Pesariis, Dorf der Uhren

Pesariis und die wenigen anderen Orte im Val Pesarina zählen zu den schönsten Ortschaften Karniens. Und das hat seinen Grund, denn seit Jahrhunderten hat sich dort die Handwerkskunst der Metallverarbeitung entwickelt. Die daraus resultierenden Handelsverbindungen in die damaligen Zentren der Uhrenproduktion in Süddeutschland brachten das Know-how des Uhrmacherhandwerks nach Pesariis. Dort führte die Uhrenproduktion ab dem frühen 18. Jahrhundert zu wachsendem Wohlstand. Dies zeigt sich noch heute in der vorhandenen Bausubstanz. Anders als in den Bergbauerndörfern formen in Pesariis mehrstöckige Steinhäuser ein geschlossenes „Stadtbild“.

Auch Pesariis durchlebte mehrere Krisen und Auswanderungswellen. Die Rückkehrer waren es, die mit ihrem mitgebrachten Wissen dem heimischen Handwerk immer wieder neue Impulse gaben. Doch war auch im Val Pesarina die Landflucht nicht zu stoppen. Während Pesariis in den 1950er-Jahren noch rund 1000 Seelen zählte, sind es heute gerade einmal 178 vorwiegend ältere Menschen. Doch die Verbliebenen und neu Hinzugezogenen, putzen ihre Häuser heraus ohne dabei die Tradition zu vergessen.

Mit welcher Kreativität man in Pesariis Uhren entwickelt hat, zeigt sich beim Rundgang durch das Dorf. Seit die Gemeindeverwaltung im Jahr 2000 ein Projekt zur Errichtung großer Uhren ausgelobt hat, sind im Gemeindegebiet unter freiem Himmel 15 Uhren entstanden, die allesamt unterschiedlichste Mechanismen aufweisen. Pesariis erwarb sich so den Beinahmen „Dorf der Uhren“.

Die Funktionsweise der einzelnen Uhren ist jeweils auf einer Tafel beschrieben, doch würde es den Rahmen dieses Beitrags sprengen, wenn ich dies hier ausführen wollte. Es geht einfach um die Vielfalt und Kuriosität. Für weitere Informationen siehe 1 und 2.

Beeindruckt hat mich auch eine ganz andere Kunstform. Mit Matten aus dem Baustoffhandel wurden an den Fassaden große Figuren dargestellt.

Und Gott sei Dank gibt es den auch noch! Ohne diesen Krämerladen wäre es im Dorf schwierig.

Karnien und der Reiseführer

Reisewarnung! Das ist kein Beitrag für Überflieger. Die blättern besser schnell weiter.

Karnien? Noch nie gehört!

Kein Wunder, denn an der im Nordwesten von Friaul (Italien) liegenden Region, gehen und gingen die in Richtung Adria eilenden Touristenströme glücklicherweise vorbei. So konnte sich in den entlegenen Tälern der schroffen Bergwelt eine Ursprünglichkeit bewahren, wie man sie sonst nur selten findet.

Natürlich herrscht auch hier Landflucht vor. Häuser stehen leer. Aber es gibt auch immer wieder Zuzug. Menschen, die kommen, um die alten Steinhäuser mit viel Fingerspitzengefühl zu renovieren.

Bei der Vorbereitung auf diese Reise stieß ich in meinem Bücherregal auf einen Reiseführer, den ich bereits vor Jahrzehnten gekauft hatte. Aus der Reihe „Richtig reisen“: Friaul.Triest.Venetien von Eva Bakos. 4. Auflage, Köln 1989. Warum ich das erzähle? Weil ich gar nicht mehr wusste, dass es einmal derart geniale Reiseführer gegeben hat. Nicht diese normierten, seelenlosen „Datenblätter“ von heute, wo eins dem anderen gleicht. Hier der Beginn eines Kapitels als Kostprobe:

„Karnien – Die Würde der Armut“

„Das ist eine fremde Welt. Streng und reserviert. Spartanisch und von einer Schönheit, die sehr nachdenklich macht. Karnien, …, bewahrt noch immer das Geheimnis seiner Symbiose von Mensch und Natur. Wohl gibt es Plätze, wo der Wintersport die Landschaft verwundet, die Häuser verdirbt. Aber noch überwiegen Mut und Demut des Menschen und nicht sein Übermut.

Karnien – das Wort beginnt karg und endet melodisch. Die Rauheit des Fels und die Wärme des Holzes sind in die Häuser dieser Region gekrochen. Von Menschen eingefangen, die im Sturm und in der Stille leben lernten, …“

Wo gibt es heute noch solche Reiseführer, die versuchen die Seele einer Region und der dort lebenden Menschen zu erfassen? Schade eigentlich.

Die Bilder wurden alle in Pesariis aufgenommen.