verzaubert

Es ist gerade mal eine gute Woche her, da lag die Albhochfläche unter einer geschlossenen Schneedecke und die Hasen mussten sich durch Schneeverwehungen kämpfen. Auch die Traufhänge waren bis hinab in die Tallagen verschneit, die Bäume überzuckert. Traut man dem Wetterbericht, so war dies nicht der letzte Schnee.

endlich …

Ein Winter ohne Schnee ist … keiner. Dabei sind wir ja wirklich nicht mehr anspruchsvoll und freuen uns bereits über 15 cm Neuschnee. Die gab es dieser Tage. Und schon sieht die Kuppenalb ganz anders aus. Da lohnte sich der kurze Fototrip vor dem Frühstück am Sonntag.

Schwäbischer Vulkan

Der Calver Bühl ist ein kleiner Schlot des Schwäbischen Vulkans bei Dettingen an der Erms. Dort kann man den Vulkanismus, der im Tertiär über ca. 6 Millionen Jahre aktiv war, modellhaft erleben. Es gibt heute nur wenige Stellen auf der Schwäbischen Alb, an denen der harte Kern eines Vulkanschlots an der Oberfläche sichtbar ist. Der Calver Bühl ist einer davon. Hier steht die Schlotschmelze als massiver Fels an. Da der Tuffschlot härter ist als das Umgebungsmaterial, wird der Calver Bühl durch Erosion aus dem rückschreitenden Albtrauf herauspräpariert. Das Ergebnis ist ein kleiner Vulkansporn, ein Kegelberg wie aus dem Bilderbuch. Auch vom Trauf aus ist die Kegelform des Calver Bühl sehr gut zu erkennen.

Ein Ausflug zum Calver Bühl lohnt sich, denn in der Umgebung gibt es noch mehr zu erkunden. So erkennt man im Bild unten links die Metzinger Weinberge, die gerade im Herbst fantastische Farben hervorbringen. Das vulkanische Gestein des Jusi-Ausläufers in Verbindung mit der Südhanglage beschert den Reben beste Bedingungen und dem Wein eine erstaunliche Qualität.

Von der Spitze des Calver Bühls genießt man die Aussicht auf Dettingen und das Ermstal. Gegenüber erkennt man den Jusi, der nach dem Randecker Maar mit rund 1000 m Durchmesser den zweit größten Schlot des Schwäbischen Vulkans stellt. Vom Wanderparkplatz bei Kohlberg führt ein geologischer Lehrpfad auf den Jusi und beschert dem Wanderer nicht nur tolle Ausblicke, sondern auch Einblicke in die Geologie der Schwäbischen Alb.

Für Interessierte hier noch einige Informationen zum Schwäbischen Vulkan: Nein, der Schwäbische Vulkan ist nicht die Sparausgabe eines Vulkans, also kein „Vulkänle“, sondern eine vulkanisch aktive Zone, die sich vor rund 17 Millionen Jahren über das Gebiet des heutige Kirchheim Teck und Bad Urach ausdehnte. In einem Umkreis von 56 km ließen sich bislang über 350 Vulkanschlote nachweisen die alle dem Schwäbischen Vulkan zugeordnet werden. Aufgrund tektonischer Bewegungen kam es im Zusammenhang mit der Auffaltung der Alpen auch zu Spannungsrissen und Verwerfungen im Bereich der Mittleren Alb. Dort stieg Magma auf, erhitzte wasserführende Schichten und führte so zu gewaltigen Dampfexplosionen, die das Deckgebirge durchschlugen. Dabei bildeten sich Schlote von 10 bis 1000 m Durchmesser. Diese wurden durch Tuff und einstürzendes Deckgestein verfüllt. In der Folge bildeten sich Maare. Vor 11 Millionen Jahren endeten diese vulkanischen Aktivitäten. Heute sind noch etliche vulkanische Erscheinungen an der Oberfläche sichtbar. Hierzu zählen das Randecker Maar, die Limburg bei Weilheim, der Jusi bei Kohlberg, der Georgenberg bei Reutlingen und eben der Calver Bühl bei Dettingen, um nur einige Beispiele anzuführen.

Im letzten Licht

Der Kornbühl mit der Salmendinger Kapelle ist auch im letzten Licht der herbstlichen Abendsonne eine Aufnahme wert. Der „Härtling“ ragt rund 100 m aus der Hochfläche der Schwäbischen Alb heraus und rückt die Kapelle ins Licht während der Fuß des Berges bereits im Schatten der Traufkante liegt. Sogenannte Härtlinge haben eine besonders harte Gesteinsformation als Deckschicht, die sich der Erosion widersetzt, so dass das Umland schneller abgetragen wird. Auf der Alb und am Albtrauf sind dies häufig die aus Schwammriffen gebildeten Massenkalke (Weißjura delta). Härtlinge erinnern daran, dass die Alb einst viel mächtiger war.

Novembermorgen am Albtrauf

Am Sonntagmorgen sammelte ich Fotomotive am Albtrauf. Kurz nach 7 Uhr, gerade noch rechtzeitig vor Sonnenaufgang, erreichte ich den ersten Fotospot. Meine Hoffnung erfüllte sich, ein Mast der Überlandleitung ragte aus dem Nebelmeer heraus. Zum Sonnenaufgang wechselte ich die Talseite, um den streifenden Lichteinfall entlang der Traufhänge optimal ins Bild zu bekommen. Danach tauchte ich in die Nebelsuppe ab. Dort hätte ich mich in den Streuobstwiesen noch stundenlang austoben können, doch um 9:30 Uhr beendete ich meinen fotografischen Ausflug und machte mich mit klatschnassen Füßen auf den Heimweg. Ein gemütliches Frühstück in der Wärme rundete den gelungenen Start in den Tag ab. Sonntag!

Gütersteiner Wasserfall

Unweit des Uracher Wasserfalls, am Ende des Maisentals, stürzt der Gütersteiner Wasserfall über unzählige kleine Sinterterrassen in die Tiefe. Ausgangspunkt für die kleine Wanderung zum Wasserfall ist der Wanderparkplatz „Uracher Wasserfall“. Von Metzingen her kommend, ist das Hinweisschild direkt an der B 28 am Rande von Bad Urach nicht zu übersehen. Der Weg führt dann entlang des Maisentals zum Albtrauf. Unterwegs passiert man das Vorwerk Güterstein, einen Gestütshof des Landgestüts Marbach.

Danach nimmt die Steigung zu. Wenn der Weg so aussieht, wie auf dem nachfolgenden Bild, kann man davon ausgehen, dass sich der Besuch lohnen wird.

Der Gütersteiner Wasserfall ist zweigeteilt. Im oberen Teil fällt und rieselt das Wasser über Tuffsteinablagerungen und Moose in einen kleinen, gefassten See.

Das aus dem See überlaufende Wasser fließt über den Wanderweg. Während ein Teil des Wassers über Sinterterrassen ins Tal stürzt, läuft ein zweiter Teil über eine Kalktuffnase beachtlicher Länge, die sich im Laufe der Zeit durch Versinterung gebildet hat.

In einer Rinne schießt das Wasser auf eine Abrisskante zu und stürzt dann in mehreren Stufen zu Tal.

Bei ausreichend Wasser ist der Gütersteiner Wasserfall zu allen Jahreszeiten ein lohnendes Ziel. Unproblematisch lässt er sich auch in eine Rundwanderung zum Uracher Wasserfall und zur Burgruine Hohen Urach einbauen.

Ostalb 2

Bilder zum Vergrößern wie gewohnt anklicken.

Noch immer überragt die Abtei Neresheim die gleichnamige Stadt in beherrschender Manier, doch die Herren sind heute – wie man sieht –  andere.

1095 gegründet und in ihrer bewegten Geschichte mehrfach zerstört entstand das heutige Ensemble von 1694 -1792. Glanzpunkt ist die spätbarocke Abteikirche, die nach Balthasar Neumann´s letztem Entwurf errichtet wurde und als dessen bedeutendster Kirchenbau gilt. Die Kirche kann mit dem größten Fresco der Welt punkten, das der tiroler Kirchenmaler Martin Knoller auf einer Fläche von 714 m² gestaltet hat.

Dass es schon immer um Macht und Geld ging, zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Klosters. Die nicht zu toppende Geschäftsidee war es, in jeder Gemeinde ein Pfarramt mit zugehöriger Zehntscheuer einzurichten. So hatte das Kloster den direkten Zugriff auf die Abgaben. Deshalb lohnte sich offensichtlich ein Rechtsstreit mit den Grafen von Oettingen-Wallerstein über die Reichsunmittelbarkeit des Klosters, der sich über Jahrhunderte hinzog (1258-1764). Sag da noch einer etwas über die Prozessdauer heutiger Verfahren. 😉

Heute wird das Kloster von 8 Mönchen des Benediktinerordens betrieben. Das Geschäftsmodell kommt geradezu bieder daher. Neben dem üblichen Tagungs- und Gästehaus gehört auch ein Klosterladen zur Vermarktung der eigenen Erzeugnisse zum Konzept.

In den Wäldern oberhalb des Klosters tobte sich gerade der Frühling aus. Der Waldboden und die Waldsäume waren nahezu flächendeckend von Frühlingsblühern übersät.