Nordseestrände Zeelands

Zeeland verfügt über zahlreiche Sandstrände entlang der Nordseeküste sowie an der Wester- und Oosterschelde. Während sich die Dünen bei Zoutelande mit 54 m am höchsten auftürmen liegen die ausgedehntesten Dünenlandschaften und weitesten Strände auf der Insel Schouwen-Duiveland.

Wir besuchten dort unter anderem Dünen und Strand bei Nieuw-Haamstede (Kop van Schouwen). Die landseitigen Ausläufer der Dünenlandschaft sind ins Weideland integriert. Je nach Strandzugang kann der Weg durch die Dünen bis zum Strand ganz ordentlich weit sein. Ausgedehnte Wanderungen sind möglich, Wanderwege markiert.

Doch der Weg lohnt sich! Nicht nur weil das Strandlokal auf seiner Terrasse windgeschützte Sitzplätze und natürlich den obligatorischen Apfelkuchen bietet, sondern weil die Weitläufigkeit des Sandstrandes grandios ist.

Zeeländische Idylle

Zeeland liegt in der südwestlichen Ecke der Niederlande. Der Großteil des Landes besteht aus Inseln und Halbinseln, die im Mündungsdelta der Schelde liegen. Darauf verteilen sich zahlreiche Ortschaften und kleine Städte mit historischen Zentren, die sich in der Regel um die alten Häfen konzentrieren. Ihre Bedeutung für den Fischfang haben diese Häfen längst verloren, sie haben sich zu reinen Yachthäfen gewandelt. Dies bedeutet, dass an Orten, an denen früher das Leben pulsierte, heute nur noch während der Reisezeit im Sommer merkliches Leben stattfindet. In der Folge wirken diese Orte außerhalb der Saison oft sehr steril. Nachfolgend zwei Beispiele:

Das Städtchen Goes ist unser Tipp für ein historisches Hafenzentrum. Der Hafenbereich ist überschaubar, so dass bereits wenige Menschen ausreichen, einen einigermaßen belebten Eindruck zu erwecken. Selbst außerhalb der Saison geschlossene Gaststätten fallen nicht besonders störend auf. Allerdings könnte es hier während der Hauptreisezeit schnell eng werden.

Anders verhält es sich beim vielgepriesenen Brouwershaven, dessen langgestreckter Hafen mit dem Marktplatz außerhalb der Saison absolut steril wirkt. Im entvölkerten Zustand bot das Städtchen jedoch einen idealen Ort, um die pittoresken Fassaden der schmalen Häuschen abzulichten.

Das alte Rathaus aus dem Jahre 1599, mit einer üppig dekorierten Fassade im Stil der flämischen Renaissance ausgestattet, ist ein echtes Highlight.

Der riesige, vor der Ortschaft gelegene, äußere Yachthafen macht jedoch deutlich, dass hier im Sommer auch im Stadtzentrum wohl kaum ein Stehplatz zu bekommen ist. Kein Wunder, denn das vor der Haustür liegende Grevelingenmeer ist nicht nur ideales Segel- und Windsurfrevier sondern auch bei Tauchern beliebt und die Kitsurfer finden vor dem Brouwersdamm an der Nordsee beste Bedingungen.

Und wenn wir schon bei Klischees sind, so dürfen zwei Dinge nicht fehlen: Windmühlen und Tulpenfelder, auch wenn letztere für Zeeland nicht typisch sind.

Yerseke, das Muscheldorf

In Yerseke (Zeeland,Niederlande) lebt ein Drittel der 6000 Einwohner von der Aufzucht, dem Fang oder vom Handel mit Schalentieren. Yerseke ist das Zentrum für den Handel mit Miesmuscheln. Alle im Wattenmeer oder an der Oosterschelde gefangenen Muscheln werden hier versteigert. Pro Jahr sind dies immerhin rund 100 000 Tonnen.

Über die Niederlande hinaus ist Yerseke aber insbesondere für seine Austernzucht bekannt. Ihr Anbau erfolgt hauptsächlich an der Oosterschelde und im Grevelingenmeer. Seit 1880 der Landwirt Jacob Prins das erste Unternehmen für die Zucht von Austern in Yerseke gegründet hat, ist daraus ein richtiger Industriezweig entstanden.

Dem Besucher, der den Havendijk entlag geht, fällt sofort das Gewirr an Becken und Kanälen auf, das sich zwischen Meer und Straße hinzieht. Hier, in den Betongruben der Züchter, werden die Austern nach der Ernte 2 bis 3 Wochen gewässert, um sie vom Sand zu befreien. Danach sind sie fertig für den Versand.

Vom Anbau der Austern selbst sieht man hier nichts. Der erfolgt in der Gezeitenzone im Meer. Dort befinden sich die Tiere periodenweise unter Wasser oder an der frischen Luft. Die Austern werden in Säcken auf Tischen und neuerdings auch in Behältern, die an gespannten Leinen aufgehängt werden, kultiviert. Nach zirka 5 Jahren sind sie erntereif.

Doch auch der Umbruch, den die Branche offensichtlich durchlebt (hat?), ist am Verfall der historischen Beckenlandschaft deutlich zu erkennen. Während bei der Bodenkultivierung eine Geschmacksverfeinerung der Austern nach der Ernte zwingend war, ist dies bei der heutigen Tisch- oder Leinenkultivierung nicht mehr erforderlich. Da kommen nur noch „Schlürfaustern“ zur Reinigung in die Becken.

Zum einen sind es also geänderte Produktionsmethoden, die den Schrottberg anwachsen lassen, andererseits gibt es aber auch hier offensichtliche Gewinner und Verlierer.

Die Gewinner sind augenscheinlich schnell ausgemacht. Sie setzen mit schnieken Buden entlang der Hauptstraße auf den Tourismus und die Selbstvermarktung. Immerhin gilt es jährlich rund 3500 t erntefrische Austern aus Zeeland an den Verbraucher zu bringen. Das ist in Europa hinter Frankreich und Irland Platz 3.

Der Anbau von Austern hat noch einen anderen Aspekt. Die Austern ernähren sich vom Phytoplankton, den sie täglich aus 150 bis 200 Liter Wasser ausfiltern. Damit nehmen sie Stickstoffoxid auf und geben dafür Sauerstoff ans Meerwasser ab. So sorgen sie für die Sauerstoffanreicherung der Meere. Fazit: Rettet die Meere, esst Muscheln!