Bayerische Schmankerl

Hat man von Ulm herkommend die Grenze nach Bayern überschritten, ist es bis zur ehemaligen Reichsstadt Donauwörth nicht mehr weit. Auf dem Weg nach Regensburg legten wir hier eine kurze Mittagspause ein. Die Stadt hätte allerdings eindeutig mehr Zeit verdient. Doch für eine kleine Erkundungsrunde reichte es.

Durch das Rieder Tor gelangt man in die Altstadt, deren zentrale Reichsstraße ein geschlossenes Ensemble historischer Gebäude präsentiert.

Einmal mehr lässt sich beispielhaft erkennen, wie die geografische Lage einer Stadt ihre Bedeutung über Jahrhunderte hinweg bestimmt. Im römischen Straßennetz, am Ende der Via Claudia gelegen, bildete die Ansiedlung an der Mündung der Wörnitz in die Donau einen wichtigen Übergang ins Limesland jenseits der Donau. Im Heiligen Römischen Reich verlief auf dieser Achse die Reichsstraße, die Augsburg mit Nürnberg verband. Diese bildete damals wie auch heute noch den Kern von Donauwörth und zählt zu den schönsten historischen Straßenzügen in Süddeutschland. Doch Vorsicht! Historisch bedeutet nicht automatisch „alt“. Die Häuser entlang der Reichsstraße wurden gegen Ende des 2. Weltkrieges weitgehend zerstört. Bereits 1946 begann man mit dem Wiederaufbau. Dabei hielt man sich zum Glück weitgehend an die historischen Vorlagen.

Das obere Bild zeigt das ab 1444 errichtete Liebfrauenmünster. Auf der gegenüberliegenden Seite der Reichsstraße steht das um 1400 errichtete Kauf- und Tanzhaus, in dem schon Kaiser Maximilian I. das Tanzbein schwang. Gegenwärtig wird das Haus renoviert. Sein Aushängeschild zeigt das Stadtwappen Donauwörths, das die Stadt seit 1530 führt und das sie als ehemalige „Freie“ Reichsstadt ausweist.

Entlang der Reichsstraße lassen sich viele interessante Details beobachten. Nur zwei Beispiele: Im linken Haus war einst die Werkstatt eines Spenglers untergebracht, an die der heutige Besitzer erinnert. Der Adler rechts, Wappenvogel Donauwörths, krönt den Reichsbrunnen des Münchner Künstlers Hans Wimmer. Diesen spendete die Bürgerschaft 1977 anlässlich der Feierlichkeiten zu tausend Jahre Brückenstadt.

In Verlängerung der Reichsstraße trifft man auf die Heiligkreuzkirche, einem Teil des ehemaligen Benediktinerklosters, dessen Ursprung auf die Schenkung einer Kreuzreliquie des Kaisers von Konstantinopel im 11. Jhd. zurückgeht. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 18. Jahrhundert. In der Gegenwart hat man sich wenigstens gedanklich mit der sexuellen Gewalt in der und durch die Kirche auseinandergesetzt. Typisch für die Lage der Kirche scheint mir jedoch der große Abstand zwischen diesem Denkmal und den altehrwürdigen Gemäuern. Ein Symbol für die fast unüberwindliche Kluft zwischen Volk und Kirchenleitung. Mit Worten alleine werden sich aber die dunklen Wolken über den Kirchtürmen so schnell nicht verziehen.

Von der Heiligkreuzkirche gelangt man entlang der kleinen Wörnitz und der Stadtmauer mit dem Färbertörl zurück zum Rieder Tor. Dieses gilt als Wahrzeichen Donauwörths. Die Brücke wird seit 1995 von zwei Brückenheiligen flankiert. Links steht der Heilige Nepomuk (Bild unten links) und rechts der Heilige Nikolaus, ausgestattet mit Anker, Bischofsstab, Mitra, Bibel und drei Kugeln. St. Nikolaus gilt als ältester Schutzheiliger der Stadt.

Hierzu schrieb mir Sylvia Huber aus Donauwörth eine Geschichte, die ich so noch nicht kannte: „Warum 3 Kugeln?
Eine verbreitete Legende erzählt, dass Nikolaus ein Geldgeschenk in Form von drei goldenen Kugeln heimlich durch das Fenster eines Hauses warf. Damit konnte er verhindern, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste. Und tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus überliefert, dass der Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte.“

Sylvia bloggt selbst auf Instagram über ihre Heimatstadt unter „entdeckt in Donauwörth“ und beantwortete meine Fragen schnell und kompetent. Herzlichen Dank nach Donauwörth!

Auf der Fähre

Von Laboe aus hatten wir nur eine knappe halbe Stunde bis zum Norwegenkai in Kiel. Diesmal leisteten wir uns den Luxus der langen Fähre nach Oslo. Statt Kilometer fressen 20 Stunden entspannte Schiffsreise. Am Abend ein tolles Buffet und am nächsten Morgen ausgeruht ankommen. Entspannter geht es nicht.

Wir mussten nicht lange warten bis wir als eine der Ersten an Bord gewunken wurden. Vom Sonnendeck aus bot sich ein toller Blick über den Hafen und die Stadt. Die Rennwagen des Dunlop Teams samt begleitendem Tross, die auf dem Weg zur Eurorally 2023 waren, wurden zuletzt verladen.

Fast unmerklich legte das Schiff ab und schob sich langsam aus dem Hafen hinaus in die Förde. Das Marine-Ehrenmahl in Laboe ist mit seinen 85 Metern Höhe das weithin sichtbare Wahrzeichen der Kieler Außenförde und markiert den Weg hinaus in die Ostsee.

Das Bild vom Promenadendeck entstand unmittelbar nach Betreten des Schiffes, als noch kaum jemand an Bord war. Später drängten sich in dieser Kneipen- und Einkaufsmeile die Menschen. Denn eine Fähre ist längst kein zweckmäßig gestaltetes Transportmittel mehr, sondern wurde zu einem Unterhaltungsunternehmen umfunktioniert, das dazu angelegt ist, dass die Leute möglichst viel Geld liegen lassen.

Wir verbrachten die Zeit lieber auf dem Sonnendeck, das seinem Namen alle Ehre machte. Die anfänglichen Wolken hatten sich längst verzogen, doch ohne wärmende Jacke ging es nicht. Der Fahrtwind war eisigkalt. Nachfolgend einige Eindrücke.

Der Sonne entgegen?

Angeblich gibt es kein schlechtes Wetter und auch die Sonne scheint immer – zumindest über den Wolken. Diese und ähnliche Sprüche hört man ja immer wieder. Wir waren jedoch froh, als wir unsere Fahrt in den Norden bei Sonnenschein beginnen konnten. Schlechtes Wetter hatten wir in letzter Zeit wirklich genug.

Sonnenuntergang bei Laboe an der Kieler Förde

Medienhafen Düsseldorf

Die Freigabe des alten Rheinhafens in Düsseldorf erfolgte bereits in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre. Durch die Neugestaltung des Areals sollten nicht nur neue Akzente für die Stadtentwicklung gesetzt, sondern auch bestehende Probleme behoben werden. Dies gelang bereits beim ersten Abschnitt mit dem Bau des neuen Landtags, der damit verbundenen Tunnellösung für die Hauptverkehrsachse entlang des Rheins und dem Ausbau der Uferpromenade. Im zweiten Abschnitt wurde der sich anschließende Medienhafen in Angriff genommen. Namhafte nationale und internationale Architekten trugen zum vielgestaltigen Bild dieses Areals bei.

Zu einem besonderen Aushängeschild wurde der Neue Zollhof, der von Frank O. Gehry 1999 vollendet wurde. Das dekonstruktivistische Arrangement aus drei Gebäudekomplexen weicht mit seinen aufgefalteten Fassaden, kippenden Wänden und schrägen Türmen von der klassischen Gebäudegestaltung signifikant ab. Wie von investigativen Journalisten aufgedeckt wurde ist der Eigentümer dieses Komplexes keine Immobilienfirma, sondern der Sohn des indonesischen Palmölmagnaten Sukanto Tanoto.

Ebenfalls von Gehry stammt die 2010 fertiggestellte „Hafenspitze“. Dieses architektonisch einmalige Gebäudeensemble besteht aus zwei 65 Meter hohen Zwillingstürmen. Während der eine Turm das Hayatt Regency Hotel beherbergt, wird der zweite Turm als Bürokomplex genutzt. Für Empfänge lässt sich die Freitreppe zwischen den Türmen öffnen und der Vorplatz in die Nutzung einbeziehen. Ist die Luke geschlossen, weist nur das Geländer auf diese Möglichkeit hin. Dies alles ist aber keine Kulisse zu einem neuen James Bond, sondern pure Realität! Zumindest für jene mit dem nötigen Kleingeld.

Zusammen mit der „Living Bridge“ mit der Gaststätte „Lido“ markiert die Hafenspitze den dritten Entwicklungsabschnitt entlang der Speditionsstraße.

Hier wurde einiges an alter, denkmalgeschützter Bausubstanz erhalten und mit Neubauten kombiniert. Die Mischung ergibt ein gefälliges und vielgestaltiges Arrangement unterschiedlichster Baustile.

Eines der markantesten Gebäude ist das 62 Meter hohe Colorium von William Allen Alsop, dessen farbig gestaltete Fassade sofort ins Auge sticht.

Der südliche Eingang zum Medienhafen wird einerseits durch den „Trivago-Komplex“ und andererseits durch das „Capricorn Haus“ der Kölner Architekten Gatermann + Schossig (Supergelb Architekten) markiert. Die speziell für die Firmenzentrale von UNIPER konstruierte Fassade macht diesen Komplex mit seinen aktiven Elementen zum Schallschutz und zur Wärmegewinnung zu einem Niedrigenergiehaus mit geringen Betriebskosten.

Natürlich gäbe es noch viel zu den Bauwerken im Medienhafen zu berichten und viele weitere Bilder wären denkbar, insbesondere auch zu anderen Tageszeiten. Ein Grund, um irgendwann wiederzukommen.

myhive

myhive Largo und Alto sind die Zebras im Düsseldorfer Medienhafen. Der Entwurf stammt von sop architekten.

Der auf den ersten Blick recht nüchtern wirkende Bürokomplex an der Kesselstraße überrascht bei näherer Betrachtung mit dynamischer Linienführung.

Die beiden Gebäude bilden den „Trivago-Komplex“ mit dem Stammsitz der Firma und bieten dazuhin flexible Büroflächen und Konferenzräume zum Mieten. myhive Largo ging 2019 in Betrieb, myhive Alto folgte 2021. Zusammen bringt es der Gebäudekomplex auf knapp 58000 m² nutzbare Fläche.

Die horizontale Linienführung der Fassade soll Ausdruck der flachen Hierarchie in der Unternehmensführung sein. Doch wie so oft zeigt die Linienführung je nach Betrachtung ein deutliches Gefälle auf.

Novembermorgen am Albtrauf

Am Sonntagmorgen sammelte ich Fotomotive am Albtrauf. Kurz nach 7 Uhr, gerade noch rechtzeitig vor Sonnenaufgang, erreichte ich den ersten Fotospot. Meine Hoffnung erfüllte sich, ein Mast der Überlandleitung ragte aus dem Nebelmeer heraus. Zum Sonnenaufgang wechselte ich die Talseite, um den streifenden Lichteinfall entlang der Traufhänge optimal ins Bild zu bekommen. Danach tauchte ich in die Nebelsuppe ab. Dort hätte ich mich in den Streuobstwiesen noch stundenlang austoben können, doch um 9:30 Uhr beendete ich meinen fotografischen Ausflug und machte mich mit klatschnassen Füßen auf den Heimweg. Ein gemütliches Frühstück in der Wärme rundete den gelungenen Start in den Tag ab. Sonntag!

Völklinger Hütte sw

Blick auf die Völklinger Hütte. Aus dem Vordergrund nach links oben führend der Schrägaufzug zum automatischen Befüllen der Hochöfen. Im Mittelgrund die Möllerhalle mit dem heutigen Ferrodrom. Darüber die Hochofengruppen. Zu jeder der insgesamt 6 Hochofengruppen gehören ein 27 m hoher Hochofen, drei 30 – 40 m hohe Winderhitzer und ein bis zu 80 m hoher Schornstein.

Detailansicht Schrägaufzug.

Die Möllerhalle diente zur Lagerung der Bestandteile des „Möllers“ (Erz, Koks und Zuschlagstoffe). Diese wurden mit der Bahn angeliefert und in die Bunker abgekippt. In der Etage darunter wurde der Möller mittels Bunkertaschen in die Hängebahnwagen gefüllt.

Über den Schrägaufzug gelangten die Hängebahnwagen auf die Gichtbühne in 27 m Höhe, um die Hochöfen von oben zu befüllen.

In der Gebläsehalle standen die Windmaschinen, die den „Kaltwind“ erzeugten. Dieser wurde in den Winderhitzern aufgeheizt und dann als „heißer“ Wind von unten in die Hochöfen eingeblasen.

Detailansicht Gebläsemaschine.

Koksbatterie. In der Kokerei wurde der Koks erzeugt, der als ein Bestandteil des Möllers zur Stahlerzeugung erforderlich war.

Die Arbeit in einem Hüttenwerk war weder einfach, noch ungefährlich. Doch sie war vergleichsweise gut bezahlt. Durch den Aufbau der Völklinger Hütte explodierte die Einwohnerzahl Völklingens von 7000 im Jahre 1876 auf 27000 im Jahre 1907.

Weitere Infos zur Bedeutung der Völklinger Hütte für die Region findest du hier.

Weitere Infos zu den einzelnen Produktionsschritten und Anlagenteile sind hier sehr übersichtlich dargestellt.

Den vorausgehenden Beitrag zur Völklinger Hütte findest du hier.

Zur Gebläsehalle siehe auch hier.