Art_Deco_Hauptstadt Napier

Sonntag 26. März

Vor dem schlechten Wetter flüchteten wir ans Meer nach Napier. Südlich der Stadt bezogen wir einen Campground nahe dem Cape Kidnappers. Damit hatten wir eine optimale Ausgangsbasis, um die dortige Tölpelkolonie zu besichtigen. Doch es kam wieder einmal anders. Während noch in der Nacht die Milchstraße am Firmament funkelte, setzte in der Früh heftiger Regen ein, der auch den Vormittag über anhielt.

Wir beschlossen den Regen vorerst in Napier abzuwarten und zogen wegen des fehlenden Internetzugangs auf einen „edleren“ Holiday Park um. Am Nachmittag statteten wir dann Napier einen Besuch ab. Wir wollten uns ein Bild davon machen, was hinter der Art Deco Hauptstadt steckt. Wir besuchten deshalb zunächst das Hawke`s Bay Museum und landeten damit einen Volltreffer. Ein ganzes Stockwerk ist hier dem verheerenden Erdbeben von 1931 gewidmet, das Napier weitgehend zerstört und über 250 Menschenleben gekostet hat. Nach dem Beben wurden ganze Straßenzüge im Art Deco Stil aufgebaut und als Ensemble bis heute erhalten. Mit dieser Idee wurde aber weit mehr als nur Aufbauarbeit geleistet, vielmehr ist es gelungen, der Stadt eine neue Identität zu geben. Das Image, Art Deco Hauptstadt zu sein, wird in der Stadt bis heute gepflegt und gibt ihr eine besondere Note. Es steckt also mehr dahinter, als eine gute Marketingstrategie.

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Napier ist darüber hinaus das Zentrum der Hawke´s Bay mit einem großen Überseehafen und wird von Kreuzfahrschiffen angelaufen.

Am Dienstag,  28. März erkundeten wir die weitere Umgebung, insbesondere das Weinbaugebiet um das gepflegte Örtchen Havelock North. Dort war die Weinernte in vollem Gange. Randnotiz: Noch während ich meine Aufnahmen machte, bekam ich Trauben geschenkt. Das hätte mir mal in einem deutschen Weinberg passieren sollen.

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Wie in jeder Weingegend ist auch hier sofort klar, dass der staatlich gewünschte oder gar subventionierte Drogenanbau mächtig Geld abwirft. Herrschaftssitze wie hier, sowohl hinsichtlich der Fläche als auch hinsichtlich der Größe und der Architektur der Häuser, findet man sonst kaum in Neuseeland.

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Dies ist nur die Zufahrt zu einem Weingut mit italienischem Besitzer.

Im Weingut Black Barn versteht man sich nicht nur auf den Ausbau von Wein, sondern pflegt auch eine exzellente Küche. Angesichts der Wetterlage leisteten wir uns diesen Luxus zum Lunch und bereuten es nicht.

Danach folgten wir einem Nebensträßchen bis zu der kleinen Ortschaft Ocean Beach. Der Name ist Programm und so saugten wir in einer Regenpause die frische Luft und die Weite des Strandes in uns auf.

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Whanganui Nationalpark

Samstag, 24. März

Bevor es heute richtig los ging, ließen wir uns erst einmal von einem Anwohner (weibliche Form eingeschlossen) des Städtchens Paekakariki über die Frage, was schön ist, aufklären. Immerhin gelang es ihm, mit seiner Überzeugung von Schönheit, einen langweiligen Briefkasten interessant zu gestalten. Danach begaben wir uns auf Strecke.

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Nordwestlich von Wellington gräbt sich der Whanganui River, der längste befahrbare Fluss Neuseelands, tief in Sedimentgestein ein und formt eine eigenwillig schöne Landschaft. Bereits der erste Blick auf die Landkarte zeigt, wie abgelegen diese Ecke ist. Spätestens nach Verlassen des State Highway 4 wird einem jedoch schnell klar, dass es jetzt ins Abseits geht. Die Straße wird schmal, ist häufig direkt aus dem Hang heraus gefräst, dessen weiche Sedimente nicht selten vom Fluss abgegraben werden. Immer wieder ist deshalb nur noch eine halbe Straße übrig. Leider bekommt man von der Straße aus nur selten einen guten Ausblick über das Tal, das oft tief eingeschnitten zwischen den Bergen liegt. Da auch das Wetter mies war, gibt es von diesem Abschnitt leider nur wenige Aufnahmen.

Eigentlich vermutet man in dieser Gegend keine Ortschaft mehr, deshalb ist die unvermittelt ins Auge stechende Kirche bereits eine dicke Überraschung und dann kommt noch das Ortsschild – „Jerusalem“! Irrtum ausgeschlossen, das halbe Dutzend Häuser ist auch auf der Landkarte entsprechend vermerkt und wer möchte, kann auch heute noch bei den Nonnen im Schlafsaal unterkommen.

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Wir fahren jedoch weiter bis zur nächsten Häuseransammlung Piperiki, dem Ort, an dem die Straße den Fuss verlässt. Oberhalb geht es nur zu Fuß oder mit dem Kanu in Form mehrtägiger Touren weiter. Zu dem jahreszeitlich bedingten Niedrigwasser und bei diesem Wetter für uns keine Option. Dafür beglückten wir den ortsansässigen Kanutourenanbieter als einzige Gäste auf seinem Campground.

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Anderntags folgen wir dem Sträßchen, das sich einem Seitental folgend langsam durch den Regenwald nach oben kämpft und immer wieder tolle Ausblicke auf herrliche Urwaldriesen und andere, mit Flechten behangene Bäume, ermöglichte.

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Kaum, dass man mit den letzten Windungen der Straße, das Tal hinter sich gelassen hat, gibt der zurückgedrängte Urwald den Blick auf die Vulkankegel des Tongariro NP frei, zumindest so weit, wie es die Wolken erlauben.

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Eigentlich hatte ich hier eine Wanderung (Tongariro Crossing) vorgesehen, aber bei diesem Wetter war daran nicht zu denken.

Nachdem wir uns über die Situation im Park vor Ort erkundigt hatten, beschlossen wir unsere Route zu ändern und nach Napier an die Ostküste zu fahren. Nach dem Wetterbericht sollte dies der einzige Ort sein, der für uns in erreichbarer Entfernung lag und an dem das Wetter einigermaßen erträglich war. Zudem hatte Napier einiges zu bieten. Also starteten wir durch.