Bei den Moschusochsen

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Möglicher Ausgangspunkt für eine Tour zu den zotteligen Relikten der Eiszeit ist die Kongsvold Fjellstue auf der Passhöhe der E6 im Dovrefjell. Dort beginnt der markierte Moschusochsen Trail hinauf ins Fjell, wo in den 1940 Jahren die Wiederansiedlung grönländischer Tiere gelang. Wir hatten auf einem Rastplatz in der Nähe übernachtet, damit ich gleich morgens in der Frühe losziehen konnte. Nach einer knappen Stunde Aufstieg durch lichten Birkenwald erreichte ich bei stark bewölktem Himmel und gelegentlichen Regenschauern die mit arktischer Tundra bedeckte Hochfläche in der diese urzeitlichen Gesellen leben sollen.

Bereits nach kurzer Zeit entdeckte ich eine Gruppe Tiere weit ab vom Pfad. In der herbstlich trockenen Tundra war eine Annäherung unproblematisch möglich. Allerdings war Vorsicht geboten, denn der Herbst ist Brunftzeit.

Er war der Boss einer kleinen Gruppe, die aus zwei Kühen mit je einem Kalb bestand.

Eine Kuh hatte es ihm besonders angetan, doch alle Versuche sie zu besteigen scheiterten. Mehr als Schnüffeln war nicht drin.

Auch ein junger, einzelgängerischer Bulle suchte wiederholt den Kontakt zur Herde, wurde jedoch vom „Platzhirsch“ allein durch überzeugendes Auftreten auf Distanz gehalten. Kampfszenen konnte ich leider nicht beobachten. In größeren zeitlichen Abständen spielte sich immer wieder dasselbe Ritual ab:

Der junge Bulle näherte sich bedächtig, wartete ab und kam nochmals entschlossen näher. Der alte Bulle hatte ihn längst bemerkt und hatte zum Fressen einen Platz zwischen seiner Herde und dem Rivalen eingenommen, so dass dieser die Breitseite des Bosses zu sehen bekam. Dies genügte meist, um den Jungen auf Abstand zu halten. Wenn er dennoch Anstalten machte, näher zu kommen, senkte der Alte den Kopf und drehte in Richtung des Nebenbuhlers. Der zog sich spätestens jetzt in seine Schmollecke zurück, um den Frust zu verdauen.

Der junge Bulle ist gut daran zu erkennen, dass seine Hornplatte noch nicht vollständig vom Fell befreit ist. Beim alten Bullen findet sich nur noch zwischen den Platten ein Streifen kurzer Haare.

Um diese Aufnahmen zu machen, hielt ich mich mehrere Stunden in der Nähe der Tiere auf. Mit der Zeit konnte ich die Distanz von 200 auf 80 Meter verringern. Bei den Moschusochsen im Dovrefjell handelt es sich um die einzige freilebende Herde in Europa. Sie besteht aus ca. 300 Tieren. Vor einigen Jahren hat sich ein Bulle mit zwei Kühen nach Schweden abgesetzt und dort eine kleine Herde begründet.

Doch die Tiere sind ja nicht alles. Als später die Sonne immer wieder die Wolkendecke durchbrach, begann die herbstliche Tundra zu leuchten. Ein Farbenspiel, das man auch nicht alle Tage hat!

Und auch beim Abstieg präsentierte sich der Birkenwald in neuen Farben.

Trondheim

Trondheim wurde 997 von König Olaf I. an der Mündung der Nidelva gegründet. Als Sitz des Königs von Norwegen war Trondheim im Mittelalter die Hauptstadt des Landes. Als Trondheim 1250 Bischofssitz wurde, führte dies zum Bau des Nidarosdoms.

Trondheim wuchs rasant, zumal es lange Zeit auch der Brückenkopf für die Entwicklung der nördlichen Landesteile war. Dies kann man noch heute an der ausgedehnten Speicherstadt entlang der Nidelva erkennen.

Dieser Stadtteil und das dahinter liegende Arbeiterviertel Bakklandet sind die ältesten erhaltenen Quartiere Trondheims und gehören, wie der Bereich um den Nidarosdom, zum lohnenswerten Pflichtprogramm einer jeden Stadtbesichtigung.

An der Nidelva ist auch Neues entstanden. Am Wasser geht dies in Norwegen natürlich nicht ohne Bootsanleger.

Heute ist Trondheim hinter Oslo und Bergen die drittgrößte Stadt des Landes und das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mittelnorwegens. Uns hat die lebendige Universitätsstadt von allen besuchten Städten Norwegens (Stavanger, Bergen, Alesund) am besten gefallen.

Die Atlantikstraße

Die Atlantikstraße, die sich zwischen Bud und Kristiansund erstreckt, windet sich entlang der Küste und hangelt sich in ihrem gut 8 km langen Kernstück dicht über dem Wasser von einer Schäreninsel zur anderen.

Die Straße – eine von Norwegens berühmten Landschaftsrouten – erschließt so für den Betrachter eine ganz besondere Landschaft, die man aber erst richtig wahrnimmt, wenn man sich in ihr bewegt.

Auf einer Nebenstraße kam uns ein freundlich winkender Radfahrer entgegen. Es war Peter, unser Campingnachbar aus Bergen. Wir erkannten in erst, als er vor uns stand und seinen Fahrradhelm abgenommen hatte. Er war mit seiner Frau Christiane in Söstuer am Atlanterhavsveien vor Anker gegangen. Wir beschlossen, die Fahrt ebenfalls hier abzubrechen. Am Nachmittag mietete ich ein Kajak und fuhr hinaus, um die Holmen und Schären zu erkunden.

Die überraschende Begegnung war natürlich ein Grund zum Feiern und so köpften wir am Abend meine letzte Flasche spanischen Rotwein.

Insel Godöya

Godöya ist eine der vielen, Alesund vorgelagerten Inseln. Bereits die Anfahrt ist ein Abenteuer oder besser gesagt, gewöhnungsbedürftig. Drei unter dem Meer verlaufende Tunnel und zwei Brücken verbinden Godöya mit Alesund. Um die nötige Tiefe unter dem Meeresgrund zu erreichen, schrauben sich die Tunnel auf den teils winzigen Inseln bis zu einer vollständigen 360 Grad Drehung durch den Fels nach unten.

Godöya ist einer der Außenposten Alesunds. Einem Wellenbrecher gleich trotzt die Insel der Gewalt des anrollenden Atlantiks und schützt so die Stadt.

An der äußersten Spitze der Insel wacht der Leuchtturm Alnes Fyr.

Gleich nebenan, in der Bucht Sandvika, befindet sich der beste Surfspot der Region.

Alesund

Vom Aussichtsberg Aksla hat man einen phantastischen Blick auf die grandiose Lage der Stadt. Ob am Abend oder Morgen, wir waren beeindruckt.

Nach einem verherenden Brand 1904 wurden große Teile Alesunds im Jugendstil wieder aufgebaut. Es bedarf großer Anstrengungen, dieses Kulturgut zu erhalten.

Am Canale Grande.

Sognefjell, quer durch

Vom Aurlandsfjord braucht es nur wenige Kilometer, bis man hoch oben im Sognefjell in arktischen Regionen angekommen ist. Die Fahrt dorthin beginnt gleich mit einer Superlativen der speziellen Art. Kurz hinter Aurland passiert man den mit 24,5 km längsten Straßentunnel der Welt. Bei dieser Gelegenheit sei angemerkt, dass die Norweger ohnehin die Tunnelbau-Weltmeister sind. Ob es darum geht in Städten die Verkehrsprobleme zu lösen, abgelegene Inseln ans Festland anzubinden oder das hinterletzte Tal verkehrsmäßig zu erschließen, die Norweger finden eine Tunnellösung. Es ist gewaltig, was die in den letzten Jahrzehnten geleistet haben. Von Övre Ardal aus windet sich der Tvindevegen hinauf ins Fjell und trifft dort auf die Hauptroute, die auf 1434 m Höhe das Sognefjell überwindet. Wer den Alpenraum kennt, ist versucht, solche Höhen als Bagatelle abzutun, doch hier im Norden bedeutet dies, man fährt zwischen den höchsten Bergen Nordeuropas durch arktische Tundra. Nachfolgend einige Eindrücke:

  • Mit dem Morgenlicht kommen die Farben
  • Blick hinüber zum Jostedalsbreen, dem größten Gletscher Norwegens.
  • Die höchsten Gipfel Norwegens, der Galdhöpiggen (2469 m) und der Glittertind (2452 m) liegen quasi neben der Straße. Durch die Erderwärmung schmolz die Eiskappe des Glittertind gewaltig, so dass er das Prädikat des höchsten Berges Norwegens an den Galdhöpiggen abgeben musste.

Vorbei an Lom mit seiner Stabkirche aus dem 12. Jahrhundert, …

… ging es nach Querung des Sognefjells dem Geirangerfjord entgegen.

Bergen überzeugt

Dass Bergen die zweitgrößte Stadt Norwegens ist, lässt sich eher erahnen als erleben. Das liegt an der Topographie dieser Stadt, deren Besiedelung sich entlang der Küste über mehrere Halbinseln und Inseln erstreckt. Vom Aussichtsberg Floyen, kann man wenigstens den Bereich des Zentrums, welches den Naturhafen Vagen umschließt, überblicken.

Bekannt ist Bergen für sein Hafenviertel Bryggen, das im Stile der ursprünglichen Bebauung aus dem 12. Jahrhundert erhalten ist. Es ist das älteste Quartier der Stadt.

Dieses Viertel mit seinen Holzhäusern, Wandelgängen und Hinterhöfen, ist heute Zentrum des Tourismus, mit Restaurants, Bars, Kunsthandwerk, Schmuck und dem üblichen Allerlei, das die Welt nicht braucht.

Sowohl Gamle Bryggen mit seinen Holzhäusern, als auch die benachbarten neuen Bryggen-Höfe aus Stein sind Zeugnisse der Hanse, die über vier Jahrhunderte die Wirtschaft Bergens bestimmte.

Bergen ist eine gewachsene, bunte und vitale Stadt, die den Besucher – zumindest bei Sonnenschein – sofort begeistert. Allerdings ist Bergen die Großstadt mit den meisten Regentagen (248). Von den verbleibenden Sonnentagen erwischten wir zwei!

Bergen ist die Stadt der engen Gässchen, …

… der Türen …

… und Fassaden.

Man glaubt es kaum, doch alles wofür Bergen steht, passt auf einen Kanaldeckel.

Hardangerfjord

Auf dem Ryfylkevegen zum Hardangerfjord gab es zahlreiche interessante Stellen. Dieses nette Bootshaus mit eigenem Hafen entdeckten wir am Jösenfjord. Die alte Variante fand sich gleich um die Ecke.

Auch der Latefoss nördlich von Skare war uns einen Fotostopp wert. Mit diesem Bild grüße ich Dirk. Er hat auf seiner Homepage http://www.picturesofnorway.com selbst ein Bild zum Latefoss veröffentlicht. Seine Fotos sind hervorragend und immer einen Blick wert.

In Kinsarvik, das am fruchtbaren Sörfjord, einem Seitenarm des Hardangerfjords, gelegen ist, waren wir in unserer neuen Zielregion angekommen.

Alte Bootshäuser am Sörfjord.

Der Hardangerfjord ist mit einer Länge von rund 180 km der zweitlängste und mit knapp 900 m Tiefe auch der zweittiefste Fjord Norwegens. Er verfügt mit seinen Seitenarmen über alles, was einen Bilderbuchfjord ausmacht: Bis zu 1000 m hoch aufragende Felswände am Eidfjord, etwas flacher abfallende Ufer am Sörfjord, wo jeder Quadratmeter zum Obstanbau genutzt wird und die lieblichen Ufer im Bereich Oystese, wo am weißen Sandstrand direkt unterhalb des Friedhofes gebadet wird. Nachfolgend einige Eindrücke

  • Eidfjord
  • Sörfjord
  • Hardangerfjord: Entlang der E7 zeigte der Hardangerfjord zwischen Granvin und Norheimsund, was er alles zu bieten hat. Während im Fjordinneren der Platz kaum zur Besiedelung reichte, weitete sich der Meeresarm um Oystese und ließ an seinen lieblichen Ufern ganze Städtchen erblühen.

Oystese überraschte uns mit einem weißen Sandstrand, der am sonnigen Sonntag von der Jugend eifrig genutzt wurde. Auf der gegenüberliegenden Fjordseite ist der Folgefonn Gletscher zu erkennen.

Gleich nebenan wurde ein Fußballturnier ausgetragen bei dem auch Mädchenmannschaften antraten.