Befreiungshalle Kehlheim

Die Befreiungshalle steht bei Kehlheim auf dem Michelsberg zwischen Donau und Altmühl. In den Jahren 1843 – 63 von Ludwig I., König von Bayern erbaut, zählt sie zu den bedeutendsten Bauwerken Deutschlands des 19. Jahrhunderts und gilt als eines der wenigen großen, architektonisch konzipierten Nationaldenkmäler. Sie erinnert an die siegreichen Schlachten der europäischen Befreiungskriege gegen Napoleon 1813 – 15.

Der von den Architekten Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze errichtete klassizistische Monumentalbau nach antikem Vorbild, folgt auf der Basis der Zahl 18 einer strengen und bewussten Gestaltung. Die Außenansicht wird geprägt von 18 Strebepfeilern, die von Kolossalstatuen (5,80 m Höhe) gekrönt werden. Diese sollen die 18 deutschen Volksstämme verkörpern, die an den Befreiungskämpfen beteiligt waren. Darüber erhebt sich eine Säulengalerie aus 54 (3 x 18) monolithischen Marmorsäulen, die von einem Architrav abgeschlossen werden. Darüber befindet sich ein freier Umgang, der weite Ausblicke ins Umland ermöglicht.

Den Strebesäulen sind 18 Kandelaber vorgesetzt, die mit 6,50 m eine beeindruckende Höhe erreichen.

Über insgesamt 84 Stufen erreicht man den Eingang. Beim Betreten der Rundhalle wird durch das einfallende Licht der Blick zur Kuppel gelenkt. Mit einem Durchmesser von 29 m und einer Höhe von 14 m schließt sie das Hallenrund ab. Das einzige Licht fällt durch ein Opaion im Zenit. Die Gesamthöhe der Halle beträgt 45 m.

Der Aufbau im Innern folgt dem äußeren Erscheinungsbild. Die untere Säulenreihe gestaltet 18 Nischen. Vor diesen stehen je 2 Siegesgöttinnen aus Carrara-Marmor, die in einer Hand je ein Schild halten. Auf diesen stehen die siegreichen Schlachten während der Befreiungskriege. Das Material der Schilder besteht, wie das Eingangstor, aus erbeuteten und eingeschmolzenen Geschützen. Die Viktorien reichen sich die freie Hand, so dass ein geschlossener Kreis entsteht.

Über den Nischenbögen sind Marmortafeln angebracht. Diese tragen in goldener Schrift die Namen der bedeutendsten Feldherren.

Darüber erhebt sich die Säulengalerie aus 36 toskanischen Doppelsäulen. Auf dem Architrav, der zur Kuppel überleitet, stehen die Namen der eroberten Festungsanlagen.

Von der Galerie aus überblickt man den Fußboden des Hallenrunds. Dieser besteht aus einem konzentrisch angeordneten Mosaik aus buntem Marmor. Im Zentrum steht auf gelbem Siena-Marmor in schwarzer Schrift der nachfolgende, von Ludwig I. selbst stammende Satz:

MOECHTEN
DIE TEUTSCHEN
NIE VERGESSEN WAS
DEN BEFREIUNGSKAMPF
NOTHWENDIG MACHTE
UND WODURCH SIE
GESIEGT.

Bei meinen Recherchen habe ich leider eine historische Einordnung zur Entstehung der Befreiungshalle vergeblich gesucht. Ludwig I. gilt sicher zu Recht als Förderer der Kunst und als architektonischer Gestalter. Dabei hat er sich viele Verdienste erworben. Auch hat er durch seine Regeln zum Denkmalschutz zum Erhalt zahlreicher Bauwerke, ja ganzer Stadtanlagen beigetragen. Doch betrachtet man den zeitlichen Zusammenhang zwischen den aufkommenden revolutionären Ideen (Hambacher Fest 1832 in der bayrischen Rheinpfalz) und dem zunehmend reaktionärer werdenden politischen Kurs von Ludwig I., so liegt nahe, dass er mit dem Bau der Wallhalla und der Befreiungshalle, vom Ruhm und Glanz der Befreiungskriege profitieren und die Bevölkerung moralisch zur Unterordnung verpflichten wollte. Anders kann sein im Fußboden eingelassener Satz (siehe oben) nicht verstanden werden.

Zu Ludwirg I. gäbe es noch viel zu sagen, doch kann dies nicht Teil dieses Beitrags sein.

Steinerne Brücke, Regensburg

Bei Sonnenaufgang bieten sich gut Voraussetzungen um die Steinerne Brücke in Regensburg vor der Altstadtkulisse mit Dom fotografisch ins richtige Licht zu setzen. Um die zwischen 1135 und 1146 errichtete Donaubrücke abzulichten finden sich optimale Standorte auf dem Uferdamm „Am Beschlächt“ (oberes Bild) oder auf der Jahninsel (nachfolgendes Bild).

Die frühen Morgenstunden bieten noch einen weiteren Vorteil, es sind noch keine Menschenmassen unterwegs, so dass man auch auf der Brücke fotografieren kann. Das nachfolgende Bild zeigt den Blick von der Brücke flussabwärts.

Ganz anders ist die Situation um die Mittagszeit. Hier bietet sich im Gegenlicht eine SW-Ausarbeitung als Scherenschnitt an.

Hundertwasser und die Braukunst

Wie, so fragt man sich, kommt der Wiener Künstler Friedensreich Hundertwasser nach Abensberg in die tiefe Provinz Oberbayerns? Ganz einfach: Leonhard Sallek, der Besitzer der Brauerei Kuchelbauer, hatte die zündende Idee, sich von Hundertwasser einen Turm in seinen Biergarten stellen zu lassen. Dass der Turm 70 m hoch werden sollte, ging dann aber doch über den Durst der bayrischen Denkmalspfleger und so brachte es der fertige Turm schließlich auf gut 34 m. Dennoch, der Kuchelbauer Turm mit seiner weithin sichtbaren Goldkuppel entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einem Besuchermagnet und damit zu einer einzigartigen Werbekampagne.

Hundertwasser erlebte den Bau seines Turmes jedoch nicht mehr. Damals bereits in Neuseeland lebend, verstarb der Künstler auf der Rückfahrt nach Europa am 19.02.2000 an Bord der Queen Elisabeth II vor Brisbane (Australien).

Der Architekt Peter Pelikan, der zuvor schon mehrere Projekte zusammen mit Hundertwasser umgesetzt hatte, errichtete den Kuchelbauer Turm, der 2010, am Tag des Bieres, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Bis heute befinden sich in Kuchelbauers Bierwelt Kunst, Braukunst und Kommerz im Einklang.

Auf dem Gelände der Brauerei vollendete Pelikan noch ein weiteres Bauwerk im Stile Hundertwassers, das KunstHaus Abensberg mit dem extrem schiefen Turm als Markenzeichen. Der Umbau einer alten Villa beherbergt eine Dauerausstellung zum Leben und Schaffen des Künstlers Friedensreich Hundertwasser.

Bayerische Schmankerl

Hat man von Ulm herkommend die Grenze nach Bayern überschritten, ist es bis zur ehemaligen Reichsstadt Donauwörth nicht mehr weit. Auf dem Weg nach Regensburg legten wir hier eine kurze Mittagspause ein. Die Stadt hätte allerdings eindeutig mehr Zeit verdient. Doch für eine kleine Erkundungsrunde reichte es.

Durch das Rieder Tor gelangt man in die Altstadt, deren zentrale Reichsstraße ein geschlossenes Ensemble historischer Gebäude präsentiert.

Einmal mehr lässt sich beispielhaft erkennen, wie die geografische Lage einer Stadt ihre Bedeutung über Jahrhunderte hinweg bestimmt. Im römischen Straßennetz, am Ende der Via Claudia gelegen, bildete die Ansiedlung an der Mündung der Wörnitz in die Donau einen wichtigen Übergang ins Limesland jenseits der Donau. Im Heiligen Römischen Reich verlief auf dieser Achse die Reichsstraße, die Augsburg mit Nürnberg verband. Diese bildete damals wie auch heute noch den Kern von Donauwörth und zählt zu den schönsten historischen Straßenzügen in Süddeutschland. Doch Vorsicht! Historisch bedeutet nicht automatisch „alt“. Die Häuser entlang der Reichsstraße wurden gegen Ende des 2. Weltkrieges weitgehend zerstört. Bereits 1946 begann man mit dem Wiederaufbau. Dabei hielt man sich zum Glück weitgehend an die historischen Vorlagen.

Das obere Bild zeigt das ab 1444 errichtete Liebfrauenmünster. Auf der gegenüberliegenden Seite der Reichsstraße steht das um 1400 errichtete Kauf- und Tanzhaus, in dem schon Kaiser Maximilian I. das Tanzbein schwang. Gegenwärtig wird das Haus renoviert. Sein Aushängeschild zeigt das Stadtwappen Donauwörths, das die Stadt seit 1530 führt und das sie als ehemalige „Freie“ Reichsstadt ausweist.

Entlang der Reichsstraße lassen sich viele interessante Details beobachten. Nur zwei Beispiele: Im linken Haus war einst die Werkstatt eines Spenglers untergebracht, an die der heutige Besitzer erinnert. Der Adler rechts, Wappenvogel Donauwörths, krönt den Reichsbrunnen des Münchner Künstlers Hans Wimmer. Diesen spendete die Bürgerschaft 1977 anlässlich der Feierlichkeiten zu tausend Jahre Brückenstadt.

In Verlängerung der Reichsstraße trifft man auf die Heiligkreuzkirche, einem Teil des ehemaligen Benediktinerklosters, dessen Ursprung auf die Schenkung einer Kreuzreliquie des Kaisers von Konstantinopel im 11. Jhd. zurückgeht. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem 18. Jahrhundert. In der Gegenwart hat man sich wenigstens gedanklich mit der sexuellen Gewalt in der und durch die Kirche auseinandergesetzt. Typisch für die Lage der Kirche scheint mir jedoch der große Abstand zwischen diesem Denkmal und den altehrwürdigen Gemäuern. Ein Symbol für die fast unüberwindliche Kluft zwischen Volk und Kirchenleitung. Mit Worten alleine werden sich aber die dunklen Wolken über den Kirchtürmen so schnell nicht verziehen.

Von der Heiligkreuzkirche gelangt man entlang der kleinen Wörnitz und der Stadtmauer mit dem Färbertörl zurück zum Rieder Tor. Dieses gilt als Wahrzeichen Donauwörths. Die Brücke wird seit 1995 von zwei Brückenheiligen flankiert. Links steht der Heilige Nepomuk (Bild unten links) und rechts der Heilige Nikolaus, ausgestattet mit Anker, Bischofsstab, Mitra, Bibel und drei Kugeln. St. Nikolaus gilt als ältester Schutzheiliger der Stadt.

Hierzu schrieb mir Sylvia Huber aus Donauwörth eine Geschichte, die ich so noch nicht kannte: „Warum 3 Kugeln?
Eine verbreitete Legende erzählt, dass Nikolaus ein Geldgeschenk in Form von drei goldenen Kugeln heimlich durch das Fenster eines Hauses warf. Damit konnte er verhindern, dass der Vater seine Töchter zur Prostitution hergeben musste. Und tatsächlich ist auch vom historischen Nikolaus überliefert, dass der Bischof sein gesamtes Vermögen den Armen vermachte.“

Sylvia bloggt selbst auf Instagram über ihre Heimatstadt unter „entdeckt in Donauwörth“ und beantwortete meine Fragen schnell und kompetent. Herzlichen Dank nach Donauwörth!

Gegen den Corona-Koller 14

Eigentlich hatte ich das Thema längst abgehakt. Doch nun hat es mich selbst erwischt. Am Mittwoch fiel der Test positiv aus. Gott sei Dank erst jetzt, wo die Verläufe auch durch den Schutz der Impfungen relativ harmlos sind. Doch wer braucht´s?

Immerhin verändert es die Perspektive: Vom bisherigen Zuschauer zum Betroffenen. Perspektivwechsel sind eigentlich immer eine gute Sache. Dazu kann und soll dieses Bild einladen.

Es ist vollbracht!

Am Freitag, 22.09.2023, fand die Vernissage zu unserer Ausstellung „Leben und Arbeiten in Reutlingen“ statt und am Samstag, 30.09.23, folgte die „Zentralveranstaltung“ zur Interkulturellen Woche, in deren Rahmen unsere Ausstellung zu sehen ist. Damit fand unser bildjournalistisches Fotoprojekt sein vorläufiges Ende, das 11 Monate zuvor gestartet war. Der mit ca. 150 Besuchern voll besetzte Saal und die Reaktionen der BesucherInnen in der Ausstellung machten die Veranstaltung zu einem vollen Erfolg.

Die Begeisterung derer erleben zu können, die wir porträtiert hatten, wenn sie staunend vor ihrer eigenen Bildreportage standen, war ein Geschenk. Allein dafür haben sich die immensen Anstrengungen, um dieses Projekt zu stemmen, gelohnt.

Einige Einblicke in die Ausstellung:

Eindrücke von der Vernissage.

Fotos von Helmut Kober:

Yuko und Karl-Friedrich Schmidt mit ihrem Fotografen Martin Hust (Mitte).

Fotos von Karsten Stello:

Links: Sena Umul mit Ramazan Selcuk, der auch porträtiert wurde. Rechts: Max und Caro vor ihrem Tableau.

Die vollständige Ausstellung und weitere Reportagen findet ihr in unserem Online-Album.

Die Ausstellung ist noch bis zum 28.10.2023 im 1. OG der vhs in der Spendhausstr. 6 in Reutlingen zu sehen.

Zielsetzung der Ausstellung:

In Reutlingen beträgt der Bevölkerungsanteil mit Migrationsgeschichte 44 %. Diese Menschen leisten ihren Beitrag zum Leben in der Stadt. Mit ihren vielfältigen Fähigkeiten und ihrem Engagement sind sie nicht nur willkommene Arbeitskräfte sondern bereichern das Zusammenleben. Sie sind zum festen Bestandteil unserer urbanen Gesellschaft geworden. Ohne sie würde vieles nicht funktionieren. Indem wir Menschen mit und ohne Migrationshintergrund porträtiert haben, soll der Ausstellungsbesucher erleben, dass wir alle zusammen ein Gemeinwesen bilden. Es lohnt sich, an diesem gemeinsam zu arbeiten.

Hauptredner der Vernissage war Dr. Wolfgang Alber.

Alber war lange Jahre Redakteur beim „Schwäbischen Tagblatt“ in Tübingen. Der in Reutlingen lebende Kulturwissenschaftler schreibt heute als freier Autor vor allem über kulturgeschichtliche und landeskundliche Themen. Alber würdigte die Ausstellung und stellte in einem großartigen Überblick den Zusammenhang zum professionellen Bildjournalismus und den gesellschaftlichen Entwicklungen her. Einen kompetenteren Redner hätten wir nicht finden können.

Abschließend noch ein paar Fakten:

In der Ausstellung sind insgesamt 22 Bildreportagen sowie ein einführendes Tableau mit Informationen zum Projekt zu sehen. Jede Bildreportage, inklusive Text, ist auf einem Tableau der Größe 120 x 120 cm arrangiert. Jedes Tableau ist im Kopf mit einem „Ankerpunkt“ versehen. Dieser umfasst den „Namen“ der Porträtierten und einen prägnanten Slogan zum Inhalt. Der kurze Text geht auf die Lebensgeschichte und die Tätigkeit der Personen ein. Die unterschiedlichen Hintergrundfarben symbolisieren die bunte Vielfalt der porträtierten Menschen. Der Druck erfolgte auf 10 mm Forexplatten. Zur besseren Vorstellung hier eine Doppelseite aus dem Ausstellungskatalog. Der Text entspricht dem Text im anschließenden Tableau. In der Druckversion ist der Text im Blocksatz formatiert.