Einstimmung auf den D-Day

Mai 2024

Wer die Normandie besucht, muss sich mit der Geschichte des zweiten Weltkrieges und der Rolle der Deutschen als Besatzungsmacht in Frankreich auseinandersetzen. Dies gilt natürlich in besonderer Weise für die Region der Landungsstrände an der Cote Nacre und deren Hinterland. Hier ist die Erinnerung an den D-Day (06. Juni 1944) vor 80 Jahren mit dem die Operation Overlord begann, auf Schritt und Tritt präsent. Unzählige Museen, Denkmäler, zerstörte Stellungen und mehrere Soldatenfriedhöfe nehmen sich dieser Vergangenheit an.

Ende Mai 2024, im Vorfeld des 80. Jahrestages des D-Days sind die meisten Häuser mit der Trikolore und den Fahnen der Alliierten geschmückt, Schulklassen besuchen einschlägige Sehenswürdigkeiten und Unmengen von Plakaten weisen auf entsprechende Feierlichkeiten und Feste anlässlich der Befreiung von Nazi-Deutschland hin.

Wir stellten uns in Caen auf dieser Reise erstmals konkret diesem Thema. Caen ist mit über 100 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Normandie und Sitz der Präfektur Calvados. Mit dem Mémorial de Caen, „einem Museum der Geschichte für den Frieden“, so das Tourismusbüro, soll an die Schlacht um die Normandie erinnert werden. Die Aufarbeitung des Themas ist hier also breit angelegt und beschränkt sich nicht auf die Darstellung des D-Days.

Es stellt sich die Frage, wie es einem an solchen Orten als Deutschem geht. Kann man sich da in seiner Haut wohl fühlen? Diese Frage lässt sich sicher nur situativ und für jeden persönlich beantworten. Grundsätzlich aber ist sie zu bejahen, denn die Geschichte ist wechselhaft. Wer heute seine Interessen mit militärischen Mitteln durchsetzt, kann morgen schon deren Opfer sein. Leider hebt unsere Geschichtsschreibung viel zu wenig darauf ab. Vielmehr ist sie oft eine Geschichtsschreibung der Sieger und neigt damit zur Heroisierung. So trägt sie wenig zur Friedensstiftung bei. Wir erfahren es aktuell: Das Ende des zweiten Weltkrieges hat uns in Mitteleuropa zwar nahezu 80 Jahre Frieden und Freiheit geschenkt, aber zugleich einen Ost-West-Konflikt beschert, der gerade wieder an Dynamik und Zerstörungskraft gewonnen hat.

Caen ist ein guter Ort, um sich mit dieser Art der Geschichtsschreibung auseinanderzusetzen, denn hier herrschte Wilhelm der Eroberer ab 1035 als Herzog der Normandie und von 1066 bis 1087 nach erfolgreichem Feldzug auch als König von England. Ein kurzes Intermezzo.

Die Abbey of Sainte Trinité, war ein zweites Tagesziel. Die Abtei aus dem 11. Jahrhundert wurde von der Königin Mathilde, der Frau von Wilhelm dem Eroberer, gegründet. Dort fand sie auch ihre letzte Ruhestätte. In den Räumlichkeiten der Abtei gibt es immer wieder Ausstellungen zu bestaunen. Aktuell wurde durch Objekte und Installationen an die Landung der Amerikaner in Sizilien 1943 erinnert und an die Idee der Freiheit, die davon ausging. Dabei wird auch darauf verwiesen, welche Bedeutung diese Landung für die Vorbereitung der Operation Overlord hatte. Nachfolgend: Friedenstauben im Treppenaufgang, die symbolisch für den sich ausbreitenden Freiheitsgedanken stehen.


2 Gedanken zu “Einstimmung auf den D-Day

  1. Lieber Horst,

    die Worte fehlen, auch da „Dinge die man nicht mehr für möglich gehalten hat“ wieder in greifbare Nähe kommen. Ich dachte der Mensch lernt … nun hoffe ich, dass wir mindestens weitere 80 Jahre in Frieden weiterleben und dass die Kriegstreiber endlich zur Einsicht kommen. Wie heißt es: die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Danke für den Bericht, viele liebe Grüße Brigitte

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