Nordnorwegische Küste








































Von Andenes an der Nordspitze der Vesteralen setzten wir morgens mit der frühen Fähre zur Insel Senja über. Obgleich das Wetter ruhig war spürte man auf dem etwas älteren, kleineren Fährschiff die lange Dünung ganz ordentlich. Die Fährverbindung wird nur in den Sommermonaten bedient und bietet eine optimale Routenführung von Bodö über die Lofoten, die Vesteralen und die Insel Senja bis Tomsö. Die Überfahrt dauert knapp zwei Stunden.



Der Zielort Gryllefjord auf Senja ist ein Fischerdorf, dessen knapp 400 Bewohner sich den schmalen Saum entlang des Fjordes teilen. Der Fährbetrieb sprengt nahezu die räumlichen Möglichkeiten dieser Ortschaft.

Wir folgten der 86, bogen aber schon bald auf die 862 in Richtung Lysnes ab. Die Straße windet sich bergwärts und passiert den Krokelvvatnet. Obgleich dieser nur auf rund 300 m Höhe liegt, war er Mitte Juni noch nicht eisfrei.



Nach Untertunnelung des knapp eintausend Meter hohe Storma-Massivs erreicht die Straße den Aussichtspunkt Bergsbotn, der mit einem genialen Blick über den Bergsfjorden aufwartet. Das nachfolgende Panorama habe ich aus 5 hochformatigen Aufnahmen zusammengesetzt.

Die Dichte der landschaftlichen Höhepunkte auf Senja ist einmalig. Als wir am Campingplatz Fjordboten ankammen und dieses fast schon unwirklich schöne Panorama über den Stönnesbotnen in uns aufsaugten, beschlossen wir spontan, noch einen Tag länger zu bleiben.


Wirklich dunkel wurde es selbst im Süden Norwegens nicht und ab Trondheim wurde es gegen Mitternacht halt etwas dämmrig. Seit wir kurz vor Bodö den Polarkreis überschritten hatten, bewegten wir uns tatsächlich im Bereich der Mitternachtssonne. Wenn man es genau nimmt, ist es ja so, dass am Polarkreis die Sonne nur am 21. Juni, also zur Sommersonnwende, über dem Horizont (Meeresspiegel) bleibt. Je weiter man nach Norden kommt, desto mehr Tage mit Mitternachtssonne kann man genießen und desto weiter bleibt die Sonne überm Horizont.

Wer die Mitternachtssonne fotografisch festhalten möchte, sollte in Nordrichtung freie Sicht haben. Der Strand des Campingplatzes in Andenes, an der Nordspitze der Vesteralen, bietet dafür beste Voraussetzungen. Das nutzten auch die Fotografen im oberen Bild, um eine Zeitraffersequenz zu drehen.

Damit man sich von der Beleuchtung / Helligkeit ein besseres Bild machen kann, habe ich das letzte Bild mit dem Licht aufgenommen. Der Aufnahmezeitpunkt war 1:20 Uhr Sommerzeit, also kurz nach Mitternacht gemäß MEZ. Die Situation lässt sich ungefähr mit der bei uns rund eine Stunde vor Sonnenuntergang vergleichen. Ohne Nebel und Dunst über dem Meer, hätte es wahrscheinlich kaum eine Verfärbung am Himmel gegeben. Die Farbwirkung der beiden ersten Bilder rührt insbesondere von der kurzen Belichtungszeit beim direkten Ausrichten der Kamera in die Sonne. Diese kurze Belichtungszeit war durchaus auch gewollt, um einen sauberen Schattenriss der Personen zu erhalten.
Ausgangs- und Endpunkt für die direkte Strecke ist der Wanderparkplatz Baugtua. Die Gesamtlänge der „Tour“ beträgt dann 3,8 km. Eine Ausweitung zur Rundwanderung ist möglich. Die kleine Tour wird mit 3 Stunden angegeben. Dabei sind brutto 420 Höhenmeter zu überwinden. Der Ausgangspunkt liegt auf ca. 80 m, der Gipfel selbst auf 408 m Höhe.

Der Aufstieg führt zuerst bei moderater Steigung durch teils sumpfigen, niederstämmigen Birkenwald. Mit zunehmender Höhe leidet dieser erkennbar unter Schneedruck und verliert sich ganz. Danach nimmt die Steigung zu. Der direkte Weg führt durch ein nicht ganz einfach zu gehendes Geröllfeld. Dieses kann aber in weitem Bogen umgangen werden, was insbesondere für den Abstieg anzuraten ist.



Im weiteren Verlauf führt die Route fast geradlinig über eine wellige Hochfläche, an deren Rand sich im letzten Abschnitt immer wieder tolle Ausblicke eröffnen..



Nach einem letzten Anstieg ist man dann am Gipfel angekommen und kann die Aussicht auf den herrlichen Sandstrand Höyvika genießen. Dieser Ausblick ist der Grund dafür, dass diese Tour als eine der beliebtesten Wanderungen auf Andöya gilt.

Als wir am späteren Nachmittag die Vesteralen ansteuerten machte sich auch dort der Hochdruckeinfluss bemerkbar. Zwar drückten immer noch die Nebelbänke vom Nordatlantik herein, lösten sich aber zunehmend auf, so dass sich immer wieder ein Fenster öffnete. Nachfolgend der Blick von Hinnöya hinüber zur Insel Langöya.

Die Inselgruppe der Vesteralen ist mit den Lofoten über die Fv 85 verbunden. Eine Brücke führt auf die Insel Langöya. Wir benutzten die zweite Brücke hinüber nach Andöya. Um den Schiffsverkehr zu ermöglichen, sind die Brücken meist stark überhöht. Kaum auf der Insel angekommen wurden wir mit einer Flaggenparade begrüßt, die eine Hofeinfahrt zierte.


Wir bogen gleich von der Hauptroute ab und folgten der Nebenstrecke entlang der landschaftlich interessanteren Westküste. Ein Abstecher zur Ansiedlung Sörmela erwies sich dabei als ausgesprochen lohnend. Vom dortigen Friedhof genossen wir den herrlichen Ausblick auf die Berge der Nachbarinsel Langöya.

Dort versuchte ein Großer Brachvogel aufgeregt die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Offensichtlich hatte er in der Nähe ein Nest und wollte von der Brut ablenken.

Gleich nebenan war jemand vom Anblick der Nachbarinsel so begeistert, dass er deren Bergwelt auf einer Scheune festhielt.

Überhaupt schienen in diesem Außenposten Norwegens die Künste eine bedeutende Rolle zu spielen. So wurde eine andere Fassade mit Szenen aus einem Kinderbuch illustriert.

Und dann war da noch der Leuchtturm.

Entlang der Route eröffneten sich immer wieder spektakuläre Ausblicke auf die raue Landschaft.

Am Aussichtspunkt Bukkekjerka überraschte uns erneut eine architektonische Meisterleistung. Wieder einmal war es nur ein WC.



Der kreative Bau ließ keine Möglichkeit aus, die Landschaft einzufangen. Von hier aus erschloss sich der Zugang zu einem kleinen Leuchtturm. Schade nur, dass man die im Vergleich zu den Baukosten geringe Summe für einen Bohlenweg gescheut hat. So latschen täglich hunderte Besucher hinüber zum Leuchtturm und zertrampeln dabei die gesamte Umgebung.


In Bleik trafen wir auf einen schmucklosen, aber noch weitgehend unverfälschten Fischerort, dessen Häuser sich über die langgestreckte Bucht verteilten. Fotografisch würde sich hier ein längerer Aufenthalt sicher lohnen.



Kurz darauf erreichten wir Andenes an der Nordspitze der Vesteralen. Der Ort, einst Hochburg des Walfangs, wirbt heute mit Whale watching-Touren. Der Neubau eines spektakulären Walzentrums, das seit einigen Jahren projektiert ist, wurde jedoch noch nicht begonnen.
