Die Tuffstein Toscana

Viele Städte der südlichen Toscana sind auf Tuffstein und aus Tuffstein gebaut. Sowohl die in dieser Region vorkommenden Thermalquellen als auch der  damit einhergehende Kalktuff gehen auf eine rege vulkanische Tätigkeit zurück, die vor ca. 300 000 Jahren ihren Höhepunkt in gewaltigen Vulkanexplosionen fand. Diese führten zum Einsturz einer riesigen Caldera, die den heutigen Lago di Bolsena formte.

Für die Besiedlung dieser Region ergab sich daraus ein typischer Verlauf. Da sich Kalktuff leicht bearbeiten lässt, wurde die Region bereits während der Jungsteinzeit besiedelt. Hiervon zeugen zahlreiche Höhlenwohnungen. Auch Flüsse und Bäche hatten leichtes Spiel und schnitten kühne Felsplateaus aus der Hochebene heraus. Diese strategisch günstigen Plätze nutzten bereits die Etrusker für ihre Ansiedlungen. Gegen Ende des ersten Jahrtausends n. Chr. entstanden dann an diesen Orten mittelalterliche Städte, die im Verlauf der weiteren Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte durchliefen.

Heute zählen viele dieser Orte zu den herausragendsten Zeugnissen des frühen Mittelalters, die Italien zu bieten hat. In St. Martino sul Fiora legten wir unseren ersten Halt ein, um das gleichnamige Kirchlein zu besichtigen. (Bilder zum Vergrößern anklicken.)

Vom Vorplatz der Kirche überblickt man die Maremma, von der im Mittelalter wegen der Malaria für viele Orte eine existenzbedrohende Gefahr ausging.

Unsere nächste Station war der Ort Sovana, heute noch ein absoluter Geheimtipp, da die touristische Erschließung kaum vorangeschritten ist. Wie es sich gehört auf einem Kalktuffplateau errichtet, bietet dieser überschaubare Ort den vollständig erhaltenen, modellhaften Aufbau einer mittelalterlichen Stadt. Der Zugang zur Stadt wurde von der Burg Rocca Aldobrandesca überwacht, ab 935 Herrschaftssitz des Adelsgeschlechts Aldobrandeschi.

Auf Backsteinpflaster im Fischgätmuster verlegt, das zum Teil noch original vorhanden ist, geht es zur Piazza del Pretorio, der von einem vollständigen, mittelalterlichem Ensemble umrahmt wird. Hierzu gehören u. a. die Residenz des Hauptmanns, der Archivpalast mit Stadtverwaltung und Glockenturm, die Kirche Santa Maria.

Folgt man dem weiteren Verlauf einer der Gassen,

gelangt man zum Dom St. Peter und Paul, der das Ende der Stadt markiert. Die Kathedrale zählt zu den bedeutendsten Monumenten im romanisch-gotischen Stil, die Italien zu bieten hat.

Die Säulen und deren Kapitelle zählen zu den Besonderheiten des Bauwerks, das ab Mitte des 9. Jh. errichtet wurde. Der Kirchenbau ist wohl im Zusammenhang damit zu sehen, dass Sovana ab dem 4. Jh. Bischofssitz war und bei der Christianisierung der Region eine zentrale Rolle spielte. Sovana war auch Geburtsort des Hildebrand von Sovana, der im 11. Jh. zum Papst Gtegor VII. ernannt wurde. Man könnte noch viel zu diesem kleinen Flecken schreiben, doch der Bogen ist so schon überspannt.

Weiter ging es nach Pitigliano, einer Stadt, deren geniale Lage für sich selbst spricht.

Den Abschluss dieser kleinen Rundfahrt, für die man sich auch eine Woche Zeit nehmen könnte, bildete das Städtchen Manciano.

 

Mehr Toscana siehe: Toscana, Herbst in der Toscana, Strandfüchse, Düstere Aussichten, Giardino dei Tarrocchi, Faszination Toscana: Siena, Vom Chianti in die Maremma, Faszination Toskana: Massa Marittima, Cascade del Mulino, Saturnia

Cascade del Mulino, Saturnia

Nach zahlreichen Staus zwischen Genua und Livorno sind wir ohne weitere Probleme im Süden der Toscana angekommen. Das auf einem Tuffsteinfels erbaute Städtchen Saturnia gilt als erste etruskische Ansiedlung Italiens. Wie zahlreiche andere Orte der Toscana ist auch Saturnia für seine Thermalquellen bekannt. Unterhalb des Ortes gibt es außer dem kostenpflichtigen Thermalbad die Cascade del Mulino, die zu jeder Tages- und Nachtzeit frei zugänglich ist. 800 Liter schwefelhaltigen Thermalwassers mit 37 Grad Celsius speißt hier ein Wasserfall in die darunter liegenden Kalksinterbecken ein. Von der Straße, die den Gegenhang erklimmt, hat man einen herrlichen Blick auf die mehrstufig angeordneten Naturbadewannen, in denen sich vortrefflich suhlen lässt.

Der erste Versuch von diesen Sinterbecken Langzeitbelichtungen anzufertigen scheiterte ob der zahlreichen Badegäste. Deshalb unternahm ich anderntags morgens um 6:30 Uhr einen zweiten Versuch. Und in der Tat, anfangs war ich fast alleine. Doch bereits ab 7:30 Uhr setzte ein merklicher Zustrom ein, so dass ich gegen 8 Uhr gelassen zum Frühstück gehen konnte. Mit den Ergebnissen bin ich nicht ganz zufrieden. Die starke Dampfentwicklung in den kühlen Morgenstunden beeinträchtigte die Auswahl der Standorte ebenso wie die bereits hinterm Schilfgürtel aufgegangene Sonne. Auch muss ich mit der Belichtungszeit noch experimentieren, um optimale Ergebnisse zu erhalten. Hier einige Resultate.

Doch diese Aufnahmen haben nichts mit der Realität zu tun, die wir am Samstag antrafen. Die Kaskaden sind Kult, absoluter Kult! Man kann es nicht glauben, man muss es erlebt haben, welche Massen sich hier zum geselligen Miteinander einfinden. Und das überwiegend Menschen aus der näheren und weiteren Umgebung. Suhlen als große Massenveranstaltung, kein Flashmob, keine Aktion sozialer Netzwerke, einfach nur so!

 

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Piemont? Ganz klar!

Der Regen hatte in der Nacht aufgehört und die Wolken hatten sich bis auf hartnäckige Reste aufgelöst. Direkt hinter unserem Hotel Sant`Uffizio in Cioccaro di Penango führte ein schmaler Fahrweg über eine steile Rampe hinauf zu einem kleinen Kirchlein.

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Oben angekommen eröffnete sich eine spektakuläre Aussicht auf die Alpen. Ganz im Westen erfasste der Blick den Anfang der schneebedeckten Bergkette, schwenkte weiter ostwärts über den Mont Blanc und die Schweizer Alpen, bis sich die Konturen der Berge weit hinter der Poebene auflösten. Nachfolgend einige Eindrücke.

 

 

Mehr Piemont siehe: Ab ins Kloster!

Ab ins Kloster!

Unser erstes Quartier auf dem Weg nach Süden war ein altes Dominicanerkloster. Im 15. Jahrhundert in den Piemoteser Bergen nördlich von Asti erbaut, beherbergen die Mauern heute das Relais Sant’Uffizio. Wer das Besondere sucht, ist hier richtig. Um es auf den Punkt zu bringen, so luxuriös hatte ich mir das Leben im Kloster nicht vorgestellt.  😉

Der weitläufige Komplex bietet weitaus mehr, als der Mensch zum Leben braucht: geräumige Zimmer, Tagungsräume, einen Wellness- und Spa-Bereich, ein hochklassiges Restaurant und einen Pool.

Aber auch am Abend kann sich die Anlage sehen lassen.

 

Mehr Piemont siehe: Piemont? Ganz klar!