Graz kann auch modern

Die Altstadt von Graz wurde 1999 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Da bot sich 2003 die Möglichkeit als Kulturhauptstadt Europas einen modernen Kontrapunkt zu setzen. Diese Chance wurde genutzt. Zwei Projekte aus dieser Zeit prägen bis heute das Image der Stadt.

Das eine dieser Projekte ist der „friendly alien“, besser bekannt unter dem Namen „Kunsthaus Graz“. Im Haus für zeitgenössische Kunst werden avantgardistische Ausstellngen präsentiert. Die futuristische Gebäudehülle liegt wie eine Seegurke vor und krümmt sich zwischen die bestehende Bebauung. Seit dem großen Wurf der Architekten Peter Cook und Colin Fournier spielt Graz kulturell in einer anderen Liga. Man spricht sogar vom „Bilbao-Effekt“.

Die „Fühler“ dienen der Lichtführung und verleihen dem Raum unter der Gebäudehülle ein ganz besonderes Erscheinungsbild.

Das zweite Projekt, die Mur-Insel von Vito Acconci, liegt nur wenige hundert Meter weiter. Die einer Muschel nachempfundene Stahlkonstruktion dient nicht nur zur Querung des Flusses, sie beherbergt auch ein Cafe und ist ein häufig genutzter Veranstaltungsort.

Mit der Ausarbeitung in Schwarzweiß möchte ich Linien und Strukturen stärker betonen und störendes „Beiwerk“ in seiner Wirkung dämpfen.

Beide Projekte zeigen, dass von neuen Bauwerken, wenn sie mit guten Konzepten kombiniert werden, nachhaltige Impulse für einzelne Stadtquartiere oder eine ganze Stadt ausgehen können. Graz möchte die 2003 gesammelten Erfahrungen im Jahre 2028 in seine 900-Jahr-Feier einbringen. Auf ein Wiedersehen 2028 in Graz!

Landwasserviadukt

Das Landwasserviadukt gilt als Wahrzeichen der Rhätischen Bahn. Es befindet sich unweit des Bahnhofs Filisur in Graubünden und ist Teil der Albulalinie. Die Brückenfundamente sind unproblematisch zu erreichen. Von Tiefencastel in Richtung Albulapass quert die Straße vor Filisur in einer Rechtskurve das Landwasser. Unmittelbar davor liegt links der Straße ein Parkplatz, der während der Hauptreisezeit oft überfüllt sein dürfte. Von hier aus gelangt man in wenigen Minuten auf einem Schotterweg zur Basis der Brücke.

Das Landwasserviadukt ist 65 m hoch und ist als bogenförmige Brücke mit 100 m Radius gestaltet. Sechs Gewölbe mit 20 m Spannweite überbrücken den Bachlauf auf einer Länge von 136 m. Sie werden von 5 Pfeilern getragen. Das südliche Widerlager befindet sich an einer Felswand und führt die Bahnlinie direkt in den 216 m langen Landwassertunnel.

Wer das Viadukt von oben betrachten möchte, muss einen ca. 80 m hohen Aufstieg auf sich nehmen. Hinterm Schmittentobel zweigt vom Schotterweg ein schmaler Pfad ab (Wegweiser). Dieser führt durch den Wald steil bergan, unterquert die Bahnlinie und endet an der Aussichtsplattform Nord. Der Ausblick auf die Bahnlinie ist spektakulär. Von der nördlichen Talseite führt das Landwasserviadukt die Schienen auf einem engen Bogen auf die Südseite, wo sie im Felsmassiv verschwinden.

Das Landwasserviadukt gehört als Teil der Albula- und Berninalinie zum Weltkulturerbe der UNESCO. Der Brückembau wurde im März 1901 begonnen und bereits im Oktober des Folgejahres in Betrieb genommen. Auch bei diesem Bauwerk kamen neue Verfahren zum Einsatz. So wurden die Pfeiler erstmals ohne äußeres Gerüst hochgezogen.

Abschließend noch ein Hinweis für jene, die selbst fotografieren wollen. Die roten Personenzüge der Rhätischen Bahn verkehren im Stundentakt. Ca. 5 Minuten vor der vollen Stunde fährt der Zug aus Tiefencastel über die Brücke und verschwindet im Tunnel in Richtung Filisur. Wenige Minuten später kommt der Gegenzug aus Filisur. Dazwischen kann man noch Güterzüge beobachten.