Via Chiantigiana

Die Via Chiantigiana bietet immer wieder schöne Ausblicke über die alte Kulturlandschaft des Chianti. Doch nicht nur Weinberge, auch Olivenhaine und Zypressenalleen gehören zum Landschaftsbild.

Zur Mittagszeit passierten wir Panzano. Gerade noch rechtzeitig realisierten wir den Menschenauflauf am Fahrbahnrand. Dort hatte sich bei einem kleinen Parkplatz der Cecchini Panini Truck aufgestellt.

Der von einer ortsansässigen Metzgerei betriebene fahrbare Grilltruck ist in dieser Region offensichtliche eine Institution, denn er hat es bereits zu einem Eintrag in Google Maps geschafft und abgesehen davon sprachen die Menschen, die in Scharen hier zum Mittagessen einfielen, Bände. Panini mit diversen Fleischvariationen, Grünfutter und verschiedenen Soßen gab es im Angebot und natürlich Chianti. Kurz entschlossen nutzten wir den letzten freien Parkplatz, denn der Futterneid war geweckt. Unser Fazit: absolut empfehlenswert.

Wenige Kilometer weiter, in Castellina in Chianti, legten wir den nächsten Stopp ein. Die Bebauung erstreckt sich entlang eines Bergrückens. Der kleine Platz vor der Chiesa di San Salvatore ist das Beste was das Örtchen zu bieten hat, danach beginnt eine austauschbare Touristenmeile auf die man verzichten kann.

Auf einem empfehlenswerten Stellplatz in Monteriggioni checkten wir für die Nacht ein. Die Besichtigung der Burganlage hatten wir uns für den nächsten Tag vorgenommen.

Greve in Chianti

Greve ist ein kleines, ursprüngliches Städtchen an der Via Chiantignana, der Panoramastraße durch die Hügel des Chianti. Winkelige Gassen und sein dreieckiger, von Arkaden gesäumter Marktplatz zeichnen die historische Bebauung aus.

Ein Besuch in der Metzgerei Falorni ist selbst Vegetariern zu empfehlen, wenn sie die von Prosciutto und Salami geschwängerte Luft in den Verkaufsräumen aushalten.

Auf dem Marktplatz erinnert ein Denkmal an den bekanntesten Sohn der Stadt, Giovanni Verrazzano. Dieser war von 1524 an für den französischen König als Entdecker unterwegs, erforschte die nordamerikanische und brasilianische Küste, bis er unter ungeklärten Umständen 1528 auf den Antillen ums Leben kam.

Der Marktplatz und die Gassen drumherum eignen sich natürlich auch für Streetfotografie. Ob der Chirurg, der zur Transplantation auf den Schinken wartet, die Frau, die mit flüchtigem Blick den Vergleich zu ihrem Mann sucht oder die unschuldigen Kindlein am Gängelband, die Stadt zeigt viele Facetten.

Interessant sind noch die beiden runden Embleme am Gebäude der Touristeninformation. Der bekannte schwarze Hahn weist darauf hin, dass Greve im zertifizierten Anbaugebiet des Chianti Classico liegt. Die Schnecke links davon gibt die Stadt als Mitglied der Bewegung „Cittaslow“ aus. Diese wurde 1999 von Paolo Saturnini, einem ehemaligen Bürgermeister Greves, ins Leben gerufen. Kommunen unter 50 000 Einwohner können dieser inzwischen internationalen Bewegung beitreten. Den Ausgangspunkt bildete der Slow Food Gedanke. Dieser wurde rasch auf die Förderung lokaler, hochwertiger Speisen und Getränke, die Bewahrung von Brauchtum und Geselligkeit und den Widerstand gegen kulturelle Normierung erweitert. Das kann man nur unterstützen.

Amerikanischer Soldatenfriedhof Florenz

Wir setzten unsere Reise nach Süden fort. Bei Florenz verließen wir die A1 in Richtung Siena, um alsbald auch diese „Schnellstraße“ zu verlassen und das Städtchen Greve in den Bergen des Chianti anzusteuern.

Völlig unerwartet stießen wir auf einen amerikanischen Soldatenfriedhof. Im Sommer hatten wir in der Normandie eigentlich genug Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten besichtigt aber natürlich, auch in Italien tobten im 2. Weltkrieg schwere Kämpfe. Allerdings muss man heute in Europa – ja weltweit – feststellen, dass die viel gelobte Befreiung vom Faschismus wohl nie so richtig gelungen ist. Selbst die ehemaligen Befreier sind hochgradig infiziert. Das obere Bild zeigt den Blick über die Brücke der Greve auf die Gedenkstätte, die oberhalb der Gräberfelder errichtet wurde.

Auf dem Friedhof sind in zwei Gräberfeldern über 4400 Gefallene bestattet, mit ganz wenigen Ausnahmen Amerikaner. An der Mauer der Gedenkstätte (unteres Bild) wurden zur Erinnerung die Namen von mehr als 1400 Vermissten aufgelistet.

Eines muss man den Amerikanern lassen, auf die monumentale Inszenierung des Gedenkens verstehen sie sich prächtig. Bei uns ist dieses Thema noch immer tabuisiert und damit wird es zur Spielwiese der Rechtsradikalen. Geradezu pervers erschienen mir jedoch die drei Gärtner, die den absolut kurz geschorenen Rasen unterhalb der Gedenkstätte pausenlos mit ihren Rasenmähern traktierten. Ein nahezu unwirklicher Anblick.

La Razza

Als wir von der Fahrt auf der überfüllten A1 durch die Poebene genug hatten, steuerten wir bei Reggio Emilia einen Agriturismo-Betrieb an. In der Camper App park4night hatten wir diesen Ort ausgesucht. Was wir antrafen war dann eine kleine Überraschung. In einem weitläufigen Areal auf einem flachen Hügel stießen wir auf einen modernen, absolut gepflegten Stellplatz zwischen Reben. Ein Wegweiser zeigte uns den Weg zur Rezeption. Diese war in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen untergebracht, inzwischen eine gut gehende Hotelanlage mit 50 Betten. Auf der anderen Seite des Stellplatzes lag ein Pool an den sich ein Speiselokal anschloss. Der stilvoll eingerichtete Gastraum erinnerte an ehemalige Stallungen. Wir genossen das vorzügliche Abendessen und rundeten den Tag mit einem Cabernet Sauvignon ab.

La Razza ist nach wie vor ein landwirtschaftliches Unternehmen, das für biologischen Anbau zertifiziert ist. Das meiste Geld dürfte der gut geführte Betrieb durch den Weinbau erwirtschaften, dessen vorzügliche Tropfen im gehobenen Preissegment gehandelt werden.

Vinschgau

Der Vinschgau gehört zu Südtirol und erstreckt sich zwischen Meran und Reschenpass.

Bei der Anfahrt aus nordöstlicher Richtung bieten das Penser Joch und der Jaufenpass herrliche Lärchenbestände bis zur Baumgrenze. Das oberhalb von Meran gelegene „Dorf Tirol“ ist von Obstplantagen und Weinbergen umgeben, die sich die Berghänge hinaufziehen bis an die Waldränder.

Schloss Kastelbell in Tschars: Das Schloss wurde vor 1200 erbaut. Die Gründer gehörten zum welfischen Adelsgeschlecht, dem ältesten Europas, dessen Abstammung sich bis ins 8. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Aus dieser Dynastie erwuchsen die Herzöge von Bayern und Sachsen, die Könige von Hannover, Großbritanniens und Irlands. Derzeitiges Oberhaupt der Welfen ist Ernst Heinrich von Hannover.

Glurns ist mit knapp eintausend Einwohnern die kleinste Stadt Südtirols und die einzige im Vinschgau. Das ist erwähnenswert, doch was dieses Städtchen einmalig macht, ist die innerhalb einer vollständig erhaltenen Stadtmauer prächtig restaurierte mittelalterliche Altstadt. Wegen seiner Lage an der Gabelung der Handelswege über den Reschenpass nach Österreich und über den Ofenpass in die heutige Schweiz wurde der Ausbau Glurns von den Tiroler Landesfürsten befördert. 1291 erhielt Glurns Markt- und bald darauf Stadtrecht. Dem steilen wirtschaftlichen Aufstieg folgte im 16. Jahrhundert der Niedergang, da sich die Handelswege änderten. Schlussendlich verdanken wir jedoch diesem Umstand, dass Glurns die Zeit vom Mittelalter bis in die 1970er Jahre verschlafen hat und wir diese mittelalterliche Hinterlassenschaft heute noch bewundern können.

Blick durchs Schludernser Tor entlang der Florastraße und zurück. Die drei Stadttore, die den Zugang zum Städtchen gewähren, bilden die Richtungen der Handelswege ab, die sich einst am Glurnser Stadtplatz gegabelt haben. Noch heute folgt man ins Münstertal und weiter zum Ofenpass diesen alten Straßen durch den mittelalterlichen Stadtkern. Von der Höhenbegrenzung am Stadttor auf 2,90 m darf man sich nicht abschrecken lassen, mittig angefahren ist die lichte Höhe deutlich größer.

Oben: Laubengasse und alte Mühle.

Der Stadtplatz ist nach wie vor das Stadtzentrum mit dem historischen Hotel „Grüner Baum“. Laubengasse und Stadtplatz lassen auch heute noch den einstigen Wohlstand erahnen. Unten sind die historisch gerahmten Fenster bemerkenswert.

Hinter Glurns weitet sich der Blick talaufwärts in Richtung Reschenpass. Wein- und Obstbau prägen auch im Vinschgau das Landschaftsbild.

Von der Seiser Alm bis Tramin

Die Region um Bozen hat viel zu bieten. Nachfolgend nur einige Appetitanreger.

Blick über die Seiser Alm im klaren Herbstlicht. Im Hintergrund von rechts: Plattkofel, Langkofel und Teile der massigen Sellagruppe.

Fernsicht auf die Sarntaler Alpen.

Über dem Eisacktal liegt Völs am Schlern auf einer Sonnenterrasse.

Das Kirchlein St. Zyprian aus dem 13. Jahrhundert mit Blick auf den gleichnamigen Ort und das Rosengartenmassiv. Die Straße durch das Tierser Tal führt über den Nigerpass zum Karersee.

Am Nigerpass gibt es gegenüber der Berggaststube Niger-Joch-Haus einen Parkplatz, der sich für Wohnmobilisten zum Übernachten eignet.

Der Karersee war unsere große Enttäuschung. Es war derart wenig Wasser im See, dass man die Pfütze fast übersehen hätte. Doch die manipulative Kraft des Bildes lässt dies kaum erahnen.

In der Nachbarschaft des Kalterer Sees liegt einer der bekanntesten Weinorte Südtirols, Tramin. Der Geburtsort des Gewürztraminers, der hier seit dem 11. Jahrhundert angebaut wird, liegt inmitten von Weinbergen und Obstplantagen (schwarze Netze).

Die Cantina Tramin hat dem Gewürztraminer Kultstatus verliehen. Der Vorfahr großer Rebsorten, wie Cabernet, Riesling und der Burgunderfamilie, ist das Aushängeschild der Kellerei.

Als der Umbau der Kellerei anstand, wurde der bekannte Südtiroler Architekt Werner Tscholl damit beauftragt. Dieser entwarf ein außergewöhnliches Bauwerk, einen absoluten Hingucker. Die Struktur des vorgesetzten Tragwerks, das sowohl alte wie auch neue Gebäudeteile umschließt, soll an die Ranken der Reben erinnern. Aber auch bezüglich der Energieeffizienz ist dieses Gebäude richtungsweisend. Gleich nach dem Wein ist das 2010 in Betrieb genommene Bauwerk der Stolz der Cantina.