Silvaplana

Als wir den Albulapass überschritten, deutete sich die Wetterverschlechterung bereits an. Auf dem empfehlenswerten Campingplatz in Silvaplana parkten wir unseren Camper direkt am See. Noch in der Nacht setzte heftiger Regen ein, der über den gesamten Dienstag ununterbrochen anhielt. Erst in der Nacht auf Mittwoch hörte es auf zu schütten. Zögerlich gab der Nebel am Morgen den Blick auf die umliegenden Berge frei. Auf der Südseite des Silvaplanasees erhob sich der Corwatsch über den Nebel und reckte sich gen Himmel.

Nördlich des Sees hatte sich der Nebel schon weitgehend aufgelöst und die frisch überzuckerte Bergwelt erstrahlte im weichen Morgenlicht.

Wir nutzten das Zwischenhoch und machten uns auf den Weg nach Süden. Am Silsersee ergatterten wir noch einen Blick auf den Piz Lagrev. Dann ging es auf engen Kurven den Malojapass hinunter Richtung Italien.

Landwasserviadukt

Das Landwasserviadukt gilt als Wahrzeichen der Rhätischen Bahn. Es befindet sich unweit des Bahnhofs Filisur in Graubünden und ist Teil der Albulalinie. Die Brückenfundamente sind unproblematisch zu erreichen. Von Tiefencastel in Richtung Albulapass quert die Straße vor Filisur in einer Rechtskurve das Landwasser. Unmittelbar davor liegt links der Straße ein Parkplatz, der während der Hauptreisezeit oft überfüllt sein dürfte. Von hier aus gelangt man in wenigen Minuten auf einem Schotterweg zur Basis der Brücke.

Das Landwasserviadukt ist 65 m hoch und ist als bogenförmige Brücke mit 100 m Radius gestaltet. Sechs Gewölbe mit 20 m Spannweite überbrücken den Bachlauf auf einer Länge von 136 m. Sie werden von 5 Pfeilern getragen. Das südliche Widerlager befindet sich an einer Felswand und führt die Bahnlinie direkt in den 216 m langen Landwassertunnel.

Wer das Viadukt von oben betrachten möchte, muss einen ca. 80 m hohen Aufstieg auf sich nehmen. Hinterm Schmittentobel zweigt vom Schotterweg ein schmaler Pfad ab (Wegweiser). Dieser führt durch den Wald steil bergan, unterquert die Bahnlinie und endet an der Aussichtsplattform Nord. Der Ausblick auf die Bahnlinie ist spektakulär. Von der nördlichen Talseite führt das Landwasserviadukt die Schienen auf einem engen Bogen auf die Südseite, wo sie im Felsmassiv verschwinden.

Das Landwasserviadukt gehört als Teil der Albula- und Berninalinie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Brückembau wurde im März 1901 begonnen und bereits im Oktober des Folgejahres in Betrieb genommen. Auch bei diesem Bauwerk kamen neue Verfahren zum Einsatz. So wurden die Pfeiler erstmals ohne äußeres Gerüst hochgezogen.

Abschließend noch ein Hinweis für jene, die selbst fotografieren wollen. Die roten Personenzüge der Rhätischen Bahn verkehren im Stundentakt. Ca. 5 Minuten vor der vollen Stunde fährt der Zug aus Tiefencastel über die Brücke und verschwindet im Tunnel in Richtung Filisur. Wenige Minuten später kommt der Gegenzug aus Filisur. Dazwischen kann man noch Güterzüge beobachten.

Solisviadukt

Der Solisviadukt gehört zum UNESCO Welterbe Rhätische Bahn. Die Eisenbahnbrücke ist Teil der Albulalinie. Mit dem 42 m weiten Hauptbogen und den 10 Nebenbögen weist sie die größte Bogenspannweite dieser Strecke auf. In 85 m Höhe überspannt sie die tief eingeschnittene Schinschlucht, die die Albula in Jahrtausenden in den Fels gefräst hat.

Als das Viadukt 1902 errichtet wurde, waren die 42 m Spannweite des Hauptbogens neuer Schweizer Rekord. Aber auch der brüchige Fels (Bündnerschiefer) stellte die Ingenieure vor Herausforderungen und erforderte besondere Gründungstechniken.

Das zweite Bild ist ein Panorama aus zwei übereinander angeordneten Querformatbildern, die mit einem 16 mm-Weitwinkel aufgenommen wurden. Jedes dieser Bilder wurde aus drei Aufnahmen, die im Abstand von 2 Blendenstufen gemacht wurden als HDR zusammengesetzt. So konnte der Kontrastumfang zwischen den hellen, sonnigen Bereichen und den dunklen Schattenpartien in der Schlucht problemlos bewältigt werden.

Fondation Beyeler

Die Fonation Beyeler ist ein Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Riehen bei Basel. Seine hochkarätigen Ausstellungen verschafften ihm internationales Ansehen.

Mein erstes Bild zeigt ein absolut zeitgenössisches Werk, den Fensterputzer als Aktionskünstler.

Oben: Roy Lichtenstein 1995: Strandszene mit Seestern. Öl und Magna (Acrylfarbe) auf Leinwand. Auch das Hähnchen ist Kunst!

Oben links: Zum Haare raufen. Oben rechts: Distanzierter Blick.

Oben und unten sind Werke von Wayne Thiebaud (1920-2021) zu sehen. Diesem in Europa wenig bekannten amerikanischen Künstler widmet das Museum bis zum 21.05.2023 eine umfangreiche Retrospektive. Für mich waren die Werke, insbesondere in Verbindung mit den betrachtenden Personen, der absolute Hit.

Unten: Das waren noch Zeiten!

Weitere Informationen zum Künstler und zur Ausstellung gibt es hier.

Val Müstair

Auf der SS41 ist man von Glurns im Vinschgau nach wenigen Kilometern im Schweizer Münstertal (Val Müstair). Gleich hinter der Grenze trifft man in Santa Maria auf ein besonderes kulturelles Highlight, das Benediktinerinnenkloster St. Johann, das seit 1983 auf der Liste des UNESCO Weltkuturerbes steht.

Am Eingang des Friedhofes steht die zweistöckige Heiligkreuzkapelle (unten) deren Holzdecke die älteste Europas sein soll. Blendnischen und der kleeblattförmige Chor sind weitere bauliche Besonderheiten. Hinter der Klosterkirche steht der um 960 errichtete Wohnturm (oben).

Hauptatraktion ist jedoch die ab 775 erbaute Klosterkirche aus der Karolingerzeit. Sie wurde 1492 umgebaut und erhielt dabei ein spätgotisches Netzgewölbe. Erst 1947 wurden die übertünchten Fresken aus der Karolingerzeit wiederentdeckt. Obwohl diese durch die Umbaumaßnahmen zum Teil verdeckt wurden, zählen Fresken und Kirchenbau zu den bedeutendsten Zeugnisse der Karolingischen Renaissance. Die Klosterkirche gilt als Stiftung Karls des Großen, dessen Skulptur an prominenter Stelle zwischen Haupt- und Nebenapsis den Kirchenraum überblickt. Das Kloster, das ein Jahr nach der Eroberung der Lombardei gegründet wurde, diente dem Kaiser als Stützpunkt und zur Kontrolle der Handelswege.

Über den Ofenpass erreicht man Zernez im Engadin. Birken und Lärchen hatten hier bereits ihr Herbstkleid angelegt.

Doch am schönsten leuchteten die Lärchenwälder im Tal der Susasca, das hinauf zum Flüelapass führt. Diese Region mit dem frei im Kiesbett mäandrierenden Fluss wäre einmal einen längeren Aufenthalt wert.

Dies war der letzte Beitrag zu unserer Tour durchs herbstliche Südtirol 2022. Künftig stehen also wieder andere Themen im Vordergrund.

Verzascatal

Unweit von Locarno mündet die Verzasca in das nördliche Ende des Lago Maggiore. Sonogno ist die letzte Gemeinde im Verzascatal. Der Ort ist Ausgangspunkt für Wanderungen durch die steile Bergwelt des Tessin. Wie sehr viele Bergdörfer erlebt auch Sonogno eine Renaisance. Nach der Landflucht und dem Verfall der Häuser kamen die Städter, kauften die Anwesen auf und renovierten die alten Steinhäuser, um sie als Ferienquartier zu nutzen.

Bekannt ist das Verzascatal nicht erst seit sich James Bond im Film GoldenEye per Bunge-Jumping die 220 m hohe Staumauer hinabstürzte. Viel früher waren die Alpinisten und Kajakfahrer im Tal, von den Römern ganz zu schweigen.

Es ist aber der Fluss selbst, die Verzasca, die dieses Tal unverwechselbar macht. Hier einige Eindrücke aus dem Felssturz unterhalb der Ortschaft Brione.

Erwähnt sei zumindest, dass das Tal noch mehrere lohnenswerte Ziele bietet, zum Beispiel die berühmte Römerbrücke bei Lavertezzo.