Landungsstrände 2, Omaha Beach

Mai 2024

Am Nachmittag erreichten wir den amerikanischen Soldatenfriedhof bei Colleville-sur-Mer oberhalb des Omaha Beach. Der Friedhof war jedoch nur eingeschränkt zu besichtigen, da die Vorbereitungen auf die Großveranstaltung zum 80. Jahrestag auf Hochtouren liefen. Sogar Präsident Biden und der französische Staatspräsident Macron wurden erwartet.

So war das Denkmal, das auch an über 1500 vermisste Amerikaner erinnert, durch umfangreiche Bühnenbaumaßnahmen verdeckt und zwischen Denkmal und Kapelle, der Hauptachse durch das Gräberfeld, wurde gerade die Bestuhlung für eine ungeheure Menge erwarteter Gäste aufgebaut. Die Bühne und das Festzelt überm Strand, von dem das erste Drittel aufgerichtet war, wurden durch eine gewaltige Rampe verbunden.

Das Gräberfeld ist vom Abhang zum Omaha Beach durch eine kleine Mauer getrennt. Entlang dieser Mauer war bereits eine Fülle von Kränzen und Buketts niedergelegt worden. Sie stammten von umliegenden Kommunen, Organisationen und Verbänden. Auch die Deutsche Kriegsgräberführsorge war hier vertreten.

Auf dem 70 ha großen Areal wurden nahezu 10 000 in der Normandie gefallene US-Soldaten bestattet. Was viele nicht wissen, sie liegen in amerikanischer Erde, denn das Gelände wurde an den amerikanischen Staat verkauft und wird von der American Battle Monuments Commission verwaltet.

Die Amerikaner brachten am Utha Beach und hier am Omaha Beach drei Divisionen an Land. In einzelnen Abschnitten des Omaha Beach mussten sie die größten Verluste des gesamten Landeunternehmens verkraften. Dafür gab es mehrere Gründe: Die abgesetzten Luftlandeeinheiten waren kaum einsatzfähig und die Bomber verfehlten ebenfalls ihre Ziele, so dass die Küstenbatterien zum Zeitpunkt der Landung weitgehend einsatzfähig waren und ein Vorrücken der Amerikaner verhinderten. Hinzu kam, dass die einzelnen Truppenteile an falschen, ihnen unbekannten Strandabschnitten abgesetzt wurden, so dass sie die konkrete Lage nicht kannten. Doch der ungeheuren Menge an Mannschaft und Material, die den Tag über in zig Wellen angelandet wurde, konnte die Wehrmacht auf Dauer nichts entgegensetzen. Den Amerikanern gelang an immer mehr Stellen der Durchbruch und am 7. Juni brach der deutsche Widerstand vollständig zusammen.

Am Rand des Gräberfeldes waren immer wieder Blumen niedergelegt worden. Diese einsame Rosenblüte zog meinen Blick magisch an.

Unweit des Soldatenfriedhofes liegt das Overlord Museum, das mit Informationen zur Invasion der Alliierten und speziell zur Landung der amerikanischen Einheiten aufwartet. Vor dem Museum sind unterschiedliche Panzertypen aufgestellt, die am D-Day zum Einsatz kamen sowie eine deutsche Flak.

Die Landungsstrände 1

Mai 2024

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des D-Day und der Operation Overlord. Entlang der Cote de Nacre besuchten wir von Quistreham bis Omaha Beach einige uns wichtige Gedenkorte.

Ich hatte mir zwar vorgenommen, mich mit Zahlen zurückzuhalten, doch ganz ohne geht es dann doch nicht, wenn man die Dimension der alliierten Landung auch nur erahnen möchte. Am D-Day, dem ersten Tag der Invasion an der normannischen Küste, wurden 3 amerikanische, 2 britische und 1 kanadisch Divisionen, zusammen ca. 170 000 Soldaten samt Gerätschaften und Fahrzeugen angelandet. Unter der ersten Landungswelle gab es die meisten Gefallenen. Es gab Einheiten bei denen kaum die Hälfte die erste Stunde überlebte. Insgesamt werden die Verluste der Alliierten für den ersten Tag mit 10 000 Mann beziffert. Dass die Verluste nicht noch höher ausfielen war der Fehleinschätzung der deutschen Obersten Heeresleitung zu verdanken, die noch am zweiten Tag nach der Offensive von einem Scheinangriff ausging. Doch möchte ich hier nicht weiter auf die Kampfhandlungen eingehen. Wer sich dafür interessiert, findet genügend Literatur.

Am Sword Beach, dem östlichen der beiden englischen Landungsstrände, besuchten wir das Denkmal des schottischen Dudelsackspielers Bill Millin, der während der Landung die Befehle seines schottischen Vorgesetzten blies.

Im Strandabschnitt dazwischen, dem Juno Beach, landete eine kanadische Division. Die Abwehr der Deutschen war hier besonders heftig, so dass die Kanadier mit die höchsten Verluste an diesem Tag zu beklagen hatten. Dennoch waren sie es, die als einzige bis ins Hinterland vorstießen und die gesetzten Tagesziele erreichten.

Wir besuchten den Soldatenfriedhof „Ryes War Cemetery“ nahe der Ortschaft Brazenville. Hier sind 653 Commonwealth Soldaten, ein polnischer Soldat und 335 deutsche Soldaten begraben. Der Friedhof wird von der Commonwealth War Graves Commission betreut und stellt eine Besonderheit dar, denn auf den meisten Soldatenfriedhöfen der Umgebung liegen Gefallene einer Nationalität. Insgesamt wurden auf Soldatenfriedhöfen im Umfeld der Landungsstrände 32 807 Alliierte und 77 866 Deutsche bestattet.

Die Küstenbatterie bei Longues-sur-Mer war unser nächstes Ziel. Die Batterie gehörte zu Rommels Atlantikwall und war eine bedeutende deutsche Abwehrstellung. Vier 150 mm-Geschütze konnten fast den gesamten Landungsbereich überstreichen. Sie wurden von einem vorgezogenen Kommandostand dirigiert. Flugabwehrgeschütze dienten dem Schutz der Batterie. Mehrere derartige Batterien waren entlang der Küste so platziert, dass sich ihre Schussfelder überdeckten. Diese Abwehrstellungen auszuschalten hatte für die Alliierten oberste Priorität, denn nur wenn dies gelang, konnte der weitere Nachschub relativ verlustfrei angelandet werden.

Wohl als Vorbereitung auf den Jahrestag besuchte auch eine französische Schulklasse die deutsche Abwehrstellung. Die Klasse war sehr diszipliniert und dennoch gewann ich den Eindruck, als ob für diese jungen SchülerInnen das Ganze eher dem Besuch auf einem Abendheuerspielplatz glich, als dass es dem Geschichtsverständnis diente. Denn dieses dürfte den meisten Jugendlichen dieses Alters abgehen.

Eine weitere Beobachtung hat mich irritiert. An der Zugangsstraße parkte eine vermeintlich restaurierte Seitenwagenmaschine aus Kriegstagen. Dem Aufdruck nach zu urteilen, handelte es sich um ein Mietfahrzeug. Offensichtlich kann man solche Fahrzeuge nebst Militärklamotten mieten, um damit die „Straße der Befreiung“ abzufahren. Jetzt erst konnte ich ein Graffiti einordnen, das ich Stunden zuvor am Straßenrand gelesen hatte „Krieg ist keine Show“. Schon länger sahen wir Männer in Uniformen mit Jeeps in Originallackierung aus Kriegstagen über die Straßen patroulieren. Ist das die Erinnerungskultur die wir brauchen? Es ist mir völlig unverständlich, was in der Birne solcher Typen abgeht. Ich empfinde dieses Theater als absolute Respektlosigkeit gegenüber den Gefallenen.