Grauverlaufsfilter in der Landschaftsfotografie

Wie der Polfilter ist auch der Grauverlaufsfilter (GND = graduated neutral density filter) aus der Landschaftsfotografie nicht wegzudenken. Ein GND weist am einen Ende einen definierten Grauwert auf und ist am anderen Ende transparent.

Was aber bringt mir ein Grauverlaufsfilter?

Mit dem Grauverlaufsfilter dunkle ich die hellen Bildbereiche – meist den Himmel – ab. Dadurch wird erreicht, dass bei richtiger Belichtung der dunklen Partien, die hellen Bildbereiche nicht überbelichtet werden. Das Ziel ist es, eine insgesamt ausgeglichene Belichtung zu erreichen. In der Fachsprache heißt dies, dass ein Grauverlaufsfilter den Dynamik- / Kontrastumfang verringert. Spätestens wenn der Kontrastumfang eines Motivs vier Blendenstufen übersteigt, ist die Stunde des GND gekommen, denn mehr als zwei Blendenstufen Differenz (Unter- oder Überbelichtung) lassen sich bei der RAW-Entwicklung nicht ausgleichen.

(Bilder zum Vergleich vergrößern.)

Die erste Aufnahme zeigt das Alpenpanorama am Bodanrück ohne Filter. Beim zweiten Bild kam ein GND 0.9 zum Einsatz. Die Wirkung ist offensichtlich: Das Bild ist gleichmäßiger ausbelichtet, Berge und Wolken werden kontrastreicher abgebildet.

(Bilder zum Vergleich vergrößern.)

In der zweiten Reihe zeigt das erste Bild eine Aufnahme mit Pol-Filter (zur Wirkung des Pol-Filters siehe hier) und das zweite Bild die Aufnahme mit Pol- und GND-Filter. Diese Kombination liefert in der Landschaftsfotografie nicht selten das beste Resultat.

GNDs kommen in der Regel als Steckfilter zum Einsatz. So lässt sich der Filter im Halter verschieben und an die jeweilige Situation anpassen. Ein GND lässt sich auch mit einem schraubbaren Polfilter kombinieren. GNDs gibt es mit unterschiedlichen Dichten. Ich benutze einen GND 0.9 aus der 100er Serie von Haida. Mit ihm lassen sich theoretisch bis zu 3 Blendenstufen ausgleichen. Man benötigt hierzu einen für das jeweilige Objektivgewinde passenden Adapter und den Filterhalter HD2500, der auch bei ND-Filter zum Einsatz kommt. Vorteil: Filterhalter mit Filter lassen sich mit einem Griff vom Objektiv entfernen und wieder anbringen. So ist der Einsatz nach Bedarf möglich. GNDs gibt es zudem mit unterschiedlichen Übergängen („Kanten“) vom grauen zum transparenten Sektor. Ich benutze einen weichen Übergang, der ist m. E. in der Landschaftsfotografie universell einsetzbar.

Bei einem GND ist, wie beim ND-Filter, unbedingt auf ein neutrales Grau zu achten. Das muss man in der Regel bezahlen. Billigprodukte sind deshalb zu vermeiden.

Nicht selten wird die Behauptung in den Raum gestellt, dass ein GND unnötig sei, denn man könne bei der Entwicklung einen Graukeil über den Himmel legen. Das ist schlicht falsch, denn ich kann nur das korrigieren was da ist! Wenn der Himmel „ausgefressen“ ist, gibt es keine Bildinformation, die man bearbeiten kann, da zaubert mir ein Graukeil höchstens eine schmutzig graue Fläche in den Himmel. Und selbst bei Aufnahmen mit gestaltbarer Belichtung bringt ein nachträglicher Graukeil nur eine Abdunkelung. Wie das Bild unten zeigt werden die Wolken grau und die Farben bleiben fahl.

Die nachfolgende Aufnahme ist ein weiteres Beispiel für die Anwendung eines GND. Ohne GND wäre der Himmel völlig ausgefressen oder die Landschaft abgesoffen. Eine Alternative wäre natürlich eine HDR-Aufnahme.

Polfilter in der Landschaftsfotografie

Jeder kennt das Problem: Es ist ein sonniger Tag und dennoch, was eigentlich grüner Wald oder blauer Himmel wäre, ist flau und wirkt irgendwie verwaschen und ausgebleicht. Schuld daran sind die physikalischen Phänomene Reflexion und Streuung.

Reflexion von Licht tritt nicht nur am Spiegel oder an glatten Glas- bzw. Wasserflächen auf, sondern an jeder glatten Oberfläche und somit auch an den Blättern der Bäume oder an einem Grashalm. Wird aber auf dem grünen Blatt das weiße Tageslicht reflektiert, so wird die grüne Farbe des Blattes aufgehellt oder gar gänzlich überstrahlt. In der Folge wirkt es ausgebleicht.

Blick vom Bodanrück über Freudental zum Säntismassiv. In der Bildmitte rechts ist ein Stück vom Untersee zu erkennen.

Während bei normalem Tageslicht alle Schwingungseben vorkommen, ist es zum Glück nun so, dass reflektiertes Licht nur in einer Ebene schwingt. Es ist polarisiert. Deshalb ist es möglich diesen polarisierten Anteil mit einem Polfilter auszufiltern. Dadurch bekommt das Blatt wieder seine Farbe zurück.

Auch bei der Streuung von Licht in der Atmosphäre kommt es zur Polarisation. Hier ist der physikalische Zusammenhang wesentlich komplizierter, doch der Effekt ist derselbe. Durch Ausfiltern des polarisierten Lichtes bekommt der Himmel seine blaue Farbe zurück und der Dunst klärt sich etwas auf.

Während die erste Aufnahme ohne Filter gemacht wurde, kam bei der zweiten ein Polfilter zum Einsatz.

Auch das nachfolgende Bild wurde mit Polfilter aufgenommen. Dadurch wurden die Farben insgesamt kräftiger, die Wolken hoben sich besser vom Himmel ab und der Blick unter die Wasserlinie ist insbesondere im Vordergrund nahezu uneingeschränkt möglich.

Fazit: Ein Polarisationsfilter minimiert Reflexe, sättigt die Farben und klärt den Dunst. Er hat deshalb in der Landschaftsfotografie seinen festen Platz.

Der Einsatz eines Polarisationsfilters in der Landschaftsfotografie ist in manchen Szenarien sehr zu empfehlen. Dennoch sollte man mit Gefühl damit umgehen. Dies betrifft insbesondere zwei Situationen:

1) Da die Polarisation in der Atmosphäre vom Winkel abhängt, kann es bei Superweitwinkeln am Himmel zu unschönen Farbverläufen kommen.

2) Wer über sonnigen Schneelandschaften den Polfilter zu sehr zudreht, bekommt einen Himmel , der wie Tinte aussieht oder gar ins Schwarz absäuft.

Praxistipp: Beim Kauf eines Polfilters unbedingt auf eine dünne Schraubfassung achten, da es sonst bei Weitwinkeln zur Abschattung in den Bildecken kommen kann. Aus demselben Grund nicht mehrere Schraubfilter übereinander schrauben! Den besten Polfilter gibt es bei B+W, aber auch Filter von Hoya sind gut. Ein Vergleichstest findest Du hier.