Malmös Turning Torso

Würde ich vor die Entscheidung gestellt, entweder Göteborg oder Malmö zu besichtigen, würde die Entscheidung eindeutig zu Gunsten Malmös ausfallen. Neben hochmoderner Architektur, hat diese Stadt auch sehenswerte alte Bausubstanz und viel Atmosphäre. In diesem Beitrag beschränke ich mich auf das architektonische Aushängeschild der Stadt, den Wolkenkratzer „Turning Torso“.

Durch das Anklicken der Bilder werden diese in den Bildschirm eingepasst!

Ich zitiere aus der Informationstafel, die vor dem Bauwerk steht: „Der Turning Torso, eines der höchsten Wohngebäude Europas, wurde von dem spanischen Architekten Santiago Calatravo entworfen. Als Vorbild diente seine Skulptur „Twisting Torso“.

Zum Vergrößern anklicken.

„Der Turning Torso reckt sich 190 Meter in die Höhe und verdreht sich von der Basis bis zum höchsten Punkt um 90 Grad. Die Konstruktion basiert auf neun Kuben mit jeweils sechs Etagen, was insgesamt 54 Stockwerke ergibt. Jede Etage hat eine Fläche von ca. 400 m². In den ersten 12 Stockwerken sind Büros untergebracht, in den beiden obersten Konferenzräume. Dazwischen, vom 13. bis 52. Stock, befinden sich die insgesamt 148 Wohnungen.“

„Das Gebäude gilt als einer der herausragendsten Wolkenkratzer der Welt und hat im Laufe der Jahre mehrere internationale Preise gewonnen.“

Doch nicht jedes preisgekrönte Gebäude taugt auch für den Alltag. Am Tag meines Besuches ging ein ordentlicher Wind, normales Wetter für eine Küstenregion, noch weit von einem Sturm entfernt. Um das Bauwerk pfiff und heulte der Wind, dass ich die Bewohner im Turm und die Anwohner drum herum zu bedauern begann, denn ohne Schallschutzfenster ist dieses Geheule sicher kaum auszuhalten. Allerdings ist dies mein ganz subjektiver Eindruck, ich hatte keine Möglichkeit jemanden zu befragen.

Santiago Calatravo ist eine außergewöhnlich Persönlichkeit, die künstlerische Fähigkeiten, architektonischen Mut und technisches know how vereint. Es lohnt sich einen Blick auf seine tabellarische Biografie zu werfen.

Architektonische Gegensätze

23. August 2021

Von Barsta mit seiner Fischerhütten-Romantik ging es auf der E4 weiter nach Norden.

Unmittelbar vor Örnsköldsvik weckte die Själevads Kyrka unser Interesse. Einen derartigen Bau hatten wir hier nicht erwartet. Wahrscheinlich mussten die Kirchenoberen ihrer Gemeinde etwas Besonderes bieten, nachdem sie zuvor heimlich die alte Kirche gesprengt hatten. Jedenfalls ging die im neoklassizistischen Stil errichtete Kirche 1880 in Betrieb und wurde 1998 von den Lesern der Zeitschrift Året Runt zur schönsten Kirche Schwedens gewählt.

Das „Ting1“ in Örnsköldsvik ist nicht zu übersehen. Ob einem dieses Bauwerk nun gefällt oder nicht, ist eine Sache, dass es die Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist jedoch unstrittig und bei näherer Betrachtung ist es einfach ein ganz besonderes Bauwerk.

Der Gebäudekomplex besteht aus zwei voneinander völlig unabhängigen Bauwerken. Bei der unteren Betonkonstruktion handelt es sich um ein Bestandsgebäude von 1967. Dieses wurde 2010 verkauft, war bestandsgeschützt und hatte einen Innenhof von 12×12 m.

In diesen Innenhof wurde auf einer Fläche von 8×8 m, das neue Gebäude „Ting1“ errichtet. Erst oberhalb des bestehenden Gebäudes konnte der Neubau in die Breite gehen.

Auf einer Gesamthöhe von 50 m verteilen sich 51 Appartments mit insgesamt 78 Balkonen. Der Entwurf stammt vom bekannten schwedischen Architekten Gerd Wingardh und wurde 2013 fertiggestellt.

Weitere Informationen zu „Ting1“ findest du hier.

Unerwartete Ästhetik

Ich erinnere mich noch genau, als wir 1999 an der spanischen Mittelmeerküste entlangfuhren, waren ganze Regionen unter Plastikfolie verschwunden. Das Verpacken der Landschaft verband ich damals nicht mit dem Künstlerehepaar Christo, das 1995 den Reichstag verhüllt hatte. Nein, ich war hell entsetzt über das, was ich sah: Eine Agrarwirtschaft mit verheerender Ökobilanz, die dazuhin die gesamte Landschaft verschandelte.

Mit Argwohn betrachtete ich, dass sich wenige Jahre später die Plastikfolienlandwirtschaft auch bei uns auszubreiten begann. Ich wollte damals einen Bildbericht erstellen, der zur Anklage dieser Praxis werden sollte, doch daraus wurde nichts. Vor drei Jahren dann das Aha-Erlebnis! Damals war ich vor Sonnenuntergang in der Rheinebene unterwegs, als ich vom Anblick der aufleuchtenden Plastikfolienzelte in Bann gezogen wurde. Das musste ich unbedingt mal fotografieren. Ende März 2021, auf der Rückfahrt von Frankfurt, ist mir endlich ein erster Anlauf gelungen.

Wie immer: Bilder zum Vergrößern anklicken.

Kurz nach 5 Uhr war ich in Frankfurt gestartet, um vor Sonnenaufgang an Ort und Stelle zu sein, denn nur bei flacher Sonneneinstrahlung entwickeln die Plastikfolienzelte ihre volle Leuchtkraft und bleiben die Kontraste beherrschbar.

Ich war überwältigt von der eigenwilligen Ästhetik dieser fragwürdigen Produktionsmethode. Der gesamte Aufwand wird ja nur betrieben, um wenige Wochen früher Erdbeeren, Himbeeren oder Spargel zu ernten. Denn wer zuerst am Markt ist, bekommt die höchsten Preise.

Bei meinen ersten Aufnahmen waren die Folienzelte noch geschlossen. Die Sonne war kaum recht über dem Horizont, da kam ein Kleinbus mit einem Trupp rumänischer Saisonarbeiter. Die öffneten die Rollos, um die Tunnelzelte zu belüften und kontrollierten das Bewässerungssystem. Unmengen an Wasser sind erforderlich, um die Erdbeerpflanzen unter den Folien ausreichend zu versorgen. Nach dieser Warmlaufaktion für den Tag zogen die Arbeiter weiter, um Spargel zu stechen.

Auch ich setzte meinen Weg fort. Wieder einmal hatte ich erfahren: Ästhetik ist eine Frage der Sichtweise. Voreingenommenheit / Befangenheit behindert nicht selten deren Wahrnehmung. Das ist aber nicht als Plädoyer für diese fragwürdige Produktionsmethode zu verstehen!

Frankfurt, Europaviertel

Das Messegelände lässt sich über die U-Bahn problemlos erreichen. Oben: Aufgang der U-Bahnstation Festhalle/Messe.

Rund um die Messe sprießen neue Hochhäuser wie Spargel aus dem Boden. Nachfolgend der „nur“ 95 m hohe Kastor. Dieses extrem schlanke Hochhaus bildet mit seinem 135 m hohen, spiegelbildlich errichteten Bruder Pollux das Eingangstor zum Europaviertel am Platz der Einheit.

Noch im Bau befindet sich der ONE Tower. Er gehört mit 190 m Höhe zu den 100 Hochhäusern Frankfurts, die es auf über 100 m bringen. Durch die zahlreichen Baustellen waren ganze Bereiche abgesperrt oder von Bauzäunen verstellt, so waren etliche Perspektiven und Motive nicht umzusetzen.

Auf der Freifläche hinter dem Tower 185 türmen sich derzeit die Baucontainer der Firma Hochtief. Auch alte Mietshäuser trotzen noch dem Milleniumsprojekt, das offensichtlich ins Stocken geraten ist. Hier auf diesem Areal sollte der Milleniumsturm in den Himmel wachsen. Mit 369 m Höhe war er als Frankfurts höchster Wolkenkratzer projektiert. Inzwischen sind die Pläne mächtig geschrumpft. Das Ziel, den Comerzbank Tower an Höhe zu überreffen, besteht jedoch noch immer.

Nur einen Steinwurf weiter, am Ende der Osloer Straße, sticht ein blendend weißes Hochhaus mit geschwunger Fassadengestaltung ins Auge. Der Grand Tower gilt als höchstes Wohnhochhaus Deutschlands. Auf 180 m Höhe werden „hochwertige“ Eigetumswohnungen vermarktet.

Dagegen fällt das noch im Bau befindliche Wohnhochhaus „Eden“ (im Bild unten zu erkennen) mit seinen 98 m Höhe geradezu winzig aus. Auch das Eden-Projekt zeigt, wie schwer man sich mit solch riesigen Bauwerken tut. Meist sind mehrere Anläufe erforderlich bis ein Projekt dieser Größenordnung umgesetzt wird. Damit verbunden ist nicht selten der wiederholte Verkauf unter Investoren, der in der Regel die Überarbeitung des Projekts nach sich zieht. Dies macht den Bau und die spätere Nutzung solcher Anlagen garantiert nicht billiger.

Mainhattan

Der Blick auf Mainhattan, Frankfurts Bankenviertel am Westend, ist zu jeder Tages- und Nachtzeit spektakulär. Die erste Aufnahme zeigt die Skyline eine Stunde vor Sonnenaufgang (ISO 100, f16, 30 s, 35 mm). Standort: Sachsenhäuser Ufer, im Vordergrund der Eiserne Steg.

Eine viertel Stunde vor Sonnenaufgang hatte sich die Blaue Stunde voll entwickelt. Im Osten war das Tageslicht bereits über den Horizont geklettert und hatte für die Ausleuchtung der Hochhausfassaden gesorgt (ISO 100, f16, 15 s, 35 mm). Für alle, die es genauer wissen wollen, hier die auffälligsten Hochhäuser von links: Riverside Tower mit dem weißen Zackenband, Eurotower mit den blauen Streifen, Taunusturm mit dem Pultdach, der Comerzbank Tower gelb beleuchtet, der Main Tower mit dem runden Turm. Der Comerzbank Tower ist mit 259 m architektonischer Höhe das höchste Hochhaus innerhalb der EU. Bis zu seiner Spitze misst er sogar 300 m.

Das nächste Foto wurde unmittelbar vor Sonnenaufgang in Richtung Osten aufgenommen. Dort wurde der gewaltige Bau der EZB vom ersten Morgenlicht durchleuchtet (Standort: Mainkai, ISO 400, f5,6, 1/320 s, 400 mm).

Bei Sonnenuntergang nochmals der Blick auf Mainhattan, diesmal von der Flößerbrücke aus. Als ich die Sonne hinter dem Riverside Tower verschwinden sah, war nicht klar, ob sie im Spalt zwischen den Hochhäusern nochmals erscheinen, oder vorher untergehen würde. Gespannt wartete ich ab.

Ich denke, das Warten hat sich gelohnt, denn das nachfolgende Bild haben sicher nicht alle in der Kiste.

Wenig später begann die Blaue Stunde, das Abendrot zu verdrängen.

Frankfurt: Banken und mehr

Mein heutiger Tag in Frankfurt begann am Mainkai. Morgens zur Goldenen Stunde genoss ich den Blick stromauf. Das Teleobjektiv verdichtete die Brücken zu einem fast unauflösbaren Dickicht. (Im Vordergrund die Alte Brücke, von der Ignatz-Bubis-Brücke sind nur die Pfeiler im Wasser und die Straßenlampen erkennbar, die Tragekonstruktion der Flö?erbrücke und die Bögen der Deutschherrnbrücke kommen dahinter).

Bilder zum Vergrößern anklicken.

Über den Eisernen Steg mit seinen Liebesschlössern ging es dann hinüber zum Sachsenhäuser Ufer. Von dort hat man einen freien Blick auf die Hochhäuser des Bankenviertels, die sich hinter den alten Mietskasernen in den Himmel recken. Die Untermainbrücke brachte mich wieder zurück über den Fluss. Vorbei am Schauspielhaus ging es hinein in die Straßenschluchten von Mainhattan.

Entlang der einstigen Wallanlagen, die heute als Parks gestaltet sind, lässt sich die Innenstadt angenehm umrunden.

Am Willy-Brandt-Platz trifft man auf die Euro-Skulptur und den Eurotower. Das 148 m hohe Bauwerk war von 1998 an Sitz der EZB bis diese 2014 ihren Neubau am Ostend bezog (siehe vorausgehender Bericht).

Der Taunusturm (Bild unten) ist eines der Hochhäuser, das sofort ins Auge sticht. Von der Parkseite aus weckt insbesondere seine klare Architektur und die überdimensioniert erscheinende, fast leere Eingangshalle die Aufmerksamkeit des Betrachters. Doch bei 170 m Höhe muss mit dem Platz wohl nicht gespart werden. Interessant ist, dass es vom Jahr 2000 an drei Anläufe bedurfte, bis schließlich 2011 mit dem Turmbau begonnen wurde. Als ich mich dem Gebäude näherte, wurde ich von der Security freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass das Fotografieren des Gebäudes strengstens verboten sei. Wir einigten uns dann darauf, dass es mir niemand verbieten könne, das Gebäude von den öffentlichen Anlagen aus aufzunehmen, was ich bereits zuvor gemacht hatte.

Im Zick Zack schlängelte ich mich durchs Bankenviertel. Dank Corona kam ich natürlich weder in ein Gebäude, noch auf eine Aussichtsplattform, auch nicht am Main Tower. Die beiden nächsten Bilder stammen von der Bank of Communications. Das erste Bild zeigt einen Ausschnitt der Hochhausfassade. Die ursprüngliche Hochformataufnahme wurde gespiegelt und zu einem Bild zusammengesetzt.

Als ich bei der Deutschen Bank nachfragte, ob ich Innenaufnahmen machen dürfte, hatte ich die Hoffnung bereits aufgegeben. Doch zu meiner Überraschung erlaubte mir die Security nach einigem Hin und Her, im Eingangsbereich zu fotografieren.

Zwei Bestandsgebäude und der 50 m hohe, wellenförmige Neubau bilden zusammen das Ensemble „Die Welle“. In der Passage zwischen den Gebäuden schlängelt sich ein künstlicher Bachlauf, der gerade jedoch gereinigt wurde. Auch hier wurde ich sofort von der Security in Empfang genommen. Als Hobbyfotograf durfte ich jedoch ungehindert zur Tat schreiten.

Meine letzte Station auf diesem Rundgang war das Einkaufszentrum „MyZeil“, das für seine besondere architektonische Gestaltung bekannt ist. Der Gebäudekomplex verfügt über einen Zugang zu Frankfurts berühmter Einkaufsstraße „Die Zeil“. Auch hier musste ich mich mit der Security auseinandersetzen, bevor ich dann doch zum Schuss kam.

EZB, Frankfurt

Am Frankfurter Ostend überragt das Hochhaus der Europäischen Zentralbank (EZB) die 9-stöckigen Wohnhausneubauten um Längen. Während sich am Westend die zahlreichen Türme der Geschäftsbanken gegenseitig den Rang streitig machen, dominiert der 201 m hohe Doppelturm der EZB hier im Osten unangefochten den gesamten Stadtteil. Die nachfolgende Aufnahme zeigt den Blick von der Flößerbrücke mainaufwärts kurz nach Sonnenuntergang.

Der 2015 eingeweihte Gebäudekomplex der EZB besteht aus drei Elementen:

  • der 1928 erbauten ehemaligen Großmarkthalle, die einen gewaltigen Längsriegel bildet und ein Konferenzzentrum beinhaltet,
  • dem Doppelturm (Skytower) mit der Verwaltung und
  • dem markanten Eingangsbauwerk, das als Querriegel mit verdrehter Front die beiden anderen Baukörper verbindet und zugleich als Pressezentrum dient.

Nachfolgend einige Eindrücke von der vielseitigen Fassadengestaltung des Wiener Architekturbüros Coop Himmelb(l)au, das den ausgeschriebenen Wettbewerb für sich entschieden hatte.

Das massiv gesicherte Gelände der EZB grenzt auf Höhe der ehemaligen Weseler Werft direkt an die parkähnlich gestaltete Mainpromenade. Zahlreiche Relikte aus alten Zeiten wurden in die Parklandschaft integriert. Mainabwärts erkennt man die Skyline des Bankenviertels am Westend. Eine Aussicht, die der junge Mann auf dem Dach eines alten Verladekran offensichtlich zu genießen wusste. Dazwischen beherrscht die mächtige Tragekonstruktion der Flößerbrücke das Bild.

Nach Sonnenuntergang eröffnete sich vom linken Mainufer aus in der Blauen Stunde im Widerschein des restlichen Tageslichts ein phantastischer Blick auf den Skytower der EZB.