mittendrin

Nach dem nächtlichen Ausflug zu den Drei Zinnen bestaunten wir am anderen Morgen die Bergwelt direkt vor unserem Camper. Gegen den Uhrzeigersinn wuchsen diese herrlichen Berge direkt vor unserer Nase in den Morgenhimmel und wir saßen mittendrin:

Der Monte Piana, …

… das Cristallo Massiv …

und die Cadini di Misurina mit ihrer zerklüfteten Skyline.

Nachdem wir diese Aussicht in uns aufgesaugt hatten, fuhren wir hinab zum Misurinasee. Hinter dem See thronte das mächtige Massiv der Drei Zinnen. Direkt unterhalb der Geröllfelder, kann man rechts die Auronzohütte erkennen.

Das Grand Hotel Misurina vor der Kulisse der Drei Zinnen zeigt die klassische Architektur alter Luxushotels.

Auf unserer Weiterfahrt in Richtung Süden passierten wir den Wintersportort Cortina. Die ersten Häuser liegen direkt am Fuße des Cristallo Massivs.

Unser Tagesziel war der Passo Giau über dem sich die Ra Gusela ganze 2595 m in den Himmel reckt.

Die Abendsonne setzte das Cristallomassiv noch einmal ins richtige Licht.

Der Kronplatz

Unser erstes Ziel in Südtirol war der 2275 m hohe Kronplatz bei Bruneck. Seit 1964 nach mehreren erfolglosen Anläufen der erste Skilift auf den Hausberg Brunecks gebaut worden war, entwickelte sich der Kronplatz zu einer Drehscheibe des Skilaufs. Inzwischen ist der Berg von allen Seiten erobert und zu einem Freizeitpark verkommen. Im Sommer gäbe es deshalb – mit Ausnahme der Downhill-Fahrer – aus meiner Sicht keinerlei Grund, den Kronplatz zu besuchen, wenn es dort nicht zwei Museen gäbe,

  • das Messner Mountain Museum, MMM Corones
  • und das Lumen, ein Museum für Bergfotografie.

Diese Museen wurden natürlich nur deshalb auf dem Kronplatz errichtet, um den Bergbahnbetreibern die Bilanz aufzubessern und den Tourismus im Sommer anzukurbeln. Lange habe ich daher mit mir gerungen, ob ich diesen neuen Trend der gesteigerten Nutzung des Alpenraums unterstützen sollte. Am Ende überwog die Neugier, denn auf dem Kronplatz gibt es ohnehin nichts mehr zu retten.

Das MMM Corones wurde von der bekannten irakisch-britische Architektin Zaha Hadid entworfen und 2015 eröffnet. Das absolut außergewöhnliche Bauwerk beherbergt das sechste und letzte Museum von Reinhold Messner und ist dem „traditionellen Alpinismus“ gewidmet. Während mich die Exponate und die Aufmachung der Ausstellung nicht immer überzeugen konnten, war ich von der Architektur begeistert, die immer wieder den Blick auf die Bergwelt in das Ausstellungskonzept einbezieht. Besonders beeindruckend fand ich die Lichtführung, welche die Besucher vom Eingang ausgehend in die verschiedenen Zweige des Museums lenkt.

Das Museum für Bergfotografie, Lumen, wurde 2018 eröffnet. Es zeigt auf drei Stockwerken die Entwicklung der Fotografie und speziell der Bergfotografie. Neben der Dauerausstellung sind auch thematisch begrenzte Wechselausstellungen zu sehen. Das Museum zeigt gute Ansätze dem Thema Bergfotografie durch besondere Ausstellungsformate gerecht zu werden, kann dies aber leider nicht durchhalten.

Hier zwei meines Erachtens gelungene Beispiele: Die an Reepschnüren aufgehängten Bilder und die Dunkelkammer, die an Decke, Wänden und Fußboden mit zahlreichen Bildschirmen ausgestattet ist. Diese zeigen teils statische Bilder, teils über mehrere Bildschirme gekoppelte Videosequenzen.

Positiv ist auch, dass das Museum in der umgebauten, alten Bergstation untergebracht wurde, die nach der Erneuerung der Bergbahnen um die Jahrtausendwende frei geworden war. Im Anbau integriert befindet sich das Restaurant AlpiNN vom Südtiroler 3-Sternekoch Norbert Niederkofler.

Der Kronplatz dient aber auch als Spielwiese ganz unterschiedlicher Interessen. So wurde auf dem Gipfel 1984 die St. Sebastian Kapelle errichtet. Anlässlich des 100. Jahrestag des Endes des 1. Weltkrieges mit dem auch die Teilung Tirols vollzogen wurde, hinterlegten dort die Schützenverbänden Nord- und Südtirols 2018 eine Reliquie des letzten habsburgischen Herrschers, Kaiser Karl I. Identitätspflege oder mehr?

2003 wurde über der Aussichtsplattform die Friedensglocke Concordia 2000 aufgestellt. Damit soll all jenen gedankt werden, die sich für den Ausbau des Kronplatzes eingesetzt haben und zugleich soll sie als Mahnmal für Eintracht und Frieden dienen.

Drei Zinnen bei Nacht

In der Abendsonne genoss ich den fantastischen Blick auf die Drei Zinnen. Aber auch der Paternkofel machte im warmen Licht der letzten Sonnenstrahlen eine gute Figur.

Bis zum Abend stiegen zahlreiche Alpinisten auf und biwakierten im Umfeld der Hütte, um am nächsten Morgen in einen der zahlreichen Klettersteige einzusteigen. Andere kosteten die letzten Sonnenstrahlen am Berg aus und machten sich mit Einbruch der Dunkelheit mit Stirnlampe auf den Rückweg. Dabei markierten sie ihren Weg wie Glühwürmchen mit Leuchtspuren.

Die Wolken hatten sich inzwischen tatsächlich aufgelöst, doch den früh aufgehenden Halbmond hatte ich nicht einkalkuliert, zumindest nicht mit einer derartigen Leuchtkraft.

Mit dem Mondlicht ergaben sich Bilder fast wie bei Tageslicht (oben die Drei-Zinnen-Hütte). Um in Richtung Drei Zinnen Aufnahmen zu machen (Gegenlicht), musste ich abwarten bis der Mond hinter der mittleren Zinne verschwunden war. Doch für ein wirklich gutes Sternenfoto war es auch dann noch zu hell. Die Milchstraße lässt sich nur erahnen.

Auf dem Rückweg war das Mondlicht so hell, dass ich nur dann meine Stirnlampe benötigte, wenn mich der Mond blendete. Gegen 0:30 Uhr war ich zurück am Parkplatz. Obwohl sich die Höhenunterschiede in engen Grenzen hielten, machte sich nach 9 Stunden die schwere Fotoausrüstung deutlich bemerkbar. Zu allem Überfluss stellten sich im Nachgang dann auch noch Probleme bei der Entfernungseinstellung heraus. Kleine Unachtsamkeiten auf die man gut und gerne verzichten könnte. Insgesamt hat sich die Unternehmung dennoch gelohnt. Sie warf einige ordentliche Bilder ab und bildete den Rahmen für wichtige Erfahrungen.

Drei Zinnen

Bild oben: Lago di Antorno mit den Drei Zinnen.

Die Drei Zinnen sind wohl die bekannteste Bergformation Südtirols. Vom Norden aus sind sie am einfachsten über Toblach und den am Col San Angelo gelegenen Misurinasee zu erreichen. Von dort aus gelangt man über eine mautpflichtige Straße vorbei am Lago di Antorno zur Rifugio di Auronzo in 2320 m Höhe.

Die unmittelbar unter der Südflanke der Drei Zinnen gelegene Auronzohütte ist Ausgangspunkt für zahlreiche Wanderungen. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei von familienfreundlich bis zum alpinen Klettersteig.

Ich hatte mir vorgenommen von den Drei Zinnen Nachtaufnahmen zu machen. Hierzu startete ich am Nachmittag trotz deutlicher Bewölkung. Diese sollte sich nach der Wettervorhersage in der Nacht weitgehend auflösen. Der Weg führte mich an der Südrampe der Drei Zinnen entlang. Vorbei an der Cappella degli Alpini eröffneten sich Ausblicke hinab ins Val d´Ansiei.

Bild oben und unten: Der Blick zurück ohne und einmal mit den Drei Zinnen.

Über den Paternsattel (2454 m) setzte ich den Weg zur Drei-Zinnen-Hütte (2405) fort. Von dort aus bietet sich der berühmten Panoramablick auf die markante Felsformation der Drei Zinnen.

Ob es mit den Nachtaufnahmen tatsächlich noch etwas wurde, werde ich im nächsten Beitrag auflösen.

Hier noch einige Infos Zur Mautstraße: Die Maut für einen PKW beträgt 30 € und für einen Camper 45 €. Da das Ticket um Mitternacht abläuft sind bei einer Übernachtung für die Talfahrt nochmals 45 € fällig. Bei einer Anfahrt nach 19 Uhr ist nur die Talfahrt zu bezahlen. Eine genaue Angabe über die Anzahl der Parkplätze konnte ich nicht ermitteln. Nach meiner Schätzung dürften es aber mindestens 1500 sein. Selbst jetzt im Oktober waren diese Plätze bereits am Vormittag voll, so dass sich lange Warteschlangen bildeten. Zur Hauptsaison nicht auszudenken! Geschätzt werden über diese Maut in den Monaten Juni bis Oktober rund 20 bis 40 Millionen Euro umgesetzt. Ein Geschäft, das sich lohnt.

Südtirol

Der Passo di Giau im Widerschein des letzten Abendlichts. Die Passhöhe liegt südwestlich von Cortina auf 2236 Meter ü. NN.

Aufnahmedaten: 134 s bei f 22 und ISO 100, 16 mm

Container-City

In den Stuttgarter Wagenhallen, wo einst Lokomotiven und Busse gewartet wurden, hatten sich nach der Jahrtausendwende Kunst- und Kulturschaffende aller Art eingemietet. Als 2015 der Beschluss stand, die Wagenhallen zu sanieren, musste für sie eine Interimslösung gefunden werden, das war die Geburtsstunde der „Container-City“.

Hier zu sehen die Skulptur „Yellow Arrow, 2011, Auto, Stahl, Lack, 240 × 430 × 1300 cm“ von Stefan Rohrer. Ein Ausflug auf dessen Homepage ist absolut lohnend.

Im „Vorhof“ der Wagenhallen entwickelte sich eine alternative Szene aus Handwerkern, Künstlern, Architekten, Theaterleuten und Lebenskünstlern, die auch über den Wiederbezug der Wagenhallen hinaus bis heute Bestand hat. Dass sich dieses „Kulturschutzgebiet“ in den vergangenen Jahren zu einem kreativen und lebendigen Ort für innovative Kultur in Stuttgart entwickelt hat, ist auch beim Stadtrat angekommen. Deshalb sucht man nach Lösungen, um diese alternative Szene an einen anderen Ort umzusiedeln, denn im Rahmen der Umgestaltung von Stuttgart 21 und dem neuen Rosensteinquartier muss auch die selbstgestaltete Außenfläche „Container-City“ weichen.

Das Gebiet um die Wagenhallen ist Teil der Entwicklungsfläche Stuttgart Rosenstein. Hier soll 100 Jahre nach der Weissenhofsiedlung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) bis zum Ausstellungsjahr der erste Baustein des neuen Stadtteils entstehen: die sogenannte „Maker City“. Die Idee ist, ein Quartier mit neuen ökologisch‐sozialen Wohnformen und gemischter Nutzung zu errichten. In Anlehnung an den bereits kulturell geprägten Ort soll ein produktives Stadtquartier entwickelt werden. Neben den Ateliers der ansässigen Kunst‐ und Kulturschaffenden können Handwerksbetriebe und Einrichtungen für die Bereiche Entwicklung, Forschung, Bildung und Freizeit entstehen – und dazu beitragen, dass die „Maker City“ ein lebendiges und vielfältiges Viertel wird. Offensichtlich haben die Stadtplaner Stuttgarts begriffen, dass sich eine derart katastrophale Architektur wie im Europaviertel nicht wiederholen darf.

Wie die Lösung für das Ausweichquartier ausfallen wird, bleibt abzuwarten, denn das Ganze hat auch noch eine weitere wichtige Dimension, die bei Diskussionen meist unter den Tisch fällt. An Orten wie der „Container-City“ gelingt es, auch Menschen zu integrieren, die sich mit einem bürgerlichen Leben aus unterschiedlichen Gründen schwer tun. Hier aber sind sie nicht nur geduldet, sondern können sich auch mit ihren Fähigkeiten in die Gemeinschaft einbringen und finden bezahlbaren Wohnraum. Die Sanierung alter oder Entwicklung neuer Stadtviertel entzieht diesen Mitmenschen die Lebensgrundlage. Die Folgekosten für Sozialarbeit und Sozialkassen währen wahrscheinlich wesentlich größer und weit weniger produktiv, als die Unterstützung einer solchen Szene. Eine Großstadt / Gesellschaft braucht derartige „Kulturschutzgebiete“ in denen sich alternative Lebensformen entwickeln können.

Quellen:

Gespräche mit Bewohnern, Stuttgarter Zeitung, Stadt Stuttgart, Kunst- und Kulturverein Wagenhallen

Wo die moderne Architektur erfunden wurde.

Im 1907 gegründeten Deutschen Werkbund wurde erfolgreich der Versuch unternommen, durch die Zusammenarbeit von Kunst, Industrie und Handwerk die Qualität deutscher Produkte sowie deren Produktionsprozesse zu verbessern. Zentrales Anliegen war die Suche nach einer neuen, durch „Zweck“, „Material“ und „Konstruktion“ bedingten Formgebung. Die Produktpalette reichte dabei „vom Kopfkissen bis zum Städtebau“.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde der Werkbund zunehmend von führenden Vertretern des „Neuen Bauens“ beeinflusst. Mit der Ausstellung „Die Wohnung“ gelang dem Werkbund 1927 ein großer Wurf, denn mit der Stuttgarter Weissenhofsiedlung präsentierte er erstmals national und international die von ihm postulierten neuen Formen des Wohnens. An der Ausstellung beteiligten sich 17 Architekten aus verschiedenen Ländern. Dazu gehörten Le Corbusier, Gropius (Bauhaus) und Scharoun. Damals waren sie nur in Kreisen der internationalen Avantgarde bekannt – heute zählen sie zu den bedeutendsten Meistern der modernen Architektur. Unter der künstlerischen Leitung von Ludwig Mies van der Rohe suchten sie nach Antworten auf die Frage, wie künftig in der Großstadt gewohnt werden sollte. In nur 21 Wochen entstanden 21 Musterhäuser.

Die Bauausstellung Weissenhofsiedlung zeigte die damals aktuelle Entwicklung der Architektur und des Wohnungsbaus. Ein formaler Zusammenhang wurde durch die grundsätzlich ähnlichen Architekturauffassungen der mitwirkenden Architekten und die Vorgabe der „revolutionären“ Flachdächer erreicht. Die Auffassung vom „Bauwerk als Gesamtkunstwerk“ und der Grundsatz „die Form folgt der Funktion“, ließ nüchterne, kubische Zweckbauten ohne jeglichen Schnörkel entstehen, die bis heute die Baukunst der Moderne und Postmoderne repräsentieren und beeinflussen.

Die damalige Zielsetzung im Wohnungsbau lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der Wohnungsbau sollte billiger und besser werden. Licht und Luft sollte die Gesundheit fördern und die Hauswirtschaft sollte vereinfacht werden.

Wer heute die Weissenhofsiedlung besichtigt trifft zuerst auf die „Wohnmaschine“ von Le Corbusier. (Die nachfolgende Aufnahme musste wegen einer Baustelle aus einer etwas ungünstigen Position gemacht werden.)

Le Corbusier hat am radikalsten und zugleich richtungsweisendsten moderne Architektur bis hin zur Inneneinrichtung umgesetzt. Seine 5 Punkte zur Architektur können an diesem Bauwerk nachvollzogen werden und sind heute aktueller denn je:

  1. Ein Raster von Stahl-/Betonstützen ersetzt die tragenden Mauern und erleichtert modulares Bauen.
  2. Durch den Wegfall tragender Mauern wird eine freie Grundrissgestaltung ermöglicht.
  3. Die Ständerbauweise ermöglicht auch eine freie Fassadengestaltung. Die Trennung der äußeren Gestaltung von der Baustruktur wird so möglich.
  4. Langfenster durchschneiden die nichttragende Fassade und versorgen die Wohnung mit gleichmäßigem Licht.
  5. Die Dachgärten werden ins Wohnen einbezogen. Sie dienen dem Schutz der Flachdächer, als Nutzgarten und geben ein Stück Natur zurück.

Ein weiteres Element seiner Architektur lässt sich unschwer erkennen: Da es ja auch um günstigen Wohnraum ging, knauserte Le Corbusier mit jedem Quadratmeter. Verkehrsflächen wurden deshalb möglichst klein gehalten, um nicht unnötig an Wohnfläche zu verlieren. Dies führte insbesondere zu sehr steilen und schmalen Aufgängen und Treppenhäusern.

Seine Idee das Wohnen und Schlafen in einem Zimmer zu integrieren sparte zwar Raum, stieß aber auf wenig Gegenliebe, denn sie war zwar praktisch, zwang den Bewohnern aber einen Lebensstil auf, der ihnen zumindest damals nicht entsprach. Seine gemeinsam mit seinem Vetter Pierre Jeanneret errichtete „Wohnmaschine“ war deshalb das einzige Haus, das nach der Ausstellung nicht vermietet werden konnte.

Die Reihenhäuser im Pankokweg 5-9 (Bild oben) stammen vom Architekten J.J.P. Oud. Dieser niederländische Architekt gilt heute als einer der Hauptvertreter des Funktionalismus.

Die an eine Fabrikhalle erinnernden Reihenhäuser unten entwarf Mart Stam, der jüngste Architekt, der in der Weissenhofsiedlung bauen durfte. Der niederländische Architekt und Designer hatte ein wechselvolles Leben, das ihn wiederholt zwischen der DDR und dem Westen pendeln ließ.

Der deutsche Architekt Hans Scharoun entwarf das nachfolgende Einfamilienhaus im Hölzelweg 1. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der organischen Architektur.

Nach der Machtergreifung 1933 sahen sich die Architekten des Neuen Bauens zunehmender Kritik ausgesetzt. Viele wanderten aus und trugen ihre Ideen in die Welt. 1938 stimmte die Stadt Stuttgart dem Verkauf der Siedlung an das Deutsche Reich zu. Das Ansinnen, die „Arabersiedlung“ abzureißen wurde jedoch wegen des Kriegsausbruchs nicht umgesetzt. 1944 wurden dann durch Bombenangriffe 10 Häuser völlig zerstört und nach dem Krieg weitere Häuser durch Umbau verschandelt. Erst 1958 stellte Stuttgart die übriggebliebenen Häuser unter Denkmalschutz. Nach Gründung des Vereins „Freunde der Weißenhof-Siedlung e.V.“ sanierte die Stadt 1981 bis 1987 die verbliebenen elf Häuser und versetzt sie in ihren ursprünglichen Zustand. Seit 2006 ist in der „Wohnmaschine“ von Le Corbusier das Weißenhofmuseum untergebracht. Dieses Doppelhaus wurde 2016 gemeinsam mit seinem Haus Citröhan in die Liste des UNESCO‐Weltkulturerbes aufgenommen.

Und wie sieht die Zukunft aus? Genau hundert Jahre nach dem Weissenhof wird in Stuttgart an der IBA’27 geplant.

In der heutigen Zeit dürfen die nachfolgenden Informationen nicht unter den Tisch fallen:

Gropius versuchte sich im Dritten Reich wiederholt mit den Nazis zu arrangieren, um seine Ideen nach der Schließung des Bauhauses auf privater Ebene fortsetzen zu können, allerdings erfolglos. Hierfür erntete er nach dem Dritten Reich viel Kritik.

Anders Le Corbusier. In Wikipedia wird der Lausanner Architekturhistoriker Pierre Frey zitiert: „Le Corbusier war ein radikaler Theoretiker … und ein rabiater Antisemit.“ Fakt ist, dass er unmittelbar nach der Installation der Vichy-Regierung im besetzten Frankreich den Kontakt zu diesem Regime suchte und über zahlreiche rechtsradikale Unterstützer verfügte, die ihn dort empfahlen. Infolge wurde er 1941 zum Beauftragten für Städtebau im zerstörten Frankreich ernannt. Nach der Befreiung Frankreichs 1944 ging es für ihn nahtlos weiter. Er wurde Vorsitzender der Städtebaukommission des französischen Architektenverbandes und setzte seine Karriere als Architekt auf internationaler Bühne fort.

Quellen:

Stadt Stuttgart, Planet-Wissen, Wikipedia zu einschlägigen Architekten.

Trockenbrüche

Unsere Streuobstwiesen haben in diesem Jahr unter der langen Trockenheit schwer gelitten. Eine Vielzahl alter Bäume brach einfach auseinander.

Natürlich ist es nicht nur die Trockenheit, die zu diesen Schäden geführt hat. Wie immer ist das Problem komplexer. Alte Obstbäume sind häufig vom Pilz befallen und von innen heraus morsch, denen gab die Trockenheit den Rest. Doch auch gesunde Bäume waren von Trockenbrüchen betroffen. Ob Apfel-, Birn-, Kirsch- oder Zwetschgenbaum, keine Obstsorte blieb verschont.

Ein großes Problem ist, dass viele Streuobstwiesen seit Jahren nicht mehr gepflegt werden. Der Baumschnitt blieb aus und auch der Baumbestand wurde nicht mehr erneuert. Die alten Leute, die diese Baumpflege über Jahrzehnte betrieben haben, sterben langsam aus. Für sie waren die Streuobstwiesen einst lebensnotwendig, später Gewohnheit und am Ende nur noch eine Last. Die Jüngeren haben oder nehmen sich dafür nur selten Zeit, zumal sich diese Arbeit in keiner Weise rechnet.

Die Folgen sind nicht zu übersehen. Da nützt es auch nichts, die Streuobstwiesen zu schützen. Nur ein Umdenken, eine Änderung der Lebensweise und neue Ideen zur Vermarktung werden diese artenreiche Kulturlandschaft retten. Heute zählen die Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Lebensräume.