Mosel 4: Centre Pompidou – Metz

Metz, die Hauptstadt Lothringens, verfügt über eine absolut sehenswerte Altstadt. An deren südlichem Rand hat man anfangs dieses Jahrtausends ein riesiges Areal zur Entwicklung einer modernen Neustadt ausgewiesen. Kristallisationspunkt des Neuen und zugleich Verbindung zum Alten, sollte ein neu zu schaffendes Zentrum für zeitgenössische Kunst sein. Zeitgenössisch modern wurde dann auch die architektonische Lösung des Centre Pompidou – Metz, einer Dependance des Centre Georges Pompidou in Paris. Im Jahre 2010 nahm es seinen Betrieb auf.

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Die ausgeklügelte Tragekonstruktion ist ein Flechtwerk aus laminiertem, mehrschichtigem Fichtenholz. Die wasserdichte Dachhaut ist aus einem transparenten weißen Glasfasergewebe mit Teflonbeschichtung gefertigt. Die Ausstellungsräume bestehen aus drei Röhren, die auf drei Ebenen den Innenbereich durchziehen und nach außen mit einer großen Glasfront abschließen.

Tipp: Wegen der transparenten Dachhaut wäre es optimal, dieses Bauwerk während der blauen Stunde zu fotografieren, wenn das Licht von innen durchscheint.

Gleich gegenüber wurde ein weitläufiges Einkaufszentrum erbaut. Zumindest dem äußeren Erscheinungsbild nach fühlt man sich auch hier der Moderne verpflichtet.

Dass nicht alles, wie die Pfeiler dieses Vordaches, nach oben strebt, verdeutlichte der junge Mann auf dem nachfolgenden Bild. Denn der kannte auf dieser steilen Treppe nur eine Richtung – die nach unten.

 

Mosel 3: Nancy, Place Stanislas

In Nancy wartet auf den Reisenden eine ganz besondere Perle, der Place Stanislas. Erbaut 1752 – 1755 nach einer Idee von Stanislas Leszczynski, dem damaligen Herzog von Lothringen, steht das einmalige Arrangement in klassizistischem Baustil heute auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

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Nachdem in den Revolutionsjahren die Statue von Ludwig XV. entfernt wurde, erinnert seit 1831 ein Standbild im Zentrum des Platzes an Stanislas. Heute wird das Denkmal von einer Glaskugel geschützt.

Stanislas Leszczynski war eine schillernde Figur der Geschichte. Zweimal wurde er zum König Polens gekürt, zweimal folgte das Exil. Als 1725 seine Tochter Maria Ludwig den XV. heiratete, hatte auch Stanislas einige Sorgen weniger. Sein Schwiegersohn machte ihn 1737 zum Herzog von Lothringen. Im Gegenzug widmete ihm Stanislas diesen Platz, der als Verbindung zwischen der mittelalterlichen Altstadt Nancys und der Neustadt gedacht war. Als i-Tüpfelchen der Königsverehrung lies Stanislas zu Ehren Ludwigs des XV. im Jahre 1757 einen Triumpfbogen errichten. Dieser ist Bestandteil der Stadtmauer und bildet den nördlichen Zugang zum Place Stanislas.

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Inschrift: Dem Schrecken der Feinde, dem Knüpfer der Bündnisse, der Zierde und Liebe des Volkes.

 

Mosel 2: Charmes´ Lost Place

Als wir an einem trüben Januarmorgen Charmes in Richtung Nancy verließen, passierten wir am Ortsrand eine verfallene Industrieanlage. Die Ausdehnung des Areals war gewaltig. Einfach vorbeifahren war natürlich unmöglich, also wendete ich bei nächster Gelegenheit. Wir umrundeten das Gelände und fanden schließlich auch ein einigermaßen brauchbares Schlupfloch.

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Dass das Eingangsgebäude vormals repräsentativen Charakter hatte, ist noch heute erkennbar, auch wenn der Seiteneingang zum Haus eher an Dornröschen erinnerte.

Dahinter wurde das Areal von einem einstöckigen, langgezogenen Gebäudekomplex begrenzt in dem sich auf mehreren 100 m Länge ein Raum an den anderen reihte. Den Türen nach zu urteilen waren hier einst diverse Werkstätten untergebracht.

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Gegenüber öffnete sich ein Platz. Dieser gab den Blick auf zwei große Hallen frei.  Dem gesamten Erscheinungsbild nach zu urteilen, könnte es sich um ein Kraftwerk mit Kesselhaus und vorgelagertem Generatorenhaus gehandelt haben.

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Auf der rechten Seite des Platzes standen ausgedehnte Fabrikationshallen – alle baufällig. Die Dächer waren undicht und zum Teil bereits eingefallen. Die Isolation hing tropfnass von der Decke. Bruchstücke der Sheddachverglasung warteten in ihren Rahmen geduldig auf den geringsten Anlass, herunterfallen zu dürfen. Veralgte und vermooste Böden, blühende Wände, zurückgelassene Tonnen und andere Behältnisse bildeten die einzigen Farbtupfer.

Durch die Lücken in der Dachisolation fiel das fahle Licht des nebelgrauen Tages.

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Jenseits des Kraftwerks lag eine riesige Fläche. Von Gebäuden und Gebäuderesten umrahmt, türmte sich auf dem Gelände ein Schuttberg am anderen. Häuser und Hallen waren eingestürtzt und der Schutt nur notdürftig zusammengeschoben. Doch auch das dürfte bereits vor etlichen Jahren passiert sein. Seitdem gammelt alles vor sich hin.

Obgleich ich mich sehr beeilte, benötigte ich für meine Runde durch die Ruinen 1 1/2 Stunden. Eigentlich wäre dies ein Job für Tage gewesen.

Das Areal liegt zwischen der D157 und der Rue des Bretonnes. Leider konnte ich bis heute nicht in Erfahrung bringen, um welche Firma es sich gehandelt hat. Vielleicht kann mir ja ein Leser einen Tipp geben.

kabjma01 Der erste Hinweis auf einen infrage kommenden Betrieb kam von meinem Bruder Reiner. 1864 wurde in Charmes eine Brauerei gegründet, die ab 1936 als Kanterbräu firmierte. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Brauerei wieder aufgebaut und prouzierte ab den 50er-Jahren jährlich 70000 Hektoliter Bier. Nach Fusion mit anderen Brauereien wurde die Produktion in Charmes 1971 eingestellt. Siehe hierzu: https://www.wikizero.com/fr/Brasserie_de_Charmes

Die Lage der Brauerei, die sich aus dem unteren Bild ergibt, lässt diesen Hinweis zutreffend erscheinen (Quelle des Bildes wikizero).

Fichier:Affiche de la Brasserie de Charmes.jpg