Unser nächstes Etappenziel war Lindesnes Fyr, das Südkap Norwegens. Endlich, nach 44 Jahren, haben wir damit die Durchquerung Norwegens vom Nord- bis zum Südkap geschafft. Der Rekord für diese Strecke (mehr als 2500 km auf der Straße) liegt zu Fuß bei 42 Tagen.
Auf dem Weg hinaus zum Südkap passierten wir zahlreiche bunte Ortschaften, die fast ausnahmslos als Wochenend- und Ferienhaussiedlung genutzt werden. Diese Aufnahme ist bei Furuholmen entstanden.
Am Südkap angekommen, herrschte auch hier der nun seit zwei Tagen andauernde böige Sturm, der aus Südwest zwar warme Luftmassen heranführte, aber das Fotografieren sehr erschwerte. Mit Stativ zu arbeiten war praktisch unmöglich, doch ohne war es auch nicht viel besser, da man auf den Klippen genug zu tun hatte, um einen sicheren Stand zu halten.
Lindesnes Fyr ist das erste Leuchtfeuer Norwegens. Bereits 1655 wurde hier das erste Feuer entzündet, um die Seefahrt durch diese gefährliche Küstenregion sicherer zu machen. Auch die Deutsche Wehrmacht legte hier im 2. Weltkrieg umfangreiche Stellungen an, um die Einfahrt zum Skagerrak zu kontrollieren. Beim Betrachten derartiger Bunker- und Grabenanlagen holt mich die deutsche Geschichte immer wieder in unangenehmer Weise ein.
Vom Leuchtturm aus hat man einen fantastischen Blick über die Schärenküste und auf einem markierten Küstenwanderweg kann man die Umgebung erkunden.
Doch erst wenn es dunkel wird, entfaltet ein Leuchtturm seine ganze Strahlkraft.
… dass sich selbst Stofftiere vor der Hitzewelle in Deutschland auf der Flucht in den hohen Norden befinden. Wir trafen die schwäbischen Biker ganz im Norden Dänemarks, fast schon am Skagerak. Dort gehen von der Hafenstadt Hirtshals aus zahlreiche Fähren nach Norwegen. Wir setzten auf der kürzeste Route nach Kristiansand über.
Zwei Reedereien werben hier um die Fahrgäste. Die Fjordline verfügt derzeit mit einer Überfahrtsdauer von 2:15 Stunden über die schnellste Verbindung. Was für eine Entwicklung. Als wir 1976 auf dieser Route unterwegs waren, betrug die Fahrzeit noch 6 Stunden. Doch leider fiel diese Schnellfähre aus, so dass wir auf das langsamere Schiff der Color Line zurückgreifen mussten. So kamen wir erst um Mitternacht in Kristiansand an.
Mit einer großen Autofähre zu reisen, ist immer ein spannendes Erlebnis. In welch kurzer Zeit sich die LKW- und PKW-Schlangen aus dem Bauch des Schiffes winden ist erstaunlich. Für den reibungslosen Ablauf sorgt an zentraler Stelle ein Dompteur, der die Verkehrsströme lenkt. Und dann endlich ist man selbst dran, den riesigen Rumpf erneut zu füllen.
Nicht zu übersehen war, dass – „dank Corona“ – nur ein Bruchteil der sonst üblichen Touristen unterwegs war. Die Bars an Bord blieben geschlossen. So hatten wir Platz zum Liegen und dazuhin unsere Ruhe.
Weitere Beiträge über unsere Reise durch Südnorwegen werde ich in loser Folge veröffentlichen. Wohin genau und wie lange die Reise geht, bleibt Wind und Wetter vorbehalten.
Schon länger hatte ich mir überlegt, welches markante Bauwerk in meiner Umgebung sich für eine Aufnahme mit dem Kometen Neowise eignen würde. Es musste nicht nur bekannt sein und exponiert liegen, sondern es musste auch aus großer Entfernung einsehbar sein, um es zusammen mit Neowise scharf ablichten zu können und der Beobachtungspunkt sollte auch einigermaßen gut erreichbar sein. Da kam für mich nur der Hohenzollern in Betracht. Seit Neowise abends beobachtbar ist, liegt die Burg vom Zeller Horn aus exakt auf Linie mit dem Kometen. Das hatte ich bei einer Vorexkursion mit Karte und Kompass genau ermittelt. Vom Parkplatz aus erreicht man den Aussichtspunkt am Albtrauf zu Fuß in einer halben Stunde und der Weg ist so gut, dass man ihn auch bei Nacht problemlos gehen kann. Noch vor Sonnenuntergang war ich vor Ort, so dass ich den optimalen Standort noch bei Tageslicht aufsuchen konnte. Doch am Ende kommt es auch beim Fotografieren oft anders als gedacht.
Panorama aus drei Hochformataufnahmen
Die einzige offene Frage war, würde sich Neowise weit genug „herablassen“, dass ein Rendezvous mit dem Hohenzollern möglich würde?
Dieses Bild zeigt die Burg Hohenzollern aus 1,5 km Entfernung von meinem Standort unterhalb des Zeller Horns aus mit einem 400mm-Tele aufgenommen. Die kleinste Fibration führt bei einer Belichtungszeit von 1/10 s auf diese Entfernung unweigerlich zu Unschärfen. Um dies zu vermeiden hatte ich zwei 1kg-Gewichtsmanschetten mitgenommen. Eine hing ich ans Stativ, die zweite legte ich über das Kameragehäuse. Mit dem Ergebnis war ich zufrieden. Nun konnte Neowise kommen.
Doch das dauerte. Als sich Neowise dann endlich zu erkennen gab war klar, dass es das mir vorschwebende Rendezvous zwischen der Zollernburg und Neowise nicht geben würde. Wie so oft ging es nun darum, das Beste aus der Situation zu machen.
Die letzte Aufnahme machte ich dann mit 24mm oben vom Zeller Horn. Das so entstandene nächtliche Panorama zeigt Neowise über dem Lichtermeer zwischen Albtrauf und Nordschwarzwald.
Näher geht es nun wirklich nicht. Mit 105 Mio. km ist der Komet Neowise der Erde gerade am nächsten. Bei meinem ersten Versuch, den Kometen abzulichten, war ich an der hartnäckigen Bewölkung gescheitert. Deshalb blieb ich gestern gleich zu Hause. Am späteren Abend stellte ich dann zu meiner Überraschung fest, dass sich die Wolken bereits weitgehend aufgelöst hatten. Kurz entschlossen baute ich mein Stativ auf dem Balkon auf. Inzwischen wusste ich genau, wo ich nach dem Kometen suchen musste. Ihn gegenwärtig zu orten, ist gar nicht so einfach, denn die beste Zeit, um Neowise zu beobachten, ist bereits vorbei. Mit bloßem Auge ist dieses diffuse Objekt mehr zu erahnen als zu erkennen. Doch nochmals 7000 Jahre warten wollte ich dann doch nicht.
Um den Bereich einzugrenzen wählte ich für eine erste Aufnahme das 24 mm Objektiv. Zugleich schafft diese Aufnahme Orientierung für den Betrachter. In der Bildmitte, unterhalb des großen Wagens, ist Neowise am oberen Rand der Bewölkung auszumachen.
Nachdem ich die Richtung einmal hatte, tastete ich mich mit einem 105 mm Zoomobjektiv näher heran. Zum Schluss brachte ich das 400 mm-Tele zum Einsatz. Die Ergebnisse wurden jedoch erst akzeptabel, als ich Kamera und Stativ mit Gewichtsmanschetten beschwert hatte.
Diesen „Beinahezusammenstoß“ habe ich leider erst bei der Durchsicht der Bilder festgestellt, sonst hätte ich den Ausschnitt anders gewählt.
Die nachfolgenden Bilder zeigen viermal denselben Ausblick auf die Bergwelt des Karwendel. Tageszeit, Stimmung und Aufnahmetechnik unterscheiden sich jedoch deutlich.
Wer für die Umwelt Gutes tun möchte kauft bei seinem „Stromlieferanten“ für einen geringen Aufschlag „grünen Strom“ ein. Ohne Kohleverstromung und ohne Atomenergie wird dieser Strom zu 100 % aus regenerativen Energiequellen bereitgestellt. Bei uns im Süden der Republik erfolgt die Energiebereitstellung zumeist durch „Wasserkraft“. Doch wie „grün“ ist dieser Strom wirklich? Ein Beispiel:
(Zum Vergrößern Bilder anklicken.)
Der Rißbach, ein munterer Wildbach, dessen Quellgebiet im Bereich des Großen Ahornbodens (Österreich) liegt, fließt aus der Mitte des Karwendelgebirges Richtung Norden dem Tal der Oberen Isar (Bayern) entgegen.
Unter Wildwasserfahrern ist dieser Abschnitt des Rißbaches bekannt. Auch ich sammelte an dieser verblockten Stufe vor vielen Jahren meine Erfahrungen, als ich nach einer Kenterung nicht aufdrehte, sondern ausstieg. Mein Freund Roland, der die Passage absicherte, warf mir den Wurfsack treffsicher zu, so dass ich samt Material im nächsten Kehrwasser bereits in Sicherheit war.
Nur wenige Kilometer später überschreitet der rauschende Rißbach die deutsche Grenze und – verstummt! An einem Wehr wird das Wasser aufgestaut und in ein Rohr eingeleitet. Ab jetzt gehört das Leben spendende Nass der Energiewirtschaft. Was bleibt, sind riesige Schotterflächen, die langsam verbuschen, da die Hochwasser und damit die Umschichtungen von Sand und Schotter ausbleiben. Ein artenreicher intakter Naturraum mit zahlreichen seltenen Pflanzen, Vogelarten und Insekten stirbt langsam aber unaufhaltsam.
Dort, wo der Rißbach in die Isar mündet, kommt vom einstigen Wildbach kein Tropfen Wasser mehr an!
Doch auch der Isar selbst geht es nicht viel besser. Seit 1924 das Walchenseekraftwerk in Betrieb ging, wird das Wasser eines riesigen Einzugsgebietes eingesammelt und in Rohrleitungen dem Walchensee zugeführt, der als Oberbecken eines Speicherkraftwerkes dient (kein Pumpspeicherwerk!). Der größte Teil der Energiegewinnung erfolgt dann, wenn das Wasser über Druckleitungen zum 200 m tiefer liegenden Kochelsee (Unterbecken) geleitet wird. Mit 124 MW elektrischer Leistung zählt dieses Kraftwerk auch heute noch zu den größten Wasserkraftwerken Deutschlands.
Über Jahrzehnte sah die Obere Isar kein bisschen anders aus als der Rißbach. Erst 1990 erzwang eine Bürgerinitiative durch Gerichtsbeschluss, dass in der Isar eine gewisse Menge Restwasser verbleiben muss. Doch dieses ändert nur die Akzeptanz in der Bevölkerung am massiven Wasserentzug und am langsamen Sterben der Flusslandschaft eines der letzten Wildflüsse Deutschlands ändert dies nichts. Wie das nachfolgende Bild zeigt, verbuschen auch die offenen Kiesbänke des Oberen Isartals zusehends. Damit ist dieses einzigartige Biotop unweigerlich zum Sterben verurteilt.
Mit dem Verbleib des Restwassers und der damit einhergehenden Unterschutzstellung des Oberen Isartales hat man am Ende nur erreicht, dass die Bevölkerung verdummt wird. Die Nutzung der natürlichen Flusslandschaft durch den Menschen wurde im Naturschutzgebiet „Oberes Isartal“ stark reglementiert und täuscht so einen gelebten Naturschutz vor während die privaten und öffentlichen Investoren weiterhin in großem Stil die Umwelt systematisch ruinieren. Dennoch schreibt der Betreiber des Kraftwerkes Walchensee in seiner Broschüre „Das Walchenseekraftwerk“ ungeniert unter der Überschrift „Wasserkraft als ökologische Nische“:
„Durch den Bau von Wasserkraftwerken entstanden neue Lebensräume für Flora und Fauna. Als Rückzugsgebiete seltener Pflanzen und Tiere sind sie ökologisch äußerst wertvoll. An den Wasserkraft-Standorten von E.ON befinden sich zahlreiche Natur-, Landschafts-, und Vogelschutzgebiete sowie Flora-Fauna-Habitat-Regionen. Gemeinsam mit den Naturschutzbehörden unterstützt das Unternehmen die Pflege und den Ausbau dieser Gebiete und leistet damit einen Beitrag für den Erhalt einer natürlichen Umwelt.“
Unglaublich, wie hier die Faktenlage auf den Kopf gestellt wird!
Im Jahre 2030 laufen die Verträge zur Wassernutzung aus. Dies beinhaltet die Chance, über verbesserte Umweltstandards neu zu verhandeln. Doch die Zeit drängt, der bestehende Vertrag muss jetzt gekündigt werden, sonst verlängert er sich automatisch um weitere 25 Jahre.
Doch keine Kritik ohne konstruktiven Vorschlag. Würde man das Walchensee-Kraftwerk zum Pumpspeicherwerk ausbauen, könnte eine größere Restwassermenge in Rißbach und Isar verbleiben. Auch könnte immer wieder ein „richtiges“ Hochwasser die Kiesbänke umpflügen und die Flüsse beleben. Der Profit in der heutigen Größenordnung bliebe damit natürlich auf der Strecke.
Der Große Ahornboden liegt am Ende des Rißbachtales mitten im Karwendelgebirge. Über 2.000 Bergahornbäume bilden hier auf ca. 1200 m Höhe einen lichten Wald.
Das Besondere daran, der Großteil dieser knorrigen Bergahornbäume ist zwischen 300 und 600 Jahre alt. Diese botanische Rarität wurde bereits 1927 als Naturdenkmal ausgewiesen und ist damit eine der ältesten Unterschutzstellungen Tirols.
Natürlich ist ein Besuch des Großen Ahornbodens im Herbst, wenn sich die Blätter der Bäume golden färben, ein besonderes Erlebnis, doch auch zu anderen Jahreszeiten lohnt sich ein Besuch dieser einzigartigen Kulturlandschaft, deren Entstehung auch heute noch nicht schlüssig geklärt ist.