Industriebrache trifft Galerie

Am Samstag 19. September 2026 öffneten sich letztmals die Tore der liquidierten Maschinenfabrik Hoeckle für eine Kunstausstellung. Danach beginnt der Abriss der Industriebrache, die zu einem neuen Wohnquartier umgebaut werden soll. Das Mössinger Traditionsunternehmen wurde 1928 gegründet und machte sich einen Namen als Automobilzulieferer im Motorenbau. Nach finanziellen Schwierigkeiten wurde die Firma 2017 von einem Investor übernommen. Dieser stellte die Produktion beim größten Arbeitgeber in Mössingen Ende 2018 ein.

Der Künstler MAKO (Marco Neumann) stellte im Beisein von Oberbürgermeister Bulander und den Projektentwicklern des künftigen Quartiers sein Museum vor. In einem Zeitraum von mehr als vier Jahren erschuf er zusammen mit befreundeten Künstlern über 130 großformatige Graffitis.

Bei Führungen durch die ehemaligen Werkshallen wurden die Besucher von der Vielseitigkeit und der Aussagekraft der Werke beeindruckt. Industriebrache und Graffitis verschmolzen hier zu einem Gesamtkunstwerk. Nachfolgend einige Eindrücke.

Es ist sehr zu bedauern, dass diese Kunstwerke nun zusammen mit den ehemaligen Produktionsstätten der Firma Hoeckle von der Bildfläche verschwinden.

Werksviertel – München

Vom Stadtzentrum gelangt man mit der U5 zum Ostbahnhof. Jenseits des Gleiskörpers, am ehemaligen Produktionsstandort der Firma Pfanni, erstreckt sich heute das sogenannte Werksviertel-Mitte. Hierzu schreibt die kommunale Tourismusorganisation Münchens: „Vielleicht beginnt Münchens Zukunft gleich hinter dem Ostbahnhof. Zumindest mausert sich hier seit knapp sieben Jahren ein Industriegelände zu einem urbanen Trend-Viertel, das Einheimische und Tourist*innen gleichermaßen anlockt. … In jedem Fall ist für alle etwas geboten im Werksviertel-Mitte. Denn hier vereinen sich Kreativität und Kommerz, Arbeiten und Wohnen, Underground und Establishment.“ Das sind große Worte. Ob sie sich bewahrheiten, wird sich erst im Laufe von Jahrzehnten herausstellen.

Doch man muss anerkennen, dass sich hier zwischen den Glaspalästen der Büro- und Wohnhäuser und alter Bausubstanz eine bunte Szene etabliert hat. Von Kunst- und Kulturschaffenden über Bars, Cafes und Kleingewerbe bis zum Boulderzentrum und zum Riesenrad ist hier alles zu finden und trägt dazu bei, dass das Quartier lebt. Das macht Hoffnung und vielleicht gelingt dieses Experiment, das nach neuen Formen urbanen Lebens sucht und in der Vielfalt die Triebfeder für eine dauerhafte Entwicklung sieht. Wenn dies tatsächlich gelingt, wäre der Deutsche Städtebaupreis 2023 zu Recht verliehen worden.

In jedem Fall ist das Werksviertel einen Besuch wert. Alleine schon wegen der Graffitis lohnt sich der Weg hierher. Und einen selbstgebackenen Apfelkuchen guter Qualität für 2,50 € und die Tasse Kaffee für 2 €, wo bekommt man das in München sonst noch? Doch lohnt sich durchaus auch ein längerer Aufenthalt. Insbesondere für Architekturfotos, Streetfotgrafie und Nachtaufnahmen scheint dieses Quartier besonders gut geeignet.