Die „grüne“ Wasserkraft

Wer für die Umwelt Gutes tun möchte kauft bei seinem „Stromlieferanten“ für einen geringen Aufschlag „grünen Strom“ ein. Ohne Kohleverstromung und ohne Atomenergie wird dieser Strom zu 100 % aus regenerativen Energiequellen bereitgestellt. Bei uns im Süden der Republik erfolgt die Energiebereitstellung zumeist durch „Wasserkraft“. Doch wie „grün“ ist dieser Strom wirklich? Ein Beispiel:

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Der Rißbach, ein munterer Wildbach, dessen Quellgebiet im Bereich des Großen Ahornbodens (Österreich) liegt, fließt aus der Mitte des Karwendelgebirges Richtung Norden dem Tal der Oberen Isar (Bayern) entgegen.

Unter Wildwasserfahrern ist dieser Abschnitt des Rißbaches bekannt. Auch ich sammelte an dieser verblockten Stufe vor vielen Jahren meine Erfahrungen, als ich nach einer Kenterung nicht aufdrehte, sondern ausstieg. Mein Freund Roland, der die Passage absicherte, warf mir den Wurfsack treffsicher zu, so dass ich samt Material im nächsten Kehrwasser bereits in Sicherheit war.

Nur wenige Kilometer später überschreitet der rauschende Rißbach die deutsche Grenze und – verstummt! An einem Wehr wird das Wasser aufgestaut und in ein Rohr eingeleitet. Ab jetzt gehört das Leben spendende Nass der Energiewirtschaft. Was bleibt, sind riesige Schotterflächen, die langsam verbuschen, da die Hochwasser und damit die Umschichtungen von Sand und Schotter ausbleiben. Ein artenreicher intakter Naturraum mit zahlreichen seltenen Pflanzen, Vogelarten und Insekten stirbt langsam aber unaufhaltsam.

Dort, wo der Rißbach in die Isar mündet, kommt vom einstigen Wildbach kein Tropfen Wasser mehr an!

Doch auch der Isar selbst geht es nicht viel besser. Seit 1924 das Walchenseekraftwerk in Betrieb ging, wird das Wasser eines riesigen Einzugsgebietes eingesammelt und in Rohrleitungen dem Walchensee zugeführt, der als Oberbecken eines Speicherkraftwerkes dient (kein Pumpspeicherwerk!). Der größte Teil der Energiegewinnung erfolgt dann, wenn das Wasser über Druckleitungen zum 200 m tiefer liegenden Kochelsee (Unterbecken) geleitet wird. Mit 124 MW elektrischer Leistung zählt dieses Kraftwerk auch heute noch zu den größten Wasserkraftwerken Deutschlands.

Über Jahrzehnte sah die Obere Isar kein bisschen anders aus als der Rißbach. Erst 1990 erzwang eine Bürgerinitiative durch Gerichtsbeschluss, dass in der Isar eine gewisse Menge Restwasser verbleiben muss. Doch dieses ändert nur die Akzeptanz in der Bevölkerung am massiven Wasserentzug und am langsamen Sterben der Flusslandschaft eines der letzten Wildflüsse Deutschlands ändert dies nichts. Wie das nachfolgende Bild zeigt, verbuschen auch die offenen Kiesbänke des Oberen Isartals zusehends. Damit ist dieses einzigartige Biotop unweigerlich zum Sterben verurteilt.

Mit dem Verbleib des Restwassers und der damit einhergehenden Unterschutzstellung des Oberen Isartales hat man am Ende nur erreicht, dass die Bevölkerung verdummt wird. Die Nutzung der natürlichen Flusslandschaft durch den Menschen wurde im Naturschutzgebiet „Oberes Isartal“ stark reglementiert und täuscht so einen gelebten Naturschutz vor während die privaten und öffentlichen Investoren weiterhin in großem Stil die Umwelt systematisch ruinieren. Dennoch schreibt der Betreiber des Kraftwerkes Walchensee in seiner Broschüre „Das Walchenseekraftwerk“ ungeniert unter der Überschrift „Wasserkraft als ökologische Nische“:

„Durch den Bau von Wasserkraftwerken entstanden neue Lebensräume für Flora und Fauna. Als Rückzugsgebiete seltener Pflanzen und Tiere sind sie ökologisch äußerst wertvoll. An den Wasserkraft-Standorten von E.ON befinden sich zahlreiche Natur-, Landschafts-, und Vogelschutzgebiete sowie Flora-Fauna-Habitat-Regionen. Gemeinsam mit den Naturschutzbehörden unterstützt das Unternehmen die Pflege und den Ausbau dieser Gebiete und leistet damit einen Beitrag für den Erhalt einer natürlichen Umwelt.“

Unglaublich, wie hier die Faktenlage auf den Kopf gestellt wird!

Im Jahre 2030 laufen die Verträge zur Wassernutzung aus. Dies beinhaltet die Chance, über verbesserte Umweltstandards neu zu verhandeln. Doch die Zeit drängt, der bestehende Vertrag muss jetzt gekündigt werden, sonst verlängert er sich automatisch um weitere 25 Jahre.

Doch keine Kritik ohne konstruktiven Vorschlag. Würde man das Walchensee-Kraftwerk zum Pumpspeicherwerk ausbauen, könnte eine größere Restwassermenge in Rißbach und Isar verbleiben. Auch könnte immer wieder ein „richtiges“ Hochwasser die Kiesbänke umpflügen und die Flüsse beleben. Der Profit in der heutigen Größenordnung bliebe damit natürlich auf der Strecke.

 

Weitere Beiträge zum Allgäu siehe: Morgenstimmung, Skandalös: Olympia-Skistadion Garmisch, Fantastischer Karwendelblick, Großer Ahornboden

Großer Ahornboden

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Der Große Ahornboden liegt am Ende des Rißbachtales mitten im Karwendelgebirge. Über 2.000 Bergahornbäume bilden hier auf ca. 1200 m Höhe einen lichten Wald.

Das Besondere daran, der Großteil dieser knorrigen Bergahornbäume ist zwischen 300 und 600 Jahre alt. Diese botanische Rarität wurde bereits 1927 als Naturdenkmal ausgewiesen und ist damit eine der ältesten Unterschutzstellungen Tirols.

Natürlich ist ein Besuch des Großen Ahornbodens im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume golden färben, ein besonderes Erlebnis, doch auch zu anderen Jahreszeiten lohnt sich ein Besuch dieser einzigartigen Kulturlandschaft, deren Entstehung auch heute noch nicht schlüssig geklärt ist.

 

Weitere Beiträge zum Allgäu siehe: Skandalös: Olympia-Skistadion Garmisch, Fantastischer Karwendelblick, Die „grüne“ Wasserkraft, Morgenstimmung

Handytest im Lechtal

Neulich war ich mit einem Freund im Lechtal zum Kajak fahren. Um ihn nicht zu langweilen, blieb die Fotoausrüstung zuhause. Das Smartphon kam natürlich mit, man muss ja erreichbar bleiben. Und gleich am ersten Abend wurde dann das erste „Neidbild“ von der vordergründigen Idylle verschickt.

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Als wir uns im Hornbachtal, einem Seitental zum Lech, umschauten, ergab sich dann die Gelegenheit, das Smartphon auf seine Eignung Bilder zu machen, zu testen.

Am Smartphon lässt sich ja so gut wie nichts einstellen. Das ist der Grund weshalb so viele damit fotografieren und das häufig auch noch mit einer Hand. Dies ist aber auch der Grund, weshalb es bei anderen verpönt ist.

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Klar ist, dass das Smartphon bei ausgewogenen Kontrasten keine größeren Probleme hat.

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Das sieht bei einem großen Kontrastumfang ganz anders aus und dazu braucht es nicht einmal solcher Extreme.

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Dies führt dazu, dass das Weiß der Wolken gerne „ausreißt“, auch wenn man sich Mühe gibt, eine brauchbare Belichtung zu erwirken. Doch wie das, wenn man nichts einstellen kann? Durch Drehen oder Kippen des Smartphons kann man in Verbindng mit dem Standort über die Verteilung der hellen und dunklen Bildanteile entscheiden und so die Belichtung steuern. Im Anschluss an die Aufnahme lässt sich das Ergebnis ja sofort beurteilen und ggf. korrigieren.

Nicht vergessen sollte man, dass ein Smartphon mit einem Weitwinkelobjektiv ausgestattet ist. Deshalb sollte man auch die Grundlagen der Weitwinkelfotografie zur Anwendung bringen, wenn man einigermaßen vernünftige Ergebnisse haben möchte.

Weihnachtsgrüße

Mit einem Blick über das verschneite Tannheimer Tal grüße ich alle Guckloch-Gucker und wünsche fröhliche und entspannte, aber auch besinnliche Festtage und einen guten Rutsch.

Horst

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Am Startplatz

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Unter dem Gipfel des 1862 m hohen Neunerköpfle im Tannheimer Tal (Österreich) befindet sich ein stark frequentierter Startplatz für Gleitschirmflieger. Kein Wunder, denn die Aussicht auf die Allgäuer Berge und hinaus ins Alpenvorland ist phantastisch.

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Eine Gondelbahn bringt die Piloten auf knapp 1800 m Höhe. Die letzten ca. 30 Höhenmeter bis zum Startplatz müssen die Sportler ihr Fluggerät dann selbst hochtragen.

Jeder Flug erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und mitunter viel Geduld. Denn bei Windstille, oder wenn der Wind gar aus der falschen Richtung kommt, geht nichts. Schnell bildet sich dann ein Rückstau geduldig wartender Sportler. Ist die Entscheidung für den Start einmal gefallen, gibt es nur eines: Volle Kraft voraus!

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Die Zahl der Bilder täuscht, bis zum Abheben sind es mehr als nur drei Schritte!

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Der Rest ist dann Genuss pur!

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