Ludwigs Erbe

Dieser Tage waren wir wieder einmal am Bodensee unterwegs. Da die Städte Meersburg und Überlingen recht überlaufen sind, steuerten wir für einen Spaziergang am Seeufer die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen an. Der Ort hat mit seinem alten badischen Zollhaus nicht nur historisch, sondern auch künstlerisch etwas zu bieten. Dazu trägt insbesondere der ortsansässige Künstler Peter Lenk bei.

Bekannt ist Lenk für seine gewaltigen Plastiken aus Gussbeton mit denen er in satirischer Weise auf Missstände in der Gesellschaft hinweisen möchte. Insbesondere im süddeutschen Raum sind seine Kunstwerke weit verbreitet. So hat er 2008 mit dem Triptychon „Ludwigs Erbe“ die Außenwand der öffentlichen Toilette am alten badischen Zollhaus in seiner Heimatstadt Ludwigshafen am Bodensee gestaltet. In der für ihn typischen Weise setzte er sich mit der Entwicklung des Ortes bis in die Neuzeit auseinander.

Wegen der nackten Darstellung namhafter Größen aus Politik, Wirtschaft und Kirche sorgte insbesondere die dritte Tafel des Werkes bundesweit für Wirbel. So erkennt man unter dem Banner „Global Players“ Hans Eichel, Gerhard Schröder, Angela Merkel, Edmund Stoiber und Guido Westerwelle, die sich an die Geschlechtsteile fassen. Weiterhin sind bekannte Top-Manager abgebildet, die im Geld baden. Dargestellt sind Josef Ackermann, Daimler-Chef Dieter Zetsche mit Schwurhand, der ehemalige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und Ex-EnBW-Chef Utz Claassen.

In Ludwigshafen gibt es aber noch mehr zu bestaunen, so dass sich ein Besuch allemal lohnt und ein gutes Restaurant ist auch gleich um die Ecke.

Berlin, East Side Gallery

IMG_7095

Nach dem Mauerfall am 9.11.1989 nahmen noch im selben Jahr die Kunstverbände der BRD und der DDR Gespräche auf. Mit dem Zusammenschluss beider Verbände wurde als erstes gemeinsames Projekt die Bemalung der Mauer in der Mühlstraße beschlossen.

IMG_7072

Hieraus resultierte der offizielle Auftrag des Ministerrats der DDR zur Schaffung der East Side Gallery in der Mühlstraße.

IMG_7068

Hierzu wurden 118 Künstler aus 21 Ländern eingeladen, die insgesamt 106 Bilder direkt auf die bestehende Mauer auftrugen.

Am 28.09.1990 wurde die Galerie eröffnet und bereits 1991 unter Denkmalschutz gestellt.

IMG_7083

Auf der Homepage der Interessenvertretung East Side Gallery steht unter anderem:

„Die East Side Gallery versteht sich als Denkmal für den Fall der Mauer und der friedlichen Überwindung von Grenzen und Konventionen zwischen Gesellschaften und Menschen …“.

IMG_7081

Es ist an der Zeit, dass wir uns auf diese kluge Formulierung besinnen, denn heute werden wieder mehr Mauern hochgezogen als eingerissen.

IMG_7100

Die Bodenspekulation ist zum Beispiel eine solche Mauer, die dazu geeignet ist, unsere Gesellschaft zu spalten. So wurde trotz Denkmalschutz ein Mauerstück entfernt, um Platz für ein Appartementhochhaus mit freiem Blick und freiem Zugang zum Spreeufer zu schaffen. Die East Side Gallery scheint trotz ihrer historischen und gesellschaftlichen Bedeutung durchaus gefährdet.

Wo die jeweiligen Mauern verlaufen, ist jedoch nicht immer eindeutig auszumachen.

IMG_7049

Dies zeigt auch der Blick zu den Konzernzentralen auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

IMG_7058

Insgesamt scheint mir die East Side Gallery mehr ein Mahnmal für die Gegenwart und Zukunft zu sein, denn als rückgewandte Gedenkstätte.

IMG_7065

Ein Besuch der längsten Open Air Gallrey der Welt ist jedem dringend anzuraten.

IMG_7077

Die Sprayer von Istanbul

Das alte Quartier, das sich unterhalb vom Galataturm entlang dem Goldenen Horn erstreckt, ist den Bodenspekulanten ausgeliefert. Trotz katastrophaler Zustände wohnen in den vom Zerfall bedrohten Häusern noch immer Menschen. Die Sprayer haben dem Quartier ein Stück weit die Tristesse genommen und ihm eine neue Identität gegeben. Damit wurde das Leben im Quartier etwas erträglicher.

 

Klicke auf ein beliebiges Bild, um die Diashow zu starten.