Die Kaiserstadt

Tangermünde wurde auf einer Endmoräne über dem linken Elbufer hochwassersicher erbaut. Die erste urkundliche Erwähnung der Stadt geht auf das Jahr 1275 zurück. Doch bereits um 1000 existierte dort eine Burganlage. In den Jahren 1373 bis 1378 war Tangermünde Zweitsitz von Kaiser Karl IV. Deshalb schmückt man sich heute mit dem Prädikat Kaiserstadt.

Das Neustädter Tor zählt zu den schönsten mittelalterlichen Toranlagen Norddeutschlands und verkörpert einiges an Geschichte. Der rechte, eckige Turm wurde um 1300 erbaut während der Rundturm links und der Mittelbau erst 1450 errichtet wurden. Die Wappen über der Durchfahrt wurden erst 1897 angebracht und zeigen unter anderem in der Mitte den Tangermünder Adler und ganz rechts den Brandenburgischen Adler.

Seine Blütezeit hatte Tangermünde im 15. Jahrhundert als Hansestadt. Aus dieser Zeit stammt auch das Rathaus, ein Prunkstück norddeutscher Backsteingotik. Die Bedeutung der Stadt schwand, als die brandenburgischen Kurfürsten ihrer Residenz nach Berlin verlegten.

Ein Großfeuer zerstörte 1617 die Stadt. Danach wurde sie mit prächtigen Fachwerkhäusern neu errichtet. Da im 2. Weltkrieg in Tangermünde nur wenig zerstört wurde, blieb das geschlossene Stadtbild bis heute erhalten. Zwar litt die Bausubstanz während der DDR-Zeit erheblich, doch nach der Wende erfolgte die Sanierung.

Grete Minde: Teodor Fontane machte mit seiner gleichnamigen Novelle unvergessen, wie Menschen am Rande der Gesellschaft zu Sündenböcken gemacht und mit unglaublicher Grausamkeit verfolgt werden. Wenn dann noch ein Erbefall im Spiel ist, sind alle Zutaten für kriminelle Machenschaften gegeben. Bis heute hat sich daran nicht viel geändert.

Grete Minde wurde für den Stadtbrand von 1617 verantwortlich gemacht, obgleich sie nachweislich unschuldig war. Nach einem Foltergeständnis endete sie zwei Jahre später auf dem Scheiterhaufen.

untere Havel

Unsere Fahrt durchs Havelland ging von Brandenburg an der Havel die B102 nordwärts bis Premnitz und dann hinüber zur L96 durchs Milower Land bis Havelberg. Kennzeichnend ist hier die weit verzweigte Havel, die immer wieder weite Flächen unter Wasser setzt. Ein Paradies für Wasservögel aller Art.

Diese Aufnahmen zeigen einen Nebenarm der Havel im Milower Land. Boote gehören hier zu jedem Haushalt.

Die geschmückten Osterbäume sind im Havelland eine alte Tradition. Besonders gut gemeint hat es diese Hausgemeinschaft in Wulkau, die gleich eine ganze Hasenfamilie präsentierte.

Das Städtchen Havelberg unweit der Mündung der Havel in die Elbe wurde zum Wendepunkt für unseren Kurztrip. Auf der Campinginsel fanden wir einen netten Platz mit tiefenentspanntem Platzwart – sehr angenehm! Eine neue Fußgängerbrücke bindet den Campingplatz optimal an das Städtchen an.

Havelberg: Kopfsteinpflaster, Fachwerkhäuser und alte Ziegelbauten, Pegelturm und Osterschmuck zeigen die historischen Wurzeln im ländlichen Raum von Brandenburg und Sachsen-Anhalt.

Moritzburg

In der Umgebung Dresdens sind zahlreiche Ausflüge möglich. Nachfolgend zwei Beispiele.

Per Rad oder mit dem Schiff folgt man dem Lauf der Elbe flussauf. Bereits nach wenigen Kilometern kommen am Loschwitzer Elbhang drei Elbschlösser in Sicht. Hier, vor den Toren Dresdens, in bester Aussichtslage, ließ sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts der preußische Adel nieder. Das mittlere, das Lingnerschloss, wurde 1850 vom Freiherr von Stockhausen errichtet. 1891 ging die Villa Stockhausen an einen Dresdner Industriellen über. Dieser veräußerte diese 1906 an den „Odolkönig“ Karl August Lingner, der das Anwesen 1916 an die Stadt Dresden vererbte. Die Erbschaft war mit der Auflage verbunden, das Anwesen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Ansätze hierfür gibt es erst seit der Wiedervereinigung im Herbst 1990. Wer mehr über das Lingnerschloss erfahren möchte, kann sich hier informieren.

Hinter der nächsten Flussbiegung kommt Dresdens „Blaues Wunder“, die Loschwitzer Brücke, in Sicht. Die 296 m lange Brücke wurde 1893 in Betrieb genommen. Aus damaliger Sicht ist die Bezeichnung „Wunder“ verständlich, denn die aus 3800 Tonnen Stahl und 97 Tonnen Nieten gefertigte Brücke war die erste Flussbrücke Europas, die ohne Strompfeiler auskam.

Das Blaue Wunder verbindet die Ortschaften Blasewitz und Loschwitz. An den beiden Brückenköpfen befinden sich viel besuchte Biergärten, die insbesondere bei lauem Ausflugswetter zur Rast einladen. Auf der Loschwitzer Seite führt die 1895 erbaute Standseilbahn, die älteste der Welt, hinauf in die Siedlung „Weißer Hirschen“. Von der Bergstation hat man einen schönen Blick auf die Elbe.

Eine weitere Ausflugsmöglichkeit bietet das barocke Jagdschloss Moritzburg. Ihm wird nachgesagt, das schönste Wasserschloss Sachsens zu sein.

Herzog Moritz lies 1542 im Sumpfgebiet des Friedewaldes ein Jagddomiziel errichten. Von August dem Starken wurde es zum barocken Jagdschloss mit einer ausgedehnten Teichlandschaft, prachtvollen Parkanlagen und umfangreichen Wildgehegen umgebaut.

Das Schloss diente für ausschweifende Feste, Jagden und Bankette und als außereheliches Lustschloss. Ein Beispiel: Im Sommer 1718 zelebrierte August zum Empfang seiner Mätresse, Magdalena von Dönhoff, ein dreitägiges Fest. Dabei wurden 330 Enten, 179 Rothirsche, 27 Wildschweine, 20 Gänse, 18 Rehe, 1 Hase und 1 Fuchs erlegt.

Nach dem 2. Weltkrieg ging das Schloss in Staatseigentum über.

Frauenkirche Dresden

Die Frauenkirche ist das symbolträchtigste Wahrzeichen Dresdens. Sie steht für Frieden, Versöhnung und Wiederaufbau. Der barocke Bau mit klassizistischen Einflüssen wurde 1726 bis 1743 nach einem Entwurf von George Bähr erbaut. Vorläuferkirchen lassen sich bis ins Jahr 1020 zurückverfolgen. Der Wiederaufbau der im 2. Weltkrieg völlig zerstörten Kirche erfolgte von 1996 bis 2005. Die Baukosten in Höhe von rund 200 Millionen € wurden zu 2/3 aus Spendengelder aus der ganzen Welt aufgebracht.

Bei der Frauenkirche handelt es sich um einen der größten Sandsteinbauten weltweit. Insbesondere die Statik der steinernen Kuppel war eine Herausforderung. Die aus 12 300 Tonnen Sandstein bestehende Kuppel gilt als bedeutendster Kuppelbau nördlich der Alpen. Die Gesamthöhe der Kirche bringt es auf über 91 m.

Vor der Kirche, auf dem Neumarkt, lädt das beeindruckende Lutherdenkmal, das von Adolf Donndorf gestaltet und 1885 aufgestellt wurde, zum Sitzen ein.

Das Kircheninnere, ein beeindruckender Rundbau, weist durchaus Parallelen zu einem Opernhaus auf. Der Blick wird von der grandiosen Weite der Kuppel förmlich nach oben gezogen.

Empfehlenswert ist der Aufstieg zur Aussichtsplattform in 67 m Höhe. Über enger werdende Treppen geht es aufwärts. Nur auf einem kurzen Abschnitt kann man die bequeme, 162 m lange Wendelrampe nutzen, die sich über 2,5 Umdrehungen nach oben schraubt und zum Transport von Baumaterialien konzipiert wurde. Wer die Mühen nicht scheut, wird mit einem genialen Panorama auf die Elbmetropole belohnt.

Besonders ansprechend fand ich den direkten Blick nach unten auf den Neumarkt, auf dessen Pflaster die Nachmittagssonne lange Schatten warf.

Beim Blick nach Osten erfasst man die dicht gestaffelten Wohnsilos der Pirnaisch Vorstadt. Einen bleibenden Eindruck aber hinterlässt mit Sicherheit das fantastische Panorama auf Dresdens Altstadt und die gegenüberliegende Neustadt, deren Ufer von der Elbe in einer weiten Kurve sanft umströmt wird.

Gerade bei Panoramen lohnt sich die Vergrößerung per Mausklick.

Dresdner Mosaik

Der Rahmen umfasst den sogenannten Canaletto-Blick. Dieser zeigt Dresden von der Frauenkirche bis zur Hofkirche und dem Residenzschloss. Über die Augustusbrücke führt der zentrale Zugang zur Dresdner Altstadt.

Hat man die Augustusbrücke hinter sich gelassen, steht man unmittelbar vor dem Schlossplatz auf altem Pflaster. Die Straßenbahn hat gerade noch genug Platz, um die Hofkirche mit einer kühnen S-Kurve in Richtung Semperoper zu umrunden. Von hier aus erschließt sich die Altstadt nach Belieben.

Während die Semperoper in der Morgensonne erstrahlte, lag der Zwinger – zumindest fotografisch – im totalen Schlagschatten. Es wurde mal wieder gebaut.

Bauen ist das entscheidende Stichwort. Mit der Altstadt Dresdens, wie wir sie heute kennen, ist der Name „August der Starke“ untrennbar verbunden. Als Kurfürst von Sachsen (1694-1733) und ab 1697 mit kurzer Unterbrechung auch König von Polen baute er Dresden zu einer barocken Metropole um, die von den Bedürfnissen höfischen Treibens und absolutistischer Selbstdarstellung geprägt war. Um sich an anderen Höfen und großer Baukunst ein Vorbild zu nehmen, schickte er seinen Landesbaumeister Pöppelmann durch halb Europa. Unter Augusts Regentschaft gelangte Dresden zu wirtschaftlicher und kultureller Blüte.

Der ausgeprägten Sammelleidenschaft August des Starken verdanken wir heute so grandiose Museen wie das „Grüne Gewölbe“, das sich im Residenzschloss befindet. Oben der kleine Innenhof, der heute mit einer Glaskuppel überdacht ist. Unten das moderne Treppenhaus.

Im Anschluss an das Schloss gelangt man in den Stallhof. Einst Reitturnieren vorbehalten, ist er heute ein Ort für kulturelle Veranstaltungen und natürlich auch eine Anlaufstelle für historische Stadtführungen (oben). Der „Lange Gang“ grenzt den Stallhof gegen den Schlossplatz ab. Auf dessen Außenwand befindet sich der berühmte Fürstenzug. Das 101 m lange Wandbild stellt die Geschichte des sächsischen Herrschergeschlechts Wettin in einem überlebensgroßen Reiterzug dar. Ursprünglich in Sgraffitotechnik gefertigt, wurde das verblassende Bildnis anfangs des 19. Jahrhunderts auf 24000 Meißner Porzellankacheln übertragen.

Auf dem Weg zum Neumarkt passierten wir einen Laden der „Kexerei“. Hier werden allerlei verführerische Kekse produziert und verkauft. Als besonderer Exportschlager gilt natürlich der Dresdner Stollen.

Obwohl Dresden in diesen Märztagen nur schwach besucht war, zeigte sich auf dem Neumarkt, dem Herzen der Altstadt, zögerlich etwas Leben. Sogar ein Seifenblasenkünstler nutzte den eiskalten Wind für seine kurzlebigen Kreationen.

Das 1586 im Renaissancestil erbaute Johanneum (oben), einst Stallung des Hofes, beherbergt heute das Sächsische Verkehrsmuseum. Dem wohl berühmtesten Bauwerk am Neumarkt, der Frauenkirche, werde ich einen eigenen Beitrag widmen.

Unten an der Elbe angekommen hat man vom Brühlschen Garten aus einen schönen Blick auf das Albertinum, heute die Heimat der „Galerie Neuer Meister“. Im Licht der Morgensonne geriet die Aufnahme unweigerlich zum Selfie. Der Weg zurück zur Augustusbrücke führt über die Brühlsche Terrasse, den Aussichtsbalkon am Elbufer. Von hier geht es über eine breite Freitreppe hinab zum Schlossplatz, womit sich der Rundgang schließt.

Abschließender Gedanke:

Was man heute von Dresdens Altstadt sieht wurde nach dem 2. Weltkrieg originalgetreu rekonstruiert, denn die Bombenangriffe am 13./14. Februar 1945 legten die Stadt in Schutt und Asche. Diese Rekonstruktion, die auch heute noch nicht vollständig abgeschlossen ist, war durchaus umstritten. Zu verstehen ist diese gewaltige Kraftanstrengung als trotziges Zeichen, sich von Krieg und Gewalt nicht der eigenen Geschichte und damit seiner Identität berauben zu lassen. Diese Botschaft, die von Dresden ausgeht, hat heute leider wieder an Aktualität gewonnen.

Dresden, wenn der Tag erwacht

Von den Elbwiesen aus hat man zu jeder Tageszeit einen herrlichen Blick auf die Altstadt. Als Fotograf schätzt man natürlich das Morgenlicht. Die Sonne hatte es noch nicht über den Horizont geschafft, als ich den ersten Platz für mein Stativ gefunden hatte.

Als Dresden im Licht der aufgehenden Sonne erstrahlte, verblasste der Mond.

Für alle, die es wissen wollen, die Türme gehören von links: Dem Ständehaus, dem Stallhof, zum Residenzschloss und zur Hofkirche.

Von der Carolabrücke aus überblickt man die komplette Skyline von Elb-Florenz. Unteres Bild links beginnend: Die Kunstakademie mit der „Zitronenpresse“, dahinter die Frauenkirche, Sekundogenitur (helles Gebäude), Ständehaus, Turm des Residenzschlosses, Schlosskirche, Augustusbrücke und darüber Teile des Zwingers sowie die Semperoper.

Von der Augustusbrücke aus ist linker Hand der Stallhof zu sehen, es folgt die Hofkirche, der Zwinger und die Semperoper, davor das italienische Dörfchen gefolgt vom Basteischlösschen.