Greve in Chianti

Greve ist ein kleines, ursprüngliches Städtchen an der Via Chiantignana, der Panoramastraße durch die Hügel des Chianti. Winkelige Gassen und sein dreieckiger, von Arkaden gesäumter Marktplatz zeichnen die historische Bebauung aus.

Ein Besuch in der Metzgerei Falorni ist selbst Vegetariern zu empfehlen, wenn sie die von Prosciutto und Salami geschwängerte Luft in den Verkaufsräumen aushalten.

Auf dem Marktplatz erinnert ein Denkmal an den bekanntesten Sohn der Stadt, Giovanni Verrazzano. Dieser war von 1524 an für den französischen König als Entdecker unterwegs, erforschte die nordamerikanische und brasilianische Küste, bis er unter ungeklärten Umständen 1528 auf den Antillen ums Leben kam.

Der Marktplatz und die Gassen drumherum eignen sich natürlich auch für Streetfotografie. Ob der Chirurg, der zur Transplantation auf den Schinken wartet, die Frau, die mit flüchtigem Blick den Vergleich zu ihrem Mann sucht oder die unschuldigen Kindlein am Gängelband, die Stadt zeigt viele Facetten.

Interessant sind noch die beiden runden Embleme am Gebäude der Touristeninformation. Der bekannte schwarze Hahn weist darauf hin, dass Greve im zertifizierten Anbaugebiet des Chianti Classico liegt. Die Schnecke links davon gibt die Stadt als Mitglied der Bewegung „Cittaslow“ aus. Diese wurde 1999 von Paolo Saturnini, einem ehemaligen Bürgermeister Greves, ins Leben gerufen. Kommunen unter 50 000 Einwohner können dieser inzwischen internationalen Bewegung beitreten. Den Ausgangspunkt bildete der Slow Food Gedanke. Dieser wurde rasch auf die Förderung lokaler, hochwertiger Speisen und Getränke, die Bewahrung von Brauchtum und Geselligkeit und den Widerstand gegen kulturelle Normierung erweitert. Das kann man nur unterstützen.

Amerikanischer Soldatenfriedhof Florenz

Wir setzten unsere Reise nach Süden fort. Bei Florenz verließen wir die A1 in Richtung Siena, um alsbald auch diese „Schnellstraße“ zu verlassen und das Städtchen Greve in den Bergen des Chianti anzusteuern.

Völlig unerwartet stießen wir auf einen amerikanischen Soldatenfriedhof. Im Sommer hatten wir in der Normandie eigentlich genug Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten besichtigt aber natürlich, auch in Italien tobten im 2. Weltkrieg schwere Kämpfe. Allerdings muss man heute in Europa – ja weltweit – feststellen, dass die viel gelobte Befreiung vom Faschismus wohl nie so richtig gelungen ist. Selbst die ehemaligen Befreier sind hochgradig infiziert. Das obere Bild zeigt den Blick über die Brücke der Greve auf die Gedenkstätte, die oberhalb der Gräberfelder errichtet wurde.

Auf dem Friedhof sind in zwei Gräberfeldern über 4400 Gefallene bestattet, mit ganz wenigen Ausnahmen Amerikaner. An der Mauer der Gedenkstätte (unteres Bild) wurden zur Erinnerung die Namen von mehr als 1400 Vermissten aufgelistet.

Eines muss man den Amerikanern lassen, auf die monumentale Inszenierung des Gedenkens verstehen sie sich prächtig. Bei uns ist dieses Thema noch immer tabuisiert und damit wird es zur Spielwiese der Rechtsradikalen. Geradezu pervers erschienen mir jedoch die drei Gärtner, die den absolut kurz geschorenen Rasen unterhalb der Gedenkstätte pausenlos mit ihren Rasenmähern traktierten. Ein nahezu unwirklicher Anblick.

La Razza

Als wir von der Fahrt auf der überfüllten A1 durch die Poebene genug hatten, steuerten wir bei Reggio Emilia einen Agriturismo-Betrieb an. In der Camper App park4night hatten wir diesen Ort ausgesucht. Was wir antrafen war dann eine kleine Überraschung. In einem weitläufigen Areal auf einem flachen Hügel stießen wir auf einen modernen, absolut gepflegten Stellplatz zwischen Reben. Ein Wegweiser zeigte uns den Weg zur Rezeption. Diese war in einem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen untergebracht, inzwischen eine gut gehende Hotelanlage mit 50 Betten. Auf der anderen Seite des Stellplatzes lag ein Pool an den sich ein Speiselokal anschloss. Der stilvoll eingerichtete Gastraum erinnerte an ehemalige Stallungen. Wir genossen das vorzügliche Abendessen und rundeten den Tag mit einem Cabernet Sauvignon ab.

La Razza ist nach wie vor ein landwirtschaftliches Unternehmen, das für biologischen Anbau zertifiziert ist. Das meiste Geld dürfte der gut geführte Betrieb durch den Weinbau erwirtschaften, dessen vorzügliche Tropfen im gehobenen Preissegment gehandelt werden.

Silvaplana

Als wir den Albulapass überschritten, deutete sich die Wetterverschlechterung bereits an. Auf dem empfehlenswerten Campingplatz in Silvaplana parkten wir unseren Camper direkt am See. Noch in der Nacht setzte heftiger Regen ein, der über den gesamten Dienstag ununterbrochen anhielt. Erst in der Nacht auf Mittwoch hörte es auf zu schütten. Zögerlich gab der Nebel am Morgen den Blick auf die umliegenden Berge frei. Auf der Südseite des Silvaplanasees erhob sich der Corwatsch über den Nebel und reckte sich gen Himmel.

Nördlich des Sees hatte sich der Nebel schon weitgehend aufgelöst und die frisch überzuckerte Bergwelt erstrahlte im weichen Morgenlicht.

Wir nutzten das Zwischenhoch und machten uns auf den Weg nach Süden. Am Silsersee ergatterten wir noch einen Blick auf den Piz Lagrev. Dann ging es auf engen Kurven den Malojapass hinunter Richtung Italien.

Landwasserviadukt

Das Landwasserviadukt gilt als Wahrzeichen der Rhätischen Bahn. Es befindet sich unweit des Bahnhofs Filisur in Graubünden und ist Teil der Albulalinie. Die Brückenfundamente sind unproblematisch zu erreichen. Von Tiefencastel in Richtung Albulapass quert die Straße vor Filisur in einer Rechtskurve das Landwasser. Unmittelbar davor liegt links der Straße ein Parkplatz, der während der Hauptreisezeit oft überfüllt sein dürfte. Von hier aus gelangt man in wenigen Minuten auf einem Schotterweg zur Basis der Brücke.

Das Landwasserviadukt ist 65 m hoch und ist als bogenförmige Brücke mit 100 m Radius gestaltet. Sechs Gewölbe mit 20 m Spannweite überbrücken den Bachlauf auf einer Länge von 136 m. Sie werden von 5 Pfeilern getragen. Das südliche Widerlager befindet sich an einer Felswand und führt die Bahnlinie direkt in den 216 m langen Landwassertunnel.

Wer das Viadukt von oben betrachten möchte, muss einen ca. 80 m hohen Aufstieg auf sich nehmen. Hinterm Schmittentobel zweigt vom Schotterweg ein schmaler Pfad ab (Wegweiser). Dieser führt durch den Wald steil bergan, unterquert die Bahnlinie und endet an der Aussichtsplattform Nord. Der Ausblick auf die Bahnlinie ist spektakulär. Von der nördlichen Talseite führt das Landwasserviadukt die Schienen auf einem engen Bogen auf die Südseite, wo sie im Felsmassiv verschwinden.

Das Landwasserviadukt gehört als Teil der Albula- und Berninalinie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Brückembau wurde im März 1901 begonnen und bereits im Oktober des Folgejahres in Betrieb genommen. Auch bei diesem Bauwerk kamen neue Verfahren zum Einsatz. So wurden die Pfeiler erstmals ohne äußeres Gerüst hochgezogen.

Abschließend noch ein Hinweis für jene, die selbst fotografieren wollen. Die roten Personenzüge der Rhätischen Bahn verkehren im Stundentakt. Ca. 5 Minuten vor der vollen Stunde fährt der Zug aus Tiefencastel über die Brücke und verschwindet im Tunnel in Richtung Filisur. Wenige Minuten später kommt der Gegenzug aus Filisur. Dazwischen kann man noch Güterzüge beobachten.

Solisviadukt

Der Solisviadukt gehört zum UNESCO Welterbe Rhätische Bahn. Die Eisenbahnbrücke ist Teil der Albulalinie. Mit dem 42 m weiten Hauptbogen und den 10 Nebenbögen weist sie die größte Bogenspannweite dieser Strecke auf. In 85 m Höhe überspannt sie die tief eingeschnittene Schinschlucht, die die Albula in Jahrtausenden in den Fels gefräst hat.

Als das Viadukt 1902 errichtet wurde, waren die 42 m Spannweite des Hauptbogens neuer Schweizer Rekord. Aber auch der brüchige Fels (Bündnerschiefer) stellte die Ingenieure vor Herausforderungen und erforderte besondere Gründungstechniken.

Das zweite Bild ist ein Panorama aus zwei übereinander angeordneten Querformatbildern, die mit einem 16 mm-Weitwinkel aufgenommen wurden. Jedes dieser Bilder wurde aus drei Aufnahmen, die im Abstand von 2 Blendenstufen gemacht wurden als HDR zusammengesetzt. So konnte der Kontrastumfang zwischen den hellen, sonnigen Bereichen und den dunklen Schattenpartien in der Schlucht problemlos bewältigt werden.

zeitloser Herbst

Er kam plötzlich – der Herbst – und hat die Hitze des Sommers weggefegt.

Die Herbstzeitlose, grazile Vorbotin dieser Jahreszeit, ist eine wenig beachtete Schönheit.