Am Scheideweg

Im Herbst befindet sich das Wetter häufig am Scheideweg zwischen gut oder schlecht, lauem Lüftchen oder heftigem Sturm, gleißendem Licht oder trüb verhangenen Regentagen, leuchtend bunten Farben oder düster grauer Nebelsuppe. Doch alles gehört zum Herbst und macht ihn zu dem was er ist, eine tolle, stimmungsvolle und abwechslungsreiche Jahreszeit.

Grauverlaufsfilter in der Landschaftsfotografie

Wie der Polfilter ist auch der Grauverlaufsfilter (GND = graduated neutral density filter) aus der Landschaftsfotografie nicht wegzudenken. Ein GND weist am einen Ende einen definierten Grauwert auf und ist am anderen Ende transparent.

Was aber bringt mir ein Grauverlaufsfilter?

Mit dem Grauverlaufsfilter dunkle ich die hellen Bildbereiche – meist den Himmel – ab. Dadurch wird erreicht, dass bei richtiger Belichtung der dunklen Partien, die hellen Bildbereiche nicht überbelichtet werden. Das Ziel ist es, eine insgesamt ausgeglichene Belichtung zu erreichen. In der Fachsprache heißt dies, dass ein Grauverlaufsfilter den Dynamik- / Kontrastumfang verringert. Spätestens wenn der Kontrastumfang eines Motivs vier Blendenstufen übersteigt, ist die Stunde des GND gekommen, denn mehr als zwei Blendenstufen Differenz (Unter- oder Überbelichtung) lassen sich bei der RAW-Entwicklung nicht ausgleichen.

(Bilder zum Vergleich vergrößern.)

Die erste Aufnahme zeigt das Alpenpanorama am Bodanrück ohne Filter. Beim zweiten Bild kam ein GND 0.9 zum Einsatz. Die Wirkung ist offensichtlich: Das Bild ist gleichmäßiger ausbelichtet, Berge und Wolken werden kontrastreicher abgebildet.

(Bilder zum Vergleich vergrößern.)

In der zweiten Reihe zeigt das erste Bild eine Aufnahme mit Pol-Filter (zur Wirkung des Pol-Filters siehe hier) und das zweite Bild die Aufnahme mit Pol- und GND-Filter. Diese Kombination liefert in der Landschaftsfotografie nicht selten das beste Resultat.

GNDs kommen in der Regel als Steckfilter zum Einsatz. So lässt sich der Filter im Halter verschieben und an die jeweilige Situation anpassen. Ein GND lässt sich auch mit einem schraubbaren Polfilter kombinieren. GNDs gibt es mit unterschiedlichen Dichten. Ich benutze einen GND 0.9 aus der 100er Serie von Haida. Mit ihm lassen sich theoretisch bis zu 3 Blendenstufen ausgleichen. Man benötigt hierzu einen für das jeweilige Objektivgewinde passenden Adapter und den Filterhalter HD2500, der auch bei ND-Filter zum Einsatz kommt. Vorteil: Filterhalter mit Filter lassen sich mit einem Griff vom Objektiv entfernen und wieder anbringen. So ist der Einsatz nach Bedarf möglich. GNDs gibt es zudem mit unterschiedlichen Übergängen („Kanten“) vom grauen zum transparenten Sektor. Ich benutze einen weichen Übergang, der ist m. E. in der Landschaftsfotografie universell einsetzbar.

Bei einem GND ist, wie beim ND-Filter, unbedingt auf ein neutrales Grau zu achten. Das muss man in der Regel bezahlen. Billigprodukte sind deshalb zu vermeiden.

Nicht selten wird die Behauptung in den Raum gestellt, dass ein GND unnötig sei, denn man könne bei der Entwicklung einen Graukeil über den Himmel legen. Das ist schlicht falsch, denn ich kann nur das korrigieren was da ist! Wenn der Himmel „ausgefressen“ ist, gibt es keine Bildinformation, die man bearbeiten kann, da zaubert mir ein Graukeil höchstens eine schmutzig graue Fläche in den Himmel. Und selbst bei Aufnahmen mit gestaltbarer Belichtung bringt ein nachträglicher Graukeil nur eine Abdunkelung. Wie das Bild unten zeigt werden die Wolken grau und die Farben bleiben fahl.

Die nachfolgende Aufnahme ist ein weiteres Beispiel für die Anwendung eines GND. Ohne GND wäre der Himmel völlig ausgefressen oder die Landschaft abgesoffen. Eine Alternative wäre natürlich eine HDR-Aufnahme.

Herbstabend im Kirschenfeld

Die Streuobstwiesen am Albtrauf sind für ihre Kirschenfelder bekannt, doch auch Birnbäume und Linden sind hier zu finden.

In warmen Rot- und Gelbtönen leuchtet das letzte Laub der Kirschbäume in der Abendsonne des Spätherbstes.

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Auch der Schneeball hat inzwischen sein herrliches Herbstkleid angelegt.

Die alten Kirschbäume, kurz vor dem Zusammenbruch, untermalen die herbstliche Abendstimmung.

Smögen

8. September 2021

Smögen liegt an der Spitze der Halbinsel Sotenäs nördlich von Göteborg und ist einer der typischen alten Fischerorte, die sich inzwischen voll auf den Tourismus eingestellt haben. Außerhalb der Saison ist ein Besuch dieses Örtchens absolut zu empfehlen, denn seine Lage entlang, zwischen und auf den blanken, rund geschliffenen, rosafarbenen Granitformationen ist wirklich sehenswert. Die Ortschaft auf die bekannte, viel fotografierte, bunte Häuserzeile am Ende des Naturhafens zu reduzieren, währe verkehrt, denn die sind eher ein Beispiel dafür, wie manipulativ die Fotografie sein kann oder ist.

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Man hat hier große Anstrengungen unternommen, um die Schärenküste mit Brücken und Holzstegen zu erschließen. Wer diese fantastische Möglichkeit für eine Wanderung durch die Klippen nutzt, nimmt bleibende Eindrücke mit nach Hause.

Der Sonnenuntergang ist hier ein besonderes Schauspiel, er lässt den rosafarbenen Granit geradezu aufblühen.

In der Blauen Stunde erstrahlt nicht nur das gelbe Licht der Straßenbeleuchtung, auch die Fenster der Häuser reflektieren das letzte Licht des Abendrots.

Für Wohnmobillisten bieten sich am Ende des Ortes inmitten der Granitformationen Stellplätze in idealer Lage.

Westliche Schärenküste

5. September 2021

Zwischen Göteborg und der norwegischen Grenze, in der Provinz Bohuslän, liegt Schwedens beeindruckendste Schärenküste. Wir erreichten diese fantastische Landschaft bei Grebbestad.

Zu erwähnen ist, dass die Saison zu dieser Jahreszeit in Skandinavien längst beendet ist. Dies hat den Vorteil, dass vergleichsweise wenig Reisende unterwegs sind. Während der Saison steht man sich hier wohl auf den Füßen. Doch sollte man bei seiner Reiseplanung berücksichtigen, dass einige Campingplätze bereits geschlossen haben und es für freies Campen an diesem Küstenabschnitt nur selten Möglichkeiten gibt. Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich in der Regel hingegen auch in den Besucher- / Jachthäfen.

Das Tal des Klarälven

3. September 2021

Heute folgten wir der E45 weiter in südlicher Richtung, bis diese bei Stöllet auf das Tal des Klarälven trifft. Noch vor 20 Jahren galt dieser auch heute noch weitgehend naturbelassene Flusslauf als ein Geheimtipp für Wildnisliebhaber. Damals konnte man tagelang auf dem Fluss unterwegs sein. Nur Elche und Biber sorgten für willkommene Abwechslung. Und heute?

Wir fanden das Flusstal weitgehen zersiedelt. In Branasberget wird gerade ein ganzer Wintersportort aus dem Fels gesprengt, um Platz für die Ferienhäuser der Reichen zu bieten, während sich im Tal derweil die erforderlichen Versorgungseinrichtungen und die Quartiere derer breit machen, die sich den Platz ganz oben nicht leisten können.

Wir konnten es nicht fassen, wie man solche Projekte heute noch angehen kann, denn auch in Schweden hat man mit den Folgen der Klimaerwärmung zu kämpfen, wie wir in Lappland ja gesehen hatten. In Hölljes, kurz vor der norwegischen Grenze, bezogen wir frustriert auf einem überteuerten Campingplatz unser Quartier für die Nacht.

Am nächsten Morgen machten wir uns aus dem Staub. Zügig folgten wir dem Flusslauf talwärts bis wir kurz vor der E45, bei Varnäs, auf einen schön am Fluss gelegenen, weitläufigen Campingplatz stießen. Nach einer Stunde Fahrt beschlossen wir hier zu bleiben, um dem Klarälven noch eine Chance zu geben.

Mora, das Herz Schwedens

Als wir Mora am Nachmittag erreichten, landeten wir eher per Zufall, als durch Planung, auf dem abgefahrensten Campground unserer gesamten Reise. Nur mit der nötigsten Infrastruktur ausgestattet reichte der Platz am Seeufer gerade für eine Hand voll Wohnmobile und einige Zelte. Der Unkostenbeitrag für die Nacht betrug 10 € – inklusive Feuerholz. Diese waren in einem bereitgelegten Umschlag in einen Briefkasten zu stecken. Die Aussicht auf den See war fantastisch und dazu herrschte absolute Ruhe. Wer einfache Plätze in landschaftlich toller Lage mag, für den ist der Kulara Camping auf der Insel Sollerön ein absoluter Geheimtipp.

Damit ist auch schon ein Punkt geklärt, weshalb Mora nicht nur im Herzen Schwedens, sondern auch den Schweden am Herzen liegt.

Mora liegt in der zentralen Provinz Dalarna, die wegen ihrer lieblichen Landschaft und ihrem milden Klima eine bevorzugte und traditionelle Ferienregion der Schweden ist. Mora selbst hat eine außergewöhnliche Lage. Die Kleinstadt liegt auf der Landbrücke zwischen zwei Seen, dem Orsasjön im Norden und dem Siljansee im Süden. Genau hier mündet auch der Österdalälven in den Siljansee.

Mora ist bekannt für seine Brauchtumspflege und hat sich so zum Zentrum für traditionelle Feste, Volkstanz- und Trachtenfeste entwickelt. Dazuhin ist Mora eine Hochburg für Kunsthandwerk. Von hier stammen unter anderem die roten Dalarna-Pferdchen. Unten das zugehörige Denkmal an der Strandpromenade.

Mora kann als Geburtsort der nationalen Identität Schwedens betrachtet werden. Als Gustav Vasa im Jahre 1521, die Bürger Moras und Dalarnas gegen den dänischen König Christian II. in Stockholm aufzubringen versuchte, zeigten sie ihm die kalte Schulter. Nachdem Gustav auf Skiern davon eilte, besannen sich die Bürger Moras eines Besseren und schickten ihm zwei der besten Skiläufer hinterher, um ihm diese Nachricht zu überbringen. Die holten ihn schließlich im 90 km entfernten Sälen ein. Der Niedergang der dänischen Herrschaft nahm seinen Lauf und Gustav Vasa wurde schwedischer König.

Seit 1922 wird jährlich an dieses Ereignis mit dem Vasalauf erinnert. Mit ca. 20000 Skilangläufern im Hauptlauf handelt es sich um den größten Skilanglauf in ganz Skandinavien. Insgesamt tummeln sich in der Festwoche rund 50000 Besucher in den Loipen. Gestartet wird in Sälen, Zieleinlauf ist in Mora. Der bisherige Streckenrekord liegt bei 3 Stunden und 38 Minuten. Am Zieleinlauf in Mora steht diese Skulptur eines Wasalauf-Teilnehmers von Per Nilsson-Öst.

Auf dem Sockel der Statue findet sich die Inschrift: “In der Spur der Väter – für die Siege der Zukunft”. In Deutschland wäre ein derartiger Slogan völlig undenkbar. In Schweden hingegen hat man mit solchen Sprüchen offensichtlich kein Problem, sie werden sogar gepflegt. So steht überm Zieltor derselbe Spruch und auf Kinderspielplätzen finden sich Miniaturausgaben des Zieltors, so dass die Kleinsten gleich richtig geeicht werden.

Selbstverständlich wird den ganzen Sommer hindurch auf dieses Ereignis hin trainiert.

Doch Mora ist auch ein ganz normales Touristenzentrum mit Einkaufsmeile und Uferpromenade.

Vildmarksvägen 2

30. August 2021

Am Morgen musste ich mich zuerst um die Preiselbeeren kümmern, die an unserem Übernachtungsplatz, wie auch anderswo, zuhauf wuchsen. Wenn man sie schon vor den Füßen hat, sollten sie wenigstens auch aufs Bild.

Bis Klimpfjäll war noch magere Landwirtschaft möglich.

Dann blieben auch die Bäume zurück. Wir waren im Fjäll angekommen.

Die Passhöhe auf 876 m Höhe ist ein idealer Ausgangspunkt für größere und kleinere Touren durch wegloses Gelände. Als ich eine Herde Rentiere erblickte, zu der auch ein weißes Ren gehörte, war meine Tour klar. Ich folgte erst einmal für gut eine Stunde dieser Herde, in der Hoffnung, nahe genug heranzukommen, um ein ordentliches Bild machen zu können, denn weiße Rentiere sieht man ja nicht alle Tage. Doch die Rentiere leben hier oben den ganzen Sommer über völlig frei und als Fluchttiere achten sie peinlich auf den nötigen Abstand. So gelangen mir lediglich einige Belegfotos.

Auf dem Rückweg konnte ich mich dann der genialen Landschaft widmen.

Aufgrund der Wettersituation beschlossen wir, trotz der tollen Plätze nicht im Fjell zu übernachten, sondern ins waldreiche Ströms Vattudal hinabzufahren.