Sila Nationalpark

Heute war Tapetenwechsel angesagt. Kalabrien verfügt über drei große Nationalparks, den Pollino, den Aspramonte und die Gebirgszüge der Sila. Wir entschieden uns für den Sila NP, der uns wegen seiner dichten und dunklen Bewaldung mitunter an den Schwarzwald erinnerte. Der höchste Berg erreicht hier knapp 2000 m. Unser Tagesziel war der Campingplatz am Lago Arvo auf rund 1300 m Höhe. Die Temperaturen erreichten hier stolze 14 Grad Celsius und fielen bei Nacht deutlich unter die 10 Grad Marke. La Sila ist das Gegenteil dessen, was man sich unter Süditalien vorstellt.

Wenn man bedenkt, dass ganz Süditalien einst derart bewaldet war, kommt Wehmut auf. Die Römer haben hier, wie im gesamten Mittelmeerraum, alles abgeholzt, um sich mit den notwendigen Ressourcen einzudecken. Nur in den unzugänglichsten Gebieten blieben die alten Wälder weitgehend erhalten. Die Folgen waren katastrophal. Doch machen wir es heute wirklich besser?

Bereits die Anfahrt war entschleunigend. Die Bergstraße, schmal und kurvenreich, trug das ihrige dazu bei. Die Abgeschiedenheit, Ruhe und Kühle war genial und das im tiefsten Süden Italiens.

Dazu kam die fantastische Flora, die immer wieder für eine Überraschung gut war. Wilde Osterglocken sind uns hin und wieder begegnet, aber in solchen Massen haben wir sie noch nirgends angetroffen.

Apuanische Alpen

Als wir anderntags die Fahrt hinab ins Serchiatal (der sogenannten Garfagnana) fortsetzten, entdeckten wir ganze Hänge mit wilden Narzissen, Affrodill und anderen Wildblumen.

Im Bergdorf Barga machten wir Mittag. Die Altstadt, deren enge, steile Gassen sich den Berg hinaufquälen, wird vom Dom San Cristoforo überragt. Dieser wurde noch vor 1000 n. Chr. im romanisch-lombardischen Stil erbaut und ähnelt eher einer Festung, denn einer Kirche. Besonders interessant sind die Reliefs und Skulpturen über dem Eingang.

Weiter in Richtung Lucca erreicht man die Ortschaft Borgo a Mozzano. Die Brücke, mit bürgerlichem Namen Ponto della Maddalena, überspannt hier seit dem 14. Jahrhundert den Fluss.

Die steinerne Brücke ist als „Teufelsbrücke“ in die Literatur eingegangen, denn der soll sie, nach der örtlichen Sage, in einer Nacht erbaut haben. Unter den gegebenen Bedingungen gab es leider kein Spiegelbild abzulichten. Doch auch so ist diese alte Steinbrücken mehr als beeindruckend. Toll, was so ein Teufel alles kann.

Noch ein Hinweis: Die Akazien standen gerade in voller Blüte und durchsetzten mit ihrem chremefarbenen Schaum die Hangwälder.