Konfirmation und Tradition – die Kirche in Norwegen

Während unserer Reise in den Monaten August und September durch Norwegen, trafen wir beim Versuch eine Kirche zu besichtigen wiederholt auf Konfirmandengruppen. Bei Gesprächen mit Pfarrern und Gemeindedienern hat Rose einiges über die coronabedingten Probleme in Erfahrung gebracht, während ich mich um das Bildmaterial kümmerte.

Das Wichtigste ist schnell gesagt: Auch die Konfirmationen in Norwegen waren von Coronareglementierungen betroffen. Die Konfirmandengruppen wurden stets in zwei Hälften aufgeteilt und zwischen den Gottesdiensten wurde die Kirche desinfiziert. Mundschutz war in Norwegen ohnehin nicht üblich.

Die nachfolgenden Bilder zeigen eine Konfirmandinnengruppe in Kongsberg bei ihrem Fototermin.

Auffällig ist, dass die Konfirmation in Norwegen überwiegend in der lokalen Tracht begangen wird. Da die Besucher natürlich aus unterschiedlichen Regionen stammen, kann man bei einer Konfirmation ganz verschiedene Trachten zu Gesicht bekommen. Doch auch in Norwegen bröckelt diese Tradition. Während bei den Mädchen die Tracht noch zu 100 % getragen wurde, trugen bei den Jungs, je nach Region verschieden, bereits viele einen Anzug von der Stange. Schade eigentlich.

Die Frauen und Mädchen sind übrigens auf ihre Tracht stolz wie Oskar. Frägt man sie wegen eines Fotos, bekommt man ohne Zögern den Freibrief und die Damen bauen sich freudestrahlend vor der Kamera auf. Auch diese Bilder wurden in Kongsberg nach dem Gottesdienst aufgenommen.

Die christliche Kirche hat in Norwegen eine lange und wie immer blutige Tradition, die mit König Olaf II Haraldson, auch einen Heiligen hervorgebracht hat. Olaf, dem es gelang das Land politisch zu einen und von der Vorherrschaft der Dänen zu befreien, gilt heute als Begründer des norwegischen Nationalstaates. Wegen seiner brutalen Christianisierung brachte er jedoch die Menschen gegen sich auf. Als er 1030 bei der Rückkehr aus dem Exil in einer Schlacht fiel, wurde er in Nidaros, dem heutigen Trondheim, bestattet. Durch geschickte Legendenbildung, die sich um Tod und Wunder rankte, wurde der Olafskult initiiert, der bereits 5 Jahre später zur Heiligsprechung des einst verhassten Königs führte. Nidaros wurde zur Pilgerstätte und dadurch zur reichsten Stadt Norwegens. Die über Olafs Grab errichtete Kirche ist über die Jahrhunderte zum heutigen Nidarosdom ausgebaut worden. Noch heute wird am 29. Juli der St.-Olafs-Tag in Norwegen gefeiert. Mehr dazu und hier.

Die ältesten Kirchenbauten, die man heute in Norwegen antrifft, sind die Stabkirchen. Die meisten wurden nach ihrer Errichtung im 11. bis 12. Jahrhundert mehrfach umgebaut. In Norwegen soll es noch 28 authentische Stabkirchen geben. Die Stabkirche von Heddal gilt mit 20 m Länge und 26 m Höhe als größte Norwegens. Errichtet wurde sie um 1240.

Die kleinste Stabkirche Norwegens steht in Undredal. Erbaut 1147 fasst sie nur 40 Sitzplätze.

Der Baubeginn der Stabkirche von Lom wird auf 1158 angesetzt. Die Kirche zeigt mit am deutlichsten die parallele Verwendung heidnischer und christlicher Symbolik.

Norwegen heute, ein Vorbild? Das heutige Norwegen gibt sich wesentlich liberaler. So schuf Norwegen 2012 die Staatskirche ab. Weitere Informationen dazu findest du hier. Die Abschaffung der Staatskirche hatte zum Ziel, dass religiöse wie philosophische Gemeinschaften gleichermaßen gefördert werden sollten. In Norwegen sind dies insbesondere auch die Humanisten.

Die Trollkirche

In der Chronologie unserer Reise gehört dieser Beitrag eigentlich hinter die „Insel Godöya“.

Fährt man auf der RV64 von Malmfjorden in Richtung Eide, passiert man nach wenigen Kilometern einen links neben der Straße gelegenen Wanderparkplatz mit Informationstafel. Dieser ist Ausgangspunkt für eine ganz spezielle Unternehmung.

Der anfänglich bequem erscheinende Weg ändert rasch seine Charakteristik. Während der Anstieg im Wald noch eine moderate Steigung aufweist, nimmt die Steigung jenseits der Waldgrenze deutlich zu. Der ausgetretene Pfad führt zunehmend über blanken Fels, der je nach Wasserführung des begleitenden Bachlaufs auch überspült und glitschig sein kann. Festes Schuhwerk ist deshalb anzuraten. Nach einer guten Stunde Aufstieg und der Überwindung von knapp 400 Höhenmetern steht man vor dem Höhleneingang zur Trollkyrka.

Nun beginnt der außergewöhnliche Teil dieser Tour, denn bei der Trollkirche handelt es sich um einen lichtdurchfluteten, senkrechten Schacht am Ende eines Höhlenganges durch den ein Wasserfall in die Höhle stürzt. Das Wasser hat hier im Laufe von Jahrmillionen einen regelrechten Dom ausgewaschen. Der Weg dorthin ist stockdunkel und nur mit Taschenlampe / Stirnlampe zu machen. Dabei gilt es wiederholt die Blöcke der herabgebrochenen Decke zu überwinden und den Höhlenbach zu queren, der meist unter dem Geröll abfließt. Nach ca. 70 m und einer letzten Kletteraktion über beeindruckende Felsquader steht man dann staunend vor der sogenannte „Altartafel“ deren Wasserfall aus 14 m Höhe in einen Pool stürzt. Der vom Tageslicht diffus ausgeleuchtete Felsendom ist die perfekte Inszenierung für den aus dem Dunkel kommenden Besucher und verfehlt seine Wirkung nicht.

Ich habe die Tour am späten Nachmittag gemacht, um den Kontrast des einfallenden Tageslichtes etwas zu reduzieren. Da es schon spät war und sich das Wetter weiter verschlechtert hatte – es begann zu regnen – trat ich nach diesem kleinen Abenteuer den Rückweg an, ohne den oberhalb der Trollkirche liegenden Bergsee zu besuchen. Während des Abstiegs entlang der Aufstiegsroute hat man immer wieder reizvolle Ausblicke ins Tal.

Genauere Angaben zur Route und zur Höhle selbst findet ihr unter folgenden Links: Die Trollkirche (Trollkyrka) in Eide – Wanderung in die norwegische Fabelwelt und https://nordlandscape.de/trollkirche/

Entlang der Schärenküste 2

Von Risör aus fuhren wir meist auf Nebenstraßen weiter in Richtung Kristiansand. Gleich hinter dem Sandnesfjord bogen wir erstmals wieder zur Küste ab.

Wie hier bei Krabbesund hat das Meer an diesem Küstenabschnitt ganz besondere Schärengärten geformt. Rund gewaschene Felsformationen, Pools und tief eingeschnittene Kanäle bilden in dieser Region eine Landschaft von eigenwilliger Schönheit. Nicht selten findet sich am Ende eines schmalen Kanals ein kleiner, natürlicher Hafen.

Die Provinzstraße 411 verläuft meist entlang eines Gewässers. Seen und Meeresarme wechseln sich dabei ständig mit ausgedehnten Waldflächen ab.

Das Städtchen Grimstad schmückt sich gerne mit Henrik Ibsen, der hier eine Lehre als Apotheker absolvierte, bevor er als Schriftsteller Karriere machte. Das hübsche Städtchen mit seinen tollen Stränden ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Weiter im Süden stießen wir auf der Suche nach einem Campingplatz auf die Ansiedlung Homborsund oder besser gesagt, auf deren idyllisch zwischen Felsformationen eingebetteten Hafen (Homborsund brygge).

Am nächsten Tag setzte sich der Wechsel zwischen besonderen Küstenformationen und idyllischen Städchen fort. Nachfolgend Aufnahmen von der Meerenge Blindleia. Diese erstreckt sich von Lillesand bis Gamle Hellesund im Süden und trennt auf einer Länge von 20 km zahlreiche Inseln vom Festland.

Einer der romantischsten Orte in diesem Bereich ist das alte Fischerdörfchen Brekkestö. Hier liese sich ohne große Vorbereitung jeder Rosamunde Pilcher Film drehen. Als Tourist sollte man die Bitte der Dorfbewohner unbedingt respektieren und das Auto auf dem Parkplatz vor der Ortschaft stehen lassen.

Entlang der Schärenküste I

Zwischen Larvik und Kristiansand erstreckt sich einer der interessantesten Küstenabschnitte Norwegens. Die rund geschliffenen Granitformatonen der Küstenlinie und Schärengärten schaffen in Kombination mit den bunten und weißen Holzhäusern, die sich harmonisch zwischen die Felsen schmiegen, eine Atmosphäre zum Wohlfühlen.

Kragerö war das erst Städtchen, das wir besuchten (Bild oben). Die als lebhaft und als vom Tourismus stark geprägt beschriebene Stadt erlebten wir Mitte September als sehr ruhig, fast schon geruhsam. Doch die zahlreichen Lokale und Bars machten deutlich, dass es hier auch ganz anders zugehen kann.

Risör, „die weiße Stadt am Skagerak“, war unser nächstes Ziel. Hier hatte man das Gefühl, als ob der ganze Ort am Wohlfühlimage des Städtchens arbeitet. Weiße Holzhäuser, Blumenschmuck und norwegische Fahnen prägen das Stadtbild.

Auffällig ist, dass in Risör offensichtlich die Tradition der alten Holzboote gepflegt wird. Es ist einfach schön, wenn diese Handwerkskunst nicht verloren geht. Jährlicher Höhepunkt dieser Tradition ist die Holzbootregatta im August.

Bekannt ist Risör auch für seinen „Weißen Flekken“. Bei diesem gekalkten Fels oberhalb der Stadt handelt es sich um eine künstlich geschaffene Orientierungsmarke für die Schifffahrt, die auf das 16. Jahrhundert zurückgeht. Diese liegt genau gegenüber der Hafeneinfahrt und kann aus einem Abstand von 11 Seemeilen erkannt werden. Dass gerade in Risör eine solche Navigationshilfe geschaffen wurde wundert nicht, denn die Stadt war einst der Hauptumschlagsplatz für den Holzexport. Die Stämme, die in Telemarken geschlagen und nach Skien geflößt wurden, wurden in Risör verschifft.

Vom Aussichtspunkt am „Risör Flekken“ genießt man den herrlichen Blick über den Hafen hinaus auf´s Skagerak.

Ein See für uns allein

Unser heutiges Ziel war der Telemarkkanal östlich von Ulefoss. Auf dem Abschnitt zwischen den Seen Norsjö und Flavatn überwindet der „Bandak-Norsjö-Kanal“ in sechs Sektionen einen Höhenunterschied von 72 Meter. Das größte Hebewerk mit 5 Kammern und 23 Meter Höhenunterschied befindet sich in Vrangfoss (nachfolgende Bilderreihe).

Der Kanal ging 1892 in Betrieb. Nahezu 200 Jahre lang hatten sich Bauern und Sägewerksbesitzer um den Bau dieses Kanals bemüht, um für die Flößerei die zahlreichen Wasserfälle zu bezwingen. In diesen hatten sich die Baumstämme immer wieder zu riesigen Haufen aufgetürmt, die oft über Jahre liegen blieben.

Als wir morgens dem unauffälligen Hinweisschild zu einem Strand folgten standen wir nach wenigen hundert Metern am „Nomestranda“, einem herrlichen, ruhig gelegenen Strand am Ende eines zwischen bewaldeten Bergen eingebetteten Sees. Typisch Telemark!

Wir beschlossen sofort zu bleiben, um den sonnigen Tag hier am See zu verbringen. Dass wir diesen tollen Platz für uns alleine genießen durften, empfanden wir als ungeheueren Luxus.

Rondanevegen

Nach dem Besuch bei den Moschusochsen im Dovrefjell bogen wir in Hjerkin von der E6 ab und folgten der Rondane Landschaftsroute, die in einem östlichen Bogen hinauf in die herrliche Fjelllandschaft des Rondane Nationalparks führt.

Schlängelt sich die Straße anfänglich noch durch lichten Kiefernwald, dessen Waldboden vollständig mit Islandmoos bedeckt ist, verläuft sie in höheren Regionen durch schüttere Birkenbestände …

… die in den Hochlagen in arktische Tundra übergehen.

Da uns diese Landschaft besonders gut gefällt und hier am späten Nachmittag rasch absolute Ruhe einkehrt, beschlossen wir, hier zu übernachten.

Bei den Moschusochsen

Bilder zum Vergrößern anklicken.

Möglicher Ausgangspunkt für eine Tour zu den zotteligen Relikten der Eiszeit ist die Kongsvold Fjellstue auf der Passhöhe der E6 im Dovrefjell. Dort beginnt der markierte Moschusochsen Trail hinauf ins Fjell, wo in den 1940 Jahren die Wiederansiedlung grönländischer Tiere gelang. Wir hatten auf einem Rastplatz in der Nähe übernachtet, damit ich gleich morgens in der Frühe losziehen konnte. Nach einer knappen Stunde Aufstieg durch lichten Birkenwald erreichte ich bei stark bewölktem Himmel und gelegentlichen Regenschauern die mit arktischer Tundra bedeckte Hochfläche in der diese urzeitlichen Gesellen leben sollen.

Bereits nach kurzer Zeit entdeckte ich eine Gruppe Tiere weit ab vom Pfad. In der herbstlich trockenen Tundra war eine Annäherung unproblematisch möglich. Allerdings war Vorsicht geboten, denn der Herbst ist Brunftzeit.

Er war der Boss einer kleinen Gruppe, die aus zwei Kühen mit je einem Kalb bestand.

Eine Kuh hatte es ihm besonders angetan, doch alle Versuche sie zu besteigen scheiterten. Mehr als Schnüffeln war nicht drin.

Auch ein junger, einzelgängerischer Bulle suchte wiederholt den Kontakt zur Herde, wurde jedoch vom „Platzhirsch“ allein durch überzeugendes Auftreten auf Distanz gehalten. Kampfszenen konnte ich leider nicht beobachten. In größeren zeitlichen Abständen spielte sich immer wieder dasselbe Ritual ab:

Der junge Bulle näherte sich bedächtig, wartete ab und kam nochmals entschlossen näher. Der alte Bulle hatte ihn längst bemerkt und hatte zum Fressen einen Platz zwischen seiner Herde und dem Rivalen eingenommen, so dass dieser die Breitseite des Bosses zu sehen bekam. Dies genügte meist, um den Jungen auf Abstand zu halten. Wenn er dennoch Anstalten machte, näher zu kommen, senkte der Alte den Kopf und drehte in Richtung des Nebenbuhlers. Der zog sich spätestens jetzt in seine Schmollecke zurück, um den Frust zu verdauen.

Der junge Bulle ist gut daran zu erkennen, dass seine Hornplatte noch nicht vollständig vom Fell befreit ist. Beim alten Bullen findet sich nur noch zwischen den Platten ein Streifen kurzer Haare.

Um diese Aufnahmen zu machen, hielt ich mich mehrere Stunden in der Nähe der Tiere auf. Mit der Zeit konnte ich die Distanz von 200 auf 80 Meter verringern. Bei den Moschusochsen im Dovrefjell handelt es sich um die einzige freilebende Herde in Europa. Sie besteht aus ca. 300 Tieren. Vor einigen Jahren hat sich ein Bulle mit zwei Kühen nach Schweden abgesetzt und dort eine kleine Herde begründet.

Doch die Tiere sind ja nicht alles. Als später die Sonne immer wieder die Wolkendecke durchbrach, begann die herbstliche Tundra zu leuchten. Ein Farbenspiel, das man auch nicht alle Tage hat!

Und auch beim Abstieg präsentierte sich der Birkenwald in neuen Farben.

Trondheim

Trondheim wurde 997 von König Olaf I. an der Mündung der Nidelva gegründet. Als Sitz des Königs von Norwegen war Trondheim im Mittelalter die Hauptstadt des Landes. Als Trondheim 1250 Bischofssitz wurde, führte dies zum Bau des Nidarosdoms.

Trondheim wuchs rasant, zumal es lange Zeit auch der Brückenkopf für die Entwicklung der nördlichen Landesteile war. Dies kann man noch heute an der ausgedehnten Speicherstadt entlang der Nidelva erkennen.

Dieser Stadtteil und das dahinter liegende Arbeiterviertel Bakklandet sind die ältesten erhaltenen Quartiere Trondheims und gehören, wie der Bereich um den Nidarosdom, zum lohnenswerten Pflichtprogramm einer jeden Stadtbesichtigung.

An der Nidelva ist auch Neues entstanden. Am Wasser geht dies in Norwegen natürlich nicht ohne Bootsanleger.

Heute ist Trondheim hinter Oslo und Bergen die drittgrößte Stadt des Landes und das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mittelnorwegens. Uns hat die lebendige Universitätsstadt von allen besuchten Städten Norwegens (Stavanger, Bergen, Alesund) am besten gefallen.