Farewell Spit

Die Landzunge Spit erstreckt sich direkt neben dem Cap Farewell, dem nördlichsten Punkt der Südinsel, über mehr als 30 km hinaus in die Cook Strait. Ihre Breite misst dabei gerade einmal mehrere 100 m. Ihre Entstehung verdankt „The Spit“ der Erosion der Südalpen. Jährlich werden 3500 m^3 Sand, die dort ins Meer gespült wurden, von Meeresströmungen zum Spit transportiert und abgelagert. Das jährliche Wachstum der Landzunge beträgt 2 m. Auf der Innenseite der Landzunge hat sich ein riesiges Feuchtgebiet entwickelt, das für Zugvögel, die zwischen den beiden Polgebieten pendeln, von überragender Bedeutung ist. Die Landzunge wurde deshalb als „Nature Reserve“ unter absoluten Schutz gestellt und kann nur mit einer geführten Tour besucht werden. An einer solchen Tour habe ich teilgenommen.

Wir starteten morgens um 6:30 Uhr in Collingwood, einem Örtchen am Ende der Golden Bay. Der Flecken, der heute vielleicht aus 3 Dutzend Häusern besteht, war während der Goldrauschzeit 1856 als mögliche Hauptstadt Neuseelands vorgeschlagen worden. Als wir „The Spite“ erreicht hatten, hatte sich die Sonne gerade mal vom Horizont gelöst. Der Tourbus bretterte nahe der Wasserlinie über das Sandwatt. Häufig musste das Tempo verringert werden, um „quicksands“ auszuweichen oder über einen kleinen Priel zu holpern. An interessanten Stellen oder zur Vogelbeobachtung wurde angehalten.

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Ein Robbenbulle fühlte sich durch die Anwesenheit des Busses in seiner Lethargie gestört und robbte einen beeindruckenden Blitzangriff in Richtung Bus.

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Am äußeren Ende der Landzunge befindet sich eine Basstölpel-Kolonie. Dies ist die einzige Kolonie Neuseelands, in der diese Vögel auf Meereshöhe brüten. Leider konnten wir das Spektakel nur aus großer Distanz beäugen. Auch die Zahl der Basstölpel, die sich im Fluge zu uns verirrten, war entsprechend gering.

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Am Leuchtturm, der mit seinen 30 m Höhe der höchste Neuseelands sein soll, besichtigten wir bei einer Tasse Kaffee das kleine Museum, das im alten Leuchtturmwärterhaus eingerichtet wurde. Dort erfuhren wir einiges über hier gestrandete Wale. Die letzte größere Walstrandung, die für internationales Aufsehen gesorgt hatte, ereignete sich anfangs Februar dieses Jahres. Als Erinnerung an derartige Ereignisse wurde bereits vor vielen Jahren ein Wal-Skelet aufgestellt.

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Auf dem Rückweg machten wir noch einen Stopp, um Sanddünen  zu fotografieren.

Ein weiterer hochinteressanter Haltepunkt lag nahe dem Cap Farewell. Ein Aufschluss zeigt hier einen Schnitt durch ein 15 Millionen Jahre altes  Flussbett, das durch tektonische Verschiebungen von massiven Gesteinsformationen überdeckt wurde.

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Letzter Halt war dann der obligatorische Aussichtspunkt auf das Cap Farewell.

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Oamaru

Donnerstag, 2. März 2017

Unsere heutige Etappe führte uns das Tal des Waitaki River hinab ans Meer. Zahlreiche Stauseen zur Elektrizitätsgewinnung und zur Bewässerung gestalten das Landschaftsbild im oberen Talabschnitt.

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Nur mit Bewässerung ist in dieser Region die intensive Weidewirtschaft möglich. Weinbau ist dabei sich zu etablieren.

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Das Küstenstädtchen, das für seine Blauen Pinguine weithin bekannt ist, hat uns sofort begeistert, so dass wir auch den 03. März hier verbrachten. Dass diese Stadt einst „bessere“ Tage gesehen hat, begegnet einem auf Schritt und Tritt. So findet sich im Hafenbecken noch ein Holzpier beachtlicher Größe, das heute – da baufällig – nur über Nacht von tausenden Kormoranen als Schlafstädte benutzt wird.

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Noch vor hundert Jahren konnte man sich hier brüsten, das längste gebogene Holzpier der südlichen Hemisphäre zu besitzen auf dem die Waren direkt vom Schiff auf die Eisenbahn verladen werden konnten. Selbst Expeditionen an den Südpol stachen von hier aus in See.

Am Abend gingen wir dann auf die „Jagd“ nach den Blauen Pinguinen. Wie andere Pinguinarten auch, gehen die alten Tiere tags auf Fang und kehren erst bei Nacht zurück, um ihre Jungen zu füttern. Um 22:30 Uhr machten wir uns ohne auch nur die Spur eines einzigen Pinguins gesehen zu haben auf den Rückweg, als wir zwei Tiere erblickten, die am Weg warteten, bis die Luft rein war. Da ständig weitere Passanten vorbei kamen, dauerte es bis nach 23 Uhr, bis sich die Pinguine trauten, ihre Jungen aufzusuchen. Diese hatten sich gleich neben dem Hafenbecken unter einer Hütte verkrochen. Nun gingen wir zufrieden Richtung Campground, nicht ohne die Böschung zum Hafen aus dem Auge zu verlieren. Und tatsächlich lief uns noch ein weiteres Tier über den Weg, das eine längere Strecke am Hafenbecken entlang zurücklegte. Sein unsicher wirkendes Gewatschel erinnerte mich sofort an James bei „Dinner for one“. Fotografisch war dies die totale Herausforderung, denn Blitzlicht schied natürlich aus.

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Am andern Morgen erfuhren wir, dass in der Nacht auch auf dem Campground Pinguine unterwegs waren. Ihre Jungen waren unter dem Küchentrakt den Tag über in Sicherheit. Offensichtlich haben sich diese Pinguine inzwischen gut an die Menschen angepasst. Heute wollten wir gleich nebenan an der Bushy Beach die Yellow-Eyed Pinguine besuchen. Damit hatten wir allerdings Pech. Dafür konnte ich einige Robben fotografieren, die sich in der Sonne aufwärmten.

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Im Städchen hielten wir uns mit zunehmender Begeisterung im weitgehend restaurierten Quartier an der Friendly Bay auf. Dieses Viertel zeichnet sich durch ein geschlossenes Ensemble prächtig renovierter Gebäude aus der viktorianischen Ära aus.

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Die Gebäude erfahren heute die unterschiedlichste Form der Nutzung. Angefangen vom Wollexporteur über Hotels, Cafes, Kneipen und Banken finden sich hier überwiegend Künstler, Kunsthandwerker oder sonstige Spezialisten mit einer zündenden Idee, von der man hoffentlich leben kann. So gibt es zum Beispiel einen Buchladen für antiquarische wie aktuelle Abenteuerliteratur. Um das Abenteuer präsent zu halten, ist im Verkaufsraum ein komplettes Segelschiff aufgestellt und die Wände sind mit Karten und Berichten von Expeditionen zum Südpol tapeziert. Kein Wunder, war doch der Ladenbesitzer in den 60er Jahren selbst bei einer solchen Expedition mit dabei.

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Zwei Frankfurterinnen im Abenteuerbuchladen

Lange unterhielten wir uns mit Michael O`Brien, einem Buchbinder, der zuvor in London und Auckland gearbeitet hatte und nun seit 28 Jahren hier in der Provinz lebt. Mit Deutschland hatte er intensive Geschäftskontakte zum Beispiel nach Stuttgart und München bis ihm das Internet den Markt kaputt gemacht hat. Nun lebt er von der Restauration alte Bücher. Seine Werkstatt könnte glatt und sauber als Museum herhalten.

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