Cagliari

Tag 12 auf Sardinien

Auf unserer Fahrt von der Costa Rei durch die Bergwelt der Barbagia Seulo erreichten wir am Abend Cagliari. Aus unserer Absicht, irgendwo bei einem Agriturismo-Betrieb zu übernachten war leider nichts geworden. Also mussten wir den nächstbesten Campingplatz anfahren. Zwischen Cagliari und seinem Vorort Quartu besteht eine schmale Landbrücke, welche die Salzmarschen vom offenen Meer abtrennt. Hier liegt Cagliaris Filetstück, der kilometerlange Sandstrand Spiaggia di Quartu.

Beim Vorbeifahren passierten wir die zu dieser Jahreszeit fast leere Parkzone zwischen Straße und Strand. Als wir dort einzelne Wohnmobile stehen sahen beschlossen wir spontan hier zu übernachten. Für alle Wohnmobillisten sei ausdrücklich festgehalten: Außerhalb der Saison ist dies ein absoluter Geheimtipp. Zum Strand hat man nur die Erschließungsstraße zu queren. Dort finden sich Strandduschen, WCs und natürlich auch die eine oder andere Strandbar. Und obendrein bekommt man die abendliche Show auf der kerzengeraden „Uferpromenade“ kostenlos geliefert. Hier tummeln sich Spaziergänger, Sportler, selbsternannte Models und Schaulustige – wie wir. Sehen und gesehen werden ist hier das Motto. Italienischer geht es wirklich nicht.

Auf der Uferpromenade ist alles geregelt und das Erstaunliche, fast alle halten sich daran.

Am andern Morgen ging es mit der städtischen Müllabfuhr weiter. Als die meinen Fotoapparat sahen, bestanden sie gut gelaunt auf ein Foto. Gerne doch!

Von hier zum Zentrum Cagliaris sind es nur wenige Kilometer. Eine bessere Ausgangsbasis für einen Besuch der Stadt hätten wir nicht finden können. Ich will nicht auf Einzelheiten eingehen, doch sei hier kurz erwähnt, dass die Gründung der Stadt auf die Phönizier zurückgeht. Wie ganz Sardinien blickt auch seine Hauptstadt auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Die Stadt erlebte als Handelszentrum mehrere Höhen und Tiefen. Der Kern der mittelalterlichen Altstadt liegt auf dem schroff abfallenden Castello Hügel, der im 13. Jahrhundert unter Pisas Herrschaft mit umfangreichen Befestigungsanlagen gesichert wurde. Davon zeugen heute noch mächtige Türme und Tore. Inzwischen hat sich die Stadt in der Ebene ausgebreitet. Hässliche Vororte und Industriegebiete laden nicht gerade zu einem Besuch des Stadtzentrums ein, das durchaus sehenswerte Gebäude, Gassen und Plätze aufzuweisen hat. Dennoch, nur wegen Cagliari muss man nicht nach Sardinien gefahren sein.

Vom zentral gelegenen Parkplatz am Hafen muss man zuerst diesen Fußgängerüberweg überwinden, wozu beinahe schon eine alpine Grundausbildung erforderlich ist, um sich nicht den Hals zu brechen. Dafür steht man dann auf der Nordseite der Via Roma, die auf einigen hundert Metern Länge mit noblen Läden und Restaurants unter Arkaden aufwartet.

Dahinter liegt das Hafenviertel, das mit seinen engen Gassen und kleinen Plätzen zum Bummeln einlädt.

Von der Via Roma zweigt Cagliaris baumbestandene Prachtstraße Largo Carlo Felice ab. Sie zieht in direkter Linie bergwärts und endet unterhalb des Castello auf der Piazza Yenne. Die klassizistischen Palazzi mit ihren Balkönchen und den schmiedeeisernen Brüstungen sind beeindruckend. Doch sobald man die Hauptstraßen verlässt, wird die Bausubstanz schlecht und ist nicht selten sanierungsbedürftig.

Über der Piazza Yenne erhebt sich der Torre del Elefante und die Universität.

Von der Piazza Yenne aus erschließt sich über Treppen und Gassen das Castelloviertel und die Bastione di San Remy. An der Porta dei due Leoni angekommen, sollte man die herrlichen Ausblicke auf die Stadt, den Hafen und das Meer genießen.

Nach der Stadtbesichtigung verließen wir Cagliari auf der Ausfallstraße nach Westen. Unglaublich wie viele Flamingos hier in den Salzlagunen leben. Sie scheinen von der sie umgebenden petrochemischen Industrie völlig unbeeindruckt zu sein. Die Flamingos sind aus dem Stadtbild Cagliaris nicht wegzudenken.

Durch die Barbagia

Tag 11 auf Sardinien

Schweren Herzens ließen wir den tollen Strand an der Costa Rei zurück und wandten uns der Bergwelt der Barbagia Seulo zu.

Unsere erste Station war das Städtchen Jerzu, das Zentrum des bekanntesten sardischen Rotweins, des Cannonau. Gleich am Ortseingang hat die Cantina, die Kellerei der Weinbaugenossenschaft, ihren Sitz. An dieser kamen wir natürlich nicht ungestreift vorbei, zumal man von deren erhöhten Parkplatz eine herrliche Aussicht auf die Stadt genießen kann.

Nur wenige Kilometer später erreichten wir Ulassai, ein Städtchen, das mit seiner traumhaften Lage besticht.

In beiden Städten waren wir froh nur mit einem Kastenwagen unterwegs zu sein. Mit einem größeren Wohnmobil hätte man bei den schmalen Ortsdurchfahrten sicher Probleme bekommen.

Zu der zum Fotografieren schlechten Mittagszeit erreichten wir Gairo Vecchio, heute eine Geisterstadt. Mitte Oktober 1951 kam es auf Sardinien über mehrere Tage zu sintflutartigen Regenfällen, die vielerorts Schlammlawinen auslösten. Am schlimmsten traf es Gairo, das weitgehend zerstört wurde. Die Bewohner beschlossen, etwas oberhalb ihres alten Dorfes ein neues aufzubauen. Die Ruinen blieben als Gairo Vecchio zurück.

Eine Ecke weiter, in einem Kaff Namens Cairo, gönnten wir uns in einem kleinen Straßencafe einen Cappuccino. Anlass war die in die Jahre gekommene Schmalspurbahn, die für diesen Ort wohl einmal eine größere Bedeutung hatte. Diese Interpretation legt zumindest das überdimensionale Gemälde an einer Hausfassade nahe. Ob die Bahn heute jedoch überhaupt noch in Betrieb ist, schien uns fraglich. Vielleicht im Sommer als Touristenattraktion.

Am späten Nachmittag legten wir an der Nuraghe Bia bei Suelli noch einen kurzen Stopp ein, bevor wir nach Cagliari durchstarteten.

Costa Rei

Tag 10 auf Sardinien, Mo, 23.05.22

Badebucht nahe Solanas

Heute fuhren wir hinüber auf die andere Seite des Golfo di Cagliari. Inzwischen war die Hitze auch hier im Süden angekommen, weshalb wir die Besichtigung der Hauptstadt Sardiniens auf die angekündigten kühleren Tage verschoben. Der Küstenabschnitt hinaus zum Capo Carbonara ist touristisch voll ausgebaut. Dies verwundert bei den tollen Sandstränden entlang der herrlichen Steilküste nicht.

Spiaggia in Solanas

Blick auf Viliasimus. In der Verlängerung geht es rechts hinaus zum Capo Carbonara.

Hinter Viliasimus, an der südöstlichen Spitze Sardiniens gelegen, schwenkten wir nach Norden, der Costa Rei entgegen. Als wir am frühen Nachmittag den ausgesuchten Campingplatz anfuhren, war dieser zu unserer Überraschung „fully booked“. Da half auch kein Nachfragen. Doch die anderen Campingplätze, an die man uns weiterverwies, waren allesamt noch geschlossen. Kein Wunder also, dass der einzige offene Campingplatz der Region ausgebucht war. Doch das scheinbare Problem entpuppte sich als glückliche Fügung. Auf unserer Suche nach einer Campingmöglichkeit entdeckten wir nördlich der Touristenzentren Fahrzeuge in Strandnähe. Wir suchten und fanden die Zufahrt und landeten an einer Strandbar, deren sehr gut deutsch sprechender Besitzer mit seinen Mannen, um die Fertigstellung der nagelneuen Bar kämpfte.

Kitesurfer aus Frankreich hatten diesen Platz bereits vor uns gefunden und gingen hier, am sonst menschenleeren Strand, ihrem windigen Sport nach. Dieser Strand war weit mehr als nur ein genialer Übernachtungsplatz.

Am andern morgen, bei Sonnenaufgang, zeigte der Strand seine volle Schönheit und selbst die unvollendete Strandbar entfaltete ihre eigene Ästhetik.

Blick auf das Touristenzentrum an der Costa Rei

Südküste

Tag 7 bis 9 auf Sardinien

Westlich von Cagliari, in Sant Margherita, hatten wir einen Campingplatz mit hohen, Schatten spendenden Eukalyptusbäumen ausfindig gemacht, genau das, was wir suchten. Die Strände sind hier teils sandig, teils felsig bzw. mit Geröll durchsetzt. Man sollte also Badeschuhe tragen. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass sich hier der moderne, totale Tourismus noch nicht breit gemacht hat. Alles erscheint eher noch landestypisch einfach.

Nur wenige Kilometer weiter, an der Costa del Sud mit ihren weißen Sandstränden sieht es völlig anders aus. Hier sind bereits 10 € für einen Parkplatz fällig während in Sant Margherita für das doppelte Geld ein Campingplatz zu haben ist. Dafür sprießen an der Costa del Sud jene Hotelanlagen aus dem Boden, die die Badeorte weltweit austauschbar machen und massiv in das fragile Ökosystem eingreifen. Bedenkt man, dass die Saison hier unten traditionell höchstens drei Monate umfasst, wird das Ganze in seiner Fragwürdigkeit noch deutlicher. Eines jedenfalls ist sicher, die Erfahrungen, die wir in Sant Margherita gesammelt haben, sind hier nicht zu bekommen.

In der Vorsaison sind die wenigen Campingplätze hier noch nahezu leer. Als wir an einem Freitag um die Mittagszeit ankamen, konnten wir uns  einen Platz nach Belieben aussuchen. Am Abend kamen dann die ersten Wochenendgäste aus Cagliari. Dies setzt sich am Samstagvormittag fort. Meist kamen ganze Gruppen mit drei oder vier Campern, um das Wochenende gemeinsam zu verbringen. Es wurde gegrillt, getratscht, getrunken und gelacht während die Kinder über den leeren Platz tobten und natürlich ging man auch an den Strand, weniger ins Wasser. Das war den Sarden wohl noch zu kalt. Am Sonntagnachmittag war der Spuk vorbei und die wenigen Touristen blieben auf dem Platz zurück.

Schon bei der Anreise hatten wir in einem kleinen Brackwassersee in Strandnähe Flamingos entdeckt. Diese versuchte ich an einem Morgen abzulichten. Ganz gelassen blieben sie bei meiner Ankunft aber nicht. Zur Vorsicht zogen sie sich in einen entfernteren Teil des Gewässers zurück. Hier die Ergebnisse.

Sant Antioco

Tag 5 und 6 auf Sardinien

Heute setzten wir unser Ausweichmanöver vor der Hitzewelle fort. Mittels Smartfon hatten wir die Temperaturverteilung über Sardinien für die nächsten Tage ermittelt und zwei Regionen ausfindig gemacht, in denen die Temperaturen zunächst nicht über 26 Grad steigen sollten, die Insel Sant Antioco und der Golf von Cagliari. Damit war unser Plan klar: Noch ein schnelles Abschiedsfoto und dann ab nach Süden.

Unser Besichtigungsprogramm hatten wir zusammengestrichen. Den einzigen Stopp legten wir an der Kirche San Salvatore di Sinis nahe Cabras ein. Sie gilt als die älteste Kirche Sardiniens. In ihrer heutigen Form entstand sie im 17. Jahrhundert als Wallfahrtskirche, weshalb sie mit zahlreichen cumbessias umgeben ist. Errichtet wurde der schlichte, geduckte Kirchenbau aus drei Tonnengewölben über einem unterirdischen Hypogäum (Brunnenheiligtum) aus der Nuraghenzeit. Das auch unter den Römern genutzte Heiligtum wurde im 4. Jahrhundert als frühchristliche, unterirdische Kirche ausgebaut. Alljährlich anfangs September ist San Salvadore auch heute noch das Ziel zahlreicher Pilger, denn am ersten Sonntag des Monats findet hier ein traditionelles Fest zu Ehren Christi statt.

Unser Tagesziel war der Campingplatz auf Sant Antioco. In der kleinen Badebucht, die sich einem Amphitheater gleich nach Westen öffnet, konnte man zwar das Schauspiel des Sonnenuntergangs herrlich beobachten, doch zum Baden war sie nicht optimal geeignet. Da der Campingplatz kaum Schatten bot blieben wir nur einen Tag, dann zogen wir an die Südküste weiter.

S´Abba Druche

Tag 3 und auf Sardinien

Dieser Beitrag hätte eigentlich vor der Halbinsel Sinis erscheinen sollen wurde aber irgendwie nicht veröffentlicht. Somit hier als Nachtrag.

Die Lage des Platzes S´Abba Druche hatte mehr zu bieten als diese herrliche Bucht. Die Entscheidung, noch einen Tag zu bleiben, fiel da nicht schwer.

Nur wenige Schritte weiter begann ein überaus interessanter, naturbelassener Küstenabschnitt. Vulkanische Ablagerungen führten in Verbindung mit den Gezeiten zu variantenreichen Erosionsformen. Die Hauptdarsteller waren und sind hier anstehende Tuffsteinformationen und rundgeschliffene, harte Lavakiesel jeglicher Größe. Sie bilden das optimale Schleifmittel, um aus dem weichen Tuffstein Gesteinsmühlen, lange Rinnen oder beliebige andere Formen herauszuarbeiten. Nachfolgend einige Beispiele.

Halbinsel Sinis

Tag 4 auf Sardinien, Di, 17.05.22

Die westlich von Oristano gelegene Sinishalbinsel war unser heutiges Ziel. Neben ihren historischen Sehenswürdigkeiten ist die Halbinsel für ihre Flamingo-Kolonie und naturbelassenen Strände bekannt. Im Norden der Halbinsel erlebten wir aber zuerst das touristische Kontrastprogramm. Bei Putzu Idu trennt eine schmale Landbrücke das offene Meer von der rückwärtigen Lagune. Gerade breit genug für den herrlich weißen Sandstrand, die Parkplätze entlang der Straße und dazwischen einige Kioske. Jetzt in der Vorsaison noch weitgehend leer, kann man sich ausmalen, wie es hier im August zugeht.

Die zunehmende Hitze machte uns zu schaffen. Auf der Weiterfahrt entlang des Stagno Sale Porcus entdeckten wir die ersten Flamingos weit entfernt das Wasser filtern. Bei Mari Ermi suchten wir nach einem uns wärmstens empfohlenen einfachsten Stellplatz in herrlicher Lage direkt am Meer. Der von uns gewählte Feldweg führte zwar auch ans Meer, aber nicht zum Stellplatz. Freies Campen ist auf Sardinien aber in der Regel nicht gestattet, doch Italiener, die ihr Wohnmobil bereits abgestellt hatten, beruhigten uns: „In der Vorsaison sei das kein Problem.“ Doch es dauerte nicht lange, wir begannen gerade, es uns bequem zu machen, da kreuzte auch schon die Polizei auf. Drei Mann hoch, der größte sogar mit Gewehr, machten sie uns deutlich, dass hier nicht gecampt werden darf. Doch es brauchte keiner Worte, zumal ich volles Verständnis dafür habe, dass man den „Freiheitsdrang“ der Wohnmobillisten wo nötig reguliert. Wir fuhren weiter und fanden auf den zweiten Anlauf die Zufahrt zum gesuchten Stellplatz. Auf einer zum Meer hin abfallenden Wiese, nur von einer kleinen Düne vom Reiskornstrand getrennt, stellten wir unseren Camper ab. Ein traumhafter Platz, nur ohne Schatten.

Die Bilder sind am frühen Morgen des nachfolgenden Tages entstanden.

Panoramafoto zum Vergrößern anklicken.

Am Abend genossen wir, wie alle, den Sonnenuntergang. Ich fotografierte ein Pärchen, das in idealer Position zur Sonne stand, um ein ausdruckstarkes Bild abzugeben. Als ich nachfragte, ob das mit dem Bild in Ordnung ginge, wurde ich gebeten ihnen das Bild zukommen zu lassen und wurde auf ein Glas Wein eingeladen.

Ich nahm die Einladung gerne an und nach und nach versammelte sich vor Thomas Camper eine illustre Runde. Unter ihnen auch mein Namensvetter Horst mit Frau, eingefleischte Saharafahrer, die über Jahrzehnte mit ihrem Allradcamper vorzugsweise die Sahara und das sonstige Afrika bereisten. Seit durch den Irakkrieg die gesamte Region destabilisiert und dort an Reisen nicht mehr zu denken ist, müssen sie auf andere Kontinente ausweichen oder sich mit Europa begnügen. Auch die Wüstenregionen in Zentralasien stehen spätestens seit dem Ukrainekrieg nicht mehr zur Debatte. Das ist natürlich ein Luxusproblem und nicht damit zu vergleichen, was die Betroffenen vor Ort zu erleiden haben. Mit Horst war ich darin einig, dass diese idiotische Machtpolitik, gleichgültig von welcher Seite, nur Verlierer kennt.