Street Art Museum MAUSA Vauban

Die von 1698 bis 1704 von Vauban errichteten Festungsmauern umschließen den Ort Neuf-Brisach vollständig. Auch wenn einen der Ort auf den ersten Blick nicht vom Hocker reißt, so ist dieses bauliche Gesamtarrangement doch einmalig. Absolut sehenswert ist jedoch das Museum für Urban Art und Street Art MAUSA, das seit 2018 in den Kasematten des UNESCO-Weltkulturerbes untergebracht ist.

Gleich am Eingang zieht ein über Eck gemaltes Porträt das Interesse auf sich und macht neugierig auf das was noch kommt.

Lange schmale Gänge erschließen über zwei Flügel zahlreiche Räume. Platz genug, um der Kreativität von ca. 30  KünstlerInnen freie Entfaltung zu ermöglichen. Clementine Lemaitre und Stanislas Belhomme, die Gründer des MAUSA stießen mit ihrer Idee anfänglich auf Skepsis. Würden sich Street Art Künstler in einem Museum zähmen lassen? Doch der Erfolg gibt ihnen Recht.

Das Konzept der Ausstellungsmacher überzeugt. International renommierte Künstler der Szene werden eingeladen, ihre Spuren zu hinterlassen. Ihre Werke werden für ca. 5 Jahre erhalten, dann wird die Fläche für neue Projekte freigegeben. So ist das Museum einem ständigen Wandel unterzogen und die Chancen sind gut, dass man Künstler bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die beeindruckende Vielfalt, die auf diese Weise generiert wird.

Zum Abschluss noch ein Schmankerl: Die Frage, ob sich Vauban über sein Porträt gefreut hätte, das der Künstler C215 alias Christian Guény auf Vaubans altem Gemäuer aufgetragen hat, stellt sich nicht wirklich. Immerhin taugen die Wände noch heute als Bildträger, während sie ihren eigentlichen Zweck, uneinnehmbar zu sein, nie erfüllt haben.

Wichtiger Hinweis: Alle Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Dies betrifft einerseits die Rechte des Museums „Copyright MAUSA Vauban“ sowie meine Rechte als Fotograf. Das Kopieren auch von Teilen ist nicht gestattet.

Mit dem Link @mausa.streetart geht es direkt zum Museum.

Ludwigs Erbe

Dieser Tage waren wir wieder einmal am Bodensee unterwegs. Da die Städte Meersburg und Überlingen recht überlaufen sind, steuerten wir für einen Spaziergang am Seeufer die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen an. Der Ort hat mit seinem alten badischen Zollhaus nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch etwas zu bieten. Dazu trägt insbesondere der ortsansässige Künstler Peter Lenk bei.

Bekannt ist Lenk für seine gewaltigen Plastiken aus Gussbeton mit denen er in satirischer Weise auf Missstände in der Gesellschaft hinweisen möchte. Insbesondere im süddeutschen Raum sind seine Kunstwerke weit verbreitet. So hat er 2008 mit dem Triptychon „Ludwigs Erbe“ die Außenwand der öffentlichen Toilette am alten badischen Zollhaus in seiner Heimatstadt Ludwigshafen am Bodensee gestaltet. In der für ihn typischen Weise setzte er sich mit der Entwicklung des Ortes bis in die Neuzeit auseinander.

Wegen der nackten Darstellung namhafter Größen aus Politik, Wirtschaft und Kirche sorgte insbesondere die dritte Tafel des Werkes bundesweit für Wirbel. So erkennt man unter dem Banner „Global Players“ Hans Eichel, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle, die sich an die Geschlechtsteile fassen. Weiterhin sind bekannte Top-Manager abgebildet, die im Geld baden. Dargestellt sind Josef Ackermann, Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Schwurhand, der ehemalige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Ex-EnBW-Chef Utz Claassen.

In Ludwigshafen gibt es aber noch mehr zu bestaunen, so dass sich ein Besuch allemal lohnt und ein gutes Restaurant ist auch gleich um die Ecke.

Winterträume

Die Bergbahn am Füssener Jöchle in Grän (Tannheimer Tal) bringt Skifahrer und Wanderer in wenigen Minuten von ca. 1200 m zur Bergstation auf über 1820 m Höhe. Letzten Samstag war dies die Fahrt in eine traumhafte Winterlandschaft.

Doch diese weiße Pracht währte nicht lange. Nach dem Wärmeeinbruch am Sonntag sind die Bäume bereits wieder schneefrei.

Die Stadtführerin

Die Stadtführerin, die uns durch die alten Gemäuer von Regensburg geführt hat, kann ich nur empfehlen. In Rom geboren und aufgewachsen kam sie in jungen Jahren nach Deutschland. Nach mehreren Zwischenstationen hat sie sich schließlich in Regensburg niedergelassen. Kein Wunder, geht Regensburg doch auf ein römisches Heerlager zurück, dessen Befestigungsanlagen noch im heutigen Stadtbild ihre Spuren hinterlassen haben. Die Vergangenheit Regensburgs mit dem Herzen und aus dem Mund einer Römerin zu erfahren, ist einmalig, amüsant und höchst informativ zugleich. Ihr Temperament, das so nur Italienerinnen entwickeln können, machte unsere Stadtführung zum absoluten Genuss.

Wer bei Sabrina Capasso eine Stadtführung buchen möchte hier ihre Mailadresse: sabrinacapasso@web.de

Zu Regensburg siehe auch den Beitrag zur Steinernen Brücke.

Befreiungshalle Kehlheim

Die Befreiungshalle steht bei Kehlheim auf dem Michelsberg zwischen Donau und Altmühl. In den Jahren 1843 – 63 von Ludwig I., König von Bayern erbaut, zählt sie zu den bedeutendsten Bauwerken Deutschlands des 19. Jahrhunderts und gilt als eines der wenigen großen, architektonisch konzipierten Nationaldenkmäler. Sie erinnert an die siegreichen Schlachten der europäischen Befreiungskriege gegen Napoleon 1813 – 15.

Der von den Architekten Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze errichtete klassizistische Monumentalbau nach antikem Vorbild, folgt auf der Basis der Zahl 18 einer strengen und bewussten Gestaltung. Die Außenansicht wird geprägt von 18 Strebepfeilern, die von Kolossalstatuen (5,80 m Höhe) gekrönt werden. Diese sollen die 18 deutschen Volksstämme verkörpern, die an den Befreiungskämpfen beteiligt waren. Darüber erhebt sich eine Säulengalerie aus 54 (3 x 18) monolithischen Marmorsäulen, die von einem Architrav abgeschlossen werden. Darüber befindet sich ein freier Umgang, der weite Ausblicke ins Umland ermöglicht.

Den Strebesäulen sind 18 Kandelaber vorgesetzt, die mit 6,50 m eine beeindruckende Höhe erreichen.

Über insgesamt 84 Stufen erreicht man den Eingang. Beim Betreten der Rundhalle wird durch das einfallende Licht der Blick zur Kuppel gelenkt. Mit einem Durchmesser von 29 m und einer Höhe von 14 m schließt sie das Hallenrund ab. Das einzige Licht fällt durch ein Opaion im Zenit. Die Gesamthöhe der Halle beträgt 45 m.

Der Aufbau im Innern folgt dem äußeren Erscheinungsbild. Die untere Säulenreihe gestaltet 18 Nischen. Vor diesen stehen je 2 Siegesgöttinnen aus Carrara-Marmor, die in einer Hand je ein Schild halten. Auf diesen stehen die siegreichen Schlachten während der Befreiungskriege. Das Material der Schilder besteht, wie das Eingangstor, aus erbeuteten und eingeschmolzenen Geschützen. Die Viktorien reichen sich die freie Hand, so dass ein geschlossener Kreis entsteht.

Über den Nischenbögen sind Marmortafeln angebracht. Diese tragen in goldener Schrift die Namen der bedeutendsten Feldherren.

Darüber erhebt sich die Säulengalerie aus 36 toskanischen Doppelsäulen. Auf dem Architrav, der zur Kuppel überleitet, stehen die Namen der eroberten Festungsanlagen.

Von der Galerie aus überblickt man den Fußboden des Hallenrunds. Dieser besteht aus einem konzentrisch angeordneten Mosaik aus buntem Marmor. Im Zentrum steht auf gelbem Siena-Marmor in schwarzer Schrift der nachfolgende, von Ludwig I. selbst stammende Satz:

MOECHTEN
DIE TEUTSCHEN
NIE VERGESSEN WAS
DEN BEFREIUNGSKAMPF
NOTHWENDIG MACHTE
UND WODURCH SIE
GESIEGT.

Bei meinen Recherchen habe ich leider eine historische Einordnung zur Entstehung der Befreiungshalle vergeblich gesucht. Ludwig I. gilt sicher zu Recht als Förderer der Kunst und als architektonischer Gestalter. Dabei hat er sich viele Verdienste erworben. Auch hat er durch seine Regeln zum Denkmalschutz zum Erhalt zahlreicher Bauwerke, ja ganzer Stadtanlagen beigetragen. Doch betrachtet man den zeitlichen Zusammenhang zwischen den aufkommenden revolutionären Ideen (Hambacher Fest 1832 in der bayrischen Rheinpfalz) und dem zunehmend reaktionärer werdenden politischen Kurs von Ludwig I., so liegt nahe, dass er mit dem Bau der Wallhalla und der Befreiungshalle, vom Ruhm und Glanz der Befreiungskriege profitieren und die Bevölkerung moralisch zur Unterordnung verpflichten wollte. Anders kann sein im Fußboden eingelassener Satz (siehe oben) nicht verstanden werden.

Zu Ludwirg I. gäbe es noch viel zu sagen, doch kann dies nicht Teil dieses Beitrags sein.

Steinerne Brücke, Regensburg

Bei Sonnenaufgang bieten sich gut Voraussetzungen um die Steinerne Brücke in Regensburg vor der Altstadtkulisse mit Dom fotografisch ins richtige Licht zu setzen. Um die zwischen 1135 und 1146 errichtete Donaubrücke abzulichten finden sich optimale Standorte auf dem Uferdamm „Am Beschlächt“ (oberes Bild) oder auf der Jahninsel (nachfolgendes Bild).

Die frühen Morgenstunden bieten noch einen weiteren Vorteil, es sind noch keine Menschenmassen unterwegs, so dass man auch auf der Brücke fotografieren kann. Das nachfolgende Bild zeigt den Blick von der Brücke flussabwärts.

Ganz anders ist die Situation um die Mittagszeit. Hier bietet sich im Gegenlicht eine SW-Ausarbeitung als Scherenschnitt an.

Bayerische Schmankerl

Hat man von Ulm herkommend die Grenze nach Bayern überschritten, ist es bis zur ehemaligen Reichsstadt Donauwörth nicht mehr weit. Auf dem Weg nach Regensburg legten wir hier eine kurze Mittagspause ein. Die Stadt hätte allerdings eindeutig mehr Zeit verdient. Doch für eine kleine Erkundungsrunde reichte es.

Durch das Rieder Tor gelangt man in die Altstadt, deren zentrale Reichsstraße ein geschlossenes Ensemble historischer Gebäude präsentiert.

Einmal mehr lässt sich beispielhaft erkennen, wie die geografische Lage einer Stadt ihre Bedeutung über Jahrhunderte hinweg bestimmt. Im römischen Straßennetz, am Ende der Via Claudia gelegen, bildete die Ansiedlung an der Mündung der Wörnitz in die Donau einen wichtigen Übergang ins Limesland jenseits der Donau. Im Heiligen Römischen Reich verlief auf dieser Achse die Reichsstraße, die Augsburg mit Nürnberg verband. Diese bildete damals wie auch heute noch den Kern von Donauwörth und zählt zu den schönsten historischen Straßenzügen in Süddeutschland. Doch Vorsicht! Historisch bedeutet nicht automatisch „alt“. Die Häuser entlang der Reichsstraße wurden gegen Ende des 2. Weltkrieges weitgehend zerstört. Bereits 1946 begann man mit dem Wiederaufbau. Dabei hielt man sich zum Glück weitgehend an die historischen Vorlagen.

Das obere Bild zeigt das ab 1444 errichtete Liebfrauenmünster. Auf der gegenüberliegenden Seite der Reichsstraße steht das um 1400 errichtete Kauf- und Tanzhaus, in dem schon Kaiser Maximilian I. das Tanzbein schwang. Gegenwärtig wird das Haus renoviert. Sein Aushängeschild zeigt das Stadtwappen Donauwörths, das die Stadt seit 1530 führt und das sie als ehemalige „Freie“ Reichsstadt ausweist.

Entlang der Reichsstraße lassen sich viele interessante Details beobachten. Nur zwei Beispiele: Im linken Haus war einst die Werkstatt eines Spenglers untergebracht, an die der heutige Besitzer erinnert. Der Adler rechts, Wappenvogel Donauwörths, krönt den Reichsbrunnen des Münchner Künstlers Hans Wimmer. Diesen spendete die Bürgerschaft 1977 anlässlich der Feierlichkeiten zu tausend Jahre Brückenstadt.

In Verlängerung der Reichsstraße trifft man auf die Heiligkreuzkirche, einem Teil des ehemaligen Benediktinerklosters, dessen Ursprung auf die Schenkung einer Kreuzreliquie des Kaisers von Konstantinopel im 11. Jhd. zurückgeht. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 18. Jahrhundert. In der Gegenwart hat man sich wenigstens gedanklich mit der sexuellen Gewalt in der und durch die Kirche auseinandergesetzt. Typisch für die Lage der Kirche scheint mir jedoch der große Abstand zwischen diesem Denkmal und den altehrwürdigen Gemäuern. Ein Symbol für die fast unüberwindliche Kluft zwischen Volk und Kirchenleitung. Mit Worten alleine werden sich aber die dunklen Wolken über den Kirchtürmen so schnell nicht verziehen.

Von der Heiligkreuzkirche gelangt man entlang der kleinen Wörnitz und der Stadtmauer mit dem Färbertörl zurück zum Rieder Tor. Dieses gilt als Wahrzeichen Donauwörths. Die Brücke wird seit 1995 von zwei Brückenheiligen flankiert. Links steht der Heilige Nepomuk (Bild unten links) und rechts der Heilige Nikolaus, ausgestattet mit Anker, Bischofsstab, Mitra, Bibel und drei Kugeln. St. Nikolaus gilt als ältester Schutzheiliger der Stadt.

Hierzu schrieb mir Sylvia Huber aus Donauwörth eine Geschichte, die ich so noch nicht kannte: „Warum 3 Kugeln?
Eine verbreitete Legende erzählt, dass Nikolaus ein Geldgeschenk in Form von drei goldenen Kugeln heimlich durch das Fenster eines Hauses warf. Damit konnte er verhindern, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste. Und tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus überliefert, dass der Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte.“

Sylvia bloggt selbst auf Instagram über ihre Heimatstadt unter „entdeckt in Donauwörth“ und beantwortete meine Fragen schnell und kompetent. Herzlichen Dank nach Donauwörth!

Snohetta Viewpoint

Die E6 überwindet auf ihrem Weg von Trondheim nach Oslo das Dovrefjell. Im Spätsommer 2021 hatte ich dort im Dovrefjell-Sundalsöra-Nationalpark Moschusochsen fotografiert. Siehe hier.

Diesmal, am 25.06.2023, reichte es leider nur zu einer verlängerten Mittagspause. Nahe Hjerkinn ist der Parkplatz zum Aussichtspunkt Snohetta ausgewiesen, der über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Dort kann man sich über den Nationalpark informieren und die Aussicht genießen. Zu empfehlen ist der 20-minütige, gemächliche Aufstieg zum Aussichtspunkt Snohetta, der mit einer interessant gestalteten „Schutzhütte“ überrascht. Eine komplett verglaste Front gibt den Blick auf die Fjelllandschaft frei. Die Hütte ist nur zwischen 10. Juni und Mitte Oktober geöffnet und in dieser Zeit vom Visitor Centre Wild Reindeer personell besetzt.

Der Mitarbeiter, den ich in der „Hütte“ antraf, war sehr motiviert. Er zeigte auf Punkte in der Landschaft, die sich dann in seinem Feldstecher als Rentiere oder Moschusochsen zu erkennen gaben. Er informierte über die Besonderheit von Wildrentieren und von ihrer Gefährdung. Während im Norden Skandinaviens die Rentiere allesamt domestiziert sind, leben 90 % des europäischen Wildrentierbestandes um den Trondheimfjord und in den Fjellregionen südlich davon. Nach einer Erklärung der Norwegischen Regierung im Oktober 2022, müssen weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Bestand der Tiere (ca. 25000) langfristig zu sichern.

Blick vom Aussichtspunkt auf die Snohetta (Bildmitte) im Dovrefjell. Sie ist mit 2286 m der höchste Berg Norwegens außerhalb Jotunheimens.