verzaubert

Es ist gerade mal eine gute Woche her, da lag die Albhochfläche unter einer geschlossenen Schneedecke und die Hasen mussten sich durch Schneeverwehungen kämpfen. Auch die Traufhänge waren bis hinab in die Tallagen verschneit, die Bäume überzuckert. Traut man dem Wetterbericht, so war dies nicht der letzte Schnee.

endlich …

Ein Winter ohne Schnee ist … keiner. Dabei sind wir ja wirklich nicht mehr anspruchsvoll und freuen uns bereits über 15 cm Neuschnee. Die gab es dieser Tage. Und schon sieht die Kuppenalb ganz anders aus. Da lohnte sich der kurze Fototrip vor dem Frühstück am Sonntag.

Die Stuhlsteige

Die Stuhlsteige verbindet Pfullingen am Albtrauf mit Genkingen auf der Albhochfläche. Auf 7 km Länge überwindet sie die 330 Höhenmeter des Steilabfalls. Ich fotografierte die „Passstraße“ von einem vorgeschobenen Schwammriff des 825 m hohen Wackersteins. Dieser Aussichtsfels liegt an der Traufkante direkt gegenüber der Stuhlsteige.

Mein Ziel war, die Strecke so aufzunehmen, dass sie trotz der Bewaldung auf der gesamten Länge weitgehend ausgeleuchtet wird. Dazu mussten die Bäume bereits etwas Laub abgeworfen haben, damit sie lichtdurchlässig wurden. Die Herbstfärbung sollte aber erkennbar sein.

Darüber hinaus gab es noch einiges zu bedenken und auszutüfteln:

  • Es musste bereits so dunkel sein, dass die Lichtspuren deutlich erkennbar wurden aber noch hell genug, dass die Lichter nicht überstrahlten.
  • Wegen der relativ großen Entfernung mussten möglichst viele Fahrzeuge unterwegs sein, um möglichst viel Licht auf die Strecke zu bringen. Deshalb war die Zeit des Berufsverkehrs naheliegend.
  • Zur Befahrung des dargestellten Streckenabschnitts benötigt ein Fahrzeug ca. 2 Minuten. Um eine möglichst gleichmäßige Ausleuchtung zu erhalten, sollt die Belichtungszeit deshalb mindestens 2 Minuten betragen. Versuche ergaben bei 10 Minuten Belichtungsdauer das gewünschte Ergebnis. Hierzu wurde ein ND-Filter eingesetzt.
  • Der große Helligkeitsunterschied zwischen dem Abendhimmel und den schattigen Waldhängen musste ausgeglichen werden. Dies machte den Einsatz eines Grauverlauffilters (GND 0.9) erforderlich.

Schwäbischer Vulkan

Der Calver Bühl ist ein kleiner Schlot des Schwäbischen Vulkans bei Dettingen an der Erms. Dort kann man den Vulkanismus, der im Tertiär über ca. 6 Millionen Jahre aktiv war, modellhaft erleben. Es gibt heute nur wenige Stellen auf der Schwäbischen Alb, an denen der harte Kern eines Vulkanschlots an der Oberfläche sichtbar ist. Der Calver Bühl ist einer davon. Hier steht die Schlotschmelze als massiver Fels an. Da der Tuffschlot härter ist als das Umgebungsmaterial, wird der Calver Bühl durch Erosion aus dem rückschreitenden Albtrauf herauspräpariert. Das Ergebnis ist ein kleiner Vulkansporn, ein Kegelberg wie aus dem Bilderbuch. Auch vom Trauf aus ist die Kegelform des Calver Bühl sehr gut zu erkennen.

Ein Ausflug zum Calver Bühl lohnt sich, denn in der Umgebung gibt es noch mehr zu erkunden. So erkennt man im Bild unten links die Metzinger Weinberge, die gerade im Herbst fantastische Farben hervorbringen. Das vulkanische Gestein des Jusi-Ausläufers in Verbindung mit der Südhanglage beschert den Reben beste Bedingungen und dem Wein eine erstaunliche Qualität.

Von der Spitze des Calver Bühls genießt man die Aussicht auf Dettingen und das Ermstal. Gegenüber erkennt man den Jusi, der nach dem Randecker Maar mit rund 1000 m Durchmesser den zweit größten Schlot des Schwäbischen Vulkans stellt. Vom Wanderparkplatz bei Kohlberg führt ein geologischer Lehrpfad auf den Jusi und beschert dem Wanderer nicht nur tolle Ausblicke, sondern auch Einblicke in die Geologie der Schwäbischen Alb.

Für Interessierte hier noch einige Informationen zum Schwäbischen Vulkan: Nein, der Schwäbische Vulkan ist nicht die Sparausgabe eines Vulkans, also kein „Vulkänle“, sondern eine vulkanisch aktive Zone, die sich vor rund 17 Millionen Jahren über das Gebiet des heutige Kirchheim Teck und Bad Urach ausdehnte. In einem Umkreis von 56 km ließen sich bislang über 350 Vulkanschlote nachweisen die alle dem Schwäbischen Vulkan zugeordnet werden. Aufgrund tektonischer Bewegungen kam es im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen auch zu Spannungsrissen und Verwerfungen im Bereich der Mittleren Alb. Dort stieg Magma auf, erhitzte wasserführende Schichten und führte so zu gewaltigen Dampfexplosionen, die das Deckgebirge durchschlugen. Dabei bildeten sich Schlote von 10 bis 1000 m Durchmesser. Diese wurden durch Tuff und einstürzendes Deckgestein verfüllt. In der Folge bildeten sich Maare. Vor 11 Millionen Jahren endeten diese vulkanischen Aktivitäten. Heute sind noch etliche vulkanische Erscheinungen an der Oberfläche sichtbar. Hierzu zählen das Randecker Maar, die Limburg bei Weilheim, der Jusi bei Kohlberg, der Georgenberg bei Reutlingen und eben der Calver Bühl bei Dettingen, um nur einige Beispiele anzuführen.

Im letzten Licht

Der Kornbühl mit der Salmendinger Kapelle ist auch im letzten Licht der herbstlichen Abendsonne eine Aufnahme wert. Der „Härtling“ ragt rund 100 m aus der Hochfläche der Schwäbischen Alb heraus und rückt die Kapelle ins Licht während der Fuß des Berges bereits im Schatten der Traufkante liegt. Sogenannte Härtlinge haben eine besonders harte Gesteinsformation als Deckschicht, die sich der Erosion widersetzt, so dass das Umland schneller abgetragen wird. Auf der Alb und am Albtrauf sind dies häufig die aus Schwammriffen gebildeten Massenkalke (Weißjura delta). Härtlinge erinnern daran, dass die Alb einst viel mächtiger war.

Wo ist das Reh?

Sicher ist es für euch kein Problem, das Reh im Bild zu entdecken. Ich hatte es beim Fotografieren völlig übersehen.

Vom Kornbühl aus wanderte mein Blick hinaus über die sanften Wellen der Albhochfläche. Die Sonne war inzwischen knapp über den Horizont geklettert. Sie tauchte die Schneelandschaft in goldenes Licht und warf lange Schatten. Mal gerade, mal geschwungen, die Wirtschaftswege gliederten die Landschaft mit klaren Linien. Das gleißende Licht der Morgensonne hatte sie vortrefflich heraus präpariert. Ein klarer Fall für die lange Brennweite (400 mm), mit der konnte ich einen geeigneten Ausschnitt auswählen.

Als ich das Bild zuhause betrachtete, um die Schärfe zu überprüfen, entdeckte ich ein Reh, das mir beim Fotografieren völlig entgangen war. Offensichtlich hatte mich die Linienführung der Wege derart in Bann gezogen, dass ich für anderes kein Auge mehr übrig hatte. Bei einer von drei Aufnahmen stand das Reh dann gerade an der richtigen Stelle.

Raureif.

Vor Sonnenaufgang war ich wieder auf der Alb bei Salmendingen. Über Nacht war der Raureif von den Sonnenblumen abgefallen, doch die Bäume auf dem Kornbühl, einem 886,5 m hohen Härtling (Zeugenberg), stellten ihre weiße Pracht noch zur Schau. An solchen Tagen des Wetterwechsels macht sich jeder Höhenmeter bei der Temperatur bemerkbar.

Der 1886 angelegte Kreuzweg hinauf zur Kapelle führt vorbei an 14 Stationen. In westlicher Richtung reicht der Blick über den Albtrauf hinaus ins Alb-Vorland.

Die Äste der Bäume bogen sich unter der schweren Eislast.

Über der Kuppenalb suchte sich die aufgehende Sonne einen Weg durchs Gewölk. Bei klarer Sicht kann man von hier aus am Horizont das 250 km entfernte Zugspitzmassiv erkennen.

Das Totholz verwitternder Baumstümpfe leuchtete im warmen Licht der Morgensonne und bildete einen herrlichen Kontrast zu den filigranen Strukturen des Raureifs.

Der Wind hatte bereits über Nacht zugelegt, ein Vorbote der nächsten Warmfront. Die weiße Pracht wird wohl den Vormittag nicht überleben. Da kam ich also gerade noch rechtzeitig.