Frauenschuh

Normalerweise zeige ich auf meiner Homepage keine Bilder von geschützten Pflanzen, während diese noch in voller Blüte stehen. Doch nachdem die Lokalpresse in Zusammenarbeit mit einem örtlich bekannten Naturfotografen die Blütensaison großformatig angekündigt hat, brauche ich mich nicht mehr zurückhalten.

Die mahnenden Worte in der Presse blieben nicht ohne Wirkung. Während vor 10 Tagen nur der übliche Trampelpfad zum Standort führte, verlief an diesem Wochenende bereits ein zweiter Pfad durch den Bestand. Wie so oft zählt eben nicht die gute Absicht, sondern das Resultat. Dieser Pressebericht diente dem Bestandschutz sicher nicht.

Um bei den Pflanzen auf Abstand bleiben zu können, fotografierte ich mit einem Tele und griff zum Teil auf Bildausschnitte zurück.

Zum Vergrößern wie üblich anklicken.

Die Blüten schieben sich vorsichtig aus dem Blattkelch. Nicht selten sind zwei „Schuhe“ übereinander angeordnet. Nachfolgend einige Eindrücke von voll entwickelten Exemplaren.

Gegen den Corona-Koller 5

Die Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern.

Mit Manni, der auch eine eigene Homepage unterhält (mannisfotobude), traf ich mich unlängst zu unserem zweiten „Bloggertreffen“, wie er zu sagen pflegt. Unser Ziel war das abendliche, durch Corona entvölkerte Tübingen. Wir wollten eine der letzten Gelegenheiten nutzen, um die leeren, leblosen Gassen und Plätze festzuhalten.

Mit den letzten Sonnenstrahlen erklommen wir über den Kapitänsweg den Schlossberg und fanden sogar den Eingang zum Schloss Hohentübingen. Von dort erhaschten wir noch einen flüchtigen Blick ins Neckartal, das bereits im Schatten der untergehenden Sonne lag.

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Kurz nach 20 Uhr, also bei bestem Licht, wurden wir von der Security aus dem Schlosshof rausgeschmissen. Das nachfolgende Bild zeigt einen letzten Blick vom Schloss über die im Ammertal liegende Altstadt. Rechts, in Verlängerung der Schlossmauer, erkennt man das erleuchtete Verbindungshaus der Burschenschaft Roigel. Dieses steht in exklusiver Lage direkt vor dem Schlosstor und ist eines der wenigen Häuser Tübingens, das Ausblicke sowohl ins Ammertal (links) als auch ins Neckartal ermöglicht.

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Im Garten des Verbindungshauses steht die größte und älteste Freiluftkegelbahn Süddeutschlands. Sie soll bereits 1789 erbaut worden sein. Das Ende der Kegelbahn markiert ein Gartenhaus (Fachwerksbau rechts unten), in dem auch schon Eduard Mörike gewohnt haben soll, die sogenannte „Villa Rattenkull“.

Den nahezu menschenleeren Marktplatz erreichten wir zur blauen Stunde. Über die Kornhausstraße, die wie die restlichen Gassen weitgehend entvölkert war, gelangten wir zur Krummen Brücke. Dort liesen wenigstens die Fahrräder Rückschlüsse auf die dort lebende Bevölkerung zu.

Ein Besuch in Tübingen ohne den obligatorischen Blick auf die Neckarfront ist natürlich undenkbar. Wir hatten uns das am häufigsten abgelichtete Motiv der Stadt für den Schluss aufgehoben. Sogar die Venus gesellte sich dazu, die an diesem Abend durch eine leichte Schleierbewölkung etwas aufgeblasen daherkam.

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Der Ipf bei Bopfingen, ein Zeugenberg, erhebt sich mit 668 m hoch über die Stadt und ist mit seiner markanten Silhouette das Wahrzeichen Bopfingens. Schon von jeher zog der Ipf mit seiner exponierten Lage die Menschen in seinen Bann. Die beeindruckendsten Siedlungsreste haben die Kelten hinterlassen. Vieles spricht dafür, dass sich auf dem Ipf der Sitz eines bedeutenden Keltenfürsten befand. Das imposante System aus mehreren Ringwällen, die den gesamten Berg mehrfach umschlossen haben, ist noch heute selbst aus großer Entfernung gut zu erkennen.

Vom Wanderparkplatz aus hat man mehr als die Hälfte des Anstieges bereits hinter sich. Über eine schöne Lindenallee erreicht man das Hochplateau des Berges. Die Allee wurde 1811 angelegt, als der württembergische König den Ipf besuchte.

Bereits beim Anstieg bekommt man Einblicke in das System der bis zu 6 m mächtigen Ringwälle. Der Ausblick von oben auf Bopfingen, die weit verstreuten Gemeinden und das Nördlinger Ries ist phantastisch.

Der unterhalb des Plateaus gelegene Ringwall trägt zahlreiche aus Steinen gelegte Liebesbezeugungen und sonstige Lebensnachweise. Ein recht aktuelle Aufschrift verweist auf Corona und bietet zugleich Lösungen an: Bier und die Liebe zu Marie. Da kann ja nicht mehr viel schief gehen.

Weiter im Westen passiert man das Schloss Kapfenburg. Die ehemalige Deutschordensfeste, seit 1806 dank Napoleon im Besitze des Landes Baden-Württemberg, ist heute eine internationale Musikschulakademie.

In einem Taleinschnitt des Albtraufs südlich von Aalen ist die Quelle des Weißen Kochers ein lohnendes Ziel.  An zahlreichen Stellen sprudelt und sickert das Wasser aus dem Hang, eine Karstquelle wie aus dem Bilderbuch, die bereits nach wenigen Metern ein munteres Bächlein füllt.

Bei Schneeschmelze oder ergiebigen Niederschlägen tritt das Wasser aus einem Bröller beachtlicher Größe direkt aus dem Steilhang. Wegen des trockenen Frühjahrs war dieser bei unserem Besuch leider nicht mehr aktiv, doch bereits knapp darunter trat das Wasser an die Oberfläche.

Nach dem Zusammenfluss mit dem Schwarzen Kocher firmiert das Flüsschen dann unter dem schlichten Namen Kocher. Dieser mäandriert hinter Abtsgmünd durch ein herrliches Tal der Stadt Gaildorf entgegen.

 

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Bilder zum Vergrößern wie gewohnt anklicken.

Noch immer überragt die Abtei Neresheim die gleichnamige Stadt in beherrschender Manier, doch die Herren sind heute – wie man sieht –  andere.

1095 gegründet und in ihrer bewegten Geschichte mehrfach zerstört entstand das heutige Ensemble von 1694 -1792. Glanzpunkt ist die spätbarocke Abteikirche, die nach Balthasar Neumann´s letztem Entwurf errichtet wurde und als dessen bedeutendster Kirchenbau gilt. Die Kirche kann mit dem größten Fresco der Welt punkten, das der tiroler Kirchenmaler Martin Knoller auf einer Fläche von 714 m² gestaltet hat.

Dass es schon immer um Macht und Geld ging, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Klosters. Die nicht zu toppende Geschäftsidee war es, in jeder Gemeinde ein Pfarramt mit zugehöriger Zehntscheuer einzurichten. So hatte das Kloster den direkten Zugriff auf die Abgaben. Deshalb lohnte sich offensichtlich ein Rechtsstreit mit den Grafen von Oettingen-Wallerstein über die Reichsunmittelbarkeit des Klosters, der sich über Jahrhunderte hinzog (1258-1764). Sag da noch einer etwas über die Prozessdauer heutiger Verfahren. 😉

Heute wird das Kloster von 8 Mönchen des Benediktinerordens betrieben. Das Geschäftsmodell kommt geradezu bieder daher. Neben dem üblichen Tagungs- und Gästehaus gehört auch ein Klosterladen zur Vermarktung der eigenen Erzeugnisse zum Konzept.

In den Wäldern oberhalb des Klosters tobte sich gerade der Frühling aus. Der Waldboden und die Waldsäume waren nahezu flächendeckend von Frühlingsblühern übersät.

Unterwegs auf der Ostalb

Die Ostalb zeichnet sich durch zahlreiche Trockentäler aus. Diese sind Ausdruck der starken Verkarstung. Als Hungerbrunnen werden Quellen bezeichnet, die nicht ganzjährig Wasser führen. In trockenen Jahren kann das Wasser sogar ganz ausbleiben. Dies führte früher zwangsläufig zu Hungersnöten und Armut.

Im Hungerbrunnental nahe Heuchlingen gibt es eine besondere Heidelandschaft. Dort stehen Eichen in lockerer Verteilung, wie in einer Parkanlage.

Das Eselsburger Tal bei Herbrechtingen ist eines der wenigen Täler dieser Region, das noch von einem wirklichen Bach, der Brenz, durchflossen wird. Das Tal ist bekannt für seine Felsformationen, die auch Kletterer anlocken. Sagenumwoben sind die Felsnadeln der steinernen Jungfrauen.

Im Wald zeigte sich erstes Grün. Wenn die Buchen in wenigen Tagen ihre Blätter entfalten, ergrünt der gesamte Wald schlagartig.

Am Ende des Eselsburger Tals, am Ortsrand von Herbrechtingen, liegt eine 1799 errichtete Sägemühle. Heute beherbergt das vollständig renovierte Gebäude das Heimatmuseum der Stadt.

Ganz in der Nähe, im Lonetal, befinden sich zahlreiche Karsthöhlen, die schon während der Jungsteinzeit bewohnt waren. Besondere Berühmtheit erlangte die Vogelherdhöhle wegen der 1931 entdeckten und nach ihr benannten Vogelherdfiguren. Diese Tierfiguren aus Mammutelfenbein zählen zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit.

Das Wental, ein weiteres Trockental dieser Region, ist für seine Dolomitfelsen bekannt. Eine besonders dichte und vielgestaltige Ansammlung dieser Felsformationen bildet das sogenannte Felsenmeer.

Wer sich über diese Region, die geologisch, historisch wie auch kulturell sehr viel zu bieten hat, näher informieren möchte, findet hier eine sehr interessante Seite.

Gegen den Corona-Koller 4

Während die Hochzeitslinde bei Bronnweiler vor wenigen Tagen noch sehnsüchtig auf den Frühling wartete,

(Zum Vergrößern anklicken.)

 

explodierten pünktlich zum Vollmond die Blüten in den Streuobstwiesen des Albtraufs.

Nach den strengen Frostnächten der letzten Wochen haben die Zwetschgen, Mirabellen, Kirschen und Birnen ihre Blütenpracht innerhalb von zwei Tagen entfaltet. Nur die Apfelbäume lassen noch auf sich warten.

In wenigen Tagen und nur für wenige Tage wird das Blütenmeer am Albtrauf aufschäumen und dann bleibt nur die Hoffnung, dass dieses Jahr mehr Obst durch die kalten Nächte kommt, als letztes Jahr. Bei den Kirschen sind bereits jetzt bei etlichen Bäumen die Blüten braun.

 

 

 

Schönbuchturm

Der Schönbuchturm steht auf dem 580 m hohen Stellberg bei Herrenberg. Die Tragekonstruktion des absolut gelungene Bauwerks ist aus verleimtem Lärchenholz gefertigt. Daran aufgehängt sind die beiden Wendeltreppen aus Stahl, welche mit jeweils 174 Stufen die 35 m Höhe bis zur dritten Aussichtsplattform überwinden. Von dort oben genießt man eine fantastische Aussicht vom Schwarzwald bis zur Schwäbischen Alb. (Zum Vergrößern anklicken.)

Die ganze Konstruktion wird von Stahlseilen Gehalten. Während der Turm eine Masse von 110 t hat, bringt es dessen Fundament immerhin auf 400 t.

Der Turm, der auf eine Idee von Studierenden der Hochschule für Technik in Stuttgart zurückgeht, wurde 2018 eröffnet. Baukosten 1,47 Millionen Euro.

Mosel: Landschaft in Schwarz-Weiß

Der Regen, der in der Nacht gefallen war, bescherte uns am Morgen eine wabernde Nebelsuppe. Mal gab sie einige Meter Sicht frei, mal verschwand alles hinter einem grauen Vorhang.

(Zum Vergrößern Bilder anklicken.)

Insbesondere überm Wasser verdichtete sich der Nebel zu einem jegliche Struktur auflösenden Schleier. Es war schon fast gespenstisch, als aus dem grauen Nichts unvermittelt ein Frachtschiff auftauchte, das langsam, aber unaufhaltsam, den Fluss aufwärts glitt.

Die Weinberge zeigten in der Sonne, wie auch im Nebel, dass sie grafisch durchaus etwas hergeben.

In den Höhenlagen oberhalb der Mosel wechselten sich Nebel und Sonne auf kurze Distanz ab. Ausdruckstark die alte Allee und die Rinder vor den aufsteigenden Nebelfetzen, die uns eher an eine amerikanische Farm, denn an das Moseltal erinnerten.

Mit diesen Eindrücken in Schwarz-Weiß endet unser Reisebericht über das Moseltal.