Atlantikwall

Wer im Norden oder Westen Dänemarks die Küste besucht, wird unweigerlich mit der deutschen Geschichte konfrontiert.

Die dänische Nordseeküste war Teil des Atlantikwalls, den die deutsche Wehrmacht während des 2. Weltkrieges auf einer Länge von ca. 2700 km von Frankreich bis Norwegen ausgebaut hat.

In den Jahren 1941 bis 1944 wurden allein in Dänemark ca. 7000 Bunkeranlagen erbaut. Rund 6000 dieser Objekte sind auch heute noch entlang der dänischen Küste anzutreffen. In mehreren Bunkermuseen wird über den geschichtlichen Hintergrund aufgeklärt. Vielerorts liegen die Anlagen aber einfach am Strand und in den Dünen.

Junge dänische Künstler haben sich auf erfrischende Weise mit diesen Objekten auseinandergesetzt. Doch trotz aller Bemühungen bleibt Gott sei Dank ein bitterer Nachgeschmack auch für jene, die das ‚Glück der späten Geburt“ für sich reklamieren können.

Denn diese Mahnmale sind die stummen Zeugen eines finsteren Kapitels deutscher Geschichte, zu der die unbeschwerte Farbigkeit nicht so richtig passen will.

Die farbigen Aufnahmen stammen vom Strand in Klitmoller, die Schwarz-Weiß-Bilder wurden bei Sondervig aufgenommen.

Für weitere Informationen empfehle ich die folgende Seiten: https://de.nationalparkvadehavet.dk/erleben-sie-den-nationalpark-vadehavet/der-atlantikwall/ und https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/unberuehrt-im-sand-verschuetteter-wehrmachtsbunker-in-daenemark-entdeckt-a-563021.html

Skagen

Nordöstlich von Skagen wächst die Halbinsel Grenen hinaus ins Meer und markiert mit einer schmalen Sandspitze die Trennung zwischen den Seegebieten Skagerak und Kattegat und damit zwischen Nord- und Ostsee.

Auf Robben wie Touristen übt diese Landzunge, an der die Wellen zweier Meere gegeneinander klatschen, eine magische Anziehungskraft aus. Während sich die Robben in der Sonne aufwärmen, werden sie von den Touristen aus respektvoller Entfernung beäugt.

Auf dem Weg dorthin wirft die deutsche Geschichte ihre dunklen Schatten in Form von Bunkeranlagen in den Sand.

Bei Sonnenaufgang sind bereits wieder die ersten Besucher vor Ort und genießen das magische Licht der Goldenen Stunde. Auf die große Entfernung ist sehr gut die bewegte See des Skagerak vom ruhigen Wasser des Kattegat zu unterscheiden.

Während am Horizont eine Ölbohrinsel durchs Kattegat geschleppt wird, liegen vor Skagen mindestens vier Kreuzfahrschiffe von AIDA auf Außenreede. Nach Ausbruch von Corona sind die Kreuzfahrten vollständig zum Erliegen gekommen, so dass für die Schiffe weltweit günstige Ankerplätze gesucht wurden. Der Leuchtturm von Skagen zeigt sich von Corona jedoch völlig unbeeindruckt.

Skagen selbst ist ein nettes Städtchen, das für seine gelben Häuser bekannt ist.

Wer durch Skagen bummelt, sollte keinesfalls einen Besuch im Fischereihafen auslassen. Frischer als dort, lässt sich Fisch nur noch direkt vom Kutter einkaufen.

Wanderdüne Rabjerg Mile

Auf der Route Kristiansand – Hirtshals ließen wir mit den letzten Schären die norwegische Küste hinter uns.

Auf dem Weg von Hirtshals nach Skagen passiert man die Rabjerg Mile, Dänemarks größte Wanderdüne. Sie bedeckt ca. 2 qkm Fläche und erreicht eine Höhe von 40 m. Der Sand wird hier durch die vorherrschenden Winde jährlich um 15 cm von West nach Ost verlagert. Was einmal unter der Düne verschwunden ist, taucht nach rund 40 Jahren hinter ihr wieder auf.

Was Flugsand bedeutet, bekam ich bei meiner Tour auf und über die Düne zu sehen und zu spüren.

Die Winderosion entpuppte sich als wahre Künstlerin.

Der über die freien Dünenflächen getriebene Sand wandelte sich an den Abbruchkanten zu einem scharfen Sandstrahl und in den Flanken der Dünen entwickelten sich regelrechte Sandstürme.

Doch bei aller bizarren Schönheit ist klar, die Wanderdüne bringt langsam aber unaufhaltsam den Tod.

Das wohl berühmteste Opfer des Flugsandes in dieser Region ist Gamle Skagen. Die Ortschaft musste Ende des 18. Jahrhunderts aufgegeben werden. Auch die Kirche wurde abgerissen, nur der Kirchturm aus dem 15. Jahrhundert blieb als Seezeichen stehen und wird deshalb seit 1816 weiß gekalkt.

Konfirmation und Tradition – die Kirche in Norwegen

Während unserer Reise in den Monaten August und September durch Norwegen, trafen wir beim Versuch eine Kirche zu besichtigen wiederholt auf Konfirmandengruppen. Bei Gesprächen mit Pfarrern und Gemeindedienern hat Rose einiges über die coronabedingten Probleme in Erfahrung gebracht, während ich mich um das Bildmaterial kümmerte.

Das Wichtigste ist schnell gesagt: Auch die Konfirmationen in Norwegen waren von Coronareglementierungen betroffen. Die Konfirmandengruppen wurden stets in zwei Hälften aufgeteilt und zwischen den Gottesdiensten wurde die Kirche desinfiziert. Mundschutz war in Norwegen ohnehin nicht üblich.

Die nachfolgenden Bilder zeigen eine Konfirmandinnengruppe in Kongsberg bei ihrem Fototermin.

Auffällig ist, dass die Konfirmation in Norwegen überwiegend in der lokalen Tracht begangen wird. Da die Besucher natürlich aus unterschiedlichen Regionen stammen, kann man bei einer Konfirmation ganz verschiedene Trachten zu Gesicht bekommen. Doch auch in Norwegen bröckelt diese Tradition. Während bei den Mädchen die Tracht noch zu 100 % getragen wurde, trugen bei den Jungs, je nach Region verschieden, bereits viele einen Anzug von der Stange. Schade eigentlich.

Die Frauen und Mädchen sind übrigens auf ihre Tracht stolz wie Oskar. Frägt man sie wegen eines Fotos, bekommt man ohne Zögern den Freibrief und die Damen bauen sich freudestrahlend vor der Kamera auf. Auch diese Bilder wurden in Kongsberg nach dem Gottesdienst aufgenommen.

Die christliche Kirche hat in Norwegen eine lange und wie immer blutige Tradition, die mit König Olaf II Haraldson, auch einen Heiligen hervorgebracht hat. Olaf, dem es gelang das Land politisch zu einen und von der Vorherrschaft der Dänen zu befreien, gilt heute als Begründer des norwegischen Nationalstaates. Wegen seiner brutalen Christianisierung brachte er jedoch die Menschen gegen sich auf. Als er 1030 bei der Rückkehr aus dem Exil in einer Schlacht fiel, wurde er in Nidaros, dem heutigen Trondheim, bestattet. Durch geschickte Legendenbildung, die sich um Tod und Wunder rankte, wurde der Olafskult initiiert, der bereits 5 Jahre später zur Heiligsprechung des einst verhassten Königs führte. Nidaros wurde zur Pilgerstätte und dadurch zur reichsten Stadt Norwegens. Die über Olafs Grab errichtete Kirche ist über die Jahrhunderte zum heutigen Nidarosdom ausgebaut worden. Noch heute wird am 29. Juli der St.-Olafs-Tag in Norwegen gefeiert. Mehr dazu und hier.

Die ältesten Kirchenbauten, die man heute in Norwegen antrifft, sind die Stabkirchen. Die meisten wurden nach ihrer Errichtung im 11. bis 12. Jahrhundert mehrfach umgebaut. In Norwegen soll es noch 28 authentische Stabkirchen geben. Die Stabkirche von Heddal gilt mit 20 m Länge und 26 m Höhe als größte Norwegens. Errichtet wurde sie um 1240.

Die kleinste Stabkirche Norwegens steht in Undredal. Erbaut 1147 fasst sie nur 40 Sitzplätze.

Der Baubeginn der Stabkirche von Lom wird auf 1158 angesetzt. Die Kirche zeigt mit am deutlichsten die parallele Verwendung heidnischer und christlicher Symbolik.

Norwegen heute, ein Vorbild? Das heutige Norwegen gibt sich wesentlich liberaler. So schuf Norwegen 2012 die Staatskirche ab. Weitere Informationen dazu findest du hier. Die Abschaffung der Staatskirche hatte zum Ziel, dass religiöse wie philosophische Gemeinschaften gleichermaßen gefördert werden sollten. In Norwegen sind dies insbesondere auch die Humanisten.

Die Trollkirche

In der Chronologie unserer Reise gehört dieser Beitrag eigentlich hinter die „Insel Godöya“.

Fährt man auf der RV64 von Malmfjorden in Richtung Eide, passiert man nach wenigen Kilometern einen links neben der Straße gelegenen Wanderparkplatz mit Informationstafel. Dieser ist Ausgangspunkt für eine ganz spezielle Unternehmung.

Der anfänglich bequem erscheinende Weg ändert rasch seine Charakteristik. Während der Anstieg im Wald noch eine moderate Steigung aufweist, nimmt die Steigung jenseits der Waldgrenze deutlich zu. Der ausgetretene Pfad führt zunehmend über blanken Fels, der je nach Wasserführung des begleitenden Bachlaufs auch überspült und glitschig sein kann. Festes Schuhwerk ist deshalb anzuraten. Nach einer guten Stunde Aufstieg und der Überwindung von knapp 400 Höhenmetern steht man vor dem Höhleneingang zur Trollkyrka.

Nun beginnt der außergewöhnliche Teil dieser Tour, denn bei der Trollkirche handelt es sich um einen lichtdurchfluteten, senkrechten Schacht am Ende eines Höhlenganges durch den ein Wasserfall in die Höhle stürzt. Das Wasser hat hier im Laufe von Jahrmillionen einen regelrechten Dom ausgewaschen. Der Weg dorthin ist stockdunkel und nur mit Taschenlampe / Stirnlampe zu machen. Dabei gilt es wiederholt die Blöcke der herabgebrochenen Decke zu überwinden und den Höhlenbach zu queren, der meist unter dem Geröll abfließt. Nach ca. 70 m und einer letzten Kletteraktion über beeindruckende Felsquader steht man dann staunend vor der sogenannte „Altartafel“ deren Wasserfall aus 14 m Höhe in einen Pool stürzt. Der vom Tageslicht diffus ausgeleuchtete Felsendom ist die perfekte Inszenierung für den aus dem Dunkel kommenden Besucher und verfehlt seine Wirkung nicht.

Ich habe die Tour am späten Nachmittag gemacht, um den Kontrast des einfallenden Tageslichtes etwas zu reduzieren. Da es schon spät war und sich das Wetter weiter verschlechtert hatte – es begann zu regnen – trat ich nach diesem kleinen Abenteuer den Rückweg an, ohne den oberhalb der Trollkirche liegenden Bergsee zu besuchen. Während des Abstiegs entlang der Aufstiegsroute hat man immer wieder reizvolle Ausblicke ins Tal.

Genauere Angaben zur Route und zur Höhle selbst findet ihr unter folgenden Links: Die Trollkirche (Trollkyrka) in Eide – Wanderung in die norwegische Fabelwelt und https://nordlandscape.de/trollkirche/

Entlang der Schärenküste 2

Von Risör aus fuhren wir meist auf Nebenstraßen weiter in Richtung Kristiansand. Gleich hinter dem Sandnesfjord bogen wir erstmals wieder zur Küste ab.

Wie hier bei Krabbesund hat das Meer an diesem Küstenabschnitt ganz besondere Schärengärten geformt. Rund gewaschene Felsformationen, Pools und tief eingeschnittene Kanäle bilden in dieser Region eine Landschaft von eigenwilliger Schönheit. Nicht selten findet sich am Ende eines schmalen Kanals ein kleiner, natürlicher Hafen.

Die Provinzstraße 411 verläuft meist entlang eines Gewässers. Seen und Meeresarme wechseln sich dabei ständig mit ausgedehnten Waldflächen ab.

Das Städtchen Grimstad schmückt sich gerne mit Henrik Ibsen, der hier eine Lehre als Apotheker absolvierte, bevor er als Schriftsteller Karriere machte. Das hübsche Städtchen mit seinen tollen Stränden ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Weiter im Süden stießen wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf die Ansiedlung Homborsund oder besser gesagt, auf deren idyllisch zwischen Felsformationen eingebetteten Hafen (Homborsund brygge).

Am nächsten Tag setzte sich der Wechsel zwischen besonderen Küstenformationen und idyllischen Städchen fort. Nachfolgend Aufnahmen von der Meerenge Blindleia. Diese erstreckt sich von Lillesand bis Gamle Hellesund im Süden und trennt auf einer Länge von 20 km zahlreiche Inseln vom Festland.

Einer der romantischsten Orte in diesem Bereich ist das alte Fischerdörfchen Brekkestö. Hier liese sich ohne große Vorbereitung jeder Rosamunde Pilcher Film drehen. Als Tourist sollte man die Bitte der Dorfbewohner unbedingt respektieren und das Auto auf dem Parkplatz vor der Ortschaft stehen lassen.

Entlang der Schärenküste I

Zwischen Larvik und Kristiansand erstreckt sich einer der interessantesten Küstenabschnitte Norwegens. Die rund geschliffenen Granitformatonen der Küstenlinie und Schärengärten schaffen in Kombination mit den bunten und weißen Holzhäusern, die sich harmonisch zwischen die Felsen schmiegen, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen.

Kragerö war das erst Städtchen, das wir besuchten (Bild oben). Die als lebhaft und als vom Tourismus stark geprägt beschriebene Stadt erlebten wir Mitte September als sehr ruhig, fast schon geruhsam. Doch die zahlreichen Lokale und Bars machten deutlich, dass es hier auch ganz anders zugehen kann.

Risör, „die weiße Stadt am Skagerak“, war unser nächstes Ziel. Hier hatte man das Gefühl, als ob der ganze Ort am Wohlfühlimage des Städtchens arbeitet. Weiße Holzhäuser, Blumenschmuck und norwegische Fahnen prägen das Stadtbild.

Auffällig ist, dass in Risör offensichtlich die Tradition der alten Holzboote gepflegt wird. Es ist einfach schön, wenn diese Handwerkskunst nicht verloren geht. Jährlicher Höhepunkt dieser Tradition ist die Holzbootregatta im August.

Bekannt ist Risör auch für seinen „Weißen Flekken“. Bei diesem gekalkten Fels oberhalb der Stadt handelt es sich um eine künstlich geschaffene Orientierungsmarke für die Schifffahrt, die auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Diese liegt genau gegenüber der Hafeneinfahrt und kann aus einem Abstand von 11 Seemeilen erkannt werden. Dass gerade in Risör eine solche Navigationshilfe geschaffen wurde wundert nicht, denn die Stadt war einst der Hauptumschlagsplatz für den Holzexport. Die Stämme, die in Telemarken geschlagen und nach Skien geflößt wurden, wurden in Risör verschifft.

Vom Aussichtspunkt am „Risör Flekken“ genießt man den herrlichen Blick über den Hafen hinaus auf´s Skagerak.

Ein See für uns allein

Unser heutiges Ziel war der Telemarkkanal östlich von Ulefoss. Auf dem Abschnitt zwischen den Seen Norsjö und Flavatn überwindet der „Bandak-Norsjö-Kanal“ in sechs Sektionen einen Höhenunterschied von 72 Meter. Das größte Hebewerk mit 5 Kammern und 23 Meter Höhenunterschied befindet sich in Vrangfoss (nachfolgende Bilderreihe).

Der Kanal ging 1892 in Betrieb. Nahezu 200 Jahre lang hatten sich Bauern und Sägewerksbesitzer um den Bau dieses Kanals bemüht, um für die Flößerei die zahlreichen Wasserfälle zu bezwingen. In diesen hatten sich die Baumstämme immer wieder zu riesigen Haufen aufgetürmt, die oft über Jahre liegen blieben.

Als wir morgens dem unauffälligen Hinweisschild zu einem Strand folgten standen wir nach wenigen hundert Metern am „Nomestranda“, einem herrlichen, ruhig gelegenen Strand am Ende eines zwischen bewaldeten Bergen eingebetteten Sees. Typisch Telemark!

Wir beschlossen sofort zu bleiben, um den sonnigen Tag hier am See zu verbringen. Dass wir diesen tollen Platz für uns alleine genießen durften, empfanden wir als ungeheueren Luxus.