie der „Federation Photographique de France“ gewinnen. Beim Trierenberg Super Circuit sammelte dieses Bild dann nochmals vier Annahmen ein. Damit entwickelte sich „Am Spreebogen“ insgesamt zu meinem erfolgreichsten Wettbewerbsbild.

In der Gesamtbilanz meiner besten Wettbewerbsbilder folgt „At the Bridge“, das es in diesem Jahr beim Trierenberg Super Circuit ebenfalls auf vier Annahmen brachte und zudem bei der Fotomeisterschaft des Bezirks Schwäbische Alb erfolgreich war.

 „Bus Stop to Heaven“ entwickelte sich prächtig. Beim GIP (German International Photocup) erzielte ich damit eine Urkunde und zwei weitere Annahmen. Auch bei der mir wichtigen Deutschen Fotomeisterschaft (DFM) konnte dieses Bild eine Annahme verbuchen.

Eine weitere Annahme erlangte ich bei der DFM mit dem Bild „Lentos Linz“ (oben), das auch bei der Landesfotomeisterschaft für eine Annahme gut war. Für eine weitere Annahme sorgte dort das Bild „Godöya“ (unten) das darüber hinaus bei der Bezirksfotomeisterschaft mit einer Urkunde dekoriert wurde.

Um diesen Bericht nicht unnötig aufzublähen, möchte ich es bei den größten Erfolgen belassen. Hierzu zählt für mich noch das Bild „Rendezvous XXL“, das ich im Frühjahr 2022 am Saarpolygon aufgenommen hatte. Dieses verschaffte mir eine Annahme beim Niederrhein Monochrom Fotosalon und den 1. Platz in unserem letzten Clubwettbewerb zum Thema Architektur. Dies war für mich ein besonders wichtiger Erfolg, weil ich damit zum zweiten Mal in Folge unsere Clubmeisterschaft für mich entscheiden konnte.

Den größten Erfolg aus meiner Sicht gab es in diesem Jahr aber auf der Vereinsebene. Gute Wettbewerbsfotografen hatte der Photoclub Reutlingen (PCR) schon immer. Um die Kooperation untereinander zu stärken, gründete ich 2020 eine Wettbewerbsgruppe. Diese hat in nur zwei Jahren und trotz Corona einiges in Gang gesetzt. So brachten wir in diesem Jahr bei den Bezirksfotomeisterschaften 25 Vereinsmitglieder an den Start. Die trugen nicht nur viele gute Einzelergebnisse nach Hause, sondern gewannen überlegen die Clubwertung. Und als sei das nicht genug, errang der PCR bei der Landesfotomeisterschaft Baden-Württemberg die Vizemeisterschaft. Damit haben wir in kurzer Zeit ein Niveau erreicht, von dem viele Fotoclubs im Lande nur träumen können. Dieses Niveau zu halten wird uns nicht leicht fallen, denn wir alle kochen nur mit Wasser.

Neben der Fotofahrt zum Saarpolygon waren für mich in diesem Jahr die Tour zu den Drei Zinnen, die schon lange auf meiner To-do-Liste stand, und die Veranstaltung „Urban Colors“ in Reutlingen spezielle fotografische Herausforderungen.

Mit diesem Bericht möchte ich mich zugleich bei euch allen für euer Interesse an meiner Homepage bedanken. Eure Kommentare sind für mich eine wichtige Rückmeldung für die Auswahl meiner Wettbewerbsbilder, denn all die Bilder, die ich in Wettbewerben einsetze, wurden zuvor – zumindest als Prototyp – auf dieser Homepage veröffentlicht. Für das Jahr 2023 hoffe ich weiterhin auf eure Rückmeldungen, die auch gerne kritisch ausfallen dürfen.

Herzliche Grüße an alle, Horst

Vor dem Tauwetter

Vor dem großen Wärmeeinbruch an Weihnachten gab es im nördlichen Alpenraum einige wenige herrliche Tage. Hier der Blick vom Füssener Jöchle (Tannheimer Tal) hinaus über das Alpenvorland, das weitgehend unter einer Nebeldecke lag.

Richtung Süden schweift der Blick über die Lechtaler und die Allgäuer Alpen.

Doch es blieb nicht viel Zeit, um das Winter Wonderland zu genießen.

Die Liftbetreiber nutzten den letzten Frost und ließen ihre Schneekanonen Tag und Nacht laufen, um die Pisten noch einige Tage länger betreiben zu können.

Stuttgart 21 – im Tunnel

Die geniale Idee, die Zufahrt zum Kopfbahnhof Stuttgart um 90 Grad zu drehen, um daraus einen Durchgangsbahnhof zu machen, hatte einen Haken. Sie erforderte einen Tunnelbau von insgesamt 57 km Länge. Dies allein deutet die Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt, jedoch nur an. Da der Tiefbahnhof Stuttgart 21 den gesamten Talgrund durchschneidet, mussten in diesem Bereich Straßen- und S-Bahntrassen sowie Abwasser- und Medienkanäle verlegt werden und der ungestörte Abfluss des Grundwassers gewährleistet bleiben. Letzteres wurde dadurch erreicht, dass der gesamte Tiefbahnhof als „Brücke“ konstruiert wurde. Die Bodenplatte des Bahnhofs lastet auf 2053 Rammpfählen, die bis zu 8 m tief im Erdreich verankert sind. Diese lassen dem Grundwasser genügend Raum und verhindern, dass das Bauwerk bei Hochwasser aufgeschwemmt wird. Und dann waren da noch die geologischen Probleme wie Mineralwasserquellen und die Anhydrit-Schicht, die bei Kontakt mit Wasser quillt und damit enorme Druckkräfte freisetzen kann. Der Juchtenkäfer spielte allerdings beim Tunnelbau keine Rolle.

Bei einer Tunnelführung Ende November 22 konnte ich den derzeitigen Stand der Arbeiten besichtigen. Unsere Führung begann wie üblich im ITS-Turm (InfoTurmStuttgart). Anhand von Modellen und Plänen lassen sich dort die einzelnen Abschnitte der Planung und des Bauens nachvollziehen.

Ein Highlight für viele Besucher ist sicherlich der virtuelle Drohnenflug durch den neuen Tiefbahnhof (oben). Doch auch den realen Blick auf die Baustelle sollte man nicht versäumen. Gegenwärtig werden die letzten vier Kelchstützen betoniert. Wenn diese ausgehärtet sind, kann die Decke der Bahnhofshalle vollends geschlossen werden.

Für uns ging es nach einer kurzen, allgemeinen Einführung in den Keller. Dort wurden wir mit Sicherheitsschuhen, Warnweste, Helm, Positionsmelder und Kopfhörer ausgestattet. Danach brachen wir Richtung Nordbahnhof auf.

In der Nähe des alten Abstellbahnhofs (oben) wird die Ehmannstraße von vier in die Jahre gekommenen Eisenbahnbrücken überspannt (unten). Nach Inbetriebnahme von Stuttgart 21 sind diese, wie das gesamte Nordbahnhofareal obsolet und sollen der Stadt neue Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen.

Wir nutzten eine künftige Rettungszufahrt, um in die neuen Tunnelröhren einzusteigen. Zuerst ging es hinab in eine S-Bahn-Röhre. Anders als in den Bahntunneln, sind die Gleise hier im Schotterbett verlegt. Anschließend wechselten wir hinüber in die Röhren der Bahn. Hier konnte man eine Sicherheitsauflage beim Tunnelbau gut erkennen. Da der weitere Streckenverlauf bis zum Tiefbahnhof über einen Kilometer lang ist, werden die beiden Gleise ab hier in getrennten Röhren geführt. Die Strecke unterm Rosensteinpark hindurch bis zur Neckarbrücke beträgt jedoch weniger als ein Kilometer, weshalb die Beiden Gleise nun in einer Röhre geführt werden können.

Mit Erreichen des Tunnelportals unterm Rosensteinmuseum ist die Kurve in Richtung Bad Cannstatt vollendet.

Der Anschluss an die bestehende Bahnstrecke erfolgt über eine neue Neckarbrücke. Die alte Rosensteinbrücke, rechts erkennbar, wird nach Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs nicht mehr benötigt. Ob sie abgerissen oder einer neuen Nutzung zugeführt wird, ist noch offen. Das Bild unten zeigt den Blick neckarabwärts auf die neue „Rosensteinbrücke“.

Zu Stuttgart 21 findest Du auf meiner Seite noch einen Bericht zu einer Baustellenführung 2020 und zum Bau der Neubaustrecke Stuttgart-Ulm von 2019, die jetzt in Betrieb geht.