Bluebridge

Freitag 24.03.17

Das Übersetzen mit der Fähre vom einen zum anderen Ufer wird oft als Metapher benutzt und dies nicht ohne Grund, schließlich verlässt man ein bekanntes Ufer und bricht zu einem neuen, unbekannten auf. Auch der Weg hinüber zum neuen Ufer erscheint ungewiss. Nicht immer kann man die Entscheidung zum Aufbruch selbst treffen, und nicht immer bricht man gemeinsam auf. Dann drückt die Last der Ungewissheit und des Endgültigen um so schwerer.

Im Gedenken an meinen Vetter Edgar, der an diesem Tag verstorben ist.

 

 

Was unsere Reise betrifft, so zählt die Überfahrt von Picton (Südinsel) nach Wellington (Nordinsel) sicher zu den beeindruckendsten Passagen, die die Seefahrt zu bieten hat. Noch vor wenigen Jahrzehnten ein abenteuerliches Unterfangen und eine echte Herausforderung für jeden Steuermann, stellt diese Passage heute, dank der modernen Strahlruder und der äußerst präzisen Navigationstechnologie, kein wirkliches Problem mehr dar.

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Von Picton aus sucht sich die Fähre ihren Weg durch den Queen Charlotte Sound, der mit seinen Seitenarmen und Inseln eher an einen Irrgarten, denn an eine Wasserstraße erinnert. Wiederholt muss die Fahrtrichtung um 90 Grad geändert werden und das bei einer sehr engen Fahrrinne und Gegenverkehr.

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Doch das enge, von Bergen eingerahmte Fahrwasser hat auch seinen Vorteil. Selbst bei stürmischem Wetter ist hier im Sound von Seegang nichts zu spüren. Vorbei an idyllisch gelegenen Behausungen erreicht man schließlich die Cook Strait.

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Dass wir mit einer deftigen Brise rechnen mussten, kündigte die Bewölkung frühzeitig an.

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Sobald wir den schützenden Sound verließen, pfiff der Wind durch die Aufbauten des Schiffes und das Gehen an Deck gestaltete sich mitunter schwierig. Die Nordinsel lag im Schatten einer dunklen Wolkendecke. Ein Szenario, das im Gegenlicht der gelegentlich durchbrechenden Sonne geradezu gespenstische anmutete.

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Als wir in die tief eingeschnittene Bucht einbogen, an deren Ende Wellington liegt, lies der Seegang rasch nach. Die Vororte Wellingtons haben entlang der gesamten Bucht die Berghänge erobert und bieten exquisite Wohnlagen mit herrlichen Ausblicken.

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Die Kernstadt, zwischen Bergen und Meer eingekeilt, hat wenig Spielraum und gestaltet sich deshalb sehr kompakt und überschaubar.

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Spürbar ist, dass man in Wellington dem besonderen Anspruch an eine Hauptstadt gerecht werden möchte. Dies zeigt sich in der Architektur und den besonderen Akzenten der Stadtplanung und natürlich auch im Nationalmuseum. Insbesondere bei der Gestaltung von Plätzen, kann man sich vom Mut und von der Kreativität in Wellington mancherorts eine Scheibe abschneiden.

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Zu den besonderen Akzenten gehört die Integration der Maori und die Berücksichtigung der Interessen von Kindern und Jugendlichen. Hier gibt es keine Verlegenheitslösungen, die man irgendwo am Rande pflichtgemäß erfüllt. Nein, die Umsetzung erfolgt meist an prominenter Stelle, wie zum Beispiel am Civic Square (oben) und dem Übergang vom Civic Square zur Waterfront (nachfolgend).

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Oben: Waka im Bootsshed des Wharewaka Function Center an der Wharf.

Natürlich gibt es auch die für eine City üblichen Einkaufsstraßen.

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Abschied von der Südinsel

Donnerstag, 23. März

In den letzten Tagen haben wir im Norden der Insel die Seite gewechselt. Wir sind quasi von Collingwood im Westen nach Picton im Osten der Insel „umgezogen“.

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Zu Collingwood, am Ende der Golden Bay gelegen, habe ich mich ja bereits geäußert, zur Golden Bay und der Region muss ich noch etwas nachlegen. Die Golden Bay ist eine herrliche, langgezogene Bucht, die zum Baden einlädt aber einen entscheidenden Nachteil aufweist, sie liegt am Arsch der Welt. Das herrliche Tal, dessen Ende die Golden Bay markiert, ist durch die Takaka Hills vom Rest der Insel, nein vom Rest der Welt, abgehängt. Das ist, als müsse man von uns aus über eine 1300 m hohe Passstraße nach Talheim fahren, dort aber, dank dem Südpazifik, die Welt zu Ende wäre. Dem entsprechend nehmen entlang der Golden Bay zwar die Ferienhäuser zu, ansonsten ist jedoch Landflucht vorherrschend.

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Unser erster Haltepunkt auf dem Weg nach Osten waren die Te Waikoropupu Springs. Hierbei handelt es sich um eine Karstquelle alla Blautopf, die für sich in Anspruch nimmt, das klarste Wasser weltweit auszuspucken. Immerhin 14 m^3 je Sekunde.

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Hinter dem Pass, zischen Motueka und Nelson sind Obst-, Gemüse- und Hopfenanbau und zunehmend auch Weinbau vorherrschend. Dies liegt daran, dass diese Region klimatisch absolut begünstigt ist.  Durch die Südalpen von polaren Kälteeinbrüchen geschützt, sorgt vom Norden her der Pazifik für ein ausgeglichenes Klima.

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Das wirtschaftliche Zentrum im Norden ist Nelson. Nelson ist eine Industriestadt, in deren Randlagen es jedoch schöne Wohnsiedlungen gibt, die sich die Berge empor ziehen, mit Meeresblick versteht sich.

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Je weiter man nach Osten kommt, desto auffälliger werden die großflächigen Rodungen des ursprünglichen Urwalds, der einer fragwürdigen Monokultur weichen muss.

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Spätestens in Havelock, der Hauptstadt der grünen Muschel, ist man endgültig in den Sounds angekommen, die uns mit ihrer herrlichen Landschaft begeistert haben. Nachfolgend der Blick in der Abendsonne entlang des Pelorus Sounds.

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Von hier aus war es nicht mehr weit, bis ein ankerndes Kreuzfahrtschiff das Hafenstädtchen Picton ankündigte. Gleichzeitig löste sich auch das Rätsel um die Kahlschläge auf. Das hier eingeschlagene Holz geht offensichtlich in den Export. Damit drängt sich die Frage auf: Ist Neuseeland über den Status eines Entwicklungslandes noch nicht hinaus gekommen?

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Picton, am Ende des Queen Charlotte Sounds traumhaft gelegen, wäre ohne die Fähre nach Wellington sicher in absoluter Bedeutungslosigkeit versackt. So erfreut sich das Städtchen einer beschaulichen Betriebsamkeit.

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Und für Rose schien endlich der Traum in Erfüllung zu gehen, mit Delphinen zu schwimmen. Tour gebucht und los geht’s.

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Auf der Suche nach Delphinen klapperte die Crew den gesamten Queen Charlotte Sound ab

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und wurde endlich fündig. Eine Gruppe Hectordelphine zeigte reges Interesse an unserem Boot. Da die Gruppe jedoch Nachwuchs hatte, war an Schwimmen nicht zu denken.

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Die weitere Suche blieb leider ohne Erfolg, so dass für Rose dieser Traum weiterhin unerfüllt blieb.

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Folgt man der Küstenlinie von Picton über Waikawa, gelangt man über einsame Buchten in das bekannte Weinbaugebiet um Blenheim (Marlborough Region).

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Eines ist sicher, im Vergleich dazu müssen unsere Winzer wirklich hart arbeiten, um zu ihrem Tropfen zu kommen.

Am Ende schließt sich der Bogen und wir verabschieden uns von der Südinsel mit dem verrückten Huhn Takahe.