Kystriksveien 2

Von Brönnöysund aus setzten wir die Fahrt auf der Fv17 in Richtung Norden fort. Kurz vor Forvik, unserer zweiten Fährverbindung an diesem Tag, passierten wir dieses fotogene Ensemble. Einem Reklameschild war zu entnehmen, dass man diese Ferienhäuser mieten kann. Bei dem schneebedeckten Gebirgszug im Hintergrund handelt es sich übrigens um die Rückseite der Sieben Schwestern aus der Torghatten Saga. Diese wurden vom bösen Prinzen Hestmannen allesamt verschmäht, da dieser nur Augen für die Jungfrau Lekamöya hatte, und erstarrten hier zu Stein.

Am Fähranleger in Forvik zeigten die Norweger einmal mehr, wie man mit relativ einfachen Mitteln ein banales Zweckgebäude (WC und Wartehäuschen) markant gestalten kann.

Die Überfahrt nach Tjötta ist bei diesem Wetter ein Genuss. Die Fähre schlängelt sich hier durch eine herrliche Schärenlandschaft mit schmalen Passagen.

Kurz nach Ankunft der Fähre gingen auch wir vor Anker. Offersöy Camping, ein gut geführter Platz unter holländischer Leitung, wird gerne als Basis zum Angeln genutzt. Hierfür stehen ein kleiner Hafen und Räumlichkeiten zum Fische putzen zur Verfügung. Nach Skilanglauf ist Angeln mit Sicherheit der zweite norwegische Nationalsport.

Wir blieben an Land und genossen den endlosen Abend bei diesem herrlichen Ausblick.

Stippvisite am Torghatten

Wanderung wäre zu viel gesagt für den halbstündigen Aufstieg zum Loch im Fels. Der Einstieg zu dieser Minitour ist kaum zu verpassen. Ca. 200 m vor dem Campingplatz befindet sich ein Parkplatz mit Infotafel. Hier verschwindet der Weg gut erkennbar im Birkenwald.

Die anfänglich moderate Steigung nimmt in der zweiten Hälfte der Strecke deutlich zu und das unebene Gelände erfordert eine gewisse Trittsicherheit, insbesondere beim Abstieg. Dennoch ist der Weg für alle Altersgruppen geeignet. Oberhalb des Birkenwaldes hat man eine tolle Aussicht und bereits nach Überwindung von 140 Höhenmetern ist das Ziel, das gewaltige Loch in der Felswand, erreicht.

Der 160 m lange Durchstich durch die Felswand ist beeindruckend. Der höhlenartige Durchgang ist bis zu 20 m breit und bis zu 35 m hoch. Eine Holztreppe führt hinab zum tieferliegenden Ausgang, der den Blick auf einen fantastischen Schärengarten freigibt. Da der weitere Abstieg des Rundweges gerade neu angelegt wurde, musste ich zurück denselben Weg nehmen.

Zur Entstehung dieses Durchbruchs gibt es unterschiedliche Varianten. Die Geologen sagen, dass es sich um eine Auswaschung des Meeres handelt, die während der postglazialen Landhebung entstanden ist, als dieser Teil des Berges noch auf Meeresniveau lag. In der Sagenwelt hört sich das natürlich völlig anders an. Da geht es, wie so oft, um Prinzen, Prinzessinnen, eine Jungfrau und natürlich um Leidenschaft und in diesem Fall um das Loch eines durchschossenen Hutes, der zum Torghatten erstarrte.

Noch ein Tipp zum Schluss: Sollte ein Kreuzfahrschiff in Brönnöysund vor Anker liegen, tut man gut daran, die Tour möglichst früh oder spät zu machen, denn der Torghatten gehört zum Ausflugsprogramm. Auf diesem Weg einer Busladung von Kreuzfahrern zu begegnen ist aber wirklich kein Vergnügen. Dieses Bild entstand morgens beim Frühstück vor dem Camper.

Der Kystriksveien Teil 1

In der Nacht hatte Regen eingesetzt. Doch innerhalb von zwei Tagen sollte sich nun auch in Mittelnorwegen die Sonne durchsetzen. Deshalb machten wir uns auf den Weg nach Norden. Am Trondheimfjord erreichten wir erstmals die regenverhangene Atlantikküste.

In Steikjer, nördlich von Trondheim, verließen wir bereits wieder die E6 und folgten dem Kystriksvein (Fv 17) nach Namsos, einem regionalen Zentrum dieser Küstenregion. Die alten Lagerhäuser wurden hier saniert und zu Wohn- und Geschäftshäusern umgebaut.

Hinter Namsos folgten wir der Nebenroute 769 hinaus auf die dem Festland vorgelagerte Inselgruppe Vitna, die aus rund 6000 Inseln, Schären und Holmen bestehen soll. Zum Übersetzen nutzten wir von Lund aus die Fähre. Weit draußen, inmitten eines herrlichen Schärengartens gelegen, hatten wir einen absolut empfehlenswerten, kleinen Campingplatz ausfindig gemacht (Fjukstad Camping). Die sich langsam durchsetzende Wetterbesserung zauberte am späteren Abend noch eine tolle Stimmung. Aufnahmezeitpunkt ca. 22 Uhr.

Knapp fünf Stunden später stieg ich nochmals durch unwegsames Gelände auf den Hügel neben dem Campingplatz.

Die Sonne war bereits wieder über dem Horizont und überflutete den Schärengarten mit sanftem Licht. Der kleine Naturhafen des Campingplatzes war von oben gut zu überblicken. Diese tolle Schärenlandschaft wäre eigentlich ein genialer Ort, um mit dem Kajak in See zu stechen, doch der scharfe, böige Wind bei Temperaturen von deutlich unter 10 Grad, würde dies sicher nicht zur Genusstour werden lassen. Also vertagte ich die Bootstour.

Gleich bei Ankunft wird einem klar, dass man hier an einem ganz besonderen Ort gelandet ist. Der gelbe sechseckige Bau beherbergt Rezeption, Küche und Aufenthaltsraum. Ein Empfangskomitee sucht man allerdings vergebens. Die wichtigsten Informationen sind in wenigen Punkten zusammengefasst und am Infobrett angeschlagen. Anmeldung und Abrechnung macht man selbst. Die in Anspruch genommenen Leistungen werden auf einem Kuvert angekreuzt, der errechnete Betrag in ein Kuvert und dieses in einen Briefkasten gesteckt. Das war´s. Von den Eigentümern oder sonstigem Personal war nie jemand zu sehen, aber es war immer sauber. Dies alles und die absolute Ruhe kostete knapp 15 €. Wenn das keine Empfehlung ist!

Übrigens, das komische Gebilde im nachfolgend dritten Bild sind Teile eines Walschädels, die hier als Skulptur verwittern.

Auf der Rückfahrt zum Festland passierten wir Rörvik, das Verwaltungszentrum der Inselgruppe. Von der Brücke über den Näröysund hat man einen schönen Ausblick auf das Städtchen. Zurück auf der Fv 17 fuhren wir durch abwechslungsreiche Landschaften. Die Straße folgte meist dem Küstenverlauf, wand sich aber auch über Berge, passierte Birkenhaine und Weideland.

Die Fähre von Holm nach Vennesund war eine willkommene Unterbrechung der Fahrt. Auf der Gesamtstrecke bis Bodö, einschließlich der Überfahrt zur Inselgruppe Vitna, bereicherten insgesamt 7 Fähren unterschiedlicher Länge unsere Route auf dem Kystriksveien.

Unser Tagesziel war Bönnöysund, genauer der Campingplatz unterhalb des Torghatten, einem Berg mit großem Loch, um den sich zahlreiche Mythen ranken. Dieser Zeltplatz war das totale Kontrastprogramm zu unserem letzten. Er war riesig. Die im Verhältnis zur Ausdehnung des Platzes wenigen Gäste konzentrierten sich auf die Panoramaplätze entlang des Skillbodenfjorden (nachfolgendes Bild). Der Gedanke, dass dieser Platz während der Hauptsaison voll belegt ist, lies mich schaudern. Die wenigen Sanitäreinrichtungen waren schon jetzt nicht sauber.

Im Zickzack Richtung Norden

Von den Höhen des Jotunheimen wechselten wir wieder nach Osten. Heute war eher Kultur angesagt, obgleich auch die in herrliche Landschaft eingebettet war. Von Sel aus folgten wir der E6, von der wir nördlich der Ortschaft Dovre bereits wieder nach Osten auf die Fv 29 abbogen. Diese absolut empfehlenswerte Route führt durch eine herrliche Fjell-Landschaft nach Folldal, einem alten Bergbaustädtchen. Doch keine Sorge, bei dem Fahrweg auf dem nachfolgenden Bild handelt es sich nicht um die Fv 29. Solche Schotterpisten findet man heute auf den normalen Routen Norwegens nicht mehr.

Die Folldal Gruver, einst der größte Arbeitgeber des Ortes, wurde 1993 geschlossen, da sich der Erzabbau nicht mehr lohnte. Das Bergwerk wurde inzwischen zum Museum umgebaut.

Bald darauf erreichten wir den Oberlauf der Glomma, der wir talaufwärts folgten. Bereits aus größerer Entfernung fiel uns die Kirche von Tolga auf. Hierfür sorgte nicht nur ihre blendend weiße Fassade, sondern auch die außergewöhnliche Form ihres Kirchenschiffes.

Vom Standort der oberhalb des Tales gelegenen Kirche folgte unser Blick der Fv 30, die uns nach Röros bringen sollte. Doch zuvor mussten wir noch zwei Fotostopps einlegen.

Kurz hinter Tolga überspannt die „Gammlabrua Eidsfossen“ aus dem Jahre 1736 die Glomma. Mit 32 Meter Spannweite ist sie die größte Brücke dieser Bauart in Norwegen. Der zur Brücke gehörende Parkplatz kann auch als Übernachtungsplatz mit Grillstelle genutzt werden.

Dass die Bergbauern hier wie überall ein hartes Dasein fristen, zeigt sich immer wieder an verlassenen Gehöften. An diesem musste ich unbedingt zur Kamera greifen. Nachfolgend einige Eindrücke.

Das einstige Bergbaustädtchen Röros war heute unser letzter Programmpunkt. Längst wird hier kein Kupfer mehr abgebaut. Inzwischen hat sich das Städtchen zu einem nachgefragten Touristenziel entwickelt, auch wenn es bislang noch von den großen Touristenströmen verschont blieb. Die historischen Häuserzeilen zählen zu den schönsten Norwegens. Mit schicken Läden und Cafes laden sie zum Bummeln ein. Am Stadtrand trifft man auf die alten Abraumhalten und das Bergbaumuseum.

Auf der Weiterfahrt in Richtung Trondheim bezogen wir am Eggafossen im Gauldalen unser Quartier für die Nacht, nicht ohne zuvor unseren inzwischen dritten Elch gesehen zu haben. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Gaula, ein herrlicher, naturbelassener Fluss, zu den besten Lachsgewässern Norwegens zählt.

Pläne sind zum Ändern da!

Natürlich hatten wir einen Plan: Möglichst auf direktem Wege (E6) bis nördlich von Trondheim. Dort auf die Küstenstraße (Fv17) abbiegen und dieser bis Bodö folgen. Auf die Lofoten übersetzen und über die Vesteralen und die Halbinsel Senja weiter bis Tromsö. Doch alle Nordlandreisenden wissen, man benötigt mindestens noch einen Plan B.

Aber allen Plänen übergeordnet ist bei dieser Reise der Grundsatz, dass wir uns an den Wetterverhältnissen und der eigenen Laune orientieren wollen.

Bereits vor Abreise hatten wir die Wetterprognosen für Norwegen verfolgt und unmittelbar vor Verlassen der Fähre nochmals geprüft. Oslo und der gesamte Süden Norwegens wurde mit Sonne und Temperaturen von 20 Grad und mehr verwöhnt, während die Gebiete jenseits der Fjells mit Regen und Temperaturen unter 10 Grad nicht gerade einladend wirkten. Klar, wir blieben im Süden und wandten uns von Oslo Richtung Nordost, ins Tal der Glama und in die waldreiche Region nahe der schwedischen Grenze. Hier windet sich die gemächlich dahin strömende Kynna durch Moore und Seen. Wir fanden einen tollen Badeplatz, der zum Bleiben einlud. Dort, wo sich im Sommer die Leute aus der Umgebung zum Baden treffen, fehlte es an nichts. Sogar zwei Volleybälle warteten darauf bespielt zu werden.

In den Wäldern drum herum lagen weit verstreut Ferien- und Wochenendhäuser. Die sogenannten „Hytter“ sind in Norwegen der absolute Kult. Die gibt es in jeder Größe und Preisklasse. Das nachfolgene Beispiel ist da noch recht bescheiden. Dieser Hytter-Kult nimmt zum Teil bedenkliche Ausmaße an. Ganze Wald- und Fjellgebiete werden so zersiedelt.

Während man in den weiten Tälern die üblichen großen Höfe sieht, ist das Leben der Bauern hier in den Waldregionen deutlich härter und bildet einen erkennbaren Kontrast zum Hytter-Kult der Städter. Auf den überwiegend kleineren und meist schmucklosen Höfen leben die Menschen vom Holz und etwas Milchwirtschaft, die sich auf die Rodungsflächen beschränkt. Kein Wunder, dass nicht wenige der alten Höfe aufgekauft und zu Feriendomizilen umgebaut werden.

Pano 5, Trollkirche

Das Bild besteht aus drei übereinander angeordneten Querformataufnahmen. Damit gelang es die „Halle“ der Trollkirche in ihrer gesamten Höhe und Breite abzulichten und die extremen Helligkeitsunterschiede zwischen dem Tageslicht und dem Höhleninneren auszugleichen.