Wohnen in Deutschland

Mit dem Thema „Wohnen in Deutschland“, das der DVF als Themenwettbewerb ausgeschrieben hatte, habe ich mich im Laufe des Jahres 2018 immer wieder auseinandergesetzt. Ich hatte mir vorgenommen zu diesem Thema einige kritische Beiträge beizusteuern. Als es im Februar längere Zeit sehr kalt war, gelang mir in einer Unterführung diese Aufnahme eines Obdachlosen.

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Mein Hauptthema war jedoch die Situation der Kraftfahrer, die Wochenende um Wochenende auf den Autobahnparkplätzen verbringen müssen. Ich war überrascht wie aufgeschlossen und freundlich die meisten Fahrer waren. Es schien so, als ob ihnen das Interesse an ihrem Leben gut täte.

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Die allermeisten Trucker kommen aus östlichen EU-Staaten und fahren für Speditionen der entsprechenden Länder. Woche um Woche kurven sie kreuz und quer durch Europa. Ihre jeweilige Order erhalten sie übers Internet direkt aus der heimischen Zentrale, die über die exakte Position ihrer LKWs via Satellit in Echtzeit informiert wird.

Es gibt aber auch Ausnahmen. So traf ich einen belgischen Trucker, der hatte einfach Stil und lies es sich nicht nehmen an einem Tisch mit Tischdecke gepflegt zu speisen.

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Die größte Ausnahmeerscheinung war jedoch ein deutsches Ehepaar. Sie hatte gerade Urlaub und konnte ihren Mann deshalb auf seiner Tour durch die Republik begleiten. Den mitgeführten Gabelstapler hatten sie zusammen mit einer Europalette zu einem Tisch umfunktioniert. Darauf wurde gekocht, gegessen und gespielt.

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Eine weitere Wohnsituation, die es lohnt genauer betrachtet zu werden, ist die der Flüchtlinge. Das nachfolgende Foto zeigt ein Erstaufnahmelager und ein Übergangswohnheim. Das stürmische Herbstwetter, das die Wolken über den Himmel fetzte, veranlasste mich zu dieser Aufnahme. Der Himmel soll symbolisieren, dass der Status der Bewohner ein in hohem Maße „flüchtiger“ ist. Der leere Platz und der Zaun hinterfragen in aller Deutlichkeit unsere „Willkommens-Kultur“.

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Das sicherlich gut gemeinte „WELCOME“ wirkte auf mich in diesem Ambiente völlig deplatziert und irritierend. Unwillkürlich drängte sich mir die Frage auf, ob in einer solch abweisenden Umgebung Aggressionen nicht eher auf- statt abgebaut werden.


8 Gedanken zu “Wohnen in Deutschland

    1. Hallo Mandi,
      herzlichen Dank für deine Rückmeldung. Ja, das halte ich auch für die beste Aufnahme aus der ganzen Serie. Das Problem ist, dass es bei diesem Thema ja um den Alltag geht und somit um unspäktakuläre Situationen. Da ist es dann schon ein Glücksfall, wenn sich jemand eine solche Stelle aussucht, um die Nacht zu verbringen.

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  1. ein super Beitrag und das erste Foto ist leider Realität !
    Ich selbst bin schon seit über 30 Jahren in der Transportbranche tätig, zwar nicht als Fahrer aber ich kenne den Stress der Fahrer und die Umstände sehr gut und hautnah ! Ein Thema das sich immer mehr zuspitzt und bereits heute gibt es einen enormen Fahrermangel weil sich dies keiner mehr antun möchte. Auch die Osteuropäischen Frächter haben dies erkannt und vielleicht haben wir bald zwar LKW aber kein Fahrpersonal mehr !!! Hier muss dringend was getan werden denn sonst bekommt die Industrie, der Internethandel und letztendlich auch wir als Bevölkerung große Probleme was den Warenfluß betrifft !!!

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    1. Ja, da hast du völlig recht, nur die Bahn bekommt es bislang nicht gebacken. Der Fahrermangel ist sicherlich ein Problem, aber würden wir noch mehr Verkehr wirklich verkraften? Bereits heute fahren auf der A81 die LKWs Stoßstange an Stoßstange. Ich denke, dass hier ein grundsätzliches Umsteuern erforderlich ist. Das autonome Fahren und die damit verbundene weitere Steigerung des Verkehrsaufkommens – also ein „weiter so“ – darf es m. E. nicht geben.

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      1. sicherlich ist das erhöhte Verkehrsaufkommen ein riesiges Problem. Das hat Deutschland als Transitland einfach verpennt und der Strassenbau hinkt hinterher. Dies lässt sich auch in kurzer Zeit nicht verändern. Produktionsverlagerungen ins Ausland, Internet Versand ect. sind meiner Meinung nach die Hauptverursacher. Die Strassen wurden zur Lagerhaltung umgewandelt. Ferner sind die Transportkosten viel zu gering und damit für Verlagerungen ins Ausland lukrativ. Die Bahn bekommt das nicht hin, selbst wenn das Schienennetz ausgebaut würde, dann fehlen immer noch die Verladebahnhöfe . Abgeholt und zugestellt muss aber immer noch der LKW erledigen. Ich denke das sind riesige Herausforderungen die da die nächsten Jahre auf uns zukommen. Mautkosten ect. sind nur ein Baustein. Wir Konsumenten sind aber an der Misere selbst Schuld weil wir meinen wir müssen aus allen Herren Länder Waren importieren um die Bedürfnisse zu decken. Muss ich einen Wein aus Südafrika trinken ? Wie wenn es hier keinen gibt !!!! Dies nur ein ganz kleines Beispiel !!!!

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      2. Da stimme ich dir in vollem Umfang zu. Den südafrikanischen Wein trinke ich übrigens am liebsten in Namibia unterm Sternenhimmel, denn bis Südafrika bin ich noch nicht gekommen. 😉
        Das Hauptproblem sehe ich darin, dass wir – ich sage bewußt nicht „der Staat“ – viel zu schwerfällig geworden sind. Wir wollen Rechtssicherheit, wir wollen einen Rechtsstaat. Deshalb haben wir uns Verfahren ausgedacht, die viel zu lange brauchen, um eine Lösung zeitnah umzusetzen. Doch wie sieht die Alternative aus?

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