In Stein gemeiselter Größenwahn

Vorwort: In einem solchen Blogbeitrag lassen sich nicht alle Aspekte und Fakten des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes darstellen. Hier werden insbesondere Teile aufgegriffen, die sich auch fotografisch fixieren lassen. Ich empfehle, sich darüber hinaus mit diesem Ort, an dem jeder Bürger Deutschlands einmal gewesen sein sollte, zu beschäftigen. Wenn dieser Beitrag dazu animiert, hat er sich gelohnt.

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Obwohl nicht mehr viel übrig ist von den „Prachtsbauten“ des 1000-jährigen Reichs, zeugt das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg auch heute noch vom Größenwahn der Nationalsozialisten und von der Verführungskraft der „Wir-zuerst-Philosophie“, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Menschheitsgeschichte zieht und die gegenwärtig wieder eine Neuauflage erfährt. Im „Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände“ wird dieser düstere Teil deutscher Geschichte vorbildlich aufgearbeitet.

 

Südlich der Stadt lag vor 1933 das ausgedehnte Naherholungsgebiet Nürnbergs, „Am Dutzendteich“. Bereits 1927 und 1929 nutzte die NSDAP die dort vorhandene Infrastruktur (Zeppelinfeld, Sportgelände für überregionale Großveranstaltungen und die Ehrenhalle, ein Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkriegs) für ihre Parteitage. Nach der Machtergreifung 1933 wurde damit begonnen das 16,5 qkm große Gesamtareal für die Inszenierung der Reichsparteitage umzubauen.  Mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden die Bautätigkeiten weitgehend eingestellt, fast nichts wurde vollendet.

Hier einige Beispiele für den in Stein gemeiselten Größenwahn:

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1935 wurde mit dem Bau der Kongresshalle, dem Kolosseum, begonnen. Auf einer Grundfläche von 280 m x 200 m sollte der Bau 50000 Menschen Platz bieten. Der U-förmige Ziegelbau wurde dem Marcellus Theater in Rom nachempfunden, das auch Vorbild für Roms Kolosseum war. Das Bauwerk sollte eine Höhe von 70 m erreichen,  blieb aber mit 39 m unvollendet. Während die Fassade mit Granitplatten verkleidet wurde, ist der Ziegel im Innenbereich des „U“ unverkleidet erhalten.

 

Auf der Ostseite des „U“ befinden sich zwei Kopfbauten. Der südliche beherbergt seit 2001 das Dokumentationszentrum und im nördlichen sind die Nürnberger Synphoniker untergebracht.

Das Grundkonzept für das Gesamtgelände wurde von Albert Speer ersonnen. Er verdeutlichte damit, dass er nicht irgendein technokratischer Mitläufer war, sondern ein Motor dieser größenwahnsinnigen Denke, deren kolossale Architektur ein Mittel zur Propaganda und zur Unterdrückung des Volkes war. Mit ihrer Symbolik sollte sie den natürlichen Anspruch des dritten Reichs zur Weltmacht verkörpern, das in direkter Linie mit dem antiken Rom und dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen zu sehen war. So wurde die „Große Straße“, die als zentrale Achse des Geländes und als Aufmarschstraße für die Reichsparteitage geplant war, exakt auf die Kaiserburg ausgerichtet, um eine Verbindung zwischen dem Heiligen Römischen Reich und den Reichsparteitagen herzustellen. Von der ursprünglich 2 km lang und 40 m breit geplanten Straße wurden bis 1939 1,5 km realisiert. Die Straße kam jedoch nicht mehr zum Einsatz.

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Um den Granit für diese Baumaßnahmen bereitzustellen, errichtete die SS eine regelrechte Granitindustrie. Hierzu wurden Konzentrationslager eigens in der Nähe von Granitsteinbrüchen eingerichtet.

Als Paradebeispiel propagandistischer Maßlosigkeit kann das Deutsche Stadion betrachtet werden. Geplant auf einer Grundfläche von 540 m x 445 m und einer Höhe von 82 m sollte es das größte Stadion der Welt werden und 405000 Zuschauer fassen (das ist das Doppelte der größten Stadien heute). Begonnen 1937 war der bis zu 10 m tiefe Aushub bis Kriegsbeginn 1939 noch nicht fertig. Die Baugrube lief voll und bildete den „Silbersee“. Zwischen 1946 und 1962 wurden in der Nähe des Sees anfänglich Weltkriegsschutt und später auch Industrieabfälle zu einem Berg aufgeschüttet. Die Problemstoffe sickerten in den See und in das Grundwasser. Beide sind bis heute mit Schwefelwasserstoff vergiftet. Dies ist ein nach wie vor ungelöstes Umweltproblem.

Weitere Infos siehe: Wikipedia, Süddeutsche Zeitung, Dokumentationszentrum

Weitere Beiträge zu Nürnberg: Südbahnhof, das war mal!, Am Tiergärtnertor, Nürnberg


5 Gedanken zu “In Stein gemeiselter Größenwahn

  1. wirklich ein super Beitrag mit viel Info ! Mich interessieren solche Dinge !!! war selber schon dort uns hier meine Links dazu

    ttps://mannisfotobude.wordpress.com/2017/11/03/reichsparteitagsgelaende-nuernberg-gigantische-bauwerke/#more-9201

    https://mannisfotobude.wordpress.com/2017/11/01/das-reichsparteitagsgelaende-in-nuernberg-das-zeppelinfeld/#more-9178

    ps: Mega Foto von der großen Strasse ! das geht nicht besser

    VG Manni

    Gefällt 1 Person

  2. Interesannter Beitrag. Leider haben sich viele Fehler eingeschlichen. Ist Alfred Speer der kleine Bruder vom großen NS-Architekt Albert Speer? Das nächste Mal vielleicht nicht die Süddeutsche und Wikipedia als Quelle nehmen, dann wirds auch was.

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